Ellen Alpsten: Die Zarin

Der Titel führt den Leser auf die richtige Spur: Der Roman hat sich eine der großen Figuren der Weltgeschichte zum Thema gesucht: Katharina die I. Sie war nach dem Tod von Peter dem Großen für zwei Jahre die Kaiserin oder eben Zarin von Russland. Der Roman führt den Leser zu Beginn (leider in einem Prolog) an das Sterbebett des großen aber auch brutalen Zaren. Der Leser erlebt diese Situation und die gesamte Handlung des Buches aus der Ich-Perspektive Katharinas. Das Ableben des Zaren hinterlässt ein Macht-Vakuum in Sankt Petersburg des Jahres 1725. Katharina berät sich mit Fürst Menschikow, wie sie die Regierung des Zarenreiches in den eigenen Händen behalten kann.

Mit dem Ende des Prologs schlägt der Beginn des ersten Kapitels  eine zeitliche Rückblende und räumlichen Bogen zur jugendlichen Katharina irgendwo in Litauen. Der Leser, der sich gerade auf die eingangs genannte Situation eingelassen hat, darf sich neu orientieren.

Die Autorin erzählt die Geschichte dieser beeindruckenden Frau auf der Grundlage geschichtlicher Daten. Katharina wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Damals hieß sie noch Martha. Später heiratet sie einen schwedischen Soldaten und wurde nach dem Tod ihres Mannes mit dem Fürst Menschikow bekannt. Weiterlesen

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Dr. Chris Napier: Lauftraining: Die Anatomie verstehen

Statistiken belegen: Rund 22 Millionen Menschen verbringen wenigstens ab und an ihre Freizeit mit dem Laufen. Ich gehöre auch zu ihnen. Das Laufen ist für mich ein wichtiger Ausgleich für meine eher im Sitzen stattfindende berufliche Beschäftigung. Ich liebe das Laufen, weil es ohne große Umstände durchzuführen ist, weil es mich in die Natur bringt und es meiner Gesundheit zuträglich ist.

„Lauftraining“ von Dr. Napier hat den Anspruch, dem Leser einen anatomischen Rundumblick auf das Laufen zu vermitteln. Tatsächlich ist dies jedoch nur ein Aspekt, den das Buch leistet. Es stellt zudem die Diskussion der Vor- und Nachteile von Laufen auf eine wissenschaftliche, faktenbasierte Ebene. Auf diesem Niveau lässt sich bekanntlich am besten argumentieren.

Am Anfang begrüßt den Leser ein Zitat: „Regelmäßiges Laufen kann viele Gesundheitsvorteile bringen, die unsere Lebensqualität verbessern.“ Für mich ist dieser Satz die entscheidende Charakterisierung des vorliegenden Sachbuchs. Anders ausgedrückt, vermittelt „Lauftraining“ dem Interessierten das Wissen, das ihn befähigt, das Laufen gezielt für die Gesundheitsförderung einzusetzen. Wie es sich für ein Sachbuch von Rang ziemt, ist es in thematisch zusammengehörende Kapitel eingeteilt. Diese heißen: Laufanatomie, Verletzungsprävention, Kraftübungen und Gezieltes Training. Die beiden Letzteren belegen, dass der Autor sich nicht auf die Theorie beschränken will. Dr. Napier soll eine Marathon-Bestzeit von 2:33 Stunden aufweisen. Weiterlesen

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Erin Niimi Longhurst: Ikigai – Die Kunst, zufrieden zu sein

Ikigai stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie Lebenssinn. Diesen zu finden und ihm nachzugehen, kann zufrieden mache

n. Für diese Erkenntnis benötigt man kein Buch. Die Autorin will uns wohl auch deshalb mehr mit dem vorliegenden Band vermitteln.

Das Buch startet leidigerweise mit einer Einführung über elf Seiten. Diese Seiten beschäftigt sich vornehmlich mit der Autorin und ihren Weg zum ikigai. So sympathisch sie zu sein scheint, diese Passage gehört, wenn überhaupt, ans Ende des Buches. Ich möchte gleich auf Seite 1 damit starten, einen neuen Blick auf mein Leben zu werfen und es reicher und vollkommener zu machen. Denn dies, so verspricht die Einführung vor der Einführung ist das Ziel des Buches.

Auf knapp 280 Seiten erfahren wir sehr reichlich über die traditionelle japanische Lebensweise. Zum Beispiel, dass die Bewohner dieses Landes zu den Menschen gehören, die am längsten leben. Und dies, obgleich bekanntermaßen ihre Work-Life-Balance zu einer der schlechtesten weltweit gehört. Wo liegt das Geheimnis? Weiterlesen

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Anne von Canal: Mein Gotland: Erzählungen von Wind, Zeit und Einsamkeit

Ich bin verliebt! Ich bin verliebt in dieses Buch! Ich liebe dieses Buch von Seite 1 bis zum viel zu frühen Ende. Es startet famos: „An einem unbekannten Ort ankommen, ist wie der erste Kuss mit einem Fremden.“ Kann ein Anfang treffender, fesselnder, fragender sein?

Wir erfahren in Kapitel 1 etwas über das gesunkene deutsche Frachtschiff mit dem – angesichts seiner jetzigen Lage – absurden Namen „Fortuna“ auf den Schiffsseiten. Erfahren trifft es allerdings nicht – wir erleben es, stehen neben der Ich-Erzählerin bei Ebbe auf einem Felsstück im Wintermeer und strecken die Hand nach dem verrosteten Eisen aus. Wir stapfen neben der Protagonistin im nächsten Kapitel an den Ort, an dem einst die Villa Kunterbunt stand.

Gotland ist für die Autorin die Winterinsel, ist wie ein Raum der Einsamkeit, den man betreten kann. Sie nimmt uns einfach mit auf ihre Winterinsel, auf die Insel, weder Festland noch Meer. Weiterlesen

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Yannick Steinkellner: für die galerie

Yannick Steinkellner ist 2015 Landesmeister von Steiermark & Kärnten geworden. Er gewann den Titel in der Disziplin Poetry Slam. Wir erfahren in einer Art Vorwort mehr über das Selbstbild des Autors: „… ein Experte darin zu sein, kein Experte zu sein.“ Dazu gehört der Kontext, dass der Autor ein Jahrzehnt damit verbracht hat, selbst geschriebene Texte vor Publikum vorzutragen. Seine Texte handeln von dem, was ihm die „Gesellschaft … vor die Füße wirft und was mich und die Menschen in meinem Umfeld bewegt.“ Das ist erfrischend ehrlich. Und macht neugierig auf das Folgende. Jetzt hat Steinkellner viele dieser Texte in die Form eines Buches gebracht. Funktioniert Poetry Slam auch als „Nur“-Text? Was verliert diese Literatur-Gattung, wenn sie nicht vorgetragen wird?

Steinkellners „für die galerie“ ist am besten mit einer Biographie vergleichbar und doch nicht. Ist eine Art Gesellschaftskritik und -darstellung und doch wieder auch nicht. Ein Poetry Slam in Papier gegossen. Absolut originell! Von der Kindheit bis zum Küchenradio, von Biathlon bis Leidenschaft behandelt der Autor genau das, was ihn und die Menschen in seinem Umfeld bewegt. Aufgelockert wird der Text durch eine Art Poesie, durch ein i, das über sechs Seiten reicht, durch #autobildlyrik und einen Text über Marko Arnautovic, der immerhin einmal bei Werder Bremen spielte. Weiterlesen

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Catherine Collin u.a.: Das menschliche Gehirn und wie es funktioniert

Einige Fakten über das menschliche Gehirn gehören durchaus zum Allgemeinwissen. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir nur einen geringen Teil davon nutzen. Im vorliegenden Sachbuch werden weitere Teile aktiviert und unser Wissen über die zentrale Komponente des Nervensystems kräftig erweitert.

Eingeteilt ist das Sachbuch in Kapitel über das physische Gehirn, die Hirnfunktionen und Sinne, Kommunikation, Gedächtnis, Lernen und Denken, Bewusstsein und das Selbst, das Gehirn der Zukunft und der große Bereich der Störungen. Beleuchtet wird das wohl komplexeste Organ in unserem Körper aus allen Blickrichtungen. Die Erläuterungen sind in verständliche Sprache ausgeführt und werden durch farbenfrohe und nachvollziehbare Grafiken ergänzt. Auf jeder Seite finden sich Fakten, die durchaus überraschen. So erfahren wir unter anderem, dass Schnellleser über 700 Wörter je Minute lesen. Ich wünschte, ich könnte das auch. Oder: 95 % all unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst. Das erklärt so einiges in meinem Leben. Wir lernen auch, dass das Abrufen von Erinnerungen eine aktive Rekonstruktion des Gehirns von Erlebtem aus gespeicherten Erinnerungen ist. Dabei können Fehler auftreten und die Erinnerungen verfälschen. Es werden aber nicht nur Fakten mitgeteilt, sondern auch die Funktionsweise, Gründe und Kausalitäten dargestellt und erläutert. Weiterlesen

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Cixin Liu: Kugelblitz

Unter Science-Fiction-Fans ist Cixin Liu ein anerkannter Autor. Liu ist der Verfasser der Trisolaris-Triologie (ebenfalls bei Heyne erschienen) und gilt in Europa als der Vertreter der chinesischen Science-Fiction-Literatur schlechthin.

Große Meriten demnach, denen Liu mit „Kugelblitz“ sprachlich nicht gerecht wird. Am Ende des Romans angekommen, fühlt sich LeserIn so ähnlich wie nach der Heimsuchung durch einen Kugelblitz: Irgendwie war es gefährlich aber begreifen lässt es sich nicht vollkommen. Dabei bietet das Thema „Kugelblitz“ dem Science-Fiction-Autor ein weites, weil nahezu unbeschriebenes, Feld.

Nach einem bekannten Online-Lexikon handelt es sich bei einem Kugelblitz um eine Leuchterscheinung in Form eines Balles, meist in der Nähe eines Gewitters. Kugelblitze sind wissenschaftlich nicht bestätigt und nur in Teilen physikalisch erklärbar. Das ist der Ansatzpunkt unseres Helden Chen.

Chen begegnet einem Kugelblitz im Alter von 14 Jahren (leider in einem Prolog). Die Leuchterscheinung tötet seine Eltern. Damit endet der Prolog und Chen wird bis zum Kapitel 1 erwachsen und beginnt ein Physik-Studium. Das Thema Kugelblitz lässt ihm keine Ruhe und diese Erscheinungen werden zu seinem Forschungsgebiet. Weiterlesen

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Bastian Zach & Matthias Bauer: Tränen-der-Erde-Saga 02: Das Reich der zwei Kreuze

Mit „Das Reich der zwei Kreuze“ legen die Autoren Zach und Bauer den zweiten Band der „Tränen der Erde“-Reihe vor. Wie bereits in Band 1 „Tränen der Erde“ stehen die Familien Heidfeldt und Ackermann im Fokus. Der Roman spielt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Was sind die geeigneten Ingredienzien für eine spannende Familiensaga? Zach und Bauer wissen es ganz sicher und fügen der Handlung einen großen Löffel Intrigen, Verrat, Liebe und Schicksal bei. Die katholisch geprägten Ackermanns sind nach ihrer Enteignung und Vertreibung aus dem protestantischen Donauwörth in Prag angekommen und müssen sich den Lebensunterhalt mühsam verdienen. Aber auch den Heidfeldts droht Ungemach. So erleidet Johannes einen Schlaganfall und muss die Leitung des Geschäfts an Sohn Balthasar übergeben, obgleich der noch nicht geeignet scheint.

Der große Rahmen dieser Geschichte ist historisch belegt. Den Raum dazwischen füllen die Autoren mit glaubhafter Fiktion. Auf diese Weise bietet „Das Reich der zwei Kreuze“ neben guter Unterhaltung einen Spritzer Geschichtswissenauffrischung. Weiterlesen

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Claudia Gross: Deutschland 1925: Annas Reise

Wer vom Titel auf ein Sachbuch über Deutschland in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen schließt, liegt nicht ganz daneben. Die Autorin Claudia Gross hat sich eigenen Angaben nach vom Matrosenaufstand zum Ende des Ersten Weltkrieges in Kiel zu diesem Roman inspirieren lassen.

In „Annas Reise“, mir gefällt der Untertitel bedeutend besser, entwirft sie ein gut recherchiertes Bild Deutschlands zur Zeit der Weimarer Republik. Der Roman enthält Elemente einer Liebesgeschichte, eines Krimis und eines Gesellschaftsromans. Vielleicht ist es gerade diese besondere Zeit, der Übergang vom Kaiserreich zum Nationalsozialismus, der eine solche Bandbreite in der Geschichte glaubhaft machen lässt.

Protagonistin ist Anna, eine arbeitslose Sekretärin, die Maxim Rose in Berlin das Leben rettet. Obgleich Maxim der Sohn eines Reeders ist, war er in den oben erwähnten Matrosenaufstand verwickelt. War es ein politisch motiviertes Attentat, das ihn fast das Leben kostete?

Maxim und sein Bruder Franz laden Anna nach Kiel ein. Anna folgt der Einladung und lernt eine ganz andere Welt kennen. Hier trifft sie auch Kapitän Brandis wieder. Weiterlesen

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Florian Fuchs: Gnorl

Jonas muss mit seinen Eltern in den Ferien auf den Bauernhof. Echt jetzt? Ferien auf dem Bauernhof? Bergsteigen im Himalaya, eine Safari irgendwo in Afrika oder mehr Zeit an der Spielekonsole wären eher nach dem Geschmack von Jonas gewesen. So aber reisen Jonas und seine Eltern in den Schwarzwald auf den Bauernhof der Familie Bommele.

Zum Glück haben Bommeles Kinder im Alter von Jonas: die Zwillinge Anna und Benjamin. Und dann gibt es noch die merkwürdigen Kreaturen, die in der Nacht auf dem Bauernhof herumtollen. Merkwürdige Gestalten? Als die Kinder einer diesen Kreaturen folgen, gelangen sie in das Reich der Kobolde, das sich unter der Erde befindet.

Nun, wer sich halbwegs mit Kobolden auskennt, weiß, dass man ihr Reich nicht ungestraft betreten darf. Zum Glück gibt es den Kobold Gnorl, der nicht nur titelgebend ist, sondern den Kindern auch dabei hilft, den Häschern des unbarmherzigen Königs der Unterwelt zu entkommen. Im Gegenzug können sich die Kinder bei Gnorl revanchieren, denn auch er hegt ein Anliegen. Weiterlesen

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