Walter Rügert (Hrsg.): Aus dem Leben von Clara und Emanuel von Bodman

Emanuel von Bodman ist kein Autor, den heutzutage noch viele Menschen kennen. Doch seine Gedichte, Dramen und Novellen wären wahrscheinlich noch weit unbekannter, wenn nicht seine dritte Ehefrau Clara ihr Leben der Aufgabe gewidmet hätte, während der Ehe ihrem Mann den Rücken freizuhalten und nach dessen Tod sein Werk zu bewahren und den Menschen zugänglich zu machen. Diese Hingabe hat sie in ihrem langen Leben (1890-1982) begleitet und geleitet. Sie selbst hat sich mit dieser Entscheidung glücklich gefühlt, auch wenn die Zeiten nicht immer rosig waren.

Dass Clara von Bodman nicht nur die liebevolle „Frau an seiner Seite“, sondern eine kluge, belesene und sprachlich ausdrucksstarke Frau war, die gleichzeitig mit beiden Beinen auf der Erde stand und den gemeinsamen Alltag organisierte, zeigen die von Walter Rügert herausgegebenen Texte.

Ihr kurzer „Nachruf zu Lebzeiten“ leitet das Buch ein. Hierin hat Clara von Bodman schon früh die ihrer Meinung nach wichtigsten Daten und Ereignisse ihres Lebens zusammengefasst. So gibt sie nicht nur dem Pfarrer für ihre Beerdigung, sondern auch den Leserinnen und Lesern einen Überblick über ihren Werdegang und darüber, was ihr wichtig war.

Zum Leben ihres Ehemanns hat sie 200-seitiges Typoskript verfasst, das die Grundlage der Biografie bildete, die Karl Preisendanz in den „Gesamten Werken“ im Reclam Verlag veröffentlichte. Auch hieraus ist ein Abschnitt in diesem Buch enthalten. Dass Emanuel von Bodman im Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns steht, wird auch in ihrem „Manuel-Geschichten“ deutlich, die – manchmal augenzwinkernd, manchmal bewundernd, aber immer liebevoll – von ihm erzählen. Sie zeichnet das Bild eines Künstlers, der von seinen Eingebungen manchmal überrumpelt wird, der feinsinnig und kreativ, mit offenen Sinnen, aber manchmal auch ein bisschen lebensfremd durch die Welt geht. Diese Geschichten wirken – wie auch die Kindheitserinnerungen von Clara von Bodmann – manchmal etwas naiv und nostalgisch, aber auch bodenständig und ungemein entschleunigend auf mich. Nach wenigen Worten habe ich mich in eine Zeit zurückversetzt gefühlt, in der das Lebenstempo noch gemächlich war.

Dass Clara von Bodman auch intelligent, reflektiert und gebildet war, wird vor allem in einem Aufsatz aus dem Bodenseebuch von 1925 und in den abgedruckten Auszügen aus verschiedenen Briefwechseln deutlich. Auch ihr Austausch und die Freundschaft mit dem israelischen Lyriker Elazar Benyoëtz, der die Rede zu ihrem 100. Geburtstag im Marbacher Literaturarchiv hielt, wirft ein neues Licht auf ihre Persönlichkeit.

Eine andere Facette ihres Lebens zeigt sich in den Gesprächen mit Lore Gerster, denn hier öffnet sich Clara von Bodman auf eine ganz neue Weise.

Sie hat einen völlig anderen Lebensentwurf gewählt als die Autorin Alma M. Karlin, die fast zur selben Zeit geboren wurde. Karlin hat ihre Unabhängigkeit über alles geschätzt, was in ihrem Buch „Einsame Weltreise“ nachzulesen ist (Link zur Rezi). Doch beide Frauen haben mich auf ihre Art beeindruckt.

„Letztlich stellen alle diese Perspektiven aber nur Scherben dar, die ein Ganzes allenfalls erahnen lassen, aber nicht wirklich abbilden. Wie Bruchstücke eben,“ schreibt der Herausgeber Walter Rügert in seinen editorischen Notizen am Ende des Buches. Doch diese Bruchstücke sind äußerst lesenswert und haben mir Lust darauf gemacht, mehr über Clara von Bodman, aber auch über das literarische Erbe ihres Ehemanns und über Elazar Benyoëtz zu erfahren.

Walter Rügert (Hrsg.): „Mit wem möchte ich diese Freude lieber teilen …“. Aus dem Leben von Clara und Emanuel von Bodman – Erzählungen, Briefe, Gespräche.
Südverlag, April 2019.
128 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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