W. Bommert & M. Landzettel: Verbrannte Mandeln

Was auf den Teller kommt, geht jeden etwas an. Ob chemisch behandeltes Obst und Gemüse, verseuchtes Wasser oder belastetes Fleisch, all diese Themen hängen miteinander zusammen. Die Folgen des Klimawandels sind bereits im Supermarkt angekommen. Sie sind versteckt in einer Preispolitik und der Verknappung von Waren. Das Autorenduo Marianne Landzettel und Wilfried Bommert beschreibt, wie der globale Klimawandel die Lebensgrundlage und die Ernährung verändert. Ihre Ankündigung, auf Kaffee generell verzichten zu müssen oder auf Schokolade, Wein und Meeresfrüchte, dürfte so manchen Genießer aufschrecken.

Industriell hergestellte Lebensmittel erlauben den Trugschluss, alles und jeden im Griff zu haben. Sind die Böden ausgelaugt, wird reichlich gedüngt. Konzerne kaufen Ackerböden im großen Stil, lassen Wälder roden und Wüstenland bewässern. Bei zu wenig Regen bohrt man tiefere Brunnen, baut Stauseen und zapft Flussläufe an. Bewässerungstechnik, Gewächshäuser, ein automatisierter Anbau, Erntemaschinen kosten enorm viel. Natürlich muss sich jede Investition für die Konzerne und Börsenvertreter rentieren. Zum Beispiel durch exzessive Ausbeutung der Umwelt und Mitarbeiter oder steuerliche Abschreibung.

Doch ein paar Dinge lassen sich nicht kontrollieren: Regen zum falschen Zeitpunkt, Überschwemmungen, Schlammlawinen, Übersäuerung der Meere oder die für den Anbau falschen Temperaturen. Hitze reduziert die Ernte im Sommer, warme Winter ebenfalls. Kakao, Nüsse, Obst oder Kartoffeln verkümmern.

Dank der Globalisierung erreichen exotische Lebensmittel unsere Teller und Gewächse die Gärten. Mit ihnen kommen exotische Insekten und Bakterien, die ohne Freßfeinde ihren Hunger stillen. Die Folgen sind zum Beispiel in der Verknappung von Oliven und Trauben spürbar. Darüber hinaus fördert die Lebensmittelindustrie mit Hilfe der Politik empfindliche Monokulturen.

Das Lied, alle Menschen ernähren zu wollen, schrillt in den Ohren. Die einst kassefüllende Mantra »Masse statt Klasse« treibt die verschuldeten Landwirte in eine Spirale sinnentleerter Investitionen.

Die Journalistin Marianne Landzettel und der promovierte Agrarwissenschaftler Wilfried Bommert bereisten viele Länder, interviewten Farmer und Fachleute. Zusammengetragen haben sie eine Fülle an Informationen, die den Leser wachrüttelt. Die spannende Lektüre weckt Gefühle, die ein Sachbuch in der Regel selten hervorruft. Und ginge es nicht um reale Fakten, wäre die komplexe Thematik bestens geeignet für Umweltthriller. Statt nur anzuprangern, geben die Autoren auch Beispiele für einen möglichen Ausweg aus der Misere. Sie zeigen moderne Anbaumethoden und weisen auf die Vorteile indigener Pflanzen hin. Nur gegen die Klimaerwärmung hilft kein Kraut. Hilfreich seien eine drastische Reduzierung von Kohlenstoffdioxid und ein sinnvoller Umgang mit Ressourcen. Entscheidend bleibt die Frage, wofür Bürger ihr Geld ausgeben und wie sie konsumieren. Denn inzwischen ist jede Ausgabe ein politischer Akt geworden. Jeder Kauf nährt eine bestimmte Art von Wertschöpfung.

Verbrannte Mandeln können niemandem schmecken. Gar keine Mandeln mehr schenken die Erinnerung an einen Geschmack, der vergehen wird.

Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall ein must have and must read.

Wilfried Bommert & Marianne Landzettel: Verbrannte Mandeln: Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht.
dtv, August 2017.
288 Seiten, Taschenbuch, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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