Louise Brown: Was bleibt, wenn wir sterben: Erfahrungen einer Trauerrednerin

Niemand beschäftigt sich wohl gerne mit dem Tod und dem Sterben. Die Journalistin Louise Brown hat sich weitreichende Gedanken über die Endlichkeit des Lebens gemacht. Der Tod ihrer Eltern war ausschlaggebend dafür. Mittlerweile ist sie Trauerrednerin und fortan ständig mit trauernden Menschen, dem Leben und dem Sterben konfrontiert. Durch viele Gespräche mit Angehörigen, die ihre Trauer bewältigen müssen und ihr vom Leben der Verstorbenen erzählen, formt Louise Brown ihre ganz eigenen Betrachtungsweisen darüber, was einen Menschen ausgemacht hat. Daran lässt sie die Leser teilhaben. Der Tod ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Wenn man in seine Stille hineinhört, kann man etwas über die Verstorbenen und sich selbst erfahren (eBook S.14).

Der erste Teil des Buchs handelt von der Konfrontation mit dem Tod. Hier geht es unter anderem um die Momente, die bleiben, um Durchhaltevermögen, um Trauergespräche in leeren Räumen oder um das Ausräumen des Elternhauses. Im zweiten Teil lesen wir zum Beispiel von widersprüchlichen Gefühlen, von Verletzlichkeit, Versöhnlichkeit, von Gedanken um den Grabstein oder darum, die eigene Abschiedsfeier zu planen.

Die Autorin gewährt Einblicke in verschiedene Trauerfeiern, die sie als Trauerrednerin mitgestaltet hat. Sie lenkt die Erinnerungen an Verstorbene auf besondere Attribute, auf Kleinigkeiten und Details, die vielleicht gar nicht so sehr im Vordergrund dieser Menschen standen, letztlich aber sehr eindrückliche Bilder wachrufen. Oft sind es dabei die unperfekten Momente, die kostbar sind, lesen wir. Sie geht auf gemeinsam erlebte Situationen ein oder auch auf Gegenstände wie ein Haus, das nach dem Tod der Besitzer leersteht. Dazwischen lesen wir von ihren Rückblicken auf das Leben ihrer verstorbenen Eltern und ihren eigenen Wahrnehmungen. Immer wieder finden sich auch plastische Szenen, wie die von den Trauergästen, deren schwarze Mäntel sich in der Schneelandschaft wie Raben auf einem Winterfeld abzeichnen (eBook S.73).

Für Louise Brown sind Abschiedsrituale ein wichtiger Akt. Je mehr Individualität dabei zugelassen wird, umso tröstlicher und befreiender können Angehörige eine Abschiedsfeier empfinden und umso weniger unheimlich kann der Tod dann erscheinen, weiß sie.

Was von den Toten bleibt, sind ihre Merkmale und Gewohnheiten wie Humor oder Zuverlässigkeit, – Attribute, die sich in manchen Familienangehörigen spiegeln.

Louise Brown versucht zu verdeutlichen, was es heißt, sterblich zu sein, wie man an seiner Vergänglichkeit wachsen kann und nimmt dem ernsten Thema Tod etwas von seiner Schwere.

Louise Brown: Was bleibt, wenn wir sterben: Erfahrungen einer Trauerrednerin.
Diogenes, September 2021.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.