Günter de Bruyn: Der neunzigste Geburtstag

Der deutsche Schriftsteller Günter de Bruyn (Jahrgang 1926) wurde in Berlin geboren, erlebte Nazi-Deutschland, arbeitete als Bibliothekar und Schriftsteller in der DDR und lebt heute in Görsdorf (Brandenburg). De Bruyn wurde vielfach ausgezeichnet und besonders durch seine kulturgeschichtlichen Essays und seine autobiographischen Werke bekannt. Am 26. September 2018 ist sein Roman „Der neunzigste Geburtstag“ im S. Fischer Verlag erschienen.

Die Geschichte um die Familie Leydenfrost siedelt Günter de Bruyn im Jahre 2015 im Dorf Wittenhagen in Brandenburg an. Hedwig Leydenfrost, die früher „radikale Wortführerin der außerparlamentarischen Opposition“ gewesen ist, wird im nächsten Jahr neunzig Jahr alt. Dieser runde Geburtstag soll mit einer Spendensammlung für Flüchtlinge verknüpft werden. Die Organisation der Feier liegt in den Händen von Hedwigs Bruder Leonhardt, ihrer Pflegetochter Fatima und Leonhardts Tochter Wilhelmine sowie deren Sohn Walter.

Leonhardt Leydenfrost, der selber weit über achtzig Jahre alt ist und im Gegensatz zu seiner Schwester die DDR nie verlassen hatte, ist ehemaliger Bibliothekar und lebt mit Hedwig, Wilhelmine, Fatima und Walter in der Villa auf dem ehemaligen Gutshof der Familie. Weiterlesen

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Jo Nesbø: Macbeth: Blut wird mit Blut bezahlt

Jo Nesbø, weltberühmter norwegischer Krimiautor, hat sich im Rahmen Shakespeare-Projektes von Hogarth Press (1917 von Virginia und Leonard Woolf gegründet) an die Neuerzählung von Shakespeares Tragödie „Macbeth“ aus dem Jahre 1606 gemacht. Der Thriller erschien am 27. August 2018 im Penguin Verlag. Deutsch von André Mumot.

Darin entwirft Nesbø ein düsteres Bild um den „Königsmörder“ Macbeth, den er zum Inspector einer Polizei-Spezialeinheit, dem SWAT-Team, in einer heruntergekommenen, ehemaligen Industriestadt in Schottland macht. Drogen und Gewalt sind an der Tagesordnung, jahrzehntelang toleriert von dem korrupten Chief Commissioner Kenneth. Doch nun ist Duncan Polizeichef geworden, und er setzt sich für Recht und Gesetz ein. Zunächst kämpft Macbeth, der selbst einmal drogenabhängig war, diesen Kampf gegen die Norse Riders und Hecate, der grauen Eminenz des Drogenhandels, erfolgreich mit. Doch dann gerät sein Gerechtigkeitsempfinden auf die falsche Spur. Weiterlesen

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Maxim Biller: Sechs Koffer

Der Schriftsteller und Journalist Maxim Biller (Jahrgang 1960) steht mit seinem neuesten Buch „Sechs Koffer“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2018. Der Roman ist am 8. August 2018 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Darin erzählt Maxim Biller die Geschichte einer jüdisch-russischen Familie, die Ähnlichkeiten mit seiner eigenen Familiengeschichte aufweist. Der Ich-Erzähler ist der junge Sohn der Familie, der in den Geheimnissen, Gerüchten und Geschichten um den Tod des Großvaters Schmil Biller, des „Taten“, stöbert. Dabei hat jede und jeder in der Familie ihre bzw. seine eigene Version darüber, wie es 1960 zur Hinrichtung des Großvaters durch den KGB kam.

Der Roman beginnt 1965 in Prag. Die Eltern des Erzählers, Semjon (Sjoma) und Rada, sind aus Moskau nach Prag geflüchtet. Sjoma arbeitet als Übersetzer, Rada in einem Institut. Der Bruder von Sjoma, Dima, wird aus dem Gefängnis entlassen. Dima wird von der Familie für den Verrat und den Tod des Großvaters verantwortlich gemacht. Aber war er es wirklich? Oder war es vielleicht Dimas schöne Ehefrau, Natalia Gelernter? Natalia dreht Filme („Hanka Zweigová 1967“) und war einst die Geliebte von Sjoma. Später bringt sie sich in Genf um. Weiterlesen

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Andreas Martin Widmann: Messias

Der deutsche Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Andreas Martin Widmann (Jahrgang 1979) debütierte 2012 mit seinem Roman „Die Glücksparade“, für den er mit dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet wurde. Nun ist am 21. August 2018 im Rowohlt Verlag sein neuestes Buch mit dem Titel „Messias“ erschienen.

„Messias“ erzählt die Geschichte einer Familie auf der Suche nach Erlösung. Da ist der Vater Paul Helmer, der in der Werbebranche tätig ist, und in dieser Funktion einen Auftrag für einen arabischen Kunden namens Faisal erhält. Dafür muss er nach London reisen. Seine Frau Inge, ehemalige Lehrerin, gibt Gymnastik- und Fitnesskurse für Frauen in ihrer kleinen Heimatstadt. Wegen ihrer unspezifischen gesundheitlichen Beschwerden ist sie bei Marian, einem Heilpraktiker und Coach, in Behandlung. Paul und Inges erwachsene Tochter Judith versucht sich als Künstlerin und Fotografin. Nach einem kurzen Aufenthalt in einer Kommune in Dänemark kehrt sie unangekündigt in ihr Elternhaus zurück.

Paul genießt seinen Aufenthalt im geschäftigen London. Immer wieder lässt der geheimnisvolle Auftraggeber für eine Werbekampagne der neuen arabischen Fluggesellschaft Oman Airlines die gemeinsamen Termine platzen. Für Paul  wird die Suche nach Faisal zur Hoffnung auf ein anderes Leben. Weiterlesen

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Alex Capus: Königskinder

Der Schweizer Alex Capus (Jahrgang 1961) ist Autor von Romanen, Kurzgeschichten und Reportagen. Er hat seine Leserinnen und Leser 2016 in „Das Leben ist gut“ mit dem Paar Max und Tina bekannt gemacht. In Capus‘ neuem Roman „Königskinder“, der am 20. August 2018 im Carl Hanser Verlag erschienen ist, begegnen wir Max und Tina wieder.

Max und Tina fahren mit ihrem roten Toyota Corolla auf eine gesperrte Passstraße in den Schweizer Bergen. Es schneit, kurz hinter der Passhöhe kommt der Wagen von der Straße ab und lässt sich nicht mehr manövrieren. Das Paar steckt im Schnee fest und muss auf die Schneefräse warten, die am nächsten Morgen die Passstraße frei räumen wird. Zum Glück haben sie gut zu Abend gegessen und eine Decke dabei. Zum Einschlafen erzählt Max Tina eine Geschichte, eine angeblich wahre Geschichte, aus Greyerzerland. Und wenn es nicht so stark schneien würde, könnten sie gegenüber die Melkhütte am Hang erkennen, in der die Geschichte vom Hirten Jakob Boschung ihren Anfang nimmt.

Nach dem Tod seiner Eltern und Geschwister und der Flucht vor seinem gewalttätigen Onkel lebt Jakob allein auf der Alp und hütet die Kühe der reichen Bauern aus dem Tal. Als er im Herbst des Jahres 1779 die Kühe von der Alm ins Tal treibt, verliebt er sich in Marie, die Tochter des reichen Bauern Magnin. Weiterlesen

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Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer

Isabel Allende, die 1942 geborene chilenische Schriftstellerin, lebt seit Mitte der 1970er Jahre im Exil und seit 1988 in Kalifornien (USA). Ihr Roman „Das Geisterhaus“ hat sie weltberühmt gemacht. Am 13. August 2018 erscheint im Suhrkamp Verlag ihr neuestes Werk „Ein unvergänglicher Sommer“.

„Ein unvergänglicher Sommer“ beginnt kurz vor Weihnachten des Jahres 2015 in Brooklyn (NYC). Dort wohnt die 62jährige Chilenin Lucía Maraz mit ihrem Chihuahua Marcelo als Untermieterin von Professor Richard Bowmaster im Souterrain eines etwas heruntergekommenen Hauses in Prospect Heights. Sie arbeitet als Gastdozentin an der New Yorker Universität, Richard ist ihr Vorgesetzter.

Richard Bowmaster ist ein einsamer, eigenwilliger Mann, der viele Jahre in Brasilien gelebt hat und den Job an der Uni seinem alten Freund Horacio verdankt. Richard hat Lucía zwar nach New York eingeladen, behandelt sie nun aber recht distanziert. Er hat vier Katzen. Während eines Schneesturms trinkt einer seiner Kater versehentlich Frostschutzmittel. Richard bringt ihn zum Tierarzt und auf der Rückfahrt auf den vereisten, glatten Straßen fährt er einem weißen Lexus ins Heck. Die Fahrerin ergreift die Flucht. Weiterlesen

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Jane Gardam: Weit weg von Verona (1971)

Jane Gardam, britische Schriftstellerin, feierte am 11. Juli 2018 ihren 90. Geburtstag. Passend dazu bringt Hanser Berlin am 23. Juli 2018 Gardams Debütroman „Weit weg von Verona“ aus dem Jahre 1971 (Originaltitel: „A long way from Verona“) übersetzt von Isabel Bogdan als deutsche Erstausgabe heraus. Jane Gardam begann erst mit über 40 Jahren zu schreiben, hierzulande wurde sie vor allem durch ihre Old Filth-Trilogie bekannt.

Protagonistin und Ich-Erzählerin in „Weit weg von Verona“ ist die zwölfjährige Jessica Vye, die bereits im Alter von neun Jahren von dem Schriftsteller Arnold Hanger, dem sie alles, was sie je geschrieben hatte, zum Lesen gab, folgendes bestätigt bekam:

„Jessica Vye, du bist ohne jeden Zweifel eine echte Schriftstellerin!“ (S. 15).

Jessica und ihre Familie, sie hat noch einen jüngeren Bruder namens Rowley, ziehen von Kent in den Nordosten Englands nach Cleveland Sands, einem kleinen Ort an der Küste. Ihr Vater hat dort die Stelle eines Hilfsgeistlichen angenommen. Es ist Krieg und Winston Churchill ist Prime Minister. Jessica geht zur High School und hat nur eine Freundin, Florence Bone, bei den anderen Mädchen ist sie nicht sonderlich beliebt, denn sie sagt „immer und überall die Wahrheit“. Weiterlesen

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Eyal Megged: Oschralien

Der israelische Schriftsteller und Journalist Eyal Megged (Jahrgang 1948) schreibt Gedichte, Kolumnen und Romane. Auf Deutsch erschienen seine Romane „Sansibar, einfach“ (2005) und „Unter den Lebenden“ (2015). Im Mai 2018 veröffentlichte der Berlin Verlag den Roman „Oschralien“ in einer Übersetzung von Ruth Achlama.

Hillel, ein israelischer Musiker und Komponist, ist nach dreißig Jahren von seiner Ehefrau Alice, ebenfalls Musikerin, verlassen worden. Seit acht Jahren trauert er dieser Beziehung, oder sollte man besser sagen Obsession, nach. Unglücklich und depressiv geht er Affären mit anderen Frauen ein. Seine Gedanken und Gefühle kreisen jedoch unablässig um Alice, die mit einem jungen italienischen Dirigenten liiert ist. Einzig sein Kater Purcell scheint Hillel wichtig zu sein. Bei dem Besuch einer griechischen Insel lernt er Anat kennen. Sie beginnen eine leidenschaftliche Beziehung, Anat wird schwanger und trennt sich von Hillel, der weder Frau noch Kind will. Weiterlesen

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Grace Paley: Die kleinen Widrigkeiten des Lebens (1959)

Die US-amerikanische Schriftstellerin Grace Paley wurde 1922 geboren. Ihre Eltern waren russisch-jüdische Einwanderer. Sie lebte in New York City, schrieb Kurzgeschichten und Gedichte und starb 2007 in Vermont. Grace Paley engagierte sich aktiv für Frauen- und Bürgerrechte und die Friedensbewegung. „Die kleinen Widrigkeiten des Lebens“ erschienen 1959 unter dem Originaltitel „The Little Disturbances of Man“ und 1994 erstmals auf Deutsch bei Schöffling. Im April 2018 legte btb die Taschenbuchausgabe des Klassikers in einer Übersetzung von Sigrid Ruschmeier vor.

Darin zehn Storys der Autorin, die so modern und pfiffig daher kommen, dass sie auch noch fast sechzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung unbedingt lesenswert sind.

Tante Rose erklärt ihrer Nichte Lillie in „Auf Wiedersehen und viel Glück“, warum sie keine bedauernswerte, alte, alleinstehende Frau ist, sondern ein selbstbestimmtes, spannendes Leben geführt hat und am Ende nicht mehr nur Geliebte sondern Ehefrau des bekannten Schauspielers Volodya Vlashkin wird. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Eine Stimme in der Nacht

In schöner Regelmäßigkeit schreibt Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) an seiner Krimireihe über den sizilianischen Kommissar Salvo Montalbano weiter. Mit „Eine Stimme in der Nacht – Commissario Montalbano hört auf sein Gewissen“ erschien am 27. April 2018 der zwanzigste Band bei Bastei Lübbe. Rita Seuß und Walter Kögler übersetzten ihn aus dem Italienischen. Den Krimi mit dem Originaltitel „Una voce di notte“ verfasste Camilleri allerdings schon 2012.

Ausgerechnet an seinem 58. Geburtstag muss Commissario Salvo Montalbano sich zuerst mit einem Verkehrsrowdy und dann mit einem Überfall auf einen Supermarkt in Piano Lanterna, bei dem die Tageseinnahmen gestohlen wurden, beschäftigen. Der Verkehrsrowdy, Giovanni Strangio, entpuppt sich als Sohn des Provinzpräsidenten Michele Strangio, der ihm sogleich den Anwalt Nullo Manenti auf den Hals hetzt. Weiterlesen

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