Ursula Poznanski: Blutkristalle

Auf gerade einmal 80 Seiten schafft es die bekannte österreichische Autorin, die Leserin zu fesseln, zu erschrecken und zu überraschen. In diesem neu-deutsch Short-Read genannten Kurz-Thriller erzählt sie aus der Perspektive des Antagonisten. Wolfram ist ein Stalker. Er verfolgt Ella, der er in Liebe verfallen zu sein glaubt. Ella aber liebt Paul. Die beiden planen eine mehrtägige Winterwanderung im Gebirge, über teils lebensgefährliche Wege und Pässe. Diese Gelegenheit will Wolfram nutzen, um sich seines vermeintlichen Nebenbuhlers zu entledigen. Minutiös bereitet er alles vor, wartet auf Ella und Paul am Rande einer Schlucht …

Es fasziniert mich jedes Mal wieder, wie Ursula Poznanski Atmosphäre schafft, Charaktere entwickelt und Spannung erzeugt. Und dies nun in einer Form, die nicht viel mehr als eine Erzählung ist, ihren anderen Thrillern aber in nichts nachsteht. Besonders geschickt ist es, Wolfram immer wieder, wie in einem Selbstgespräch, Dialoge führen zu lassen, ohne dass man erkennen könnte, mit wem er spricht. Allein dies ist schon ein erhebliches Spannungsmoment, vermutet man dahinter doch eine Art von Schizophrenie.

Auch gibt es wenige Krimis oder Thriller, die nicht aus der Perspektive des oder der Opfer, also der „Guten“ erzählt werden. So macht es dieser Kniff zusätzlich aus, das Besondere an diesem Kurz-Thriller von Ursula Poznanski.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre, nichts für schwache Nerven, aber eine prima Gelegenheit für alle, die noch nicht ihr Fan sind, diese Schriftstellerin kennenzulernen.

Ursula Poznanski: Blutkristalle.
Knaur, Mai 2021.
80 Seiten, Taschenbuch, 8,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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