Ben Aaronovitch: Ein weißer Schwan in Tabernacle Street

Peter Grant wird Papa! Er hat ja nun wirklich schon so einiges durchgemacht, überstanden und mehr oder minder verarbeitet. Aber, seitdem seine Holde, die Flussgöttin Beverly in anderen Umständen ist, hat sich sein Leben definitiv verändert.

Nicht länger gehört er zum Folly, der zwar nicht geheimen, aber doch unbekannten Spezialeinheit der Polizei für übernatürliche Verbrechen. Er wurde mehr oder minder deutlich aufgefordert zu gehen, als ein ihm zugewiesener Verdächtiger den Löffel abgibt. So zumindest berichtet er es seinem neuen Boss – dem Sicherheitschef der Serious Cybernetics Corporation. Jetzt soll er, als Sicherheitsheini vom Dienst, in dem florierenden Unternehmen eines australischen Multi-Milliardärs einen Maulwurf suchen. Hinter dem Under-Cover Einsatz steckt natürlich ein Verbrechen, das aufzuklären ist. Man vermutet eben jener Milliardär hat eine Mary-Maschine in seinem Besitz – eine Maschine, mit der man Magie wirken kann, eine Maschine, die mehr als gefährlich sein dürfte – und Peter darf sie, die Hintermänner suchen und versuchen, die anstehende Katastrophe zu verhindern…

Mit vorliegendem Band setzt Ben Aaronovitch seine Reihe um den dunkelhäutigen Ex-Bobby und Neu-Detective Peter Grant vom Folly fort. Man könnte getrost sagen, dass ein neuer Handlungsabschnitt, ein frischer Zyklus beginnt, entsprechend hat auch der Verlag die Gelegenheit ergriffen, die Reihe aus dem Taschenbuch ins Trade-Paperback zu hiefen. Ärgerlich für alle Leser und Sammler, die die Bücher nebeneinander im Regal stehen haben, merkantil aber sehr wohl nachvollziehbar, kann man für ein Paperback doch rund ein Drittel mehr verlangen, ohne dass sich die Druckkosten merklich erhöhen. Allerdings muss man dem Verlag auch zugute halten, dass vorliegendes Buch das bislang umfangreichste der Titel um Peter Grant ist und es im Taschenbuch ein unhandlich dicker Schmöker geworden wäre.

Inhaltlich übernimmt unser Protagonist eine neue Rolle. Nicht länger ist der der Stichwortgeber für den großen Zauberer Nightingale und bestaunt mit großen Augen dessen Können, er selbst ist zwischenzeitlich zu einem veritablen Beherrscher der Kunst geworden und tritt wesentlich selbstbewusster und eigenständiger auf. Entsprechend sind die Auftritte seines Chefs vorliegend ebenso Mangelware, wie die uns so ans Herz gewachsenen Erlebnisse im Folly selbst. Stattdessen ein High-Tech Silicon Valley Unternehmen in London, Computer und Nerds wo man hinschaut und mittendrin eine fast antik scheinende Erfindung, um die sich alles dreht.

Da hat Vieles von dem, nennen wir sie alten Grant Geschichten, reichert diese aber mit neuen Elementen an und peppt den Plot so auf. Nicht verzichten muss der Leser dabei auf liebgewonnene Reminiszenzen – die Flussgötter spielen ebenso mit wie Peters Familie oder seine alten Kollegen. Dennoch, der Tenor ist ein wenig anders, als in den früheren Bänden, zu den kritischen gesellschaftspolitischen Anmerkungen kommt dieses Mal die durchaus humorvolle Betrachtung der Nerds und deren Community, mischen sich alte Zauber mit moderner High-Tech. Dass da ein wenig der Charme der frühen Romane um das Folly auf der Strecke bleibt – erwähnte ich bereits, dass das Folly leider nur eine untergeordnete Rolle spielt? – finde ich persönlich schade, dass die Serie per se aktueller wird, ist zu begrüßen.

So ist dies einmal mehr ein Band, der es Neulesern zwar schwer aber nicht unmöglich macht in die Reihe einzusteigen, der Fans der Serie ein Wiedersehen mit bekannten Figuren bietet, dabei aber auch zu neuen Ufern aufbricht.

Ben Aaronovitch: Ein weißer Schwan in Tabernacle Street.
dtv, Oktober 2020.
432 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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