Ursula Poznanski: Erebos 2

Das Computerspiel Erebos war schon vor Jahren kein Spiel, es war eine Bedrohung mit weitreichenden Folgen für alle Mitspieler.
Eine Spielregel lautet: Mit niemandem über Erebos reden.
Auch heute, bei seiner unerwarteten Rückkehr, ist Erebos kein Spiel.

Für den Schüler Derek sieht es wie ein virtuelles Abenteuer aus, bei dem er mit seltsamen Wesen für bessere Waffen und Fähigkeiten kämpft. Jedes weitere Abenteuer wird gefährlicher. Aber auch Erebos‘ Aufträge in der realen Welt haben es in sich. Sie bringen ihn mit überzeugenden Argumenten zum Lügen, Stehlen und Betrug. Ohne es anfangs zu bemerken, entwickelt sich für Derek die virtuelle Welt voller Gefahren und Tod realer als der Alltag. Und als er es begreift, ist es für ihn zu spät. Erebos hat ihn fest im Griff.

Nick, der Spielveteran, wird ebenfalls von Erebos überrascht. Weil der Abschluss eines Fotoauftrags vom Mitspielen abhängig gemacht wird, entsteht für ihn eine Zwangslage. Egal, was er versucht, jedes weitere Spiel, jeder neue Auftrag raubt ihm Freiheit und Lebenszeit, die er besser für das Studium und seine Jobs nutzen könnte. Deshalb wachsen von Tag zu Tag Nicks Schwierigkeiten in der realen und virtuellen Welt. „… Das Smartphone in der Jackentasche fühlte sich wie ein Sprengsatz an, … doch jetzt musste er erst mal erreichbar bleiben. Für beide Welten.“ (S. 268)

Die erfolgreiche Autorin Ursula Poznanski hat in ihrem aktuellen Thriller für Jugendliche mehrere Themen zusammengefügt, die extrem beliebt sind. Ein brutales Computerspiel, Elemente aus dem Genre Fantasy und junge Menschen, die in einer Falle stecken. Aus dem gelungenen Mix ist eine packende Lektüre geworden.

Das Rätsel, wer oder was hinter Erebos steckt, will ebenfalls gelöst werden. Im ersten Roman über Erebos gelang es Nick, das Spiel zu beenden, während seine Kampfgefährten auf der Strecke blieben. Im packenden Fortsetzungsroman trifft der Veteran Nick auf eine verbesserte Version, die skrupellos in sein Leben eingreift. Wer mitspielt, wer eine entscheidende Rolle hat und welches Ziel Erebos verfolgt, dies sind nur einige der entscheidenden Fragen.

Die Botschaft der Autorin wird jedoch indirekt beantwortet. Keiner will durch eine Sucht oder Übermacht seine Freiheit verlieren. Auch wenn die Hintergründe manches plausibel erscheinen lassen.

Wie öffentlich der private Raum geworden ist, schreckt auf. Doch was wäre die Konsequenz, wenn alles im Leben ohne Computer, Internet und Handy nicht mehr funktionieren würde? Andererseits: Man könnte diese Öffentlichkeit nutzen, um die bösen Buben ohne Umweg anzuklagen.

Ursula Poznanski: Erebos 2.
Loewe, August 2019.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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