Volker Kitz: Feierabend!: Warum man für seinen Job nicht brennen muss

Wir machen uns das Leben ganz schön schwer. Nicht nur, dass wir unseren Lebensunerhalt verdienen müssen, nein, wir haben dabei gefälligst auch noch Spaß zu haben. Und uns selbst zu verwirklichen. Und zu verzweifeln, weil das nicht klappt, weil der Job den ganzen Tag über bloß blöde Routine ist.

Es ist nur leider so, dass die meisten Jobs den größten Teil der Zeit über bloße Routine sind und das ist auch gut so. Nicht umsonst schätzt man Erfahrung hoch ein, die den Menschen befähigt, nicht den Überblick zu verlieren, wenn aus der Routine plötzlich dann doch eine Herausforderung wird. Wer möchte schon einen Piloten, für den der Flug München-Düsseldorf jedes Mal wieder eine Herausforderung ist und der die Nerven verliert, wenn das erste Gewitter aufzieht. Davon mal ganz abgesehen, wer für seinen Job jeden Tag 24 Stunden brennt, der ist auch recht schnell ausgebrannt und zu gar nichts mehr fähig.

Das Problem liegt nur darin, dass wir uns einreden lassen, wir hätten ein schlechtes Leben, wenn wir einen normalen – heißt in Strecken öden – Berufsalltag haben. Das ist aber die Normalität. Wenn wir also normal leben, stressen wir uns, weil wir keinen Streß haben. Das hört sich irgendwie bescheuert an und wenn man Volker Kitz Buch gelesen hat, weiß man auch warum. Eine gute Freundin hat mir mal gesagt, in jeder Generation gibt es nicht mehr als eine Handvoll Genies, weil die Gesellschaft auch nicht mehr verkraften kann. Das nicht nämlich die, die nicht anders können, die Tag und Nacht malen oder schreiben oder was auch immer arbeiten müssen und dabei oft genug früh kaputt gehen. Und meistens auch nicht gerade Balsam für ihre direkte Umwelt sind. Wir können nicht alle so sein und wir dürfen nicht alle so sein, weil ein geregeltes gesellschaftliches Leben sonst gar nicht mehr mögich wäre. Irgendjemand muss die langweilige Routine machen. Wenigstens werden wir dafür bezahlt. Volker Kitz These lautet: Nicht die Arbeit macht unglücklich, sondern die Lügen, die wir uns darüber erzählen. Wir wären zufriedener, wenn wir damit aufräumen würden.

Das Buch ist unterhaltsam geschrieben und rückt so manches im Denken wieder gerade. Mir hat es gefallen.

Volker Kitz: Feierabend!:  Warum man für seinen Job nicht brennen muss.
Fischer, Februar 2017.
96 Seiten, Taschenbuch, 8,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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