Yukiko Motoya: Die einsame Bodybuilderin: Storys

Elf Geschichten von Yukiko Motoya, übersetzt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, erzählen scheinbar normale Alltagsgeschichten, die recht schnell ins Mysteriöse, Bizarre oder Mythologische abdriften. Im Zentrum stehen unterschiedliche Frauen, die aus der traditionellen Frauenrolle ausbrechen.

In der Geschichte Q & A erklärt die altgewordene Q, wie sie im Laufe ihres erfolgreichen Berufslebens mit ihren Reizen gespielt hat. Irgendwann käme die Zeit, in der man sich nur mit Widerwillen an solche Bemühungen um Sexappeal erinnere. „Glauben Sie mir!“ (S. 189)

Die Reduzierung auf ihr Äußeres bringt die Frauen in der Geschichte Freundinnen so sehr in Rage, dass sie sich mit ihren Männern duellieren. Es gilt den Spagat zwischen Gefallenwollen und Authentizität zu schaffen. Auf der einen Seite suchen die unterschiedlichen Ich-Erzählerinnen ihr wahres Ich, und auf der anderen Seite sind sie in der Ehe Prozessen der Veränderung ausgesetzt. Diese Veränderungen treten dann nach außen und schaffen zwischen den Partnern mitunter ungewollt Gemeinsamkeiten, wo es vorher eine klare Trennung gab.

Eine selbst herbeigeführte Verwandlung distanziert die einsame Bodybuilderin von ihrem schmalen, abwesenden Ehemann. Als sie eines Tages den Boxkampf zweier durchtrainierter Männer beobachtet, möchte sie ebenfalls ihre Muskulatur stärken. Sie trainiert ihren Körper, isst viel und gewinnt an Gewicht. Trotzdem wird sie von ihrem Ehemann nicht wahrgenommen. Der Akt des Aufbegehrens verlangt auch bei anderen Frauen Stärke und mitunter kämpferischen Willen.

Die Autorin hält dem traditionellen Bild der fügsamen, stillen Japanerin eine moderne Weiblichkeit entgegen. Doch das Traditionelle bricht immer dann hervor, wenn eine Frau einen Mann an ihrer Seite braucht, ob die menschliche Variante oder in anderer Weise. Als wäre eine Frau allein nie genug.

In vielen Geschichten ist die Liebe der Regisseur. Sie lässt auch Männer nicht unberührt.

„Ich wusste, dass sie absichtlich gegen mich verloren hatte. […] Ich konnte nicht aufhören zu weinen. […] Meine süße Freundin. Unvorstellbar, dich zu verlieren, lieber will ich tot sein.“ (S. 183)

Yokiko Motoya ist Dramaturgin, Autorin und Regisseurin. Neben zahlreichen Literaturpreisen erhielt sie die wichtigste japanische Auszeichnung, den Akutagawa-Preis. Ihr erstes Buch in deutscher Übersetzung schenkt dem Leser Einblicke in ein modernes Japan, das insbesondere die Frauen im Fokus hat. Eine klare Sprache und ungewöhnliche dramaturgische Wendungen machen die Lektüre unverwechselbar.

Yukiko Motoya: Die einsame Bodybuilderin: Storys.
Aus dem Japanischen übersetzt von Ursula Gräfe.
Blumenbar, Mai 2021.
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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