Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnung: 32 Variationen über die Liebe

Der Erzähler liebt Linh und Linh liebt ihn. Die beiden sind ein Paar. Doch wie haben sie sich eigentlich kennengelernt? Linh bittet ihren Lebensgefährten, es aufzuschreiben. Zunächst denkt er, dass es einfach ist, die Geschichte zu erzählen. Doch bald merkt er, dass immer etwas fehlt, dass er sich unsicher ist, dass er noch etwas ergänzen muss. Egal, ob es sich dabei um Fakten handelt oder nicht: Manches gehört einfach dazu und muss erwähnt werden. Denn das Kennenlernen ist nie abgeschlossen.

„Da die Geschichte, wie wir uns kennengelernt haben, die Geschichte ist, wie wir uns kennenlernen, eine unendliche Geschichte, kann sie nicht erzählt werden, sondern nur erfunden.“ (Kapitel 16)

Und so kommen „32 Variationen über die Liebe“ zustande. 32 Mal erzählt er die Geschichte der ersten Begegnung und wartet mit immer neuen Überraschungen auf, die auch vor Linh und dem Erzähler selbst nicht Halt machen.

Sie treffen sich in Hamburg, Köln oder New York, im Zug nach Paris oder in der Regionalbahn. Manchmal dauert es eine Weile, bis sie zueinander finden, manchmal trifft sie die Liebe wie ein Blitzschlag (oder ein Engel hat seine Hand im Spiel) und es kommt sogar vor, dass sie überhaupt nicht zusammenkommen. Auch bei der zeitlichen Einordnung bleibt der Erzähler flexibel. Selbst wenn man damals noch nicht geboren war, kann man sich doch im Swinging London der 1960er Jahre kennenlernen. Womit Linh und der Erzähler ihr Geld verdienen? Da gibt es so einiges. Doch oft bleibt das Einkommen überschaubar.

Manche Personen und Motive ziehen sich durch die Geschichten. Nicht nur Ava, Nick, das Schreiben, Tee, Vietnam, die Kirche und ganz viel Musik tauchen immer wieder in den unterschiedlichsten Zusammenhängen und Konstellationen auf. Es ist spannend zu sehen, wie sie sich verändern und doch immer stimmig in die Szene passen.

Frank Berzbachs Idee, das Kennenlernen in variationsreiche Miniaturen zu packen, ist witzig und originell. Ich kam mir manchmal vor, wie in einem Wimmelbild, habe vor und zurück geblättert, um zu schauen, zu vergleichen, mich zu wundern und zu schmunzeln. So viel Ideenreichtum, so viel Spiel mit ein und denselben Elementen findet man nur selten in einem Buch. Alles hat einen inneren Zusammenhalt und ist doch immer wieder anders. Doch es macht nicht nur Spaß, diese 32 Kennenlern-Geschichten zu lesen. Sie sind auch spannend, philosophisch und gefühlvoll (mit ein paar hinreißenden Liebeserklärungen).

Mein Fazit: Ich habe es genossen, Frank Berzbachs Liebes-Miniaturen zu lesen. „Die Schönheit der Begegnung“ ist ein Buch für Menschen, die lieben, geliebt haben oder die Liebe suchen und außergewöhnliche Bücher mögen. Und es ist ein wunderschönes Geschenk für Menschen, die man liebt.

Vielleicht fragen Sie sich nach der Lektüre: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt? Dann kann ich Sie nur ermutigen, sich Ihre schöne Geschichte nicht von den Fakten verderben zu lassen, genauso, wie es der Erzähler hier getan hat.

Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnung: 32 Variationen über die Liebe.
Eisele Verlag, Februar 2020.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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Ein Kommentar zu “Frank Berzbach: Die Schönheit der Begegnung: 32 Variationen über die Liebe

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