Daniel Scholten: Denksport Deutsch

denksportIst es möglich, ein Buch über Grammatik zu rezensieren? Regeln sind Regeln sind Regeln. Man kann sie in Nachschlagewerken nachlesen.

Welche Funktion hat ein Wort im Satz, wie verhalten sich Artikel und Endungen; was sagen Verben über Zeit und Subjekt aus? Alles ist genauso eindeutig wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2.

Was unbestritten ist, weckt keine Neugierde.

Da im Volksmund Mäuse mit Speck gefangen werden, fängt der Sprachwissenschaftler und Autor Daniel Scholten seine Leser mit dem Untertitel: Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht? Da liegt es auf der Hand, wenn er im ersten Teil das Spiel mit den Geschlechtern für eine Antwort nutzt. Unterhaltsam, mal am Phallus orientiert oder feministisch ausgelotet, nimmt der Autor den Leser auf eine geschichtsträchtige Reise mit. Gleichzeitig erlaubt er einen ausführlichen Blick auf seine Arbeitsweise und räumt tradierte Vorurteile aus dem Weg.

Daniel Scholten hat mehr als nur ein Buch über Grammatik geschrieben. Nachdem er die Herkunft der Substantive, ihre Artikel und Entwicklungsgeschichte behandelt hat, geht er ins Detail. Er bezieht Stellung zu schlechtem Deutsch in veröffentlichten Texten, missverstandene Grammatikregeln, auch beim Konjunktiv oder bei der Wahl des richtigen Falles. Viel Kritik müssen sich Journalisten gefallen lassen, die das Handwerk des Zitierens nicht beherrschen.

Seine Mission ist gutes Deutsch, eine klare Sprache.

»Gutes Deutsch klingt, als hätte man es selbst erfunden. … Und das geht leichter, als Sie denken! Wir sehen uns die deutsche Sprache an, als begegneten wir ihr zum allerersten Mal.« (S. 13)

Ebenfalls erfrischend ist seine Aussage über das gesprochene Wort.

»Wer vollkommene Sprache sucht, findet sie nicht in den Schreibstuben …, sondern dort, wo einfache Leute ohne Attitude miteinander sprechen.« (S. 193)

Um Leser auch mit unterschiedlichem Bildungsgrad zu erreichen, wären durchgängig Beispiele und im Anhang eine Legende zu den nicht so gängigen Fremdworten hilfreich.

In den vergangenen sieben Jahren hat Daniel Scholten die Diskussion auf seiner Homepage gesucht. Eine Zusammenfassung hierüber zusammen mit vielen Ergänzungen sind in seinem Buch Denksport Deutsch zu finden.

Sicher ist eines: Nach der kurzweiligen Lektüre bleibt ein sensibler Umgang mit der deutschen Sprache. Dieser hilft nicht nur, gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben, er offenbart Manipulationsversuche beziehungsweise rhetorische Winkelzüge.

Daniel Scholten: Denksport Deutsch.
dtv, September 2016.
336 Seiten, Taschenbuch, 17,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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