James Wood: Upstate

Auch wenn Alan Querrys Töchter längst erwachsen sind, macht er sich Gedanken um deren Zukunft und Wohlergehen. Tochter Helen hat einen erfolgreichen Weg in der Londoner Musikbranche gefunden. Tochter Vanessas Leben dagegen ist von Tristesse geplagt. Bereits als Kind war sie eher introvertiert und hatte sich in ihre Bücherwelt zurückgezogen. Immerhin lehrt sie heute als Philosophie-Dozentin an der Universität Saratoga Springs nördlich von New York.

Eine besorgniserregende Nachricht von Vanessas Freund Josh veranlasst Alan und Helen, von Großbritannien in die USA zu Vanessa zu reisen. War es wirklich nur ein unglücklicher Treppensturz, bei dem sie sich das Handgelenk gebrochen hat, oder hat sie gar einen Selbstmordversuch unternommen? Vor Ort bei Vanessa scheint vordergründig alles in bester Ordnung. Dennoch, vage Vermutungen und weitreichende, auch philosophische Gedanken bleiben, was in vielen Dialogen, der Schuldsuche Alans bei sich selbst und weiteren Überlegungen zum Ausdruck kommt. Hat Vanessa die frühe Trennung und den Tod der Mutter nicht verkraftet? Warum leidet sie immer wieder unter Depressionen? Warum kommt Helen so viel besser im Leben zurecht? Kann man Glücklichsein erlernen? Wird einem die Melancholie in die Wiege gelegt?

Die Handlung spielt während der politischen Ära Tony Blairs in Großbritannien und George W. Bushs in den USA, also noch vor Barack Obamas Präsidentschaftszeit. Die in den Dialogen der Familienmitglieder angeprangerten Missstände von damals erscheinen heute in den Zeiten von Brexit und eines Donald Trump vergleichsweise banal, wie auch der gesamte Text allzu gewöhnlich und alltäglich anmutet. Die unterschiedlich ausgeprägt angelegten Charaktere der Töchter, des Vaters und von Vanessas Freund Josh bringen etwas Abwechslung in die Geschichte, was sich aber außer den philosophischen Abschnitten spannungsarm und langatmig liest. Die Stärke des Textes liegt im Unausgesprochenen zwischen den Zeilen.

Die deutsche Übersetzung stammt von Tanja Handels.

James Wood: Upstate.
Rowohlt, November 2019.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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