William Saroyan: Tja, Papa (1957)

Der amerikanische Drehbuchautor und Schriftsteller William Saroyan (1908-1981) lehnte in den 1940er Jahren einen Pulitzerpreis ab und erhielt einen Oscar. Sein Roman „Papa you’re crazy“ erschien 1957. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Tja, Papa“ veröffentlichte dtv in einer Übersetzung von Nikolaus Stingl am 28. Februar 2019. Das Buch enthält Illustrationen von Katharina Netolitzky.

William Saroyan widmet das Buch seinem eigenen Sohn Aram Saroyan, weil der ihn 1953 als Zehnjähriger darum gebeten hat, es zu schreiben.

Und so erzählt Saroyan eine Vater-und-Sohn-Geschichte mit einer Herzenswärme, die mich als Lesende sofort fasziniert. Es sind kleine Episoden aus dem Alltag der beiden Figuren, in denen es um Alltägliches und um Besonderes geht. Die Kapitel tragen Überschriften wie Buch, Wolke, Unkraut oder Knochen. Der zehnjährige Pete zieht einige Monate zu seinem Vater, der Schriftsteller ist, in ein Strandhaus im kalifornischen Malibu. Petes Eltern haben sich getrennt und seine Schwester bleibt bei der Mutter. Fortan stellt Pete seinem Vater Fragen: über das Bücherschreiben, über das Meer, über Gott und tausend andere Dinge. Fragen über das Leben. Und im Gespräch miteinander lernt Pete, aber auch sein Vater, was man über das Leben wissen sollte. Petes Vater ist geduldig und verständnisvoll. Er hört zu. Und weil Pete unbedingt mit einer Rakete zum Mond fliegen will, um als erster Mensch dort die US-amerikanische Flagge zu hissen, unternehmen sie spontan eine Autofahrt nach Half Moon Bay, um des Namens willen.

Pete ist neugierig, intelligent, er liebt das Meer, aber die Schule mag er nicht:

„Endlich war die Schule aus, und ich ging den Hügel hinauf und die Straße entlang nach Hause. Es gibt keine bessere Zeit auf der Welt als nach der Schule und keinen besseren Ort als eine Straße an einem Hang, wo es überall um einen herum etwas anzuschauen gibt. Vögel zu beobachten, Erdhörnchen dabei zusehen, wie sie weiche, schwarze Erde aus ihren unterirdischen Häusern schieben, Schmetterlinge, die mit Blumen herummachen… und dazu alle möglichen Felsen, Gras, Blumen, Bäume und Freiheit.“ (S.133)

Und Petes Vater nimmt seinen Sohn ernst, er kocht ihm „Schriftstellerreis“, Bohneneintopf und „Spabfall“. Sie rennen am Strand entlang, machen Wortspiele, besuchen ein Museum und feiern Weihnachten mit Petes Mutter und Schwester: „Und das war Weihnachten, und ich werde es niemals vergessen, solange ich lebe.“ (S. 155)

Am Ende ist klar, dass Pete auch Schriftsteller werden will und das macht seinen Vater sehr stolz:

„Aber lass uns um Himmels willen Zeug schreiben, das die Leute zum Lachen bringt, Papa, auch wenn wir kein Geld damit verdienen, denn welchen Sinn hat das Leben, wenn die Leute nicht lachen?

Überhaupt keinen, sagte mein Vater.“ (S. 191)

„Tja, Papa“ ist ein kleines, feines Buch über das Leben. William Saroyans optimistischer und menschenfreundlicher Blick auf die Welt und seine Bewohner ist für mich als Lesende Balsam auf meine gebeutelte digitalisierte, globalisierte Seele. Saroyan gibt seinem jungen Ich-Erzähler Pete eine lesens- und hörenswerte Stimme, die kein bisschen naiv oder albern daher kommt. Er schreibt herrliche Vater-Sohn-Dialoge wie z.B.:

„Wie kann man dann eine Million Dollar verdienen?
Gar nicht. Man muss lernen, ohne eine Million Dollar auszukommen.
Mit wie vielen Dollars muss man denn lernen auszukommen, anstatt ohne?
Drei.
Dreihundert?
Drei, Punkt.“ (S. 146)

Saroyan erzählt von einer Familie in Existenznöten, in Trennung und mit Geldsorgen, aber die Leute bleiben freundlich und gucken positiv auf das Leben.

„Tja, Papa“ ist ein wunderbares, ein weises Buch, von William Saroyan voller Wertschätzung und Respekt für Erwachsene und Kinder geschrieben. Ein Buch, dem ich so viele Leserinnen und Leser wie nur irgend möglich wünsche.

William Saroyan: Tja, Papa (1957).
dtv, Februar 2019.
192 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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