Friedrich Ani: All die unbewohnten Zimmer

Friedrich Ani (Jahrgang 1959) ist einer der bekanntesten deutschen Krimiautoren. Vor allem seine Romane rund um den Ermittler in Vermisstenfällen Tabor Süden haben eine große Leserschaft. Sein neuer Roman „All die unbewohnten Zimmer“ ist am 17. Juni 2019 im Suhrkamp Verlag erschienen.

In „All die unbewohnten Zimmer“ treten geballt die Protagonisten aus Anis Krimis auf. Tabor Süden, Jakob Franck, Polonius Fischer und Fariza Nasri ermitteln in München, zunächst unabhängig voneinander, in zwei Mordfällen. Die Buchhändlerin Anna Walther wird auf offener Straße erschossen, der Polizist Max Gronsdorff schwer verletzt.  Der Tatverdächtige Anton Frey ist schnell gefunden und gefasst. Über sein Motiv schweigt er sich anfangs aus.

Der zweite Mord erweist sich als wesentlich komplizierter: Philipp Werneck, ein junger Streifenpolizist, wird erschlagen aufgefunden. Er verfolgte zwei Kinder, die Obst gestohlen haben sollten. Sein Kollege Tim Gorden saß während der Tat im Streifenwagen. Die Tat ereignete sich am Rande eines Aufmarsches der Partei „Patriotische Allianz Deutschlands“ (PAD). Als Jakob Franck dem Vater von Philipp, Ralph Werneck, die Todesnachricht überbringt, bedroht ihn dieser mit einem Revolver. Weiterlesen

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Anna Enquist: Denn es will Abend werden

Die niederländische Schriftstellerin Anna Enquist (Jahrgang 1945) ist Pianistin und Psychoanalytikerin. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam. 2015 veröffentlichte der Luchterhand Literaturverlag die deutsche Erstausgabe ihres Romans „Streichquartett“, in dem es um vier Freunde geht, die zusammen in ihrer Freizeit auf einem Hausboot musizieren und versuchen, ihren Alltag zu meistern. Am Ende des Romans werden sie zu Opfern einer Gewalttat. Enquists neuer Roman „Denn es will Abend werden“ knüpft an das „Streichquartett“ an. „Denn es will Abend werden“ ist am 24. Juni 2019 in einer Übersetzung von Hanni Ehlers im Luchterhand Literaturverlag erschienen.

Carolien, Jochem, Heleen und Hugo, die vier Freunde aus dem „Streichquartett“, haben mit den Folgen des Überfalls mit Geiselnahme (Hugos kleine Tochter Laura sollte als Geisel dienen)  und der Explosion von Hugos Hausboot zu kämpfen. Sie haben ihre Instrumente verloren und ihre Freundschaft droht zu zerfallen. Carolien, die Ärztin, hat ihren kleinen Finger bei der Gewalttat durch den aus dem Gefängnis entflohenen Olivier Helleberg verloren. Weiterlesen

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Javier Marías: Berta Isla

Der spanische Schriftsteller Javier Marías (Jahrgang 1951) gilt als Anwärter auf den Literaturnobelpreis. Er wurde in Madrid geboren. Sein Vater, ein Philosoph, litt unter der Verfolgung durch das Franco-Regime. Die Familie lebte zeitweise in den USA, so dass Marías zweisprachig aufwuchs. Javier Marías erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Er lehrte in Oxford und lebt heute in Madrid. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass beide Städte wiederkehrende Schauplätze in seinen Romanen sind. So auch in Marías‘ neuestem mit dem Titel „Berta Isla“, den der S. Fischer Verlag in einer Übersetzung von Susanne Lange am 22. Mai 2019 veröffentlichte.

In dem mehr als 650 Seiten starken Roman erzählt Javier Marías die Geschichte des  (Ehe-)Paares Berta Isla und Tomás (Tom) Nevinson. Tomás‘ Mutter ist Spanierin, sein Vater Brite. Berta und Tomás lernen sich während ihrer Schulzeit in den 1960er Jahren in Madrid kennen und wissen, dass sie füreinander bestimmt sind. Tomás geht nach dem Abitur zum Studium nach Oxford. Berta und er erleben als Studenten die sexuelle Befreiung der 1968er Jahre. Sie in Spanien, Tomás in Großbritannien. Und dennoch wissen sie, dass sie nach Tomás‘ Rückkehr heiraten werden. Weiterlesen

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Jane Gardam: Bell und Harry

Die britische Schriftstellerin Jane Gardam (Jahrgang 1928) ist in Deutschland vor allem für ihre „Old Filth“-Trilogie bekannt. 2018 erschien bei Hanser Berlin ihr Debütroman „Weit weg von Verona“ aus dem Jahr 1971. Nun veröffentlichte der Verlag am 13. Mai 2019 „Bell und Harry“ in einer Übersetzung von Isabel Bogdan. Die englische Originalausgabe unter dem Titel „The Hollow Land“ erschien 1981.

Bell Teesdale, der Landjunge, und Harry Bateman, der Stadtjunge, lernen sich im „Hohlen Land“ kennen, das so heißt, weil früher in dieser Region in Yorkshire Bergbau betrieben wurde. Harrys Eltern haben das Farmhaus „Light Trees“ von Bells Großvater Hewitson gepachtet und suchen dort Erholung vom anstrengenden Stadtleben in London. Zunächst müssen sich die Familien aneinander gewöhnen. Und erst sieht es danach aus, als ob die Batemans nicht lange bleiben werden. Denn es ist Heuernte und die Teesdales machen jede Menge Krach mit ihren Treckern und Mähern. Aber danach wird „Light Trees“ für Jahrzehnte zum Urlaubsdomizil für die Familie Bateman. Harry aber fühlt sich dort von Anfang an zu Hause. Er schließt Freundschaft mit Bell, er flieht vor der Eierhexe, und er lauscht den alten Geschichten und Mythen, die der Schornsteinfeger Kendal ihnen erzählt. Mit Bell erkundet er einen verlassenen Stollen, bis Geröll ihnen den Rückweg versperrt. Harry sitzt mit Granny Crack, der Mutter von der Eierhexe, auf der Mauer und erzählt ihr von London. Weiterlesen

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Tracy Barone: Das wilde Leben der Cheri Matzner

Die US-amerikanische Drehbuchautorin und Produzentin Tracy Barone (Jahrgang 1962) hat mit „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ ihren ersten Roman vorgelegt. Der Diogenes Verlag veröffentlichte ihn zunächst unter dem Titel „Thanksgiving“. Am 24. April 2019 erschien „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ in einer Übersetzung von Stefanie Schäfer.

Darin ist in vier Teilen die Familiengeschichte der Matzners enthalten. Teil 1 startet Anfang der 1960er Jahre furios mit Cheris Geburt. Ihre leibliche Mutter Miriam ist ein drogenabhängiger Teenager, die kurz nach der Geburt das Krankenhaus und ihr Baby verlässt. Der Hilfspfleger und Baseballspieler Billy Beal bringt seine Eltern dazu, das Baby aufzunehmen.

Die Italienerin Carlotta (Cici) und Solomon Matzner erwarten ihr erstes Kind. Leider kommt es zu einer Fehlgeburt, Cici kann keine Kinder mehr bekommen und fällt in eine Depression. Ein Anwalt  vermittelt den Matzners das Baby von den Beals. Fortan wächst es mit dem Namen Cheri wohlbehütet bei den Matzners auf. Weiterlesen

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Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

Der britische Schriftsteller und Man Booker Prize Träger von 1996 Graham Swift (Jahrgang 1949) schreibt in „Einen Elefanten basteln“ über sich und seinen Werdegang zum Schriftsteller. Das Buch erschien am 18. April 2019 bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Höbel. Die Originalausgabe „Making an Elephant: Writing from Within“ stammt aus dem Jahre 2009.

Darin findet sich eine Zusammenstellung von Texten, Interviews, Fotos und Gedichten, die Graham Swift über sein Leben oder besser gesagt aus seinem Leben zusammengestellt hat. Er erzählt über seine Kindheit, seine Familie, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden und sein „Leben im Schreiben“. Dabei widmet Swift immer wieder auch befreundeten Schriftstellerkollegen Texte, überwiegend in Form von Interviews. Entstanden ist eine Sammlung von Geschichten, die wie Swift sagt „das Persönliche“ betonen.

Swift beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an die Polio-Schutzimpfung und den Weihnachtsmann in der Grotte, schreibt über seine abenteuerliche Reise nach Griechenland in den 1960er Jahren vor Beginn seines Studiums, seinen späteren Aufenthalt dort als Englischlehrer und über die Gewissheit, dass er Schriftsteller werden wird. 1976 lernt Swift seinen ersten Lektor und Verleger, Alan Ross, kennen. Mit ihm veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein ernstes Leben“. Weiterlesen

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Geovani Martins: Aus dem Schatten

Der Brasilianer Geovani Martins (Jahrgang 1991) wuchs in einer der Favelas von Rio de Janeiro auf, ging nur wenige Jahre zur Schule und arbeitete danach in unterschiedlichen Jobs. Sein Debüt mit dem Originaltitel „O sol na cabeça“ erschien 2018 in Brasilien und wurde ein Erfolg. In Deutschland veröffentlichte der Suhrkamp Verlag die dreizehn Kurzgeschichten am 8. April 2019 in einer Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner (Mitarbeit von Manuel von Rahden) unter dem Titel „Aus dem Schatten“.

Geovani Martins schreibt in seinen kurzen Geschichten über das Leben von Kindern und Jugendlichen in den Favelas von Rio de Janeiro. Drogen, Gewalt, Raub, Mord und Totschlag gehören dort zur Tagesordnung. Die Polizei wird verachtet und gehasst. Gangs kontrollieren die Favelas und nur der nächste Joint macht das Leben erträglich. So die wiederkehrende Botschaft aus den dreizehn Geschichten.

Sei es der Besuch am Strand an einem heißen Tag oder das Sprayen von Graffitis an den Mauern, alles wird zum Überlebenskampf für die jungen Leute. Da stibitzt einer Papas Revolver, um vor den anderen Jungs anzugeben wie in „Russisch Roulette“ oder da wird ein junger Mann von schwerbewaffneten, korrupten Polizisten kontrolliert, die ihm sein Geld wegnehmen, aber ihm das Marihuana lassen wie in „Freitag“. Weiterlesen

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Saša Stanišić: Herkunft

Saša Stanišić (Jahrgang 1978) wurde in Višegrad an der Drina (Bosnien und Herzegowina, damals Jugoslawien) geboren und kam Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland. Aktuell lebt der Schriftsteller in Hamburg. Für seinen Roman „Vor dem Fest“ erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2016 erschien sein Erzählband „Fallensteller“ im Luchterhand Literaturverlag. Am 18. Februar 2019 veröffentlichte der Verlag Stanišićs neuen Roman mit dem Titel „Herkunft“.

Darin erzählt Saša Stanišić in Episoden mit Überschriften wie „An die Ausländerbehörde“ und „Die Häkchen im Namen“ oder „Aral-Literatur“ Autobiographisches und Erfundenes. Er erzählt von Feuerfelsen, Schlangennestern und Drachen.

Seine demente Großmutter Kristina führt ihn zu seinen Ahnen in ein Dorf namens Oskoruša, in dem nur noch dreizehn Menschen leben, auf dessen Friedhof fast alle Grabsteine den Namen Stanišić tragen und eine Schlange im Baum hängt.

Großvater Pero ist Kommunist, der andere Großvater, Muhamed, angelt gern. Seine Großmutter mütterlicherseits, Nena, liest aus Nierenbohnen die Zukunft. Und Stanišićs Großtante Zagorka will Kosmonautin werden. Weiterlesen

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William Saroyan: Tja, Papa (1957)

Der amerikanische Drehbuchautor und Schriftsteller William Saroyan (1908-1981) lehnte in den 1940er Jahren einen Pulitzerpreis ab und erhielt einen Oscar. Sein Roman „Papa you’re crazy“ erschien 1957. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Tja, Papa“ veröffentlichte dtv in einer Übersetzung von Nikolaus Stingl am 28. Februar 2019. Das Buch enthält Illustrationen von Katharina Netolitzky.

William Saroyan widmet das Buch seinem eigenen Sohn Aram Saroyan, weil der ihn 1953 als Zehnjähriger darum gebeten hat, es zu schreiben.

Und so erzählt Saroyan eine Vater-und-Sohn-Geschichte mit einer Herzenswärme, die mich als Lesende sofort fasziniert. Es sind kleine Episoden aus dem Alltag der beiden Figuren, in denen es um Alltägliches und um Besonderes geht. Die Kapitel tragen Überschriften wie Buch, Wolke, Unkraut oder Knochen. Der zehnjährige Pete zieht einige Monate zu seinem Vater, der Schriftsteller ist, in ein Strandhaus im kalifornischen Malibu. Petes Eltern haben sich getrennt und seine Schwester bleibt bei der Mutter. Fortan stellt Pete seinem Vater Fragen: über das Bücherschreiben, über das Meer, über Gott und tausend andere Dinge. Fragen über das Leben. Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen

Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri wurde 1925 auf Sizilien geboren, und das ist auch die Heimat seines berühmten Commissarios Salvo Montalbano, den er seit Ende der 1990er Jahre in der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta ermitteln lässt. Montalbanos erster Fall „Die Form des Wassers“ erschien im Frühjahr 2000 in Deutschland. Den neuen Krimi „Das Nest der Schlangen“ veröffentlichte Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Rita Seuß und Walter Kögler am 31. Januar 2019, Camilleri schrieb den Roman aber schon 2008, wie er in seinen Anmerkungen am Ende des Buches erklärt.

Commissario Montalbano träumt und lauscht andächtig dem Gesang einer Nachtigall. Als er wach wird, hört er immer noch dieses wunderbare „Il cielo in una stanza“. Das kommt jedoch von einem Mann, der sich auf seiner Veranda vor dem Regen untergestellt hat. Montalbano bietet dem Fremden Kaffee und eine heiße Dusche an:

„Ein Vagabund, soviel war klar.“ (S. 7)

Dann klingelt das Telefon, und Catarella informiert ihn über den Mord an dem Buchhalter Cosimo Barletta. Weiterlesen

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