Will Wiles: Kein Leben ohne Minibar

keinDieser seltsame Roman wechselt ungefähr auf der Mitte sein Genre. Zuerst liest sich „Kein Leben ohne Minibar“ wie eine Kritik an der modernen Geschäftswelt, danach wird das Buch unvermittelt zum Horror-Schocker – und bleibt es bis zum Ende.

Neil Double hat einen Job, den es eigentlich gar nicht gibt. Er ist Messevertreter – heißt: Er geht stellvertretend für Geschäftsleute, die dazu keine Lust haben, auf Messen. Kein Wunder, dass die Organisatoren nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen sind: Double hält mögliche Besucher von ihren Messen fern.

Sein Leben verbringt er fast ausschließlich in den verschiedenen Hotels dieser Welt – mit Easy-Listening-Musik, abendlichen Flirts an der Bar, den immer gleichen Kunstwerken an den Wänden und den endlosen Fluren.

Als Leser denkt man, der Roman liefe darauf hinaus zu zeigen, dass niemand auf Dauer ein solches Leben ertragen kann.

Doch dann passiert zweierlei: Neil kann eine rothaarige Frau nicht vergessen, die er nur einmal getroffen hat, und das Hotel, Way Inn heißt es, fängt an, ein eigenartiges Eigenleben zu führen. Auch scheint es gleich mehrere Zimmer mit derselben Nummer zu geben. Nicht immer passt Neils Hotelcard dafür. Man fragt sich: Spielen sich diese Dinge nur in Neils Fantasie ab, oder erlebt er sie wirklich?

Obwohl sich das Buch, das mit einigen kafkaesken Momenten durchsetzt ist, gut und flüssig liest, lässt es den Leser am Ende etwas irritiert zurück. Passt das Ende, das einem Groschenheft-Horrorroman entlehnt sein könnte und gelegentlich an den Film „Matrix“ erinnert, zum Anfang? Und was hat es mit dem Messethema zu tun?

„Kein Leben ohne Minibar“ ist Will Wiles zweiter Roman. Der erste hieß „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ (2013).

Will Wiles: Kein Leben ohne Minibar.
carl’s books, März 2015.
320 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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