S.L. Huang: Nullsummenspiel

Cas Russel lebt in L.A. Man kennt sie – in gewissen Kreisen. Sie besorgt Dinge und befreit Menschen, nicht ganz legal, dafür teuer und zuverlässig. Nur die Behörden kennen sie nicht – dafür hat einer ihrer Geschäftspartner gesorgt. Keine Sozialversicherungsnummer, keine Steuernummer – nirgendwo taucht ihr Name auf.

Freunde oder soziale Kontakte hat sie keine. Eine merkwürdige Beziehung aber hegt sie zu einem Killer, vor dem selbst die abgebrühtesten Attentäter, Terroristen und Geheimdienstler Angst haben – Rio, ein Mann ohne jegliche Moral, ohne Empfinden oder Mitgefühl. Ein Mann, der sich auf ganz eigene, besondere Art in den Dienst Gottes, so wie er diesen begreift, gestellt hat, und gnadenlos Jagd auf die macht, die er als schuldig im Sinne der Bibel verdammt.

Cas selbst hat eine besondere Gabe – ihre Affinität für Mathematik lässt sie in Sekundenbruchteilen Handlungen und deren Folgen berechnen – so dass sie zu einer perfekten Kampf- und Killmaschine wird. Cas´ neuester Fall bringt sie in Konflikt mit einem kolumbianischen Drogenkartell. Sie soll ein von diesen gefangen gehaltenes Mädchen befreien – eigentlich kein Problem, neunzehn Leichen später, hat sie ihr Ziel fast erreicht, als sie auf Rio stößt, der sich undercover bei den Kolumbianern eingeschlichen hat.

Die Flucht gelingt, doch dann wird es merkwürdig. Zusammen mit einem schwarzen Privatdetektiv und verfolgt von einer geheimen und skrupellosen Geheimdiensteinheit kommt sie einer weltweiten Verschwörung auf die Spur. Einer Gruppe, die Staaten ebenso leicht manipuliert, wie Verbrechersyndikate, die vorgibt, die Welt retten zu wollen und die sich auf Cas´ und Rios Spuren heftet …

Hoppla, was flattert uns denn da ins Haus? Einmal keine Zukunftszeit – egal ob durchgestylt oder morbide-abgefuckt, statt dessen ein Jetztzeit-Szenario mit gar merkwürdigen Figuren. Die meisten von diesen haben keinerlei Probleme damit, andere Menschen umzubringen – Cas versucht zumindest, die Unschuldigen zu verschonen, wenn es klappt, gut, wenn nicht, Kollateralschaden. Rio lebt und handelt ganz nach seinem eigenen Vorstellungen – da wird einem beim Lesen schon richtig kalt ums Herz.

Wir lernen also unsere besonders begabten Menschen kennen – stoßen auf eine von Gedankenlesern, die ihr Gegenüber auch noch, ohne dass diese es merken, beeinflussen können kennen, der Rest ist hard-boiled Action nonstop.

Sadistisch, überzeichnet und vulgär geht es her, gewaltbetont und gnadenlos wir gefightet, Skrupel und Moral bleibt dabei bewusst auf der Strecke.

Dass die Autorin selbst Stuntfrau ist, und ein Faible für Schusswaffen sowie einen MIT-Abschluss besitzt, also sowohl etwas in der Birne hat, wie auch sich im Actionmilieu auskennt, merkt man dem Buch an. Sie weiß wovon sie schreibt, nutzt ihr Kenntnisse was Waffen und Kämpfe anbelangt weidlich, um ihre Leser in den Plot zu ziehen.

So manches bleibt am Ende des Romans offen, wobei der Verlag zu erwähnen vergaß, dass im Original bereits zwei weitere Cas Romane erschienen sind. Hoffen wir, dass diese möglichst bald ihren Weg zu Heyne finden werden – packende Unterhaltung für Leser, die nicht zu empfindlich auf Gewaltdarstellungen reagieren, ist garantiert.

S.L. Huang: Nullsummenspiel.
Heyne, Juli 2019.
432 Seiten, Taschenbuch, 10,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.