Yannick Steinkellner: für die galerie

Yannick Steinkellner ist 2015 Landesmeister von Steiermark & Kärnten geworden. Er gewann den Titel in der Disziplin Poetry Slam. Wir erfahren in einer Art Vorwort mehr über das Selbstbild des Autors: „… ein Experte darin zu sein, kein Experte zu sein.“ Dazu gehört der Kontext, dass der Autor ein Jahrzehnt damit verbracht hat, selbst geschriebene Texte vor Publikum vorzutragen. Seine Texte handeln von dem, was ihm die „Gesellschaft … vor die Füße wirft und was mich und die Menschen in meinem Umfeld bewegt.“ Das ist erfrischend ehrlich. Und macht neugierig auf das Folgende. Jetzt hat Steinkellner viele dieser Texte in die Form eines Buches gebracht. Funktioniert Poetry Slam auch als „Nur“-Text? Was verliert diese Literatur-Gattung, wenn sie nicht vorgetragen wird?

Steinkellners „für die galerie“ ist am besten mit einer Biographie vergleichbar und doch nicht. Ist eine Art Gesellschaftskritik und -darstellung und doch wieder auch nicht. Ein Poetry Slam in Papier gegossen. Absolut originell! Von der Kindheit bis zum Küchenradio, von Biathlon bis Leidenschaft behandelt der Autor genau das, was ihn und die Menschen in seinem Umfeld bewegt. Aufgelockert wird der Text durch eine Art Poesie, durch ein i, das über sechs Seiten reicht, durch #autobildlyrik und einen Text über Marko Arnautovic, der immerhin einmal bei Werder Bremen spielte.

Versuchen wir die eingangs gestellten Fragen zu beantworten: In „für die galerie“ verliert Poetry Slams als „Nur“-Text keineswegs von seinem Charme, seinem Flair, seiner Aura. Die Texte lesen sich, als würde Steinkellner selbst sie dem Leser vortragen. Woran liegt das? Für mich am Sprachstil. Kurze, knackige Hauptsätze, fast durchgängig im Buch zu finden, sorgen für Dynamik, Kraft und Pointen, die der Leser sich gut von einer Bühne vorgetragen vorstellen kann. Spaß, Komik und Humor kommen auf den 145 Seiten nie zu kurz.

Yannick Steinkellners „für die galerie“ ist Poetry Slam für Zuhause. Mir hat`s gefallen.

Yannick Steinkellner: für die galerie.
Lektora Verlag, September 2020.
154 Seiten, Taschenbuch, 13,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Michael Pick.

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