Karl Friedrich Borée: Dor und der September (1930)

…, wie es hinlief, schon jahrelang, und überhaupt in meiner Lage an die Vierzig heran und wie ein Schiff, das abgewrackt am Kai liegt! – Aber vielleicht ist der Mensch doch mehr von der Art der Bäume, die von der Wurzel ausschlagen, wenn der Stamm fällt: Daß dann ein ganz neues Wesen sein Dasein entfaltet – und wenn auch nur ein Strauch.“ (S. 5)

Für den ausgemusterten Marinekapitän läuft es denkbar schlecht. Die gering bezahlte Hilfstätigkeit in der Bibliothek hilft ihm in keiner Weise auf die Beine. Als Lichtblick empfindet er das überraschende Wiedersehen mit Dor, die inzwischen zur jungen Frau herangewachsen ist und in seiner Nähe Medizin studiert. Allmählich kommen sie sich näher. Viel zu schnell hat Dor ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Es ist Sommer, und sie überlegen, wie es mit ihnen weitergehen soll.

Dor schlägt ein heimliches Treffen in ihren Ferien vor. Vier Tage im September sollen es werden.

1886 wurde Karl Friedrich Borée in Görlitz geboren. Nach seinem Jurastudium erlebte er zwei Weltkriege. Sein erster Roman »Dor und der September« wurde 1930 ein Erfolg. Sein wichtigster Roman »Frühling 45« erschien 1954. Zehn Jahre später verstarb er. Weiterlesen

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Alex Wheatle: Die Ritter von Crongton

Der Autor Alex Wheatle hat eine Mission. Er zeigt, wie Jugendliche in sozialen Brennpunkten überleben können. Seine Devise: Nur mit echten Freunden kann man den Gangs und ‚Ghettoratten‘ fernbleiben. Echte Freunde halten auch zusammen, wenn es mal richtig schlimm wird.

Die Freunde McKay, Little Bic und Jonah sind echte Freunde. Doch nun kommt die erste Verliebtheit ins Spiel und bringt alles durcheinander, als Little Bic von Venetias Schwierigkeiten erfährt. Ihr Exfreund, drei Jahre älter und Mitglied einer Gang, hat ihr Handy gestohlen, auf dem unter anderem sehr persönliche Bilder gespeichert sind. Wenn diese Bilder veröffentlicht würden, wäre dies für Venetia mehr als nur eine Katastrophe. Natürlich will ihr Little Bic helfen. Und wenn er hilft, dann sind auch McKay und Jonah mit von der Partie, die unbedingt Venetias Freundin näher kennenlernen wollen. Als Gruppe begeben sie sich in Feindesland, überraschen Venetias Exfreund in seiner Wohnung und erobern das gestohlene Handy zurück. Weiterlesen

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Matthew J. Arlidge: D.I. Helen Grace 07: Blinder Hass

Es sieht so aus, als hätte sich alles und jeder gegen DI Helen Grace verschworen. Schon am frühen Morgen entdeckt sie auf einer einsamen Straße eine Tote. Kurz vorher raste ihr ein Wagen entgegen, in dem vermutlich der Mörder davon fuhr. Und während die Mordermittlung versucht herauszufinden, wer hinter dem Mord steckt, gibt es den nächsten tödlichen Überfall. Und danach wieder einen. DI Helen Grace und ihr Ermittlungsteam sehen einen Zusammenhang zwischen den Morden. Allmählich sprechen die Indizien dafür, dass sie ein junges Paar jagen.

Die Suche nach dem Motiv wird im Laufe der nächsten Stunden immer drängender, weil an diesem Tag noch mehr Menschen sterben. Wer wird das nächste Opfer sein, wie kann die Polizei den Mörder aufhalten? Dies fragt auch die Presse mit Nachdruck. Southampton befindet sich im Ausnahmezustand. Es sieht so aus, als könne die gesamte Polizei den flüchtigen Mörder nicht aufhalten. Weiterlesen

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Aslı Erdoğan – Die Stadt mit der roten Pelerine (1998)

Ist ein Roman nur ein Roman? Muss das darin Erzählte echt und wahr sein?

Nach einer Autorenlesung ist häufig Zeit für ein Gespräch und Fragen. Abgesehen von der Stille zu Beginn, stellt häufig jemand aus dem Publikum die Frage nach dem biografischen Hintergrund? Ist es wahr, dass Protagonist und Autor im Grunde genommen eine Person sind, haben beide das Gleiche erlebt?

Im Roman reist Özgür, eine junge Türkin, allein nach Rio, um dort nur mit einem Koffer einen Neuanfang zu wagen. Leider will sie kaum jemand als Englischlehrerin engagieren. Die wenigen, die zusagen, haben eine völlig andere Vorstellung von Unterrichtsgestaltung oder verweigern einfach das vereinbarte Honorar. Sehr schnell verarmt Özgür. Mit der Zeit lernt sie das andere Gesicht von Rio kennen, ein Gesicht, das auf keiner Postkarte, keinem Plakat gut aussehen würde. Die Stadt der Ausschweifungen bietet dem nach seinem Glück Suchenden eher Drogen als ein Stück Brot. Hunger, Durst und Hitze machen aus der Hochburg des Karnevals und der Samba einen Dschungel, in dem man sich nur verlieren kann.

Rio ist für die Erzählerin die Stadt mit der roten Pelerine. Ein Schutzumhang in dieser Farbe kann sowohl für Liebe als auch Blut stehen. Denn beides passiert in Rio ständig. Menschen verlieren sich in der körperlichen Liebe oder geraten in die Schusslinie verschiedener Bandenkämpfe. Weiterlesen

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Fiston Mwanza Mujila: Tram 83

»… In einer Stadt, die auf den Grundsätzen Überlebenskampf, Edelsteine und Kalaschnikows beruhte, war es schwer, die genaue Identität der Touristen zu bestimmen. Aus welchen Ländern stammten sie wirklich? Warum kamen sie nach Afrika?« (S. 89)

Ins Tram 83 kommen alle, die Geschäfte machen wollen. Die einen verkaufen ihren Körper, die anderen verkaufen Waren und Auftragskämpfer. In diesem gesetzlosen Raum lebt und arbeitet Requiem. »… Er musste Waren ausliefern, davon hing sein Leben ab.« (S. 9). Eines Tages erscheint sein verhasster Bruder Lucien aus dem Hinterland, der bei ihm für die Übergangszeit wohnen will. Lucien ist Schriftsteller ohne Zukunft und ohne Geld. Seine moralischen Ansprüche belasten die Wohngemeinschaft. Je länger Lucien auf Requiems Kosten lebt, um so großer wird dessen Hass auf den ‚faulen‘ Bruder, der lieber bei den Kakerlaken schläft als moralische Kompromisse einzugehen.

Der 1981 in Lubumbashi geborene Autor Fiston Mwanza Muzjila unterrichtet afrikanische Literatur an der Universität Graz. Darüber hinaus schreibt er Lyrik, Prosa und Theaterstücke. Lubumbashi ist die Hauptstadt der rohstoffreichen Region Haut-Katanga und die zweitgrößte Stadt der Demokratischen Republik Kongo. In seinem kühnen Roman Tram 83 thematisiert der Autor die gesellschaftlichen Folgen durch den Abbau von Bodenschätzen. Weiterlesen

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James Baldwin: Beale Street Blues (1974)

Tish und Fonny kennen sich seit Kindertagen. Sie gehen in die gleiche Schule und leben in einer Gegend von New York, wo die Armut zu Hause ist. Aus ihrer Freundschaft wird allmählich mehr. Als Tish 18 und Fonny 21Jahre alt sind, bemerken sie eine Veränderung in ihren Gefühlen. Aus Freundschaft ist inzwischen Liebe geworden.

Für sein persönliches Glück hat Fonny im Prinzip alles richtig gemacht: Keine Drogenkarriere, keine Konflikte mit dem Gesetz, eine Leidenschaft für die handwerkliche Kunst und eine junge Frau, die seine Liebe erwidert und von ihm schwanger ist. An einem Abend, als Fonnys Freund Daniel sie zum Abendessen besucht, wird Fonny in seiner Wohnung verhaftet. Ihm wird die Vergewaltigung einer Latina am gleichen Abend vorgeworfen. Das Opfer und ein für seine Brutalität bekannter Polizist sagen gegen ihn aus. Fonny landet zum ersten Mal in einem Gefängnis, wo viele Schwarze häufig jahrelang auf ihren Prozess warten.

James Baldwin, geboren 1924 in New York, wurde durch seine ausgezeichneten Romane eine Ikone der Gleichberechtigung. Er wollte für jeden Menschen die gleichen Rechte, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder sexueller Orientierung. Weiterlesen

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Jane Harper: Ins Dunkel

Der Ermittler Aaron Falk soll so schnell wie möglich Beweise vorlegen, damit eine schon lange verdächtige Melbourner Firma überführt werden kann. Ausgerechnet jetzt bricht Alice, seine wichtigste Informantin, mit einigen Kollegen und ihren Chefs zur alljährlichen Wanderung ins Giralang-Massiv auf. Jeweils fünf Frauen und Männer wandern in zwei Gruppen durch einen Wald. Jede Gruppe nimmt eine eigene Route, wer zuerst nach drei Tagen das Ziel erreicht hat, gehört zum Gewinnerteam. Das Spiel Männer gegen Frauen beginnt jedoch mit einigem Unmut, weil jeder von ihnen kurz vor einer Beförderung steht. Daniel und Jill, die Firmeninhaber, führen jeweils ihre Gruppe an. Bei Regen und Kälte geht es los. Doch in der Frauengruppe bahnen sich aus verschiedenen Gründen Konflikte an. Alte Rechnungen wollen beglichen werden. Während die Männergruppe wie erwartet pünktlich das Ziel erreicht, verirren sich die Frauen. Weiterlesen

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Donatella di Pietrantonio: Arminuta

Nach einer unbeschwerten Kindheit am Meer erlebt die Ich-Erzählerin im Alter von dreizehn Jahren einen drastischen Ortswechsel. Von jetzt auf gleich wird sie in einem Dorf bei einer Großfamilie untergebracht. Dort kennt sie niemanden und ist zugleich die Fremde. Deshalb wird sie von den Dorfbewohnern auch so genannt, Arminuta. Gleichzeitig erfährt sie, wer ihre wahren Eltern sind und dass sie darüber hinaus drei ältere Brüder, eine etwas jüngere Schwester und einen kleinen Bruder hat.

1975 im Süden Italiens zu leben, bedeutet für die Großfamilie der Erzählerin bittere Armut. Ihre Eltern arbeiten ohne regelmäßigen Lohn und versuchen, in der kleinen Wohnung für jeden weiteren Familienzuwachs einen Platz zu finden, wo es keinen mehr gibt. Aus diesem Grund teilt die Ich-Erzählerin mit ihrer Schwester Adriana ein schmales Bett, in dem jede von ihnen die Füße der anderen neben dem Gesicht liegen hat. Im gleichen Zimmer schlafen auch die großen Brüder, die die Mädchen immer wieder gerne ärgern. Schnell bilden die beiden Mädchen eine Allianz.

Es sieht so aus, als wäre die Erzählerin in einer Sackgasse gelandet, die keine gute Zukunft erlaubt. Weiterlesen

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Mark Johnson: Die schlichte Wahrheit

Die Umfragen in der schwedischen Bevölkerung sprechen ein paar Monate vor der Wahl für einen Regierungswechsel. Ministerpräsident Ekholm wirkt jedoch zum Erstaunen aller wenig besorgt. Denn keiner weiß von seiner Intrige gegen die gerade so beliebte Opposition. Wie bei einem raffinierten Schachspiel setzt er auf seinen letzten Bauern, der in zwei Zügen die gegnerische Dame schlagen soll.

Ekholms politischer Berater Jonatan Stark weiß noch nichts von seiner besonderen Rolle in diesem politischen Ränkespiel. Die Bitte um seine Mithilfe ist so vage formuliert, dass Jonatan nur zögernd seine Zustimmung für diesen geheimnisvollen Auftrag gibt. Kurz nach seiner Zusage wird sein Leben innerhalb von 24 Stunden ruiniert: Alles beginnt mit der Kündigung und kurz darauf mit einem dubiosen, neuen Job bei einer großen Beratungsfirma. Doch viel zu schnell geht Ekholms Finte ins Leere und bringt Jonatan in Erklärungsnot. Deshalb will ihn ein bis dahin im Hintergrund agierender Auftraggeber persönlich an Deck seines Schiffes sprechen. Noch am gleichen Tag steht Jonatan einem kriminellen Großinvestor gegenüber. Ehe er begreift, wie ernst seine Lage ist, geht das informelle Gespräch in eine Befragung auf der Folterbank über. Weiterlesen

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Ramón José Sender: Requiem für einen spanischen Landmann (1953)

Paco el del Molino, der politische Widerstandskämpfer, ist tot. Seine Gegner haben ihn ordnungsgemäß erschossen. Nun gibt es keinen Aufruhr mehr. Die Bewohner eines aragonesischen Dorfes könnten ihre Alltagsgeschäfte aufnehmen, wenn sie noch vollzählig wären. Aber sie sind es nicht. Pater Mosén Millán will für Paco, seinen Sohn im geistigen Sinne, eine Totenmesse lesen und wartet auf die Trauernden. Und während er wartet, denkt er über Pacos kurzes Leben nach. Allmählich beginnt er die Ereignisse in einem neuen Licht zu sehen.

Der Autor und Journalist Ramón José Sender (1901 – 1982) beschreibt in seiner Erzählung Requiem für einen Landmann ein politisches Lehrstück, das von Unterdrückung und Befreiungskämpfen handelt. Ursprünglich sollte 1952 die in Mexiko verfasste Geschichte in einer Anthologie veröffentlicht werden. Weil dies scheiterte, erschien sie im Folgejahr in seinem Exil als eigenständiges Buch. Insgesamt verbrachte Ramón José Sender mehr als die Hälfte seines Lebens im Exil, zuletzt in Kalifornien. 1974, ein Jahr nach Francos Tod, wurde seine Erzählung in Spanien veröffentlicht und zu seinem erfolgreichsten Buch Weiterlesen

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