D. Graf & K. Seide: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, gelesen von N. West

Das Alter zwischen fünf und zehn Jahren ist, so die Autorinnen, ein immens wichtiger Entwicklungsabschnitt, dem in der Fachliteratur aber häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Lücke wollen Danielle Graf und Katja Seide – Betreiberinnen des beliebten Blogs www.gewuenschtestes-wunschkind.de – mit dem vorliegenden Hörbuch schließen. Durch die bedürfnis – und beziehungsorientierte Erziehung, für die sie stehen, soll es möglich werden, dass innerhalb der Familie gleichermaßen auf die Bedürfnisse aller geachtet wird. Es geht darum,  Kompromisse einzugehen, sodass niemand zurückstecken muss. Wie das funktionieren kann zeigen sie kenntnisreich und unter Einbeziehung von Fachliteratur. Sie liefern anschauliche, sehr konkrete  und nachvollziehbare Praxisbeispiele basierend auf den Leserbriefen zu ihrem Blog.

Die Bedürfnis- und Beziehungsorientierung hat häufig einen schlechten Ruf. Ihr wird nachgesagt, die Kinder würden dadurch zu Tyrannen, zu Arschloch-Kindern herangezogen. Weiterlesen

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Jesper Juul: Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie

Wieso Wölfe, werden Sie sich beim Lesen des Titels vermutlich fragen. Wölfe, das klingt zunächst nach Alphatier und Aggression. Doch Jesper Juul beantwortet die Frage direkt zu Beginn durchaus plausibel: „Es ist für sie eine Überlebensfrage, ihrer Gruppe gut funktionierende Anführer zu sein und sie zusammenzuhalten. Ich denke, der Schlüssel für erfolgreiche Familien heißt bei Menschen wie Wölfen: Beziehung und Vertrauen.“ (Seite 18) Eltern sollen ihre Kinder führen, sprich klar sagen was sie wollen und was nicht. Besonders Frauen tun sich, laut Jesper Juul, mit dieser Aufgabe als Leitwolf jedoch schwer – viel schwerer als die Männer. Er ermutigt sie, ihr „wahres Selbst“ (Seite 77) zu entdecken und dabei die Angst zu bewältigen, als egozentrisch abgestempelt zu werden. Nur wenn sie „ihre persönlichen Grenzen und Bedürfnisse definieren (…) werden sie in der Lage sein, gesunde Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen, die im Gegenzug ebenfalls wachsen und gedeihen können durch die zusätzliche Unabhängigkeit (die Jungen) und durch ein gutes, verlässliches Vorbild (die Mädchen).“ (Seite 83) Weiterlesen

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Jan Weiler: Kühn hat Ärger, gelesen vom Autor

Drei Jahre nach seinem ersten Auftreten ermittelt Hauptkommissar Kühn wieder auf und um die (imaginäre) Münchner Weberhöhe herum: Die Leiche eines jungen ausländischen Mannes, Amir, wird an einer S-Bahn-Haltestelle erschlagen und äußerst übel zugerichtet aufgefunden. Eine rechtsorientierte Tat?

Die Ermittlungen führen Kühn und seinen Kollegen Steierer in die High Society Münchens, denn das Opfer war mit einem Mädchen aus gutem Haus zusammen. Neben dieser Krimihandlung, die – wie bereits im ersten Fall – oft zur Nebensache verkommt, wirft dieser Roman vor allem einen  ironischen, oft auch bissigen Blick auf die Münchner Schickeria. Besonders gelungen dabei fand ich die Beschreibungen des Hauses der van Hautens. Gut inszeniert auch der Kontrast zwischen dem vielleicht etwas biederen Kleinbürger Martin Kühn und der Welt der Schönen und Reichen  auf dem Sommerfest der Familie. Weiterlesen

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Monica Isakstuen: Elternteile

Was tun, wenn die Familie zerbricht? Wenn man die Zeit, die man mit seinem Kind verbringt, plötzlich aufteilen muss -„gleichwertig und klug“ (Seite 50) – , zwischen Vater und Mutter? Wenn man auf einmal entscheiden muss, bei wem die Tochter Weihnachten verbringt oder mit wem sie ihren Geburtstag feiern kann?

In Monica Isakstuens Roman blicken wir tief in die Gefühlswelt einer betroffenen Mutter. Was für eine Mutter ist sie, wenn ihre Tochter beim Vater ist? Ist sie dann überhaupt noch Mutter?

Eindrucksvoll, bisweilen poetisch, auf jeden Fall immer intensiv und nachdenklich stimmend ist die Lektüre ihres Romans „Elternteile“. Sie gibt damit allen Alleinerziehenden eine Stimme und zeigt, dass so eine Trennung nicht nur für das Kind, sondern auch für die Eltern eine Herausforderung ist. „Es ist kein Wettkampf. Aber ich will ihn gewinnen.“ ( Seite 59) Weiterlesen

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Jordan Harper: Die Rache der Polly McClusky

Polly McClusky ist 11 Jahre alt. Ein eher schüchternes Mädchen, in der Schule eine Einzelgängerin. Ihren Vater kennt sie kaum, da er seit Jahren im Gefängnis sitzt. Doch unvermittelt steht er vor ihr und setzt sein Leben für sie aufs Spiel. Im Gefängnis hat er ein Mitglied der Aryan Steel umgebracht – genauer gesagt den Bruder des Anführers – und nun ist auf Polly ein Kopfgeld ausgesetzt. Nate will um jeden Preis verhindern, dass sie einem Bandenmitglied in die Finger fällt. Und so beginnt eine wilde Flucht durch Kalifornien, bei der sich Vater und Tochter näher kommen.

Die Idee an sich ist nicht schlecht, ein schöner netter Road-Movie, eine etwas andere Vater-Tochter-Geschichte. Leider hapert es aber in der Umsetzung – sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der sprachlichen Ebene. Weiterlesen

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Tom Limes: Tick Tack Fuck. #echthartezeiten

„Ich hatte eigentlich schon ein völlig anderes Buch begonnen (allerdings auch reales Jugendbuch), als es mich auf dem Konzert von Heisskalt total riss. Ich wartete da inmitten vieler junger Leute zwischen Vorgruppe und Hauptact, als mir zwei junge Mädchen auf die Schulter tippten und fragten: ‚Sorry, können wir vor dich? Wir können sonst nicht richtig sehen.‘ Daraufhin sagte ich: ‚Klar, könnt ihr. Aber macht euch keine Sorgen, in wenigen Minuten wird hier nichts mehr sein, wie es gerade ist.‘ Sie schauten mich dankbar an und begriffen meine Worte, als wir wenige Sekunden nach Konzertbeginn mitten in einem pogenden Moshpit versanken. Da krallten sie sich an mir fest und ihre Stimmung wechselte von Überraschung über Irritation hin zu Begeisterung Weiterlesen

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Jørn Lier Horst: Winterfest

Ove Bakkerud fährt zu seiner Hütte in Stavern, um sie winterfest zu machen. Den ganzen Sommer schon freut er sich darauf. Dies ist sein Wochenende. Doch er findet seine Hütte aufgebrochen vor, alle Zimmer sind verwüstet. Und auch in den Nachbarhütten scheint eingebrochen worden zu sein – in einer brennt sogar noch Licht. Aber statt den Einbrecher zu überraschen, entdeckt Bakkerud eine Leiche.

Kommissar Wisting nimmt die Ermittlungen auf. Dann regnet es plötzlich tote schwarze Vögel vom Himmel – und es gibt eine weitere Leiche…

Horst hat mit seinem Kommissar William Wisting einen sympathischen Ermittler geschaffen, einen Teamplayer und Familienmenschen. Und damit ein überaus angenehmes Gegenstück zu den oft eigenbrötlerischen, manchmal beinahe antisozialen Kommissaren, die wir sonst – vor allem auch von den skandinavischen Krimis – gewöhnt sind. Weiterlesen

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Philip Norman: Paul McCartney

Mehr McCartney geht nicht. Auf fast 1000 Seiten liefert der Autor, der 2008 bereits eine John Lennon Biografie veröffentlichte, alles Wissenswerte über den Ex-Beatle. Dabei lernen wir nicht nur die öffentliche Person kennen, die für unvergessliche Lieder wie „Yesterday“ oder „Penny Lane“ sorgte, sondern die private gleichermaßen. Wie kam er zur Musik, wer beeinflusste ihn, wen liebte er, mit wem überwarf er sich? Norman lässt dafür unzählige Weggefährten zu Wort kommen – ehemalige Schulkameraden, Bandmitglieder und vor allem auch seine Familie. Er liefert interessante Hintergrundfakten zu den Songs der Beatles und bietet einen spannenden Einblick in das nicht immer ganz einfache Leben eines  Beatle. Wie nebenbei erhält man außerdem das Portrait eines halben Jahrhunderts Popgeschichte. Weiterlesen

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Andreas Föhr: Schwarzwasser

Als Kommissar Clemens Wallner, Chef der Kripo Miesbach, die Nachricht erhält, man habe die Leiche eines alten Mannes gefunden, bleibt ihm beinahe das Herz stehen: Sein 86-jähriger Großvater Manfred ist seit Stunden verschwunden.
Am Tatort angekommen stellt er erleichtert fest, dass Manfred wohlauf ist – er und Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner haben den Toten, einen Klaus Wartberg, entdeckt. Mit ihnen im Haus befindet sich eine junge Frau – mit der Tatwaffe in der Hand. Der Fall scheint klar. Doch schon bald stellt sich heraus, dass der Ermordete gar nicht tot sein dürfte. Ihn hat es nämlich nie gegeben. Seine Papiere sind gut gemachte Fälschungen. Wer also war der Tote wirklich? Was verbindet ihn mit der jungen Frau? Und warum musste er eine andere Identität annehmen? Weiterlesen

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Kristina Ohlsson: Schwesterherz

An einem verregneten Tag – wie es in dem Thriller eigentlich überhaupt fast immer regnet – kommt ein verzweifelter Mann in das Büro von Martin Benner und bittet den Anwalt, einen Fall zu übernehmen. Den seiner Schwester, der fünffachen Serienmörderin Sara Texas. Obwohl sich diese selbst getötet hat, soll Benner posthum ihre Unschuld beweisen. Er sträubt sich zunächst dagegen zu ermitteln, wird aber zunehmend mehr und mehr in den Fall verwickelt.

„Schwesterherz“ bildet den Auftakt des Zweiteilers um den Anwalt Martin Benner, der jedoch eher wie ein Privatdetektiv operiert. Und da sind wir schon bei dem ersten Aspekt, der mich an dem Buch gestört hat. Ich bin mit der Hauptfigur einfach nicht warm geworden: Martin Benner ist ein unsympathischer, arroganter, selbstverliebter Schnösel. Weiterlesen

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