Karen Dionne: Die Rabentochter

Für Rachel, die Rabentochter, ist das Leben wie ein bitterböses Märchen. Mit nur einem Unterschied, alles um sie herum passiert nicht in der Fantasie. In der harten Realität wurden ihre Eltern getötet. Zu diesem Zeitpunkt war sie elf Jahre alt. Weil sie schwer traumatisiert ist, wird Rachel in der Psychiatrie behandelt. Keiner kann ihr helfen, ihre Erinnerungslücken zu schließen. Dies liegt unter anderem an Rachels Schuldgefühlen.

Nach fünfzehn Jahren lebt sie noch immer in der geschlossenen Psychiatrie. Vom Leben hat sie nicht viel gelernt, nur das, was sie zum Überleben zwischen psychisch Kranken braucht. Nach wie vor glaubt sie, am Tod ihrer Eltern schuld zu sein. Und sie glaubt, würde sie davon erzählen, hielten die Ärzte sie endgültig für verrückt. Aber so verrückt ist Rachel nicht. Sie schweigt mit der Gewissheit, das Leben in Unfreiheit zu verdienen. Es wäre die gerechte Strafe für ihre Schuld.

Rachels Alltag erfährt eine Wendung, als der Bruder ihres Freundes sie interviewt. Für sein Studium möchte er ihr Schicksal und den damit verbundenen alten Kriminalfall neu bearbeiten. Und ohne dass es Rachel für möglich hält, erfährt sie etwas Neues. Etwas, das sie aufrüttelt und den Mord ihrer Eltern anders aussehen lässt.

Viel zu schnell bringt sie die Spurensuche nach verdrängten Erinnerungen in eine tödliche Gefahr. Weiterlesen

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Agnès Poirier: An den Ufern der Seine

„… Wann immer die Stadt der Lichter den Besitzer wechselt, gerät die westliche Zivilisation aus dem Gleichgewicht. So ist es seit sieben Jahrhunderten; so war es 1940 …“ (S. 123)

Sie wohnen auf der linken Seite der Seine. Sie sind die Elite, die Intellektuellen und pflegen ihren eigenen Lebensstil. Der Zweite Weltkrieg rüttelt an ihren Glaubenssätzen. Die Besetzung von Paris mit dem einhergehenden harten Regime der Deutschen bringt ihnen Hunger, Unfreiheit, Verrat durch die eigenen Landsleute und im schlimmsten Fall den Tod. Einige von ihnen wandern aus, oder verstecken sich weit weg von Paris. Andere bleiben. Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus und viele andere diskutieren über ihre Situation nach der Befreiung.

„[…] Es war die Zeit, die Wirklichkeit […] zu betrachten, wenn man sie verändern wollte.“  „ […] Die Zeit der Selbstgefälligkeit und Doppelbödigkeit war vorbei. […] Man musste sich engagieren. […] Die Lehre, die man aus dem Krieg gezogen hatte, lautete: Gleichgültigkeit erzeugt Chaos.“ (S. 163)

Sie gründen und schreiben für ihre eigenen Zeitschriften, die aufgrund des Papiermangels zunächst einen geringen Umfang hat. Sie wollen schockieren, aufrütteln und die Welt verändern. Es ist die Geburtsstunde des  Existenzialismus. Einige von ihnen, die zuvor lokale Bekanntheit genossen, werden länderübergreifend berühmt. Ihr Leben verändert sich mehr, als sie ahnen. Weiterlesen

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Ryan Gattis: Das System

Während andere in der Vorweihnachtszeit an Familie, Plätzen backen und Geschenke denken, wird der minderjährige Jacob, genannt Dreamer, am 08. Dezember 1993 wegen unerlaubtem Waffenbesitz und Mordversuch verhaftet. Der junge Samoaner steht mittellos ohne Eltern dar. Um nicht auf der Straße schlafen zu müssen, ist Jacob auf Fürsprecher angewiesen. Ihre Unterstützung braucht er nun mehr denn je.

Wer in einem Vorort von Los Angeles überleben will, braucht viel Glück. Jeder befindet sich in einem ständigen Ausnahmezustand. Dies liegt unter anderem an der geringen Verhaftungsquote, die den Gangmitgliedern in die Hände spielt. Und weil in den Gefängnissen ähnliche Gesetze herrschen, sieht Jacob schon das Ende seiner Zukunft, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Ein Justizbeamter meint es gut mit ihm, als er ihn warnt: „He, Jacob, wenn du das nicht getan hast, dann reicht ein Anwalt nicht. Du musst dich selbst retten, denn das System ist das System. Es schluckt immer die mit der geringsten Fallhöhe.“ (S. 124)

Ryan Gattis erzählt in seinem zweiten Thriller eine packende Geschichte chronologisch und unmissverständlich aus der Perspektive verschiedener Beteiligter, als wolle er ein Erste-Hilfe-Buch für Menschen schreiben, die mit der amerikanischen Justiz in Konflikt geraten. Jeder von ihnen ist direkt oder indirekt in einem Netz aus Fallstricken gefangen, in das auch der siebzehnjährige Jacob hineingeraten ist. Weiterlesen

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Anthony Powell: Die Philosophen des Krieges (1968)

1941 begegnet Nicholas Jenkins seinem alten Schulkameraden Widmerpool in einer dienstübergreifenden geheimen Besprechung und ist verwundert. Denn vor kurzen geriet dieser in der Hierarchie der Armee in Misskredit. Dieses déjà vu ähnelt früheren Erlebnissen, als der Jugendliche Widmerpool ausgegrenzt, belächelt oder direkt angegangen wurde. Dank eines Zufalls sitzt er nun an einer Schlüsselstelle innerhalb der Verwaltung. Und dies nur, weil Nicholas alter Schulfreund, Peter Templer, nicht den 16-Stunden-Job leisten und die langen Sitzungen protokollieren will. Erst als es zum Eingreifen zu spät ist, begreifen Nicholas und Peter, dass Widmerpool durch seine Position entscheiden kann, wie der Zweite Weltkrieg verlaufen soll. Doch was nützt ihm der ungewohnte Einfluss, wenn er in den Kreisen von Templer und anderen aus der Oberschicht weder erwünscht noch aufgenommen wird?

Zur gleichen Zeit begegnet Jenkins der attraktiven Pamela Flittons, die als Fahrerin ihren Dienst leistet. Dunkel erinnert er sich daran, dass es sich bei der jungen Frau um die Nichte eines weiteren alten Freundes handelt. Auch Pamela befindet sich in einem Krieg. Sie hat es auf die Männer abgesehen, die sich in sie verlieben, bis ihre vermeintlich neue Liebe für das Ende ihrer Karriere verantwortlich ist, darunter befinden sich auch Nicholas Freunde und Bekannte. Weiterlesen

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David Jackson: Der Bewohner

„… Der Plan hatte diese Entwicklung nicht vorgesehen. Der Plan sollte Spaß machen. Und das hier macht keinen Spaß.“ (S. 232)

Thomas Brogan ist ein erfolgreicher Serienkiller. Und weil er schlau und äußerst durchtrieben ist, gelingt ihm stets die Flucht vor der Polizei. Seine letzte Flucht hätte beinahe ein Desaster werden können, doch in letzter Sekunde findet er ein verlassenes Reiheneckhaus, in das er einbricht. Dort wartet er ab, bis die Polizei ihre Suche ausgeweitet hat. In dem heruntergekommenen Haus findet Brogan weder Wasser noch Nahrung, doch etwas anderes lässt ihn hoffen. Er kann über den Dachboden die Nachbarhäuser aufsuchen, weil die Trennwände zwischen den Häusern nur halbherzig hochgezogen worden sind. So nach und nach lernt Brogan seine Nachbarn kennen. Überraschenderweise rührt die alte Dame Elsie sein Herz, weil sie ihn an glückliche Momente in seiner Kindheit erinnert, während die attraktive Colette seine Begierden weckt. Viel zu lange redet er sich ein, noch etwas in seinem Versteck bleiben zu wollen, bis seine perfiden Spielchen mit den Bewohnern zu unerwarteten Wendungen führen. Weiterlesen

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Anthony Powell: Eine Frage der Erziehung (1951)

„… Damals jedoch war mir nicht so klar bewusst, dass die Wahl zwischen Würde und unbefriedigter Neugier eine grausame, aber notwendige Entscheidung darstellte.“ (S. 143)

Für Nicholas Jenkins sind die letzten Jahre vor seinem Studium nicht nur eine Frage der Erziehung sondern auch eine, ob er sich zwischen den Gleichaltrigen aus der englischen Oberschicht behaupten kann. Sie symbolisieren gleichzeitig ein unsichtbares Räderwerk aus Beziehungen und Geld, das seine Schützlinge in wichtige Positionen des gesellschaftlichen Lebens hieven wird. Während Jenkins sein Studium zum Abschluss bringen will, sucht er einen Platz in dieser Gesellschaft, die nach dem Ersten Weltkrieg den Aufbau des Landes vorantreibt.

Bei Einladungen in die Familien seiner Freunde erfährt Jenkins, wer zum inneren Kreis gehört und wer nicht. Sehr schnell erfährt der Betroffene, wie es sich anfühlt, im Zentrum von Missachtung und seltsamen Späßen zu stehen und mit seinen Peinigern gemeinsam zu lachen. Und wenn zum Spaß auch noch Rachegelüste hinzukommen, wird die Person non grata bei passender Gelegenheit als vermeintlich gesuchter Verbrecher angezeigt, um die Aufregung nach dessen Verhaftung zu genießen. Weiterlesen

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Tamara Bach: Sankt irgendwas

„Schräg.“ Dies sagt einer, der nicht dabei war.

„Jedenfalls war keiner im Gefängnis und es gab wohl keine Brandstiftung.“ (S. 120)

Die 10d begibt sich mit ihrem Klassenlehrer, Dr. Utz, auf eine Studienfahrt ins Ausland. Für alle ist diese Reise mit viel Extraarbeit verbunden, denn Utz hat jedem der 28 Schülerinnen und Schülern ein Referat über eines der Ausflugsziele aufgegeben. Darüber hinaus muss täglich ein Protokoll geschrieben werden. Abgesehen davon, dass Utz nicht gerade zu den beliebtesten Lehrern gehört und zwischen ihm und der Klasse schon einige Differenzen ausgetragen worden sind, merken die Protokollanten schnell, dass sie ihre Berichte auf keinen Fall dem Klassenlehrer aushändigen dürfen. Denn wer würde schon gern von seinen Entgleisungen und dem Desaster seiner Studienfahrt lesen wollen? Weiterlesen

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Ava Reed: Wenn ich die Augen schließe

Norah und ihre Freunde feiern. Wie alle anderen haben sie auf der Party Spaß, tanzen und trinken Alkohol. Am frühen Morgen wollen sie in Tims Wagen wieder nach Hause fahren. Sie wissen, dass Tim ebenfalls getrunken hat und erst seit kurzem einen Führerschein besitzt. Vielleicht verliert er deshalb die Kontrolle über sein Fahrzeug, während die anderen noch ausgelassen zur lauten Musik singen. Alle bis auf Norah kommen mit ein paar Kratzern und dem Schrecken davon. Denn Norah war als einzige nicht angeschnallt und wird durch die Frontschreibe geschleudert. Nachdem sie irgendwann aus dem Koma erwacht, erfährt sie, dass sie hätte sterben können. Abgesehen von den Blessuren und der Notoperation spürt Norah noch eine Veränderung. Etwas in ihr ist anders.

„… Ich fühle mich wie eine Uhr, die nicht mehr läuft, wie ein Habicht mit gebrochenen Flügeln. Ich bin ein Zebra ohne Streifen oder ein Baum ohne Wurzeln.“ (S. 50)

Aus irgend einem Grund fehlen ihr die Erinnerungen aus den letzten drei Jahren, und sie weiß nicht mehr so genau, was sie ausmacht. Gefühle und Neigungen müssen neu entdeckt werden. Nur ihr alter Freund Sam kann helfen, glaubt Norah. Ihm vertraut sie ihre Gedanken an. Weiterlesen

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Carolin Wahl: Zwei Leben in einer Nacht

Carolin Wahls Jugendroman beginnt mit einer Warnung. Es sollten nur diejenigen das Buch lesen, die mit den Themen Depression, Trauer, Tod, Suizid und Ängsten umgehen können. In ihrer Danksagung schreibt die Autorin, sie habe vor Jahren Berichte über die sogenannte Blue Whale Challenge in Russland gelesen, durch die viele Jugendliche den Tod fanden. Und weil dieses Thema sie nicht mehr los ließ, schrieb sie die einnehmende Geschichte zweier Fünfzehnjähriger, die sich in der Nacht zu Freitag, dem 13., auf einem Bahnhof treffen.

Sam und Caspar sind sich völlig fremd, doch sie haben ein paar Gemeinsamkeiten, die alles aufwiegen. Sie wollen beide in wenigen Stunden sterben und vorher noch einige Aufgaben erfüllen, die ihnen der geheimnisvolle Ghost über den Hashtag #zweilebenineinernacht zuschicken wird. Nach jeder erledigten Aufgabe schicken sie ihm einen Beweis, um kurz darauf ein neues Ziel mit Zeitangabe zu erfahren. Sam und Caspar lernen sich in dieser extremen Nacht sehr gut kennen. Sie haben nichts mehr zu verlieren, und leisten sich deshalb Ehrlichkeit. Doch was ist Ehrlichkeit wert, wenn einer etwas Wesentliches verschweigt, das alles in Frage stellt? Weiterlesen

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Erik Eggers: Der Mensch als Fisch

Der Husumer Otto Kemmerich (1886 – 1952) war ein Extremsportler, der das Abenteuer im Meer suchte. Nach seiner beruflichen Karriere als Herausgeber von mathematischen Formeln wurde er Profischwimmer. Hierfür entwickelte er den Schwimmstil in Seitenlage weiter und schwamm lebensgefährliche und damit auch medientaugliche Routen. Ganz auf sich gestellt suchte er das offene Meer bei jedem Wetter, jeder Strömung und Wassertemperatur, um nach Stunden zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle vor Publikum an Land zu gehen.

Vorträge und Gastspiele in den Kurorten, der Verkauf von Autogrammen und vieles mehr dienten der Versorgung seiner Familie. Auch das lukrative Preisgeld für die Querung des Fehmarnbelts half ihm, seine Berühmtheit zu festigen. Vermutlich hätte er den Ärmelkanal in einer sehr guten Zeit schaffen können. Er wollte unbedingt schneller sein als Trudy Ederle, um die Überlegenheit des Mannes wieder ins richtige Licht zu rücken. Doch unterwegs wurde er vermutlich von einem Hai attackiert und verletzt, so dass seine Begleiter den bewusstlosen Kemmerich aus dem Wasser ziehen mussten. Einen zweiten Versuch dieser kostspieligen Expedition konnten weder sein Sponsor noch er selbst stemmen. Damit platzte Kemmerichs Traum, für seine Familie eine finanzielle Absicherung zu schaffen. Also tingelte er weiter mit immer neuen spektakulären Aktionen zu den friesischen Kurbädern. Weiterlesen

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