Victoria Selman: Sieben Opfer

London zur Hauptverkehrszeit: Ein vollbesetzter Personenzug rast gegen einen entgleisten Tankwagen. Im explodierenden Personenzug ist Ziba MacKenzie, Profilerin beim Scotland Yard und durch diverse Einsätze in Sonderkommandos bestens ausgebildet für Krisensituationen. So zögert sie nicht lange und beginnt unverzüglich, den verletzten Menschen um sie herum zu helfen. Dabei richtet eine sterbende Frau ihre letzten Worte an Ziba: „Er hat es getan. Sie müssen es jemandem sagen!“

Diese Botschaft lässt Ziba nicht mehr los, auch nicht, als sie am nächsten Morgen einen Anruf bekommt. Scotland Yard braucht ihre Hilfe: Eine Leiche ist gefunden worden und scheint das nächste Opfer eines Serienmörders zu sein, dessen letzte Tat 25 Jahre zurückliegt. Ziba nimmt den Auftrag an. Zum einen ist sie dankbar für Ablenkung, weil vor einiger Zeit ihr Ehemann gestorben ist, und zum anderen hofft sie, mit Zugang zu den behördlichen Datenbanken vielleicht etwas mehr über die Frau aus dem Zug herausfinden zu können. Damit beginnt für Ziba die Jagd nach dem „Lacerator-Killer“ – und schon bald zeigt sich, dass eine Verbindung zu der geheimnisvollen letzten Botschaft zu bestehen scheint.

Victoria Selman präsentiert mit „Sieben Opfer“ nach einigen Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien ihren ersten Roman. Die Londoner Journalistin schreibt für verschiedene Zeitungen und konnte in ihrer britischen Heimat gleich mit ihrem Debüt einen Bestseller landen. Band zwei und drei der Reihe um Ziba MacKenzie sind in Großbritannien bereits 2019 und 2020 erschienen.

Dass Selman sich in London gut auskennt, merkt man ihrem Buch an. Lebhaft schildert sie verschiedene Schauplätze, und wer schon einmal in der englischen Hauptstadt war, findet sich schnell zurückversetzt in die Atmosphäre der Stadt. Mit Ziba MacKenzie erschafft Selman einen Prototypen des knallharten, aber nach einem Schicksalsschlag gebrochenen Ermittlers. Da es sich diesmal aber um eine kleine, zierliche Frau handelt, ist die Figur trotzdem sympathisch und macht es dem Leser leicht, sich mit ihr zu identifizieren.

Selmans Schreibstil ist angenehm und die Seiten sind äußerst schnell gelesen. Allerdings ist „Sieben Opfer“ zum Teil wirklich düsterer Lesestoff. Selman scheut kein Thema, selbst wenn es sich um tiefste menschliche Abgründe handelt. Reagiert man beispielsweise auf Schilderungen von Gewalt an Kindern etwas empfindlicher, sind einige Passagen nicht so einfach zu verdauen.

Mir persönlich geht es so, trotzdem habe ich das Buch bis zur letzten Seite weitergelesen. Dies lag wohl daran, dass Selman es hervorragend versteht, mit den Verdachtsmomenten des Lesers zu spielen. Gezielt streut sie verschiedene halb-versteckte Hinweise und Indizien ein, die auf die eine oder andere Fährte locken. So ist „Sieben Opfer“ bis zur Auflösung ein echter Page-Turner.

Nach „Sieben Opfer“ sollen im Goldmann-Verlag auch Selmans weitere Bücher der MacKenzie-Serie erscheinen, als nächstes folgt „Drei Gräber“ im März 2022.

Victoria Selman: Sieben Opfer.
Aus dem Englischen übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger.
Goldmann, Januar 2022.
448 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sarah Beumer.

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