Stefan Böhm: Straßburger Geheimnisse – Kommissar Sturnis erster Fall

Während Antoine Sturni, der Leiter der Straßburger Mordkommission, mit seinem Sohn Christian in seinem Lieblingsrestaurant sitzt und einen Ausflug in den Europa-Park plant, stirbt nicht weit entfernt bei einer Gedenkfeier im Europa-Parlament der Kabinettschef des Präsidenten der Europäischen Kommission, Dr. Werner Hasselfeld. Zunächst sieht alles nach einem Herzinfarkt aus, aber ein winziger Einstich im Nacken des Toten weckt erste Zweifel und die Obduktion bestätigt diesen Verdacht: Hasselfeld wurde mir einer Gift-Injektion ermordet.

Menschen mit einem Mordmotiv sind schnell gefunden, denn Hasselfeld war ehrgeizig, einflussreich und hatte sich vor allem im beruflichen Umfeld bis in höchste Ebenen einige Feinde gemacht. Doch auch seine kühle und unnahbare Ehefrau – Teilhaberin in einer großen amerikanischen Anwaltskanzlei mit Sitz in Brüssel und Spezialistin für Lobby-Arbeit – könnte etwas damit zu tun haben.

Sturni und sein Team beginnen zu ermitteln, dabei muss er auch in die ungeliebte „europäische Hauptstadt“ Brüssel reisen, um Recherchen anzustellen und Verdächtige zu befragen. Zum Glück hat er mit seinem Jugendfreund Cédric Zeller einen Journalisten an der Hand, der sich im Geflecht der europäischen Institutionen sehr gut auskennt und ihm einige hilfreiche Tipps geben kann.

Doch nebenher muss Sturni auch noch ein paar private Probleme bewältigen: Seine Ehefrau Caroline hat ihn verlassen, die Scheidung steht kurz davor. Er macht sich Sorgen um seinen siebenjährigen Sohn Christian, der abwechselnd wochenweise bei ihm und Caroline lebt, und befürchtet, ihn zu vernachlässigen. Und dann ist da auch noch seine neue Geliebte Margaux, fünfzehn Jahre jünger und seine Sekretärin. Soll er sich fester an sie binden? Ist er schon so weit, Caroline endgültig loszulassen?

Es ist also allerlei los in Stefan Böhms Krimi-Debüt „Straßburger Geheimnisse“ und der erste Fall von Kommissar Sturni liest sich flüssig und angenehm. Man merkt, dass der Autor sich mit den europäischen Institutionen und Gegebenheiten auskennt und gut recherchiert hat. Aber es herrscht nicht gerade Hochspannung, sondern die Geschichte plätschert eher gemächlich dahin, wie die Ill, die durch Straßburg fließt und im Buch einige Male erwähnt wird. Stellenweise wirkt das Buch auch wie ein persönlicher Reiseführer, der gute Tipps für Sightseeing und leckeres Essen gibt.

Die Figuren sind etwas klischeehaft, aber sympathisch und haben das Potenzial, sich weiterzuentwickeln: Sturni, der elsässische Genussmensch, der seine Vorurteile gegen Paris, Europa und die moderne Technik pflegt, aber auch dazu neigt, seine Familie zu vernachlässigen, wenn er an seinem aktuellen Fall arbeitet; Margaux, die gewiefte Sekretärin mit viel Herz und Sexappeal; die beiden Inspektoren Straumann (der gerne elsässische Sprichwörter zitiert) und Isinger, die etwas unterbelichtet wirken; oder auch der aufstrebende und nervige Polizeichef Bouget.

Trotz des europäischen Themas ist „Straßburger Geheimnisse“ eher ein interessanter Regionalkrimi, der viel Lokalkolorit vermittelt und vor allem Leserinnen und Lesern gefallen wird, die es zwar eher ruhig und bodenständig mögen, aber dennoch auf ein gewisses Maß an Spannung nicht verzichten möchten.

Stefan Böhm: Straßburger Geheimnisse – Kommissar Sturnis erster Fall.
Knaur, November 2018.
234 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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