Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht

In schöner Regelmäßigkeit schreibt Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) an seiner Krimireihe über den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano weiter. Mit „Eine Stimme in der Nacht – Commissario Montalbano hört auf sein Gewissen“ erschien am 27. April 2018 der zwanzigste Band bei Bastei Lübbe. Rita Seuß und Walter Kögler übersetzten ihn aus dem Italienischen. Den Krimi mit dem Originaltitel „Una voce di notte“ verfasste Camilleri allerdings schon 2012.

Ausgerechnet an seinem 58. Geburtstag muss Commissario Salvo Montalbano sich zuerst mit einem Verkehrsrowdy und dann mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Piano Lanterna, bei dem die Tageseinnahmen gestohlen wurden, beschäftigen. Der Verkehrsrowdy, Giovanni Strangio, entpuppt sich als Sohn des Provinzpräsidenten Michele Strangio, der ihm sogleich den Anwalt Nullo Manenti auf den Hals hetzt.

Bei den Ermittlungen zum Raubüberfall auf den Supermarkt, der offenbar von der Mafia, dem Cuffaro-Clan, kontrolliert wird, stoßen Montalbano und sein Vize Mimì Augello auf Ungereimtheiten in der Aussage des Supermarktleiters Guido Borsellino. In einem Verhör bringen die beiden den Supermarktleiter in arge Bedrängnis. Am folgenden Abend wird er erhängt in seinem Büro aufgefunden. Alles deutet zunächst auf einen Selbstmord hin, quasi als Schuldeingeständnis. Borsellini hatte als Buchhalter für den Cuffaro-Clan gearbeitet und war von dem Abgeordneten Gaetano Mongibello als Supermarktleiter eingestellt worden.

Natürlich wird Montalbano zu seinem Vorgesetzten Signor Questore Bonetti-Alderighi zitiert, der einen Skandal vermeiden will. Und natürlich ermittelt Montalbano auf seine Art und Weise weiter.

Er und seine Mitarbeiter Augello und Fazio glauben nicht an einen Selbstmord Borsellinis. Ein Wachmann, der zum Zeitpunkt des Einbruchs Dienst hatte, verschwindet und wird später ebenfalls tot aufgefunden. Die Ermittler entdecken ein Aufnahmegerät, auf dem Borsellini Gespräche aufgezeichnet hat.

Dann erscheint Giovanni Strangio auf dem Kommissariat in Vigàta und meldet den Fund der Leiche seiner Lebensgefährtin Mariangela Carlesimo in ihrer gemeinsamen Wohnung. Als Alibi gibt er eine Geschäftsreise nach Rom an.

Entgegen aller Widerstände versucht Montalbano, die Schuldigen zu ermitteln. Nach fingierten Telefonanrufen, einem Selbstmord, an dem Montalbano nicht unschuldig ist, der Mithilfe des Leiters der Terrorabwehr, Sponses, und einem weiteren Mord sind die Fälle gelöst.

Da ist er wieder der typische Camilleri-Sound und die bewährten Zutaten der Krimireihe: die herrlichen Dialoge zwischen Montalbano und seiner Langzeitverlobten Livia oder die mit seinem Vorzimmer-Polizisten Catarella, die Kochkünste von Adelina und Enzo, die Scheingefechte mit dem Polizeipräsidenten, die unermüdliche Detailarbeit von Fazio und die Abende auf der Terrasse in Marinella.

Auch im zwanzigsten Teil der Reihe kommt keine Langeweile bei den Lesenden auf, zu wendungsreich und spannend erzählt Camilleri die Geschichte. Zu warmherzig und humorvoll zeichnet er seine Figuren, allen voran den unbeirrbaren Commissario Montalbano.

Andrea Camilleri hält seinem Land einmal mehr den Spiegel vor. Er zeigt auf den Sumpf aus Geschäften der Mafia und korrupten Politiker. Das undurchsichtige Geflecht aus organisierter Kriminalität lässt auch seinen Commissario zu nicht legalen Mitteln greifen, die ein Menschenleben kosten. Und trotz aller Gewissensbisse kommt Montalbano am Ende zu der Einschätzung, „dass es alles in allem gar nicht besser hätte laufen können.“

Montalbano-Fans werden „Eine Stimme in der Nacht“ lieben und jedem Erstlesenden sei die Reihe wärmstens empfohlen.

Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht.
Bastei Lübbe, April 2018.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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