Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden

Es kommt auf die richtige Freizeitbeschäftigung an. „… Das unbesorgte Sterben ist eine große Probe auf die Richtigkeit einer Freizeitbeschäftigung. Meine Großmutter spazierte bis ins hohe Alter. Mit vierundneunzig Jahren bückte sie sich so tief nach einer Wiesenblume, dass ihr Herz versagte.“ (S. 90)

Wenn bei anderen der Gedanke an das eigene Lebensende in den Vordergrund tritt, dann geht der pensionierte Lehrer Zbinden spazieren. Er wohnt im Alter von 87 Jahren in einem Seniorenheim. Jeden Tag sucht er das Gespräch, den Weg nach draußen, um mit möglichst vielen Menschen zu sprechen. Neue Menschen kennenzulernen wird zu seinem Motor.

Der Spaziergang über eine sehr lange Treppe hinunter bringt ihm den neuen Zivildienstleistenden Kâzim näher. Das, was im Leben wichtig ist, kommt unweigerlich zur Sprache: Die Liebe.

Der Autor und Kabarettist Christoph Simon aus Bern schlüpft in die Rolle eines wesentlich Älteren. Seine Perspektive kommt so nah an Lukas Zbinden ran, wie es nur in einem inneren Monolog möglich ist. Weiterlesen

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Michaela Karl: „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“

Maeve Brennan (1917 – 1993) misst 1,50 m, ist quirlig, klug und freiheitsliebend. 1933 zieht ihre Familie nach Washington. Die Berufung ihres Vaters als Legationsrat der irischen Gesandtschaft ermöglicht der Familie einen noch nie gekannten Luxus und eine finanzielle Sicherheit. Nach dem Umzug geht Maeve weiter zur Schule und studiert, während der Vater seine politische Karriere nach vorn treibt.

Eine unglückliche Liebe führt sie ohne Universitätsabschluss nach New York. Anfang der vierziger Jahre ist es nicht leicht, in Manhattan eine bezahlbare Wohnung zu finden. Maeve wird eine Frau, die häufig umzieht und dabei Greenwich Village bevorzugt. Während sie in New York als Bibliothekarin arbeitet, beginnt sie mit dem Schreiben. Ihre erste Kurzgeschichte Die Besucherin, wird nach ihrem Tod entdeckt und als eines ihrer wichtigsten Werke angesehen.

1943 beginnt sie als Werbetexterin bei Harpers’s Bazaar und wird schnell – auch über ihre Arbeit bei Junior Bazaar – zur Stilikone. Das Kleine Schwarze will nicht zu dem von der Mode diktierten Tellerrock passen. Doch für Maeve hat dieser Look durchaus praktische Erwägungen: Sie kann direkt von der Arbeit zur Party gehen und ist immer passend angezogen. Zu ihren Markenzeichen gehören hochgesteckte Haare, eine auffallende Brille, Perlenkette und ein stark geschminktes Gesicht. Dort, wo sie sich gerade aufhält, vermischt sich der Rauch ihrer Zigaretten mit einem luxuriösen, schweren Parfüm. 1949, nach einer erneuten Beförderung bei Harper’s Bazaar, wechselt sie zum New Yorker, ein Magazin, das speziell für die New Yorker Bevölkerung konzipiert worden ist und Heimat vieler berühmter Autoren war. Weiterlesen

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Tom Perrotta: Mrs Fletcher

Nachdem ihr Sohn Brendan ausgezogen ist, lebt Eve Fletcher allein in einem großen Haus. Früher waren sie zu dritt, bis die Ehe nicht mehr funktionierte. Wie geht eine Frau in den mittleren Jahren mit der Einsamkeit um? Ein neuer Partner findet sich auch nicht so leicht. Eve beschließt, ihr Leben neu zu organisieren und meldet sich für ein Seminar am College an.

Auch Brendan fühlt sich an der Uni allein. Saufen und Parties helfen ihm nur kurzweilig, über die Leere hinwegzukommen. Viele fremde Gesichter können den Verlust von echten Freunden nicht ersetzen.

Auf der Suche nach menschlicher Nähe lernen Eve und Brendan neue Bekannte kennen, manches, was früher undenkbar erschien, passt auf einmal und führt zu Verwirrungen.

Der Autor Tom Perrotta hat bereits mit seinem verfilmten Roman Little Children das Thema Einsamkeit mit und ohne Partner bearbeitet. Eves Wünsche und Erfolge passen nicht immer zusammen. Das eigene Glück zu schmieden, will bei ihr nicht so richtig funktionieren. Sie hängt aus reiner Routine in ihrer Rolle fest. »… Sie hatte ihr Gefängnis freiwillig gewählt, war selbst hineingeklettert und hatte sich den Deckel über den Kopf gezogen.« (S. 331) Weiterlesen

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Ivy Pochoda: Wonder Valley

Los Angeles und die Wüste sind die Schauplätze von sehr unterschiedlichen Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden. Angekommen sind sie an den Rand der Gesellschaft, ein Bereich, der erstaunlich belebt ist und an einen Schmelztiegel erinnert.

Über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren begegnen sich eingefleischte Gauner, Jugendliche, Erwachsene und geben ihren Zufallsbekanntschaften ungewollt einen Impuls, der für die Betroffenen mehr Bedeutung erhält, als sie anfangs für möglich halten.

Die Amerikanerin Ivy Pochoda, geboren 1977, schreibt über fünf Lebensschicksale, die sie gekonnt miteinander verknüpft.

Einen nackten Jogger im morgendlichen Verkehrskollaps rennen zu lassen, ist mehr als nur ein gelungener Kunstgriff. Diese Schlüsselszene zeigt einen Befreiungsakt, der nur von dem biederen Anwalt Tony erkannt wird. Er fühlt sich von diesem Jogger motiviert, sein eigenes, enges Leben zu verlassen. Spontan steigt er aus seinem Wagen, lässt diesen mitten im Stau stehen und rennt los. Weiterlesen

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JL Butler: Mein: Wie weit wirst du gehen, um ihn zu behalten?

Die Londoner Scheidungsanwältin Francine Day zählt zu den Besten unter den Besten. Alles hat sie unter Kontrolle. Ihr Spezialgebiet ist der Erhalt von Vermögen ihrer scheidungswilligen Mandanten. Eines Tages steht der attraktive Martin Joy, ein neuer, schwer reicher Auftraggeber vor ihr. Das Scheidungsverfahren könnte ein ganz normaler Fall werden, doch Francine spürt seit der ersten Sekunde ihres Treffens eine starke Anziehung. Kurz darauf erliegt die eingefleischte Single-Frau seinem Charme. Verstand, Ethik und ihre berufliche Karriere stehen auf einmal in der zweiten Reihe. Francine schwelgt im Liebesrausch und kämpft mit Eifersucht. Ausgerechnet an dem Abend, an dem sie seiner Ehefrau Donna heimlich folgt, hat diese sich mit Martin verabredet. Zweifel nagen an Francine. Sie muss unbedingt mehr über das Ehepaar Donna und Martin erfahren. Sind sie vielleicht doch noch ein Paar und spielen anderen etwas vor?

Am Fenster des Pubs sitzend, das direkt gegenüber von Donnas Haus steht, verbringt sie den späten Abend und trinkt etwas gegen ihren Frust. Irgendwann hat sie einen Aussetzer. Francine kann sich an die letzten zwei Stunden ihrer Observierung nicht mehr erinnern. In dieser Nacht verschwindet Donna spurlos. Weiterlesen

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Oleg Senzow: Leben

Wenn jemand ständig hinterfragt, in der Schule trotz bester Noten ausgegrenzt wird und dennoch seinem Wissensdurst treu bleibt, dann darf man demjenigen Intelligenz und Charakter unterstellen. Der 1976 auf der Krim geborene Oleg Senzow hat in seinem Leben schon viel geleistet. Viele Talente erlauben viele Wege und Wegkreuzungen: Ein Marketing-Studium, Anführer der Cyberbewegung auf der Krim; Kurse für Drehbuch und Regie an der Filmschule Moskau; Autor von Romanen, Erzählungen, Theatertexten; Regisseur von Kurz- und Langfilmen; politischer Aktivist und am 25. August 2015 von einem russischen Gericht wegen angeblicher terroristischer Handlungen zu 20 Jahren Haft verurteilt; derzeitiger Aufenthalt in Labytnangi nördlich des Polarkreises. Wer ihm schreiben möchte, sollte nur die erlaubten kyrillischen Buchstaben (ggf. Übersetzungstool aus dem Internet) verwenden. Oder #freesentsov.

Aus dem Vollen schöpfend hat der Verlag eine viel zu kleine, dafür aber feine Auswahl getroffen, die zum Teil chronologisch Oleg Senzows Leben beschreibt. In dem Heimatdorf seiner Kindheit und Jugend steht das nackte Überleben der meist bäuerlichen Bewohner an erster Stelle. Wenn in einem solchen Umfeld der gepflegten Bildungsferne der Junge Oleg seine Intelligenz mit Büchern füttert, kann es nur Konfrontationen geben. Diese zeigen beispielhaft, wie seine Persönlichkeit zu einem starken Geist geschmiedet wurde. Weiterlesen

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Wiebke Lorenz: Einer wird sterben

In Stellas Leben stimmt so einiges nicht. Aus Liebe hat sie für Paul eine Schuld auf sich geladen, damit seine Karriere als Pilot keinen Schaden nimmt. Seit sechs Jahren schweigen sie über wichtige Einzelheiten eines Unfalls mit Todesfolge. Und seit sechs Jahren kann sie ihren Beruf als Grundschullehrerin nicht mehr ausüben. Denn die Narben in ihrem Gesicht haben auch auf ihrer Seele Spuren hinterlassen.

Wie schon so oft fliegt Paul wieder für einige Tage durch die Welt. Als in ihrer Straße, einer ruhigen Sackgasse, einige Ereignisse auch die Nachbarn aus dem Konzept bringen, fühlt sich Stella erst recht alleingelassen. Der parkende Mercedes in der Nähe ihres Hauses erinnert sie an ihren Unfallwagen und macht sie nervös. Das Paar bleibt in dem schwarzen Wagen mehrere Tage sitzen und erklärt auf ihre Anfrage geheimnisvoll, sie würden auf etwas warten. Stellas Angst wächst. Weil die beiden auch noch die gleiche Kleidung tragen wie einst Paul und sie am Tag des Unfalls, bekommt ihre Fantasie reichlich Nahrung. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Wo die Toten leben

Fionas fünfter Fall beginnt scheinbar harmlos: In dem alten Totenhaus eines Dorfes wird der Leichnam einer jungen Frau gefunden. Aufgebahrt und ohne sichtbare Verletzungen liegt sie da. Die Untersuchungen ergeben recht schnell, dass sie einen natürlichen Tod starb. Nur wer diese Frau dort aufgebahrt hat und wer die Unbekannte ist, bleibt im Verborgenen.

Der Fall, der nach der Meinung ihrer Vorgesetzten keiner sei, lässt Fiona nicht los. Und wie es so ihre Art ist, beißt sie sich an winzigen Spuren fest.

Fiona findet den Namen der unbekannten Toten heraus. Die winzigen Spuren werden größer. Weitere Indizien zeigen in die Richtung einer großen Sache, die nicht nur für sie lebensgefährlich wird. Denn die Gegner bleiben gern im Verborgenen und verfügen über ein weit verzweigtes Netz. Zu keiner Zeit kann sich Fiona sicher sein, ob zum Beispiel der Kollege ein Freund oder Feind ist.

Harry Bingham kann schreiben. Er schreibt so gut, dass seine äußerst spannenden Kriminalromane im Bücherregal eines jeden Krimifans stehen sollten. Ein weiteres Buch erscheint noch in diesem Jahr. Weiterlesen

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Antonio Ortuño: Die Verschwundenen

Aurelio Blanco ist unglücklich in die drei Jahre ältere Alicia verliebt. Weil er und seine Mutter auf dem Anwesen ihrer Eltern leben, arbeitet er schon als Junge für ihren Vater, den einflussreichen Carlo de Flores. Aus einer Laune heraus akzeptiert sie ihn als Sexualpartner, behandelt ihn jedoch wie einen Hund und nennt ihn auch so.

Eines Tages wandelt sich Alicias Unglück in sein ganz persönliches Glück. Er soll die entehrte Alicia heiraten und arbeitet nun in der Baufirma seines Schwiegervaters.

Noch immer folgt er bedingungslos de Flores Anweisungen. Auch als der Schwiegervater ihn für das Gericht, die Investoren und Presse als Sündenbock für die eigenen Betrügereien präsentiert. Angeblich soll Blanco nur für kurze Zeit ins Gefängnis.

Nach fünfzehn Jahren Gefängnis steht er ihm und seiner Familie erneut gegenüber. Der Tag der Abrechnung für den Verlust von Freiheit, Ehe und Familienleben fällt mit dem Weihnachtsfest zusammen, dem Tag der Liebe. Weiterlesen

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Scott Bergstrom: Ohne Skrupel

Agenten leben gefährlich. Zu jeder Zeit können sie enttarnt werden und schneller sterben als ein Gedanke.

Gwendolyns Eltern waren Agenten. Nun lebt nur noch ihr angeschlagener, abtrünniger Vater. Zu ihrem Schutz ziehen sie häufig um, während die Angst ihr ständiger Begleiter bleibt. Im Alter von 19 Jahren wird Gwen gezwungen, sich von ihrem Vater zu trennen. Der israelische Geheimdienst verlangt von ihr die Tötung eines reichen Mannes, dessen Vater bereits von ihrem Vater umgebracht worden ist. Und nun soll sie diese morbide Tradition erhalten.

Gwen kennt sich inzwischen mit dem Töten aus. In einem Wüstencamp wurde sie von einer Spezialeinheit der Israelis ausgebildet und für die Finessen des Geheimdienstes sensibilisiert. Ihre wichtigste Lektion lautet:

Niemand kann der totalen Überwachung der Geheimdienste entgehen. Irgendwann wird jeder entdeckt. Die Jagd nach Wissensvorteilen, Manipulation durch Scheininformationen machen aus allen Beteiligten Schachfiguren. Gwen will nicht nur aus dem menschenfeindlichen Spiel der Geheimdienste aussteigen. Sie sehnt sich nach einem Leben in Frieden, dass ihr nie erlaubt war. Weiterlesen

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