Ali Smith: Winter

Die schottische Schriftstellerin Ali Smith (Jahrgang 1962) lebt und arbeitet im englischen Cambridge. „Winter“ ist der zweite Band ihres Jahreszeitenquartetts, den der Luchterhand Literaturverlag in einer Übersetzung von Silvia Morawetz am 2. November 2020 veröffentlichte. Der erste Band „Herbst“ erschien 2019 auf Deutsch.

„Gott war tot: das gleich vorweg“ so beginnt Ali Smith ihren Roman „Winter“ und stürzt ihre Leserinnen und Leser in eine Aufzählungswelle toter Dinge. Heiligabend: Sophia Cleves sieht einen Kopf ohne Körper. Ihr Sohn Arthur, genannt Art, schreibt einen Blog („Art in Nature“), ansonsten kontrolliert er Copyright-Verletzungen für eine Unterhaltungsfirma. Er wurde gerade von seiner Freundin Charlotte verlassen und soll Weihnachten bei Sophia in ihrem Haus in Cornwall verbringen. Art heuert das ihm völlig unbekannte Mädchen, das sich Lux nennt, an, ihn als Charlotte zu begleiten. Sophia will keinen Weihnachtsbesuch, entsprechend frostig werden Art und Lux „Charlotte“ empfangen. Lux, die fremde junge Frau, entwickelt einen Draht zu Sophia, Art nicht. Das Verhältnis zu seiner Mutter ist schwierig. Sie rufen Iris an, Sophias Schwester und die „Rebellin“ der Familie. Iris und Sophia haben sich jahrzehntelang nicht gesehen. Damit beginnen Weihnachtsfeiertage, in denen die Welten und Wirklichkeiten dieser vier Menschen aufeinander prallen. Weiterlesen

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Susan Sontag: Wie wir jetzt leben: Erzählungen

Die Autorin und Kritikerin Susan Sontag (1933-2004) lebte und arbeitete in New York City. Sie war als intellektuelle und kritische Stimme in den USA und darüber hinaus bekannt. Vor allem ihre Essays über Fotografie sind viel beachtet. Am 21. September 2020 veröffentlichte der Carl Hanser Verlag Susan Sontags Erzählungen erstmals auf Deutsch unter dem Titel „Wie wir jetzt leben“ in einer Übersetzung von Kathrin Razum. Die Originalerzählungen erschienen zwischen 1984 und 1992.

In dem schmalen Buch finden sich fünf Erzählungen, von denen die erste  und titelgebende „Wie wir jetzt leben“ und die letzte „Wallfahrt“ die herausragenden sind.

In „Wie wir jetzt leben“ schreibt Susan Sontag über einen Freund, der an Aids erkrankt ist. Sie nennt die Krankheit nicht bei ihrem Namen, doch jeder weiß was gemeint ist. Sie lässt die Freundinnen und Freunde des Mannes sprechen. Er selbst bleibt ohne Namen. In einem atemlosen Schwall von Meinungen, Kommentaren und Beschreibungen, in den Sontag kaum einen Punkt setzt, reden die Freunde über ihren nun kranken Freund: „Erst hat er nur abgenommen, sich nur etwas angeschlagen gefühlt, sagte Max zu Ellen, und Greg zufolge war er nicht zum Arzt gegangen, weil er es schaffte, mehr oder weniger im gleichen Rhythmus weiterzuarbeiten, allerdings hörte er, wie Tanya anmerkte, mit dem Rauchen auf, was nahelegt, dass er Angst hatte, aber auch, dass er, mehr als ihm bewusst war, gesund sein wollte, oder jedenfalls gesünder, vielleicht wollte er auch nur wieder ein paar Kilo zunehmen, sagte Orson, denn, fuhr Tanya fort…“ (S. 9). Weiterlesen

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Jo Nesbø: Ihr Königreich

Der norwegische Bestsellerautor Jo Nesbø (Jahrgang 1960) schreibt erfolgreiche Krimis. Vor allem die Bücher mit seinem Ermittler Harry Hole sind sehr bekannt. Nesbø kann aber auch ohne ihn, wie zuletzt mit „Macbeth“ (2018), den er im Rahmen des Shakespeare-Projektes von Hogarth Press neu erzählte. Und jetzt wieder mit dem Kriminalroman „Ihr Königreich“, der am 2. September 2020 in einer Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein Buchverlage erschienen ist.

Kein Harry Hole in „Ihr Königreich“, stattdessen zwei norwegische Brüder als Protagonisten: Roy und Carl Opgard aus einem norwegischen Dorf in den Bergen haben ihre Eltern früh verloren. Roy, der ältere der beiden Brüder, versucht sich um Carl zu kümmern. Er wird Automechaniker und Tankstellenpächter in ihrem Heimatort Os, Carl geht in die USA und studiert. Nach etlichen Jahren kommt er mit seiner Frau Shannon und großen Plänen nach Os zurück. Carl will ein Wellnesshotel im Dorf bauen. Roy steht der Rückkehr mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er freut sich auf seinen jüngeren Bruder, aber er befürchtet, dass alte Geschichten wieder aufgewärmt werden. Und er interessiert sich ein bisschen zu sehr für Carls Ehefrau aus Barbados. Carl gewinnt die Bürger von Os für sein Bauprojekt. Doch dann treten Schwierigkeiten auf und Roy muss seinem Bruder, wie immer, aus der Patsche helfen. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) ist ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller von Kriminalromanen. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht er seine Bücher. So erschien am 28. September 2020 sein neuester Krimi mit dem Titel „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ in einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf bei btb.

Die Kriminalinspektoren Gunnar Barbarotti und Eva Backmann haben sich wegen einer internen Ermittlung beurlauben lassen. Eva Backmann hatte während eines nächtlichen Einsatzes wegen Brandstiftung von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Dabei erschoss sie einen der Täter.

Nun reisen sie nach Gotland, um Abstand zu gewinnen und das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Barbarotti und Backmann sind nicht nur Kollegen, sie leben inzwischen auch zusammen. Auf dem Dorfplatz von Valleviken meint Gunnar Barbarotti einen Mann wieder zu erkennen, der vor Jahren in einem anderen Fall eine Rolle gespielt hatte.

Ein Busfahrer suchte sie damals auf, weil er Drohbriefe erhalten hatte. Dieser Mann, Albin Runge, war sechs Jahre zuvor mit seinem Bus in einen Unfall verwickelt, bei dem viele Schüler und eine Mutter ums Leben kamen. Die beiden Inspektoren versuchten den oder die Schreiber der Briefe zu ermitteln, waren jedoch nicht erfolgreich. Zum Jahrestag des Unfalls verschwand Albin Runge mit seiner Frau Karin Sylwander. Sie meldete ihn später vermisst. Seine Leiche wurde nie gefunden. Nach einiger Zeit wurde Albin Runge für tot erklärt und der Fall abgeschlossen. Weiterlesen

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Lisa Moore: Fremde Hochzeit: Erzählungen

Die Kanadierin Lisa Moore (Jahrgang 1964) ist Schriftstellerin. Ihre Bücher werden hierzulande im Münchner Carl Hanser Verlag veröffentlicht. So auch „Fremde Hochzeit“, ein Buch mit elf Erzählungen, das am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Kathrin Razum erschienen ist. Darin finden sich Eleanor und Philip in der Titelgeschichte „Fremde Hochzeit“ auf einer Party anlässlich der Hochzeit von Constance mit Ted wieder. Bei viel Alkohol und dem Erzählen bedeutender Lebensmomente überlegt die Drehbuchschreiberin Eleanor mit einem der Gäste zu schlafen, während ihr Ehemann Philip mit Amelia Kerby aus British Columbia flirtet. Oder die Geschichte von Donna und Cy, in der er sie während der Schwangerschaft mit Marie betrügt.

In „Liebende, mit der Intensität, die ich meine“ trifft Jim Marissa während eines Schneesturms in einem Supermarkt wieder. Die beiden waren einst ein Paar. Jim ist mit Jillian verheiratet und Marissa hat gerade Angus, ihren Lebenspartner, verloren.

Während ihrer Schulzeit wird Melody von ihrer Freundin zu einer Abtreibung begleitet. Jahre später taucht sie unerwartet wieder bei ihr auf. Weiterlesen

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Richard Ford: Irische Passagiere: Erzählungen

Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Ford (Jahrgang 1944) hat uns 1995 den „Unabhängigkeitstag“ beschert und wurde dafür mit dem Pulitzer Prize geehrt. Es folgten zahlreiche erfolgreiche Romane und Kurzgeschichten. Richard Ford gilt als bedeutender, zeitgenössischer Autor der US-amerikanischen Literatur. Seine Geschichten zeichnen Bilder des Alltags in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Figuren sind die ganz normalen Leute, oft Männer, die mittelmäßig erfolgreich ihr Leben leben. So auch in den neuen Erzählungen „Irische Passagiere“, die am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Frank Heibert bei Hanser Berlin erschienen sind. Darin finden sich neun Erzählungen, die von Menschen handeln, die sich den Unwägbarkeiten des Lebens stellen müssen.

In „Nichts zu verzollen“ trifft der verheiratete Anwalt Sandy McGuinness seine Studentenliebe Barbara nach vielen Jahren in New Orleans wieder und widersteht nur knapp der Versuchung, mit ihr ins Bett zu gehen.

Happy (Bobbi) Kamper, die Bildhauerin, beklagt in der gleichnamigen Geschichte den Tod ihres Lebensgefährten Mick Riordan. Dazu besucht sie ehemalige gemeinsame Freunde in Maine. Aber findet sie wirklich Trost bei ihnen?

Henry Hardings Vater stirbt. Der Junge ist sechzehn und ziemlich verlassen. In der Schule hat er keine Freunde und seine Mutter ist mit ihrer Trauer beschäftigt. Dann lernt er Niall MacDermott von gegenüber kennen. Er glaubt einen Freund gefunden zu haben. Weiterlesen

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Jacques Poulin: Volkswagen Blues

Der kanadische Übersetzer und Schriftsteller Jacques Poulin (Jahrgang 1937) hat mit dem 1984 im Original erschienenen Buch „Volkswagen Blues“ eine klassische Roadnovel geschrieben, die in seinem Heimatland längst Kultstatus hat. Nun veröffentlichte der Carl Hanser Verlag den Roman am 21. September 2020 in einer Übersetzung von Jan Schönherr erstmals auf Deutsch.

In „Volkswagen Blues“ macht sich der Schriftsteller Jack Waterman vom kanadischen Québec aus auf die Suche nach seinem älteren Bruder Théo, den er zwanzig Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Eine Postkarte von Théo führt ihn zunächst nach Gaspé östlich von Québec. Unterwegs in seinem alten VW-Bus lernt er dort das Mädchen Pitsémine, auch Große Heuschrecke genannt, kennen. Ihr junger schwarzer Kater, Chop Suey, reist im Rucksack mit. Pitsémine hat eine indianische Mutter, einen weißen Vater und praktischerweise eine Ausbildung zur Automechanikerin.

Im Museum von Gaspé finden sie den Text, den Théo auf die Postkarte drucken ließ. Er ist von dem Franzosen Jacques Cartier, der 1534 auf seiner ersten Reise auf der Suche nach einer Westpassage Richtung Fernost an der Ostküste Kanadas landete. Im Gästebuch des Museums finden sie eine Adresse in St. Louis, Missouri, USA, mit der sich Théo dort eingetragen hatte. Weiterlesen

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Nicolas Mathieu: Rose Royal

Der französische Soziologe und Schriftsteller Nicolas Mathieu (Jahrgang 1978) gewann 2018 mit seinem Roman „Wie später ihre Kinder“ den französischen Literaturpreis Prix Goncourt für den besten französisch-sprachigen Roman des Jahres. Jetzt liegt sein neuestes Buch vor. Am 20. Juli 2020 erschien „Rose Royal“ in einer Übersetzung von Lena Müller und André Hansen bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag.

Nicolas Mathieu hat mit „Rose Royal“ ein schmales Buch geschrieben. Aber ein wuchtiges. Seine Hauptfigur Rose ist knapp fünfzig Jahre alt und geschieden mit zwei erwachsenen Kindern. Sie arbeitet in einem Büro, sieht gut aus, hat schöne Beine und einen Revolver in der Handtasche. In der Kneipe „Royal“ trinkt sie ihre Feierabend-Biere, trifft ihre Freundin Marie-Jeanne und eines Abends auch Luc. Rose hat Erfahrungen mit Männern, gute und schlechte. Wobei die schlechten überwiegen und sie zum Kauf eines Revolvers bewegen. „Die Angst sollte die Seiten wechseln.“, so Roses Hoffnung.

Rose und Luc werden ein Paar: sie gehen aus, trinken und haben (unbefriedigenden) Sex, der eines Nachts dazu führt, dass Luc ausrastet. Und auch die Versöhnung in einem teuren Hotel scheitert tödlich. Weiterlesen

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Robert Seethaler: Der letzte Satz

Der Österreicher Robert Seethaler (Jahrgang 1966) hat sich mit seinen Romanen „Der Trafikant“ aus dem Jahr 2012, „Ein ganzes Leben“ (2014) und „Das Feld“ (2018) in die Herzen vieler Leser*innen auf der ganzen Welt geschrieben. Am 3. August 2020 erschien bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag Seethalers neuer Roman mit dem Titel „Der letzte Satz“.

Darin erzählt Robert Seethaler von den letzten Tagen im Leben des weltberühmten Musikers und Dirigenten Gustav Mahler (1860-1911). Mahler sitzt Anfang des Jahres 1911 allein und in Wolldecken gehüllt an Bord der „Amerika“, die ihn von New York nach Europa bringen soll. Ein Schiffsjunge umsorgt ihn, bringt ihm Tee und unterhält sich mit Mahler. Todkrank schaut er auf das Meer und erinnert sich an sein Leben. An das Komponieren auf einem Südtiroler Hof in den Bergen, den Diphterie-Tod seiner Tochter Maria, deren Stimme er noch zu hören meint. An seine Zeit als Direktor an der Wiener Hofoper und die Arbeit mit den Philharmonikern der Metropolitan Oper in NYC. Er denkt an seine Frau Alma und die Tochter Anna, die mit ihm auf der „Amerika“ reisen und an die unsäglichen Sitzungen bei Auguste Rodin in Paris, der eine Büste von Mahler zu seinem 50. Geburtstag anfertigen soll. Weiterlesen

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Christina Hesselholdt: Vivian

Die dänische Schriftstellerin Christina Hesselholdt (Jahrgang 1962) hat einen Roman über die weitestgehend unbekannte US-Amerikanerin und Fotografin Vivian Maier geschrieben. Unter dem Titel „Vivian“ ist dieser in einer Übersetzung von Ursel Allenstein am 20. Juli 2020 bei Hanser Berlin erschienen.

Vivian Dorothea Theresia Maier wurde 1926 in New York City geboren. Ihre französische Mutter Maria Jaussaud und ihr österreichischer Vater Karl Wilhelm von Maier kamen als Immigranten in die USA. Außerdem hatte sie einen Bruder, Charles oder Carl genannt. Vivian arbeitete als Kindermädchen verschiedener Familien in New York City und Chicago. Als sie 2009 starb, entdeckte man in ihrem Nachlass 200.000 Schwarz-Weiß-Fotos. Die meisten davon nicht entwickelt und nie veröffentlicht. Darunter Alltagsfotos und Selbstporträts.

Der Makler John Maloof ersteigerte einige der Fotos aus Vivian Maiers Nachlass und veröffentlichte sie im Internet. Danach setzte großes Interesse an den Fotografien ein, und Vivian Maier wurde als Künstlerin posthum berühmt.

Christina Hesselholdts Roman „Vivian“ zeichnet ein fiktives Porträt dieser Frau, die zeitlebens fotografierte und ihre Werke konsequent unter Verschluss hielt. Weiterlesen

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