Tom Leveen: Ich hätte es wissen müssen

Leveen_24931_MR1.inddSchicksal, Zufall, eine zweite Chance?
Für Tori ist der nächtliche Hilferuf auf ihrem Handy alles zusammen.
Ein Junge mit dem Namen Andrew will sich das Leben nehmen. Er befindet sich irgendwo in den Bergen, um gleich in den Abgrund zu stürzen.
„…Andrew, hör mal, wenn du das auch nur ein kleines bisschen ernst gemeint hast … also, was du vorhin gesagt hast, und ich bezweifle ja eigentlich, dass es so ist, dann solltest du wissen, dass ich absolut die falscheste Person auf der Welt bin – ich meine, wirklich so was von total falsch -, mit der du im Moment telefonieren solltest.“ (S. 45)
Tori befindet sich gerade in einem Ausnahmezustand. Tausende hassen sie. Jeder kann die Wut auf sie im Internet lesen. Und morgen steht sie vor dem Richter, der über ihr Fehlverhalten entscheiden wird. Und dies „nur“, weil sie mit ihren neuen Freunden über Kevin hergezogen ist. Natürlich im Internet, wo es ein großes Publikum gibt. Wie ein Fremdkörper wirken seine Einträge auf ihrer Facebook-Seite.
Alle dachten, ihre „Witze“ bleiben folgenlos. Vor ein paar Monaten hat sich Kevin erhängt. Aber Andy lebt noch. Tori will wieder etwas gut machen, was genau genommen unheilbar ist. Die ganze Nacht lang telefoniert sie mit dem fremden Jungen. Nicht noch einmal will sie sich schuldig fühlen, oder für den Tod eines Menschen verantwortlich gemacht werden. Andy soll leben. Sie zahlt dafür einen Preis, den sie nicht überblicken kann.
Tom Leveen hat ein kurzweiliges Kammerspiel über ein paar Stunden am Handy geschrieben, in dem zwei Jugendliche ihre Sorgen preisgeben. Manchmal sind sie ehrlich miteinander, manchmal lügen sie, manchmal belügen sie sich auch selbst. Einfühlsam und zugleich eindringlich zeigt er Toris Ängste und ihre Sehnsucht nach Anerkennung. Wie in seinem Roman „Party“ gelingt es ihm, aktuelle Themen spannend zu verpacken, ohne den Leser moralisch in die Pflicht zu nehmen.
Gute Unterhaltung kann kaum besser gemacht werden.

Tom Leveen: Ich hätte es wissen müssen.
Hanser, Juli 2015.
208 Seiten, Taschenbuch, 15,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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