Beat Sterchi: Capricho: Ein Sommer in meinem Garten

Der Schweizer Schriftsteller Beat Sterchi (Jahrgang 1949) hat in seinem Debütroman „Blösch“ aus dem Jahr 1983 die Geschichte eines spanischen Gastarbeiters auf einem Bauernhof in der Schweizer Provinz geschrieben. Am 24. März 2021 ist sein neues Buch mit dem Titel „Capricho – Ein Sommer in meinem Garten“ im Diogenes Verlag erschienen.

In „Capricho“ (auf Deutsch „Laune“) kommt ein Autor wie jedes Jahr im Sommer in ein spanisches Dorf, um Urlaub zu machen. Inzwischen gehört ihm auch ein „huerto“, ein über ein Kanalsystem bewässerter Gemüsegarten. In der Zeit seiner Abwesenheit hat sich dort das Unkraut breit gemacht. Aber der Ich-Erzähler macht sich unverdrossen und freudig an die Arbeit. Er will Kartoffeln setzen. Aber eigentlich hat er sich vorgenommen, die Geschichte des Dorfes aufzuschreiben. Nur stellt sich keine Schreiblaune bei ihm ein. So verbringt er die meiste Zeit in seinem „huerto“. Hört sich geduldig die guten Ratschläge der spanischen Nachbarn an und ringt um den „roten Faden“ für seinen Text. Zwischendurch besuchen ihn seine Ehefrau und seine Tochter für ein paar Tage. Er füllt Notizbücher mit Stichwörtern, liest Bücher und Zeitungen, fährt zum Einkaufen in die Stadt oder zum Baden ans Meer. Und die Launen der Natur (Wetter, Tiere) durchkreuzen die Ernte einiger Gemüsesorten. Aber die Kartoffeln schmecken herrlich. Erst kurz vor der Abreise gelingt dem Autor der Durchbruch bei seinem Schreibprojekt. Weiterlesen

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Robin Robertson: Wie man langsamer verliert

Der schottische Dichter Robin Robertson (Jahrgang 1955) stand mit „The Long Take or A Way to Lose More Slowly“ (Originaltitel) auf der Shortlist des Man Booker Prize 2018. Am 15. März 2021 ist die deutsche Version „Wie man langsamer verliert“ in einer Übersetzung von Anne-Kristin Mittag beim Carl Hanser Verlag erschienen.

Der kanadische Kriegsveteran Walker kommt 1946 nach New York City. Geplagt von seinen Erinnerungen an die Erlebnisse beim Einmarsch der Alliierten in die Normandie, streift er durch die Straßenschluchten auf der Suche nach Arbeit. Er findet sie auf den Docks am Hafen. In einer Kneipe trifft er auf den Regisseur Robert Siodmak, der ihm von seinen nächsten Dreharbeiten in Los Angeles erzählt. Walker beschließt, nach Westen zu gehen. Dort trifft er auf Billy Idaho, Exsoldat und obdachlos, der ihm die „Stadt der Engel“ zeigt. Er ergattert einen Job bei einer Zeitung in der Lokalredaktion. Für eine Reportage über Obdachlose reist Walker nach San Francisco. Mit im Gepäck seine Kriegserlebnisse und die Erinnerungen an seine kanadische Heimat Nova Scotia. Zurück in Los Angeles macht er ein Geständnis. Weiterlesen

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Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts

Die Italienerin Valeria Parrella (Jahrgang 1974) lebt in Neapel und dort spielt auch ihr neuer Roman „Versprechen kann ich nichts“, der am 15. Februar 2021 im Carl Hanser Verlag, übersetzt von Verena von Koskull, erschienen ist.

Begeistert habe ich 2017 Valeria Parrellas Erzählungen „Liebe wird überschätzt“ (ebenfalls im Carl Hanser Verlag veröffentlicht) gelesen, so dass ich ihren Roman mit einiger Spannung erwartet habe.

In „Versprechen kann ich nichts“ unterrichtet Elisabetta Maiorano, fünfzig Jahre alt und verwitwet, Mathematik in dem Jugendgefängnis der Stadt Neapel auf der Insel Nisida. Dort landet eines Tages die 16jährige Rumänin Almarina, weil sie ein Handy gestohlen hat. Vom Vater geschlagen und vergewaltigt ist sie mit ihrem jüngeren Bruder nach Italien geflüchtet. Der Bruder kommt in eine Pflegefamilie, Almarina in den Jugendknast.

Nach dem plötzlichen Herztod ihres Mannes fühlt sich Elisabetta alleingelassen und verzweifelt. Vergeblich hatten die beiden versucht, Kinder zu bekommen. Im Gefängnis, dem Ort, dem alle anderen wieder entfliehen möchten, fühlt sie sich „freier“. Almarina kommt in ihren Mathematik-Unterricht. Über Weihnachten darf sie das Mädchen zu sich nach Hause nehmen. Und dann wird Almarina in eine betreute Wohngruppe entlassen. Aber Elisabetta kämpft um die Vormundschaft für das Mädchen, das zu ihr sagt: „Aber versprechen kann ich nichts.“ Weiterlesen

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Haruki Murakami: Erste Person Singular

Der japanische Erfolgsautor Haruki Murakami (Jahrgang 1949) hat ein neues Buch veröffentlicht. Der Erzählband „Erste Person Singular“ ist am 26. Januar 2021 in einer Übersetzung von Ursula Gräfe im DuMont Buchverlag erschienen.

Affen scheinen es den Autoren angetan zu haben. Im letzten Jahr erschien Patti Smiths „Im Jahr des Affen“, soeben T. C. Boyles „Sprich mit mir“ und nun der sprechende Affe in Murakamis Erzählung „Bekenntnis des Affen von Shinagawa“, den Murakami-Lesende schon aus dem Erzählband „Blinde Weide, schlafende Frau“ aus dem Jahre 2006 kennen.

In einem kleinen japanischen Badeort erzählt dieser Affe dem Ich-Erzähler  bei einem Bier seine Lebensgeschichte und verrät ihm seine heimliche Leidenschaft. Aber der „Affe von Shinagawa“ ist nur eine der neun Erzählungen.

In der titelgebenden Erzählung „Erste Person Singular“, die sich am Ende des Buches findet, besucht ein Mann, der an diesem Abend einen Anzug und ein Hemd mit Krawatte trägt, eine Bar. Dort wird er unvermittelt von einer Frau verbal attackiert. Dieser Vorfall lässt ihn verwirrt zurück. Weiterlesen

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T.C. Boyle: Sprich mit mir

T. C. Boyles (Jahrgang 1948) neuer Roman „Sprich mit mir“ erscheint zuerst in Deutschland bevor die amerikanische Originalausgabe „Talk to me“ zu lesen sein wird. Am 25. Januar 2021 veröffentlichte der Carl Hanser Verlag das Buch des weltberühmten US-amerikanischen Schriftstellers in einer Übersetzung von Dirk van Gunsteren.

Mein Lesejahr 2021 beginnt (trotz Böllerverbot) mit einem Knaller: „Sprich mit mir“ von T. C. Boyle.

Darin erzählt Boyle die Geschichte von Guy Schermerhorn, Aimee Villard und Sam. Dr. Schermerhorn ist Privatdozent für Psychologie an einer kalifornischen Universität und forscht zum Spracherwerb von Schimpansen. Aimee Villard, eine junge und schüchterne, aber sehr hübsche Studentin, sieht Schermerhorn in der in den 1970er Jahren bekannten Fernsehshow „Sag die Wahrheit“. Mehr noch als Guy Schermerhorn beeindruckt Aimee jedoch der Auftritt des Schimpansen Sam, der in sich in der Show in Gebärdensprache mit Guy unterhält (beinahe wie Loriots sprechender Hund Bello). Aimee bewirbt sich als studentische Hilfskraft in Schermerhorns Projekt. Soweit so normal. Weiterlesen

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Ali Smith: Winter

Die schottische Schriftstellerin Ali Smith (Jahrgang 1962) lebt und arbeitet im englischen Cambridge. „Winter“ ist der zweite Band ihres Jahreszeitenquartetts, den der Luchterhand Literaturverlag in einer Übersetzung von Silvia Morawetz am 2. November 2020 veröffentlichte. Der erste Band „Herbst“ erschien 2019 auf Deutsch.

„Gott war tot: das gleich vorweg“ so beginnt Ali Smith ihren Roman „Winter“ und stürzt ihre Leserinnen und Leser in eine Aufzählungswelle toter Dinge. Heiligabend: Sophia Cleves sieht einen Kopf ohne Körper. Ihr Sohn Arthur, genannt Art, schreibt einen Blog („Art in Nature“), ansonsten kontrolliert er Copyright-Verletzungen für eine Unterhaltungsfirma. Er wurde gerade von seiner Freundin Charlotte verlassen und soll Weihnachten bei Sophia in ihrem Haus in Cornwall verbringen. Art heuert das ihm völlig unbekannte Mädchen, das sich Lux nennt, an, ihn als Charlotte zu begleiten. Sophia will keinen Weihnachtsbesuch, entsprechend frostig werden Art und Lux „Charlotte“ empfangen. Lux, die fremde junge Frau, entwickelt einen Draht zu Sophia, Art nicht. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist schwierig. Sie rufen Iris an, Sophias Schwester und die „Rebellin“ der Familie. Iris und Sophia haben sich jahrzehntelang nicht gesehen. Damit beginnen Weihnachtsfeiertage, in denen die Welten und Wirklichkeiten dieser vier Menschen aufeinander prallen. Weiterlesen

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Susan Sontag: Wie wir jetzt leben: Erzählungen

Die Autorin und Kritikerin Susan Sontag (1933-2004) lebte und arbeitete in New York City. Sie war als intellektuelle und kritische Stimme in den USA und darüber hinaus bekannt. Vor allem ihre Essays über Fotografie sind viel beachtet. Am 21. September 2020 veröffentlichte der Carl Hanser Verlag Susan Sontags Erzählungen erstmals auf Deutsch unter dem Titel „Wie wir jetzt leben“ in einer Übersetzung von Kathrin Razum. Die Originalerzählungen erschienen zwischen 1984 und 1992.

In dem schmalen Buch finden sich fünf Erzählungen, von denen die erste  und titelgebende „Wie wir jetzt leben“ und die letzte „Wallfahrt“ die herausragenden sind.

In „Wie wir jetzt leben“ schreibt Susan Sontag über einen Freund, der an Aids erkrankt ist. Sie nennt die Krankheit nicht bei ihrem Namen, doch jeder weiß was gemeint ist. Sie lässt die Freundinnen und Freunde des Mannes sprechen. Er selbst bleibt ohne Namen. In einem atemlosen Schwall von Meinungen, Kommentaren und Beschreibungen, in den Sontag kaum einen Punkt setzt, reden die Freunde über ihren nun kranken Freund: „Erst hat er nur abgenommen, sich nur etwas angeschlagen gefühlt, sagte Max zu Ellen, und Greg zufolge war er nicht zum Arzt gegangen, weil er es schaffte, mehr oder weniger im gleichen Rhythmus weiterzuarbeiten, allerdings hörte er, wie Tanya anmerkte, mit dem Rauchen auf, was nahelegt, dass er Angst hatte, aber auch, dass er, mehr als ihm bewusst war, gesund sein wollte, oder jedenfalls gesünder, vielleicht wollte er auch nur wieder ein paar Kilo zunehmen, sagte Orson, denn, fuhr Tanya fort…“ (S. 9). Weiterlesen

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Jo Nesbø: Ihr Königreich

Der norwegische Bestsellerautor Jo Nesbø (Jahrgang 1960) schreibt erfolgreiche Krimis. Vor allem die Bücher mit seinem Ermittler Harry Hole sind sehr bekannt. Nesbø kann aber auch ohne ihn, wie zuletzt mit „Macbeth“ (2018), den er im Rahmen des Shakespeare-Projektes von Hogarth Press neu erzählte. Und jetzt wieder mit dem Kriminalroman „Ihr Königreich“, der am 2. September 2020 in einer Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein Buchverlage erschienen ist.

Kein Harry Hole in „Ihr Königreich“, stattdessen zwei norwegische Brüder als Protagonisten: Roy und Carl Opgard aus einem norwegischen Dorf in den Bergen haben ihre Eltern früh verloren. Roy, der ältere der beiden Brüder, versucht sich um Carl zu kümmern. Er wird Automechaniker und Tankstellenpächter in ihrem Heimatort Os, Carl geht in die USA und studiert. Nach etlichen Jahren kommt er mit seiner Frau Shannon und großen Plänen nach Os zurück. Carl will ein Wellnesshotel im Dorf bauen. Roy steht der Rückkehr mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er freut sich auf seinen jüngeren Bruder, aber er befürchtet, dass alte Geschichten wieder aufgewärmt werden. Und er interessiert sich ein bisschen zu sehr für Carls Ehefrau aus Barbados. Carl gewinnt die Bürger von Os für sein Bauprojekt. Doch dann treten Schwierigkeiten auf und Roy muss seinem Bruder, wie immer, aus der Patsche helfen. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) ist ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller von Kriminalromanen. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht er seine Bücher. So erschien am 28. September 2020 sein neuester Krimi mit dem Titel „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ in einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf bei btb.

Die Kriminalinspektoren Gunnar Barbarotti und Eva Backmann haben sich wegen einer internen Ermittlung beurlauben lassen. Eva Backmann hatte während eines nächtlichen Einsatzes wegen Brandstiftung von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Dabei erschoss sie einen der Täter.

Nun reisen sie nach Gotland, um Abstand zu gewinnen und das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Barbarotti und Backmann sind nicht nur Kollegen, sie leben inzwischen auch zusammen. Auf dem Dorfplatz von Valleviken meint Gunnar Barbarotti einen Mann wieder zu erkennen, der vor Jahren in einem anderen Fall eine Rolle gespielt hatte.

Ein Busfahrer suchte sie damals auf, weil er Drohbriefe erhalten hatte. Dieser Mann, Albin Runge, war sechs Jahre zuvor mit seinem Bus in einen Unfall verwickelt, bei dem viele Schüler und eine Mutter ums Leben kamen. Die beiden Inspektoren versuchten den oder die Schreiber der Briefe zu ermitteln, waren jedoch nicht erfolgreich. Zum Jahrestag des Unfalls verschwand Albin Runge mit seiner Frau Karin Sylwander. Sie meldete ihn später vermisst. Seine Leiche wurde nie gefunden. Nach einiger Zeit wurde Albin Runge für tot erklärt und der Fall abgeschlossen. Weiterlesen

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Lisa Moore: Fremde Hochzeit: Erzählungen

Die Kanadierin Lisa Moore (Jahrgang 1964) ist Schriftstellerin. Ihre Bücher werden hierzulande im Münchner Carl Hanser Verlag veröffentlicht. So auch „Fremde Hochzeit“, ein Buch mit elf Erzählungen, das am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Kathrin Razum erschienen ist. Darin finden sich Eleanor und Philip in der Titelgeschichte „Fremde Hochzeit“ auf einer Party anlässlich der Hochzeit von Constance mit Ted wieder. Bei viel Alkohol und dem Erzählen bedeutender Lebensmomente überlegt die Drehbuchschreiberin Eleanor mit einem der Gäste zu schlafen, während ihr Ehemann Philip mit Amelia Kerby aus British Columbia flirtet. Oder die Geschichte von Donna und Cy, in der er sie während der Schwangerschaft mit Marie betrügt.

In „Liebende, mit der Intensität, die ich meine“ trifft Jim Marissa während eines Schneesturms in einem Supermarkt wieder. Die beiden waren einst ein Paar. Jim ist mit Jillian verheiratet und Marissa hat gerade Angus, ihren Lebenspartner, verloren.

Während ihrer Schulzeit wird Melody von ihrer Freundin zu einer Abtreibung begleitet. Jahre später taucht sie unerwartet wieder bei ihr auf. Weiterlesen

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