Katharina Hagena: Mein Spiekeroog

Ungefähr gerade mal zehn Kilometer lang und zwei Kilometer breit misst die ostfriesische Insel Spiekeroog, auf der Katharina Hagena als Kind und Jugendliche zusammen mit ihrer Familie jedes Jahr die Sommerferien verbracht hat. Auch nach der Sommerferienzeit kommt sie immer wieder gerne auf die Insel zurück, die ihr Leben mitgeprägt hat. Nun hat sie auf 160 Seiten ihre Erinnerungen daran mit weiteren aufschlussreichen Informationen die sie gelesen, gehört – vielleicht auch mal nur geträumt hat über Spiekeroog, in vielen Episoden zusammengefasst. „Schwimmend, verschwimmend, sich verschwimmend“ (eBook S. 19), so bezeichnet die Autorin selbst ihre Annäherung an die kleine Insel. Alle Gegebenheiten dort – biologische Fakten, geologische Daten, Historisches oder wie das Leben früher auf der Insel war und was alles sich im Lauf der Jahre verändert hat, verknüpft die Autorin mit ihrem ureigenen Blick, ihren Erlebnissen und Gedanken. So ist eine gelungene Symbiose zwischen Sachbuch und Literatur entstanden. Es sind Beschreibungen, denen man gerne folgt und so immer weiter mit der Insel vertraut wird. Hagenas Erzählform lebt von Schilderungen wie jener eines blubbernden, schlürfenden, schmatzenden Watts, von Gerüchen nach Krähenbeeren, Seetang oder Butterzimtwaffeln, die die Wege markieren. Ihre Sprache durchdringt das Sichtbare und wird zum literarischen Erlebnis wie beispielsweise die Beschreibung einer bestimmten, nicht immer und überall vorkommenden Form von Sand, der „beim Darüberschlürfen mit den Fersen ein wimmerndes Geräusch, wie das Zerreißen von dünnem Stoff“ (eBook S. 39) von sich gibt.

Katharina Hagenas Gedanken mit den verblüffenden Wortspielereien (mit denen sie auch in ihren vorangegangenen bei SL besprochenen Romanen „Vom Schlafen und Verschwinden“ und „Das Geräusch des Lichtsgearbeitet hat), sind es, die ihr Schreiben so anders daherkommen lassen.

Dieses Buch ist eine lebendige Erzählung, für das man keine besondere Affinität zu Spiekeroog oder einer anderen Nordseeinsel mitbringen muss. Wenn man es gelesen hat, ist es, als wäre man dort gewesen.

Katharina Hagena: Mein Spiekeroog.
mare Verlag, März 2020.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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