Wolfgang Thon: Blutiges Land

Wir befinden uns mitten im Dreißigjährigen Krieg. Wallenstein hat im Auftrag des katholischen Königs gerade die protestantischen Horden des Dänenkönigs in Lütten geschlagen, der Sieg scheint in greifbarer Nähe zu sein. In einem kleinen Kaff abseits des Kriegsgeschehens lebte man bislang friedlich. Bis eines Tages Reisende vorbeikommen. Die ersten, Protestanten mit einem Juden im Gepäck sind auf der Flucht, die Anderen, Katholiken versuchen die Flüchtigen einzufangen. Beide aber gehen mit den Bewohnern der Region nicht eben pfleglich um. Die Zeit, der Krieg und die damit verbundene Verrohung hat seinen Tribut gekostet – der geschliffene Stahl ist ebenso schnell gezogen, wie die Arkebuse abgefeuert.

Eik, der Müllerssohn, wuchs behütet auf. Mit Valerian, dem Sohn des örtlichen Fürsten, verbindet ihn eine lange Freundschaft, die durch Eiks Zuneigung zu Valerians Schwester allerdings abrupt endet. Als der Krieg Einzug hält in und um Bruchhausen und dem Schloss Villesen Einzug hält, finden sich die beiden früheren Gefährten auf unterschiedlichen Seiten wieder. Auf dem Feld der Ehre kommt es dann zur direkten Konfrontation …

Wolfgang Thon gehört zu den versiertesten Übersetzern im Fantasy-Bereich. Dass er auch selbst zu fabulieren versteht, hat er bereits mit seinem Roman „Das Lied der Dämonen“ bewiesen. Nun also legt er einen neuen Roman vor – und sucht sich, endlich einmal, eine heimische Bühne als Kulisse für seine Handlung.

Die Ära des 30-jährigen Krieges war eine Zeit, in der die Fürstentümer des späteren Deutschlands im Religionskrieg fast dem Erboden gleich gemacht wurden. Kaum eine Region, in der nicht gekämpft, die nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Marodierende Banden zogen durch die Lande, die Kämpfe wogten hin- und her.

Der Autor schildert die zum Großteil brutalen Lebensumstände der Sesshaften wie der Kampftruppen nüchtern, aber sehr gut nachvollziehbar. Beiläufig lässt er hier viel Wissenswertes über die Ära, die Lebensumstände und den Hass der Konfliktparteien aufeinander einfließen. Dass es oftmals auch ein Aufstand der verarmten Landbevölkerung gegen die Herrschenden und den Klerus war wird dabei ebenso deutlich, wie die Tatsache, dass, wie immer im Krieg, insbesondere die Schwachen und Armen darunter zu leiden haben.

Über die auf unterschiedlichen Seiten stehenden Protagonisten erhalten wir nicht nur einen sehr intimen Blick auf die jeweilige Konfliktpartei und deren Motivation, auch historische Figuren werden beleuchtet und so greifbar. Die Handlung selbst ist interessant aufgezogen, der Handlungsbogen straff strukturiert, und sprachlich adäquat umgesetzt.

So bietet dieser Roman einen höchst willkommenen Ausflug in eine Zeit, in der Deutschland vom Norden bis Süden vom Krieg, Not und Leid überzogen war, zeigt uns Gründe, Nutznießer und Leidtragende und unterhält dabei kurzweilig und spannend.

Wolfgang Thon: Blutiges Land.
Blanvalet, Januar 2017.
544 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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