Tanya Byrne: Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus

Die queere Autorin Tanya Byrne ermutigt Autor*innen aus Randgruppen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Dafür setzt sie sich passioniert ein und entführt uns in „Everlove“ in einen paranormalen, bittersüß-tragischen Young Adult-Romance.

Die Story dreht sich um Ashana, ein 16-jähriges britisch-indisch-guayanisches Mädchen, die mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in Brighton lebt. Doch Ash stirbt – mitten in ihrer eigenen Liebesgeschichte. Das einzige, was Ash und ihre erste Liebe Poppy trennt, ist der Tod. Dies war meine erste lesbische Liebesgeschichte und sie hat mich wirklich verzaubert, da sie einzigartig ist und aus einer authentischen Perspektive geschrieben wurde.

Ich bin die, mit denen sie experimentieren. Die, bei der sie sich gehenlassen können, weil ich es nie irgendwem erzählen werde. Ich bin die, deren Nummer sie unter Alfie oder Harry oder Luke abspeichern. Die Hüterin ihrer Geheimisse […].“ (S. 39)

Ich habe es sehr genossen in der ersten Hälfte dieses Buches in Ash und Poppys frische Beziehung einzutauchen, zu lesen, wie sie sich kennenlernen und ineinander verlieben. Liebesgefühle, bei denen jeder Gedanke in ihren Köpfen durch die Freundin ersetzt wird und Ash sich fragt, ob Poppys Lippen so schmecken, wie sie Torte an ihrem dreizehnten Geburtstag, als die das letzte Mal so unfassbar glücklich war.

„‘16 Stunden und 8 Minuten xx‘
Sie hat den ganzen Tag schon die Zeit bis zu unserer Verabredung runtergezählt, und sie macht es immer weiter, jede Stunde oder so, bis die Stunden zu Minuten werden.“ (S. 84)

Doch ihre Zukunftsträume werden durch eine Tragödie zerfetzt.

Im zweiten Teil nach Ashs Tod habe ich leider die tiefe Trauer von ihr um ihre wundervolle Familie und ihre beste Freundin Adara vermisst. Daher hätte ich mir etwas mehr Emotionalität sowie eine stärkere Charakterentwicklung nach dem Unfall gewünscht. Das würde wirklich ein Gefühlsfeuerwerk in mir auslösen. Ein solches, das in meinem Kopf bleibt und welches das Buch nachhallen lassen und ihm Tiefgang verleihen würde. Ebenso wären ein paar Hintergrundstories zu Dev und Esen spannend gewesen, die es leider nicht gab.

Insgesamt haben mich Tanya Byrnes Schreibstil und ihre Ideen sehr fasziniert. Trotz meiner Kritikpunkte kann ich „Everlove“ uneingeschränkt weiterempfehlen.

Bei dem Gedanken schlägt mein Herz nicht bloß schneller, es knallt, jeder Herzschlag fühlt sich an wie eine aus der Pistole geschossene Kugel.“ (S. 103)

Tanja Byrne: Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus.
Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Frida Lemke.
Fischer Sauerländer, Oktober 2022.
512 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Olivia Grove.

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