Matthew G. Lewis: Der Mönch (1796)

Was ist das für ein Buch, das Frank Festa uns in seinem Verlag dieses Mal offeriert? Schon äußerlich kommt das Werk als etwas ganz Besonderes daher. Rundum-Farbschnitt in Schwarz, dazu farbenprächtige Cover-Illustrationen aus der Werkstatt von Timo Wuerz, die neben dem in Lederoptik ausgeführtem Umschlag auch auf dem Deckel des Hardcovers nochmals abgedruckt wurden, dazu Fadenheftung und Lesebändchen – man merkt dem Buch an, dass es etwas Besonders ist. Limitiert auf 1500 Exemplare ist die Auflage auch, und mit einem immerhin fünfzehn-seitigem Vorwort aus der Feder des Kings, Stephen King versehen. Dazu gesellen sich sechs ganzseitige Illustrationen aus den Pariser Ausgaben von 1797 und 1807, ein Porträt des Autors sowie Reproduktionen der drei ursprünglichen Titelseiten. Das Wichtigste aber, Festa hat den Titel, der bereits diverse deutsche Ausgaben erleben durfte – die legendäre Bibliotheka Dracula aus dem Hanser Verlag hatte ihn auch in ihrer Edition – nicht einfach neu aufgelegt, nein, er wurde komplett neu von Michael Siefener nach der ungekürzten dreibändigen Erstausgabe von 1796 aus der Abschrift in der British Library übersetzt.

Man kann also getrost sagen, dass nun erstmals der komplette Text in einer mustergültigen Übertragung auf Deutsch vorliegt. Und das Ergebnis kann sich, vergleiche oben, nicht nur sehen, sondern auch lesen lassen! Die Beschreibung der Verführung des sittenstrengen Mönchs Ambrosio durch die von Satan gesandte Hexe Matilda wird ganz neu erlebbar. Dabei überrascht der auch verfilmte Plot durch eine gewissen Zeitlosigkeit. Die Gewaltdarstellung ist deutlich, überraschend offen kritisiert der Verfasser die Kirche und porträtiert den Klerus als Heuchler und egoistischen, perversen Altmännerverein. Obzwar schon vor mehr als 200 Jahren verfasst, gelingt es dem Text mühelos, seine Leser einzufangen und an die Seiten zu bannen.

Zum Inhalt: Mit Hilfe der Magie von Matilda möchte Ambrosio die minderjährige Antonia in seine Gewalt bringen. Durch einen Pakt mit dem Teufel gelingt es ihm, sich Eintritt in ihr Haus zu verschaffen, wo er von der Mutter überrascht, diese meuchelt. Er entführt Antonia in die Katakomben des Klosters und vergewaltigt die Unschuldige dort. Aus Furcht vor der Inquisition erdolcht er Antonia, wird später aber zusammen mit der Hexe gefangen gesetzt. Nach der von Satan unterstützten Flucht aber warten weitere Offenbarungen auf den früheren Mönch, die seine immerwährende Seelenpein und nie zu vergebende Schuld bedeuten.

Mit dieser, ich möchte sie ultimativ nennenden Ausgabe setzt der Verlag einem nach wie vor bestens lesbaren Klassiker ein mehr als würdiges Denkmal, das in keiner Sammlung unheimlicher Literatur fehlen sollte!

Matthew G. Lewis: Der Mönch (1796).
Festa, November 2019.
576 Seiten, Gebundene Ausgabe, 49,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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