William Saroyan: Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

William Saroyan wurde 1908 im US-Staat Kalifornien geboren. Seine Eltern stammen aus Armenien. Nach der Veröffentlichung seiner ersten Short Storys  arbeitete Saroyan als Drehbuchautor für Hollywoods Filmindustrie. 1943 bekam er einen Oscar für das beste Drehbuch zu dem Roman „The Human Comedy“. Den Pulitzer Preis für „The Time of your Life“ lehnte er dagegen schon 1940 ab. William Saroyan starb 1981.

Bei dtv erschienen am 8. September 2017 (zum Teil erstmals) sechzehn seiner Kurzgeschichten unter dem Titel „Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“ von Nikolaus Stingl ins Deutsche übersetzt.

Da geht ein junger, arbeitsloser, armenischer Schriftsteller zum Haareschneiden zu dem assyrischen Friseur Theodore Badal, und sie kommen ins Gespräch über ihre eigenen kleinen, verfolgten Völker. Oder die drei verschiedenen Typen von Pferdewettern im Kentucky Pool Room in San Francisco, die glücklos versuchen, einmal in ihrem Leben auf das richtige Pferd zu setzen.

Der mexikanische Landarbeiter Juan Cabral und seine 13-köpfige Familie („Er zählt die Tiere mit…“) fahren in ihrem alten Wagen über Land und finden Arbeit als Rebschneider auf einem Weinberg in Kalifornien. Der verrückte, aber reiche Indianer, Lokomotive 38, lässt sich von einem Jungen im Auto durch die Stadt und zum Angeln kutschieren, obwohl er selbst fahren könnte, und erfüllt damit einen sehnlichen Wunsch des Jungen.

In der Titelgeschichte „Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“ kündigt ein junger Mann seinen Job, damit seine ältere Vorgängerin nicht entlassen wird, macht (unter dem Vorwand das Motorrad kaufen zu wollen) eine Probefahrt mit einer Harley Davidson nach Monterey und freut sich ohne Sorgen über seine Zukunft über diesen Ausflug.Und dann ist da noch die Geschichte von dem Jungen, der unerlaubt fünf reife Birnen von den Ästen eines Baumes pflückt, die auf den Gehweg ragen und dafür eine Tracht Prügel von seinem Schuldirektor bekommt.

William Saroyan schrieb und veröffentlichte seine Geschichten in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts in Zeiten der Großen Depression in den USA. Seine Geschichten sind jedoch alles andere als depressiv. Sie handeln von den alltäglichen Dingen ganz alltäglicher Leute, die versuchen, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Dabei scheitern, aber weitermachen in der Hoffnung, eines Tages Erfolg zu haben und das „Glück des Augenblicks“ beim Schopfe greifen. Von den Geschichten und ihren Figuren geht ein unerschütterlicher Optimismus aus, der angesichts der bitteren, verzweifelten Lage, die Saroyan beschreibt, nur durch den unbändigen Überlebenswillen des Menschen erklärbar wird: „Ich ging hinaus und geradewegs zu meiner Bude, und ich hielt kein einziges Mal inne, um darüber nachzudenken, wo ich bloß einen Job finden konnte. Ich freute mich zu sehr über die Fahrt bis nach Monterey und zurück.“  (Seite 159)

Saroyans Geschichten sind zeitlos und zeitgemäß zugleich. Sie sind nicht nur literarisch, sondern auch gesellschaftlich ein Geschenk, jede und jeder sollte sie heute lesen. Sie handeln von Menschen in Migration, Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und Rassismus –  „brand“aktuelle Themen und dabei nahezu ungelöst – damals wie heute. Haben die Menschen im Laufe all der Jahre/Jahrhunderte nichts dazu gelernt?

Wenn man William Saroyans Figuren Glauben schenkt, dann eher nicht: „Das Problem mit den Leuten ist, dass sie überhaupt existieren und nichts damit anfangen können, das ist das ganze Problem, Izzy. Ich sage dir, wenn alle tot wären, dann wäre diese verrückte Welt ein viel besserer Ort für Gottes unschuldige Tiere, ganz ehrlich, Izzy.“ (Seite 132)

William Saroyan: Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich.
dtv, September 2017.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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