Julia Deck: Privateigentum

Ich fand es falsch den Kater zu töten ganz allgemein und auch in diesem speziellen Fall -, als du mir sagtest, was du mit dem Kadaver anstellen wolltest“ (eBook S. 5) Dieser starke Romanbeginn lässt bereits erahnen, dass im weiteren Text noch mehr Konfliktpotential zu erwarten ist.

Eine Neubausiedlung mit den Komponenten einer hypermodernen Energieversorgung samt Abfallverwertung, ist ein vielversprechendes ökologisch ausgerichtetes Wohnkonzept in einem Vorort von Paris. Hier haben sich Eva und Charles Caradec eines der Häuser gekauft. Endlich weg vom Großstadtlärm, Gestank und Dreck. Endlich etwas Eigenes mit freiem Blick in die Natur und endlich die Chance, dass sich Charles‘ manische Depression unter diesen Bedingungen bessert. Die Caradecs sind die ersten Bewohner im Neubauviertel und stolz auf ihr elegantes Privateigentum. Sie richten sich puristisch ein und genießen ihre neu gewonnene Wohnfreiheit. Doch mit dem Einzug ihrer Nachbarn löst sich der Traum vom Wohnidyll jeden Tag mehr auf. Anfangs stört nur der rote Kater, der den Garten wie selbstverständlich in Beschlag nimmt. Charles macht keinen Hehl aus seinem Ansinnen und legt seiner Frau bei geöffnetem Fenster ausführlich seinen Plan dar, wie er das Tier loswerden will. Später wird deutlich, dass außer den Caradecs sich auch noch andere aus dem Wohnviertel an dem Kater stören. Von ihren neuen Nachbarn sind die Caradecs mindestens so genervt wie von deren Kater. Als alle eingezogen sind, veranstaltet die Nachbarschaft lärmende Partys, denen Eva und Charles fernbleiben. Komplotts und Beziehungen ergeben sich. Durch nicht enden wollende Baumaßnahmen wird der schöne Garten der Caradecs verunstaltet. Immer öfter empfinden Eva und Charles, dass ihre persönlich erträglichen Grenzen unterlaufen werden. Probleme mit nicht funktionierenden technischen Installationen kommen hinzu. Dass jeder jeden zu beobachten scheint, wird spätestens deutlich, als Annabelle, die direkte Nachbarin von Charles und Eva eines Tages zusammen mit ihrem Kind verschwunden ist.

Treffende Persiflage über nachbarschaftliches Zusammenleben, das letztlich in einer Katastrophe endet. Mit unerwarteten Abgründen die sich auftun und den überraschenden Wendungen liest sich der Roman zeitweise wie ein Krimi. Selbst dem überspitzt Pointierten liegt immer eine – wenn auch manchmal nur kleine – Wahrheit zugrunde.

Julia Deck: Privateigentum.
Verlag Klaus Wagenbach, August 2020.
144 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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