William Saroyan: Tja, Papa (1957)

Der amerikanische Drehbuchautor und Schriftsteller William Saroyan (1908-1981) lehnte in den 1940er Jahren einen Pulitzerpreis ab und erhielt einen Oscar. Sein Roman „Papa you’re crazy“ erschien 1957. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Tja, Papa“ veröffentlichte dtv in einer Übersetzung von Nikolaus Stingl am 28. Februar 2019. Das Buch enthält Illustrationen von Katharina Netolitzky.

William Saroyan widmet das Buch seinem eigenen Sohn Aram Saroyan, weil der ihn 1953 als Zehnjähriger darum gebeten hat, es zu schreiben.

Und so erzählt Saroyan eine Vater-und-Sohn-Geschichte mit einer Herzenswärme, die mich als Lesende sofort fasziniert. Es sind kleine Episoden aus dem Alltag der beiden Figuren, in denen es um Alltägliches und um Besonderes geht. Die Kapitel tragen Überschriften wie Buch, Wolke, Unkraut oder Knochen. Der zehnjährige Pete zieht einige Monate zu seinem Vater, der Schriftsteller ist, in ein Strandhaus im kalifornischen Malibu. Petes Eltern haben sich getrennt und seine Schwester bleibt bei der Mutter. Fortan stellt Pete seinem Vater Fragen: über das Bücherschreiben, über das Meer, über Gott und tausend andere Dinge. Fragen über das Leben. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen

Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri wurde 1925 auf Sizilien geboren, und das ist auch die Heimat seines berühmten Commissarios Salvo Montalbano, den er seit Ende der 1990er Jahre in der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta ermitteln lässt. Montalbanos erster Fall „Die Form des Wassers“ erschien im Frühjahr 2000 in Deutschland. Den neuen Krimi „Das Nest der Schlangen“ veröffentlichte Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Rita Seuß und Walter Kögler am 31. Januar 2019, Camilleri schrieb den Roman aber schon 2008, wie er in seinen Anmerkungen am Ende des Buches erklärt.

Commissario Montalbano träumt und lauscht andächtig dem Gesang einer Nachtigall. Als er wach wird, hört er immer noch dieses wunderbare „Il cielo in una stanza“. Das kommt jedoch von einem Mann, der sich auf seiner Veranda vor dem Regen untergestellt hat. Montalbano bietet dem Fremden Kaffee und eine heiße Dusche an:

„Ein Vagabund, soviel war klar.“ (S. 7)

Dann klingelt das Telefon, und Catarella informiert ihn über den Mord an dem Buchhalter Cosimo Barletta. Weiterlesen

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Kit de Waal: Die Zeit und was sie heilt

Die Britin Kit de Waal (Jahrgang 1960) war 2017 mit ihrem Debüt-Roman „Mein Name ist Leon“ sehr erfolgreich. Am 22. Januar 2019 ist  ihr zweiter Roman „Die Zeit und was sie heilt“ bei Rowohlt Hundert Augen in einer Übersetzung von Katharina Naumann erschienen.

In „Die Zeit und was sie heilt“ erzählt Kit de Waal die Geschichte der irischen Puppenmacherin Mona, die in einem englischen Ort am Meer einen kleinen Laden betreibt. Die Puppen werden von einem Tischler aus Holz hergestellt und Mona stattet sie mit Gesichtern, Kleidern und Accessoires aus, alles handgemacht. Sie hat Kunden auf der ganzen Welt. Aber es kommen auch Frauen, deren Babys tot geboren wurden und die sich eine Puppe machen lassen. Mona hat ein Talent, den traurigen Müttern Trost zu spenden. Sie selbst hat eine ähnlich traumatische Lebenserfahrung hinter sich. Monas Mutter verstarb früh und sie verließ Irland und ihren geliebten Vater Anfang der 1970er Jahre, um in England zu arbeiten. Mona verliebt sich in William, die beiden heiraten. Monas Schwangerschaft endet dramatisch. Die Ehe zerbricht, William wird psychisch krank und verschwindet aus Monas Leben. Weiterlesen

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John Niven: Kill ‘em all

Der schottische Schriftsteller John Niven (Jahrgang 1966) kennt sich aus in der Musikbranche. War er doch selbst Musiker und A&R- (Artists and Repertoire) Manager in einer Plattenfirma. In dem Roman „Kill your friends“ (2008) ließ er schon kein gutes Haar an der Musikindustrie und ihrem Umfeld. Jetzt begegnen wir dem supercoolen Steven Stelfox in „Kill ‘em all“ wieder. Der Wilhelm Heyne Verlag hat John Nivens neuesten Roman in seiner Reihe Heyne Hardcore am 21. Januar 2019 in einer Übersetzung von Stephan Glietsch veröffentlicht.

Es ist das Jahr 2017, Steven Stelfox is back. Mit fast fünfzig genießt er seinen Reichtum und arbeitet hin und wieder als Berater für die Musikindustrie.

James Trellick, CEO der großen amerikanischen Plattenfirma Unigram und ein alter Freund von Stelfox bittet ihn um Hilfe. Der Star des Labels, Lucius du Pre, steht vor dem Ruin. Drogensüchtig und pädophil wird er zum unberechenbaren Risiko für Unigram. Die „cash cow“ liefert nicht mehr und wird außerdem von den Eltern eines Jungen erpresst, den er sexuell missbraucht hat. Dabei wird gerade alles für seine große Comeback-Tour vorbereitet. Eine Veröffentlichung des Erpresservideos wäre ein Desaster. Weiterlesen

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Arnaldur Indriðason: Graue Nächte

Der bekannte isländische Krimiautor Arnaldur Indriðason (Jahrgang 1961) hat mit dem Island-Krimi „Graue Nächte“ nach „Schattenwege“ (2017) und „Der Reisende“ (2018) den dritten Band in der Reihe um den isländischen Kommissar Flóvent und Thorson, seinen kanadischen Kollegen von der Militärpolizei, geschrieben. Der Bastei Lübbe Verlag veröffentlichte das Buch in einer Übersetzung von Anika Wolff am 21. Dezember 2018.

Der Krimi „Graue Nächte“ spielt während des 2. Weltkrieges. Island ist von den Amerikanern besetzt.

In Petsamo, Nordfinnland, warten im Frühjahr 1940 beinahe 300 Isländer darauf, mit dem Passagierschiff „Esja“ zurück in die Heimat zu gelangen. Eine junge Frau ist mit ihrem Verlobten, dem Medizinstudenten Ósvaldur, verabredet, aber der erscheint nicht. Von einem Kommilitonen von Ósvaldur erfährt sie, dass er wahrscheinlich von den Nazis verhaftet wurde. Trotz Genehmigung wird die Überfahrt nach Island wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen auf See gefährlich, und die junge Frau macht sich große Sorgen um ihren Verlobten. Noch während der Fahrt versucht sie, Informationen zu seinem Verschwinden zu erhalten. Weiterlesen

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Brendan Behan: Borstal Boy (1958)

Brendan Behan wurde 1923 im irischen Dublin geboren. Sein Vater war Anstreicher und Gewerkschafter, er wurde mehrfach wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftiert. Mit 16 Jahren trat Brendan Behan der IRA bei und wurde beinahe umgehend bei einem Anschlagsversuch mit Sprengstoff in Liverpool verhaftet. Drei Jahre verbrachte er in einer englischen Besserungsanstalt, einem „Borstal“, in Suffolk. Über diese Zeit schrieb er den autobiografischen Roman „Borstal Boy“, der 1958 im Original erschien. In Deutschland wurde er 1963 erstmals veröffentlicht. Kiepenheuer & Witsch haben am 10. Januar 2019 eine Neuauflage des irischen Klassikers in einer Taschenbuchausgabe herausgegeben. Curt Meyer-Clason übersetzte den Roman aus dem Englischen. Behan Brendan starb 1964 mit nur 41 Jahren an jahrelangem Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Der erste Teil von „Borstal Boy“ beginnt mit der Verhaftung von Brendan Behan in einer Liverpooler Pension. Dort sollte er für die IRA einen Sprengstoffanschlag in den Docks durchführen. Zunächst landet er in Untersuchungshaft. Und schon dort schließt er Freundschaft mit anderen Inhaftierten, wie z.B. Charlie aus Croydon und Rotschopf. Weiterlesen

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Michael Robotham: Die andere Frau

In schöner Regelmäßigkeit schreibt der Australier Michael Robotham (Jahrgang 1960) einen neuen Psychothriller um den Psychologen Joseph „Joe“ O’Loughlin und den mittlerweile pensionierten Polizisten Vincent Ruiz. Am 27. Dezember 2018 erschien im Wilhelm Goldmann Verlag „Die andere Frau“ in einer Übersetzung von Kristian Lutze.

Professor Joseph O’Loughlins achtzigjähriger Vater liegt bewusstlos und mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus. Offenbar ist er eine Treppe herunter gestürzt. Joe eilt sofort ans Krankenbett und trifft dort auf eine ihm unbekannte, weinende Frau, die behauptet mit William O’Loughlin, „Gottes Leibarzt im Wartestand“, verheiratet zu sein. Nach und nach enthüllt sich das für Joe Unfassbare: sein ehrenwerter Vater hatte eine Zweit-Familie in London.

Die ehemalige Tennisspielerin Olivia Blackmore ist Mitte vierzig, attraktiv und lebt seit über zwanzig Jahren mit William O’Loughlin zusammen. Olivia hat einen psychisch kranken Sohn namens Ewan und einen toten Ex-Mann.

Joe glaubt nicht an einen Unfall, der ermittelnde Polizeibeamte DI Stuart Macdermid zeigt sich nicht sehr kooperativ. Seine junge Kollegin, Detective Kate Hawthorn, jedoch unterstützt Joes Ermittlungen. Außerdem weiht er Vincent Ruiz ein, der aktuell in Unternehmensbetrugsfällen ermittelt. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Gewisse Momente

Der italienische Schriftsteller und Regisseur Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) hat zu seinem neunzigsten Geburtstag 2015 eine Sammlung von Geschichten über Begegnungen und Bücher, die in seinem Leben eine große Bedeutung gespielt haben, unter dem Originaltitel „Certi Momenti“ veröffentlicht. Nun ist dieses Buch, im Deutschen heißt es „Gewisse Momente“, am 18. Dezember 2018 im Rowohlt Verlag in einer Übersetzung von Annette Kopetzki erschienen.

Darin versammelt Andrea Camilleri kurze Geschichten von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten und der Literatur, die sein Leben geprägt haben.

Sei es die Beichte bei Bischof Piccione vor Camilleris Hochzeit, die sich zu einem dreistündigen Gespräch entwickelte oder die unglücklichen Begegnungen mit dem Filmregisseur Pier Paolo Pasolini. Camilleri beschreibt Erlebnisse während der Zeit des Faschismus, wie die Geschichte von „David, genannt Pippo“ und die anrührende Wiederbegegnung mit dem jüdischen Mitschüler, den Camilleri tot glaubte, Ende der 1980er Jahre. Ein Buch mit dem Titel „So lebt der Mensch“ von André Malraux macht aus Camilleri mitten im Faschismus (1942) einen Mann „mit kommunistischen Ideen“. Zum Abschluss des schmalen Bandes erzählt er über das traurige Schicksal der Prostituierten Foffa. Weiterlesen

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A. L. Kennedy: Süßer Ernst

Die schottische Schriftstellerin Alison Louise Kennedy (Jahrgang 1965) lebt aktuell in der Nähe der britischen Hauptstadt und hat mit „Süßer Ernst“ einen Roman über zwei Menschen in London geschrieben. Das Buch ist am 5. November 2018 in einer Übersetzung von Ingo Herzke und Susanne Höbel im Carl Hanser Verlag erschienen.

In „Süßer Ernst“ beschreibt A. L. Kennedy das Leben von Jon und Meg während eines Tages im Frühjahr des Jahres 2015. Jon ist Ende fünfzig und Regierungsbeamter, geschieden mit einer erwachsenen Tochter. Meg ist  Mitte vierzig und eine trockene Alkoholikerin, die einmal Buchhalterin war und jetzt in einem Tierheim arbeitet. Die Geschichte beginnt um 6:42 Uhr in der Früh damit, dass Jon in der Wohnung seiner Ex-Frau die Blumen gießt und dabei einen kleinen Vogel aus einem Netz befreit, in dem er sich verfangen hatte. Dabei kackt ihm der Vogel aus Angst auf die Hose, und Jon kotzt zum ersten, jedoch nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Meg spaziert auf den Telegraph Hill, um den Sonnenaufgang zu sehen. Sie feiert ihren ersten Geburtstag. Seit einem Jahr hat sie keinen Alkohol getrunken.

Kennedy erzählt im Folgenden abwechselnd aus Jons und Megs Perspektive mit vielen inneren Monologen. Eingeleitet werden die Kapitel, die jeweils eine Uhrzeit als Überschrift tragen, durch kurze Miniaturen, in denen Stadtszenen beschrieben werden. Irgendwann am Ende der vierundzwanzig Stunden und nach mehreren Verzögerungen werden Jon und Meg sich treffen. Weiterlesen

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Dörte Hansen: Mittagsstunde

Hier ist es nun, mein Buch des Jahres 2018: Die Journalistin, Linguistin und Schriftstellerin Dörte Hansen (Jahrgang 1964) hat mit ihrem zweiten Roman wieder einen Buch-Volltreffer gelandet. Nach „Altes Land“, dem Überraschungserfolg aus dem Jahre 2015, ist „Mittagsstunde“ am 15. Oktober 2018 im Penguin Verlag erschienen.

Darin kehrt Dr. Ingwer Feddersen, Prähistoriker an Universität Kiel, in sein Heimatdorf Brinkebüll, einem Geestdorf in Schleswig-Holstein, zurück, um seine betagten Großeltern Sönke und Ella zu pflegen. Dazu hat er an der Uni ein Sabbatical eingereicht und seine langjährige Wohngemeinschaft mit Diplomatentochter Ragnhild Dieffenbach und Regattasegler Claudius in einem Kieler Altbau verlassen.

In Rückblenden erzählt Dörte Hansen die Geschichte von Marret, Ingwers Mutter, die singen konnte und im Dorf nur „Marret Ünnergang“ genannt wurde. Ingwer ist das Ergebnis einer kurzen Begegnung im Jahre 1965 zwischen der siebzehnjährigen Marret und einem Ingenieur, der als Landvermesser bei der Flurbereinigung in Brinkebüll mitarbeitete. Marrets Eltern, Sönke und Ella, ziehen den Jungen auf. Marret ist anders, „verdreiht“, sie läuft mit weißen Klapperlatschen durch das Dorf und verkündet den Weltuntergang. Und jede und jeder in Brinkebüll weiß, dass sie ein Kuckuckskind ist. Weiterlesen

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