George R. R. Martin: Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros

Nach vielen Jahren, in denen sich die Geschichte von Westeros nur noch filmisch abspielte und die Fangemeinde vergeblich auf eine Fortsetzung der Buchreihe wartete, hat George R. R. Martin nun ein Geschichtswerk verfasst, das eindrücklich beweist, wie sehr er – ganz in Tolkiens Nachfolge – ein Autor ist, der beim Verfassen seiner Werke offensichtlich die größte Freude daran hat, komplexe Welten zu erschaffen. Feuer und Blut zeigt, dass sich das nicht nur auf Orte, Menschen und Strukturen der Gegenwart seiner Erzählungen betrifft. Er gibt seiner Schöpfung auch gleich einen historischen Kontext, der in Umfang und Vielfalt sehr an die mittelalterliche europäische Geschichte erinnert.

Martin lässt Erzmaester Gyldayn die Geschichte der sieben Königslande seit der Ankunft der Targaryens auf Drachenstein bis ungefähr 150 Jahre vor Beginn der Romane des Lieds von Eis und Feuer erzählen.

Die Targaryen stammen aus Valyria und sind zwölf Jahre vor dessen Zerstörung mit der gesamten Familie und ihren Drachen nach Westeros ausgewandert und haben sich dort auf Drachenstein niedergelassen. Hundert Jahre später sollte aus diesem Geschlecht Aegon der Eroberer hervorgehen, der mit Feuer und Blut die sieben (oder sechs – Dorne sollte erst später folgen) Königslande unter seine Herrschaft brachte.

Den Lesern des Lieds von Eis und Feuer werden natürlich viele bekannte Personen,  Dinge und Ereignisse begegnen. Anfangs findet man sich etwas schwer in das Buch, da es sich tatsächlich um eine Chronik – ein, wenn auch fiktives, Geschichtswerk – handelt. Es gibt also vergleichsweise wenige Dialoge im Buch. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, gibt sich aber mit der Zeit. Allerdings bleibt Martin hier, wie auch im Lied von Eis und Feuer, seinem Hang zu gewaltiger Komplexität treu. Bei den vielen Aegons, die einem im Buch begegnen, kann man schon mal den Überblick verlieren. Sämtliche von Martin beschriebenen historischen Figuren sind ähnlich komplex und eindrücklich gestaltet wie in seinen Romanbänden und auch die Ereignisse lassen keine Brutalitäten, Intrigen, menschliche Abgründe aus.

„Feuer und Blut“ ist der erste von zwei geplanten Bänden.

George R. R. Martin: Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros.
Penhaligon, November 2018.
896 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Pia Konle.

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