Horst Eckert: Der Preis des Todes

25 Jahre ging Sarah ihrem Vater aus dem Weg. Damals hatte er sie und ihre Mutter verlassen.  25 Jahre hat sie ihr Leben ohne ihn gelebt, bis der Zufall ihre Wege kreuzt.

Nach der Ermordung ihres Freundes Christian steht sie ihrem Vater im Präsidium gegenüber. Der Düsseldorfer Kommissar Sellin ist inzwischen alt und grau geworden und untersucht gerade den Mord an einer jungen Frau. Sein neuer Fall und der Tod von Christian Wagner haben zwei Gemeinsamkeiten. Beide Opfer kannten sich über eine Hilfsorganisation und waren in Dadaab, dem größten afrikanischen Flüchtlingslager. Während der Tod des Staatssekretärs Christian Wagner mediale Wellen schlägt, interessiert sich kaum einer für junge Frau.

Nach 25 Jahren braucht Sarah ihren Vater. Er verfügt über Insiderinformationen, die ihr für die Suche nach Christians Mörder fehlen. Im Gegenzug berichtet Sarah ihm die Ergebnisse ihrer Recherchen. Vater und Tochter kommen sich dabei näher und geraten, ohne es zu ahnen, in den Fokus einer kriminellen Organisation. Deren Wirkungskreis ist erschreckend groß und vernichtend zugleich. Weiterlesen

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Nicholas Searle: Verrat

Bridget ist katholisch und lebt in Nordirland. Seit ihrer Kindheit kennt sie nichts anderes als Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken, aber auch Brutalität von Seiten der britischen Soldaten oder Polizisten. Sie erfährt Armut, Kälte und ständig Ungerechtigkeit, die ihr ein normales Leben mit Ausbildung, gut bezahlter Arbeit und einem angstfreien Alltag unmöglich machen. Nach der Schule wollte sie studieren. Doch ihre Mutter bat sie, noch eine Weile damit zu warten. Und während sie auf den geeigneten Moment wartet, begegnet sie Francis, einem erfahrenen Freiheitskämpfer, der für ein vereintes Irland Menschen tötet. In sein verwegenes Lächeln verliebt sie sich. Nach ihrer Heirat bleibt ihre einzige Fortbildung das Rauf- und Runterlesen der mobilen Bücherei. Häufig verschwindet Francis ohne eine Erklärung. In den Zeitungen liest Bridget von diversen Angriffen im Süden oder in England, die wiederum Angriffe in Nordirland nach sich ziehen.

Bridget kennt ihr ganzes Leben lang nur die Eskalation von Gewalt. Sie hat Angst um Francis, und sie hat Angst um sich. Ständig sucht sie einen Ausweg, der unverhofft über Sarah, einer britischen Geheimagentin, angeboten wird. Weiterlesen

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Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen

Ein Grundgesetz für bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Und täglich kaufen Investoren weitere Quadratmeter. Wer sein Studium finanziell alleine stemmt, von einer kleinen Rente lebt oder als Normalverdiener keine bezahlbare Wohnung mehr findet, darf in diesem klugen Ratgeber die Ideen von 66 Raumwundern aufgreifen.

Eines wird beim inspirierenden Schmökern mehr als deutlich: Das klassische Wohnen war gestern. Heute braucht man Kreativität, um die vorhandenen Ressourcen erstens zu erkennen und zweitens zu nutzen.

Entrümpeln und sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfte die leichteste Übung sein. Die inzwischen bekannten und geschätzten Tiny Houses bringen die Konzentration im Leben quasi auf den Punkt, während intelligente Möbelarchitektur im beengten Wohnraum mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber die eigene Wohnung mit anderen zu teilen, bedeutet ein gravierendes Umdenken, bei dem für jede Form von Egoismus kein Raum bleibt. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, zeichnet der Autor Daniel Fuhrhop unterschiedliche Lebensmodelle auf. Ob Arbeiten für Wohnen, der gemeinsame Erwerb von leerstehenden Häusern, klassische Wohngemeinschaften, für jeden Bereich gibt es Wege herauszufinden, wer passt zu wem. Im Zeitalter der Digitalisierung lassen sich Fragekataloge leicht entwerfen und auswerten. Inzwischen entwickeln sich daraus immer mehr Geschäftsmodelle, deren Eigendynamik gerade erst begonnen hat. Weiterlesen

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James Baldwin: Von dieser Welt (1953)

John hat Geburtstag. Er wird vierzehn, und keiner aus der Familie nimmt beim Frühstück seinen Geburtstag zur Kenntnis. Dieser Tag scheint genauso traurig und öde zu verlaufen wie jeder andere auch. Als Ältester hat er seinen Geschwistern gegenüber Verpflichtungen. John, der Vernünftige, der Ruhige, wird gleichzeitig mit Verboten überhäuft.

Am Morgen seines Geburtstages fragt er seine Mutter, ob der Vater ein guter Mensch sei. Wer seine Kinder liebt, der schlägt sie, erfährt er. Doch am Gesicht seiner Mutter erkennt John, dass sie diese Meinung nicht teilt, denn auch sie wird geschlagen und schlecht behandelt. Kurz darauf verspricht sein Tag doch noch richtig gut zu werden. Seine Mutter schenkt ihm ein paar Münzen und freie Zeit, die ihm ein ungestörtes Nachdenken erlauben. Was soll er mit seinem Leben anfangen? Gibt er dem drängenden Wunsch seines Vaters nach und wird ebenfalls Prediger?

James Baldwin, 1924 in New York geboren, war der erste schwarze Künstler auf dem Cover des Time Magazins. Viele Preise und Auszeichnungen zieren seine Werke. Weiterlesen

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Castle Freeman: Männer mit Erfahrung

Lilian wird vom Sheriff zu den Männern mit Erfahrung geschickt. Sie können ihr helfen, sagt er. Seit einigen Tagen wird sie von Blackway, dem brutalsten Gangster der Gegend, bedroht. Ihr Exfreund Kevin ist bereits vor ihm geflohen.

Jeder rät ihr, es ihm nachzumachen. Doch Lilian will nicht weg. Schließlich hat sie nichts Böses getan. Wenn jemand gehen soll, dann müsse es Blackway sein, findet sie.

Der alte, hinkende Les und der junge Hüne Nate werden ihr zur Seite gestellt. Anfangs denkt Lilian, es ginge nur darum, Blackway zu finden, um mit ihm ein deutliches Wort zu reden. Dann entwickelt sich die Suche alles andere als harmlos.

Der Autor Castle Freeman, geboren 1944 in Texas, folgt in seinem Roman Männer mit Erfahrung (»Go With Me«) seinem Leitthema, in dem er einen Tag in einem kleinen ländlichen Ort in Vermont beschreibt. Die überschaubare Einwohnerzahl erlaubt keine Geheimnisse. Jeder kennt jeden. Weiterlesen

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Michel Faber: Das Buch der seltsamen neuen Dinge

Peter und Bea lieben sich. In London haben sie geheiratet und ihr gemeinsames Leben aufgebaut. Beide engagieren sich für ein besseres Leben. Sie arbeitet als Krankenschwester, und er leitet als Pfarrer eine christliche Gemeinde. Als Peter ein besonderes Arbeitsangebot vom Konzern USIC erhält, klingt dies nicht nur wegen der gigantischen Höhe seines Honorars nach einer verlockenden Chance. Er soll laut USIC auf einem schon von wenigen Menschen bewohnten Planeten die dortigen Ureinwohner missionieren. Das zeitlich begrenzte Projekt ist für Peter wie ein einmaliges Geschenk, das er einfach annehmen muss, auch wenn er dafür Bea in London zurücklassen muss. Peter fliegt zu diesem fernen Planeten. Kaum angekommen stellt er zu seiner Verwunderung fest, dass dort schon jemand Vorarbeit geleistet hat.

Vielleicht wird er aus diesem Grund wie ein Star aufgenommen. Seine Arbeit in der kargen Umgebung läuft ungewöhnlich gut, zu gut, um wahr zu sein. Während dessen läuft Beas Leben in die entgegengesetzte Richtung. Lebensmittelknappheit, Straßenrevolten, Umweltkatastrophen. Das Chaos auf der Erde scheint immer schlimmer und schlimmer zu werden. Peters und Beas Fernbeziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Nur über Nachrichten können sie sich austauschen. Schnell gibt es Missverständnisse, Aussöhnungen und erste Entfremdungen. Weiterlesen

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Bianca Bellová: Am See

Das Fischerdorf Boros liegt an einem großen See, der systematisch vergiftet und ausgebeutet wird. Die Menschen in Boros glauben an den Seegeist, der einmal erzürnt, durch ein Menschenopfer besänftigt werden kann. Auch Nami glaubt an ihn und dass die Erzürnung des Seegeistes mit seinem Schicksal verknüpft ist. Schon vor seiner Geburt liegt ein Zorn auf seinem Leben, in dem alles zerrinnt, was gut war: Mutter verschollen, Vater unbekannt, Großeltern früh verstorben. Misshandelt und beschimpft flieht Nami in die fremde Hauptstadt. Dort soll es für ihn eine Zukunft geben. Doch aus irgendeinem Grund scheint ihn die Rache des Seegeistes zu verfolgen.

Die Prager Autorin Bianca Bellová darf man als vielseitige Künstlerin sehen, die den Gebrauch der Sprache in- und auswendig beherrscht. Sie schreibt neben Novellen auch Romane und Übersetzungen. Darüber hinaus arbeitet sie als Dolmetscherin.

In ihrem Roman »Am See« thematisiert sie die Haltbarkeit von Unschuld und Reinheit in Gestalt des Jungen Nami, der unter widrigen Bedingungen erwachsen wird. Nami, lernt laufen, zuhören, schwimmen und geht zur Schule. Völlig unvorbereitet steht er vor seinen Gegenspielern: der grausamen Seite des Aberglaubens und der Willkürherrschaft der Russen. Lakonisch und bildhaft zugleich beschreibt Bianca Bellová die menschenverachtenden Lebensbedingungen und ihre Opfer in der von Männern dominierten Welt, zu denen nun auch Nami als Arbeitssuchender gehört. Weiterlesen

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Daša Drndic: Belladonna

Ein Mensch kann vieles sein und entsprechend viele Rollen in seinem Leben innehaben. Andreas Ban ist einer von ihnen: Psychologe, Schriftsteller, Dozent, ehemaliger Wehrdienstleister und Fahnenflüchtiger, Witwer, Vater und zum Schluss reduziert auf Alter, Krankheit und Armut. Auf diese Weise zurechtgestutzt blickt er auf sein Leben zurück, das andere Geschichten und Schicksale anzog wie ein Magnet.

»… die Geschichten sprangen aus dem Nichts, sprangen ihn an und kullerten ihm nach, krallten sich an ihm fest, … Hier in dieser kleinen Stadt, direkt unter seiner Nase, schlummerten die gleichen Geschichten, verstreut auf den Friedhöfen, haften an den Namen, eingeprägt in Fotografien, man hat sie rumliegen lassen wie billige Ware, … (S. 344, 345)

Was soll Andreas mit seinem großen Wissen anfangen? Was ist es wert, wenn Worte nichts mehr zählen? Stückweise verabschiedet er seinen Besitz, solange seine Augen noch funktionieren. Weiterlesen

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Susanne Fischer: Wolkenkönigin

Für Corinna ist nach dem Umzug vor dem Umzug mit dem üblichen Ablauf: neue Schule, neue Klassenkameraden und der erste Platz bei den Außenseitern. Häufig wird ihr Name für Hänseleien genutzt. Mit den Worten »Iih, Corry zieht ins Kanakennest!« (S. 13) wird sie verabschiedet. Aus diesem Grund will sie die immer gleichen Abläufe ändern. Bei ihrer Anmeldung in der neuen Schule behauptet sie einfach, ihr Name sei Corinna Marie und Marie der Rufname. In ihrer neuen Klasse gibt es nur noch einen freien Stuhl. Wie es der Zufall so will, saß dort vor kurzem noch eine andere Marie, die Pechmarie. Pechmarie musste die Schule verlassen.

Schnell findet Corinna Marie Anschluss. Auch zu Marc, der eine Etage unter ihr wohnt und sie zu seinem Lieblingsplatz führt.

»… Schon merkwürdig, dass du mir das erzählst, wir kennen uns doch gar nicht.« … Marc lächelt schief. »Du heißt Inna, dein Vater ist mit einer Tussi weg, du gehst auf die Schwitze, vorher warst du in Neuenmarken. Dein Bruder ist ein Spasti, deine Mutter harzt. Ich bin Mark, … , meine Mutter jobt beim Billig, keine Geschwister. Vater weg. Mutter hat gerade einen neuen Typen. Kennen wir uns?« (S. 28/29) Weiterlesen

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Claudia Rikl: Das Ende des Schweigens

Das Ende des Schweigens besiegelt der Mörder, in dem er dem Opfer die Zunge herausschneidet. Kommissar Herzberg findet schnell heraus, dass der Tote zu Lebzeiten ein unangenehmer Zeitgenosse war. Der Ex-Major zählte zu den Hardlinern im DDR-Regime und agierte seinen Soldaten gegenüber ebenso rücksichtslos wie in seiner Familie. Je tiefer Herzberg in die Geschehnisse vor der Wende eintaucht, um so mehr leidet er an den eigenen Erinnerungen, die er bisher erfolgreich verdrängt hat. Damals wurde er wie alle jungen Männer zu einem harten Wehrdienst gezwungen, der den Willen der angehenden Soldaten brechen sollte. Herzberg selbst ging danach in den Widerstand und wurde wegen der Lektüre eines verbotenen Buches inhaftiert. Weit über Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall findet er noch immer Zeitgenossen, die der DDR und der guten, alten Armeezeit hinterher trauern. Gleichzeitig gehen sie über ihre eigenen Taten schweigend hinweg. Einer dieser Männer ist sogar Herzbergs unsympathischer Kollege Sven Färber. Sehr schnell macht dieser sich verdächtig, weil er immer neue Lügen erzählt. Während ihrer Ermittlungen finden Herzberg und sein Team auch überraschend viel über Svens Vergangenheit und dessen Verbindung zu dem Opfer heraus. Weiterlesen

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