Gabe Hudson: Gork der Schreckliche

Gork, Der Schreckliche, ist ein junger Drache und alles andere als schrecklich. Sein Status ist KuschelBär und sein Spitzname Weichei. Aus diesen Gründen steht er in der Hierarchie der Drachen ganz unten und dies obwohl sein Großvater, Dr. Schrecklich, berühmt und unermesslich reich ist. Es grenzt an ein Wunder, dass Gork zu den glücklichen 39 % zählt, die die Abschlussklasse lebend erreichen. Und wer am letzten Schultag keine Partnerin für seine künftigen Eroberungszüge vorweisen kann, wird automatisch ein Sklave. Am Morgen dieses letzten Schultages behauptet die Vorhersage, Gork würde innerhalb von 24 Stunden mit 99,9 prozentiger Sicherheit sterben. Dies mag auch an dem handfesten Streit zwischen dem Direktor der Drachenschule und seinem Großvater vom Vorabend liegen, bei dem Dr. Schrecklich dem Direktor ein Auge zerstört hat und danach spurlos verschwand. Dadurch gerät dessen Enkel unweigerlich in den Fokus des extrem rachsüchtigen Direktors, in dessen Tochter ausgerechnet Gork verliebt ist. Runcitas Status ist selbstverständlich überragend. Bisher hat sie jeden Antragsteller entweder ins Krankenhaus oder in den Tod geschickt. An Gorks letztem Schultag bleiben im Prinzip nur zwei Perspektiven übrig: entweder ein früher Tod oder ein Leben als Sklave.

Der Amerikaner Gabe Hudson wartet mit einem ungewöhnlichen Fantasyroman auf, in dem Drachen und Computer aufeinanderprallen. Das Spiel heißt gnadenlose Unterwerfung, und die Ethik der Drachen erlaubt keine Schwächen. Hierbei greift Gabe Hudson auf das Mittel der Umkehrung: Was bei Menschen als moralisch gut oder verständlich angesehen wird, funktioniert in der Welt der Drachen komplett anders. Gork riskiert zum Beispiel sein Leben, weil er heimlich in seinem Nest weint. Ein Vergehen, für das es nur eine Strafe gibt, die Todesstrafe. Denn ein Drache weint niemals, auch dann nicht, wenn der eigene Großvater ihm die erste große Liebe ausspannt, um die junge Drachendame selbst zu heiraten.

Der Autor lässt Gork erzählen. Der sechzehnjährige Jungdrache pflegt eine schnoddrige Sprache, die je nach hormongesteuerter Gemütslage mal ihre Balance verliert oder ganz pointiert urkomische Situationen beschreibt. Wer schwarzen Humor mag, wird unvergessliche Bilder im Kopf behalten. Zeitweise liest sich der Roman, als hätte der Regisseur Quentin Tarantino seine Version von dem Klassiker Per Anhalter ins All geschrieben.

Gabe Hudson: Gork der Schreckliche.
Klett-Cotta, September 2018.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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