Thomas Stipsits: Uhudler-Verschwörung. Ein Stinatz-Krimi

„Uhudler“ bezeichnet einen Wein, der im österreichischen Südburgenland als Cuveé hergestellt wird. Weil er nicht gerade Tafelweinqualitäten aufweist, wurde er auch lange Zeit „Haustrunk“ genannt. Aufgrund seines erhöhten Methanolgehaltes war er ab den 1980-er Jahren in Österreich verboten, bevor er eine Rehabilitation und eine Renaissance erfuhr.

Thomas Stipsits´“Uhudler-Verschwörung“ ereignet sich in Stinatz, einem Ort in eben diesem Südburgenland.

Zwei Weinbauern vermarkten Uhudler. Einer von ihnen, Alois Stipsits (Namensgleichheit mit dem Autor!), wird in seinem Weinkeller tot aufgefunden. Offenbar ist ein Ventilator ausgefallen und er ist an Gärgasen erstickt.

Gruppeninspektor Sifkovits glaubt nicht an eine natürliche Todesursache und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Unterstützt wird er dabei von seiner Mutter Barbara, „Baba“ genannt, und ihren kuriosen Freundinnen, die natürlich über allerlei Hintergrundwissen verfügen und bestens im Dorf vernetzt sind.

Sie dienen Sifkovits als wichtige Informantinnen, während er selbst mit einem kleinen Peugeot mit quietschenden Bremsen durch die Gegend kurvt und bei jeder Gelegenheit Käsepappeltee trinkt.

Durch diverse Ermittlungen kommt an den Tag, dass Weinbauer Stipsits seinem Konkurrenten einen alten Weinkeller abgeluchst und auch sonst allerlei krumme Geschäfte am Laufen gehabt hat.

Vor allem hat er in den 1980-er Jahren Uhudler aus Rumänien nach Österreich geschmuggelt und dabei sexuelle Kontakte zur minderjährigen Rumänin Valea unterhalten.

Besagte Valea wurde auch in Stinatz gesichtet, bevor sie dann spurlos verschwand.

Bald stellt sich heraus, dass das rumänische Ehepaar, das bei Weinbauer Stipsits angestellt war, in getrennten Zimmern schläft und getrennte Badezimmer benützt. Kommissar Sifkovits wird hellhörig und findet heraus, dass es sich bei dem angeblichen Ehepaar um die Geschwister von Valea handelt, die den Weinbauern erpresst haben.

Was genau ist 1988 passiert? Weswegen wurde Weinbauer Stipsits ermordet, denn er ist tatsächlich keines natürlichen Todes gestorben, sondern schon tot in seinem Keller abgelegt worden.

Thomas Stipsits lässt in seiner „Uhudler-Verschwörung“ allerlei liebenswertes Personal aufmarschieren. Es gelingt ihm, ein sympathisches Bild eines südburgenländischen Weinbauerndörfchens zu zeichnen, einen etwas schrulligen aber kompetenten Kommissar zu kreieren, dabei aber nicht ins Kitschige abzudriften. Man möchte direkt hinfahren, mit den alten Ladys auf dem Dorfplatz einen Uhudler trinken, mit dem Pfarrer ein paar Takte plaudern und über die Weinberge blicken.

Allzu Blutrünstiges mutet Stipsits seinen Lesern nicht zu, allzu viele Irrungen und Wirrungen auch nicht, er verrät aber auch nichts Wichtiges vorab und man ist dann doch erstaunt, wer der Mörder ist/die Mörder sind.

Ein „Feel-Good-Krimi“, gerade richtig für triste Lockdown-Zeiten, der einen mit einem Lächeln in den Mundwinkeln zurücklässt.

Nicht umsonst war die Hardcover-Version der „Uhudler-Verschwörung“ in Österreich das meistverkaufte Buch in der Sparte Belletristik 2020.

Thomas Stipsits: Uhudler-Verschwörung. Ein Stinatz-Krimi.
Carl Ueberreuter Verlag, Dezember 2020.
176 Seiten, Taschenbuch, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Karina Luger.

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