Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich moderne,  gute, französische Literatur empfehlen könne, dann hätte ich natürlich folgende Antwort parat: 1. „Unterwerfung“ von Michel Houlellebecq und dann gleich danach von 2. Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex“. Unbedingt lesen! Um gleich einen Strick dazuzulegen. Ehrlich, „Unterwerfung“ war schon niederschmetternd, aber Despentes holt uns aus allen Träumen von einem lebenswerten Leben mit Hoffnung auf Zukunft. Das Buch schreit uns förmlich an: „Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Bist Du blind und siehst die ganze Scheiße nicht? Wo lebst Du eigentlich? Und warum machst Du Dir immer noch was vor? Sieh gefälligst hin, Du Träumer!“ Ja, so kann es einem gehen, wenn man sich durch das Buch gebissen hat.

Fast vierhundert Seiten quälende Wahrheiten, Aussagen, wie in Stein gemeißelt, ohne dass ich widersprechen kann. Wir gehen durch Dantes Hölle, nur eben heute, wir begleiten Vernon Subutex auf seinem Weg nach unten, und wundern uns jedes Mal, wie tief es noch gehen kann. Ganz bitter oder eben grausam schön: es gibt einen oder sogar zwei weitere Teile. Der zweite „Subutex“ kommt im Frühjahr 2018. Mal sehen, ob wir – wie Frankreich – noch so ein Buch verkraften. Und Frankreich ist ja nebenan. Ich denke, bzw. will gar nicht wissen, dass es in Deutschland genau so ist. Aber warum eben nicht? Wir haben die gleichen unlösbaren Probleme: die Digitalisierung, der Facebook- und YouTube-Scheiß, der Untergang der Mittelschicht, die Pornoisierung der Gesellschaft, Islamismus, das Schwappen des rechten Randes zum Tsunami! Das Scheitern des Einzelnen, der Subutexe, spiegelt das Scheitern der westlichen Lebensmodelle. Einsame Klasse, diese Analyse.

Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex.
Kiepenheuer&Witsch, August 2017.
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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