Jan Weiler: Der Markisenmann

Für die fünfzehnjährige Kim sollte die Abschiebung zum fremden Vater eine Strafe sein. Während ihre Mutter, ihr Stiefvater und Halbbruder einen Luxusurlaub in Miami genießen, wird sie wie ein Gepäckstück in den Zug von Köln nach Duisburg gesetzt. Am Bahnsteig steht sie zum ersten Mal ihrem leiblichen Vater gegenüber, der in ihrem Leben stets der totgeschwiegene Mann mit den unscharfen Konturen war. Manchmal rutschte ihrem Stiefvater der Ausdruck „der feine Herr Papen“ heraus. Kim stellt sich dann einen erfolgreichen Geschäftsmann im Anzug vor. Aber erst als sie in die gleichen blauen Augen wie die ihrigen schaut, weiß sie instinktiv, wohin die Reise geht. Kurz darauf wohnt sie in einer Lagerhalle in einem abgelegenen Industriegebiet. Allein schon der Anblick des winzigen Raumes ohne Fenster, in dem sie schlafen soll, schockiert sie bis ins Mark. Bisher nutzte ihr Vater die Abstellkammer für sein Werkzeug, aber für Kims Gepäck hat er vorsorglich ein paar Fächer in den Metallregalen freigeräumt. Und während sie über die Aussicht einer Flucht nach Köln nachdenkt, lernt Kim Ronald Papen, den Markisenmann, und eine völlig andere Lebensphilosophie kennen. Sie lernt viel über sich und das Leben, und plötzlich, ohne es zunächst zu bemerken, hat sie eine Menge Spaß und Papens Geheimnis, das sie unbedingt lüften will. Weiterlesen

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Bernadette Schoog: Marie kommt heim

Marie kommt heim, weil ihre alte Mutter im Sterben liegt. Die Aussicht, dass sie für einen Abschied nur noch wenig Zeit habe, verunsichert und irritiert sie. Wie soll sie sich von einer Mutter verabschieden, mit der sie sich nie verstanden und der sie nievertraut hat? Marie war acht Jahre lang ein Vaterkind und als dieser verstarb, gab es nur noch sie beide, jede für sich allein und doch eine Zwangsgemeinschaft ohne Liebe und Verständnis.

Der räumliche und zeitliche Abstand zur Mutter muss für diesen Abschied irgendwie überwunden werden. Aus diesem Grund lässt sich Marie für das Wiedersehen Zeit. Sie sieht die alte Heimat in ihrer Enge, den unvermeidlichen Andrang von Pilgern, und sie erinnert sich. Alles zusammen führt zu den Gedanken, nur schnell weg von hier. Kurz bei der Mutter vorbeischauen, Abschied nehmen und dann endlich weg, zurück in ihr beschauliches Zuhause. Womit Marie nicht rechnet ist, dass sie nach ihrem Besuch auf einmal den Wunsch verspürt zu bleiben und eine Versöhnung mit der Mutter zu versuchen. Dies ist der Moment, in dem Marie dann wirklich heimkommt, mit allen schlechten aber auch mit allen guten Erinnerungen. Weiterlesen

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Sam Lloyd: Sturmopfer

An dem Tag, an dem ein gigantischer Sturm aufzieht und Lucy Lockes Heimat, den englischen Küstenort Skentel, attackiert, ergießt sich auch über ihre gesamte Familie ein Unheil, das sie zunächst nicht begreifen kann. Denn jede schlechte Nachricht weist in eine neue Richtung, die sie einfach nicht glauben will. Es darf einfach nicht sein, was der eine oder andere gerade behauptet. Die schlechten Nachrichten türmen sich auf wie die Wellen im aufgepeitschten Atlantik. Und es dauert fast zu lange, bis Lucy begreift, warum diese vielen Katastrophen ihr Leben zu zerstören drohen.

Wer schon Sam Lloyds Thriller über den Mädchenwald gelesen hat, weiß, dass der Autor starke Heldinnen in eine bösartige Geschichte platziert, die den normalen Alltagshorror weit in den Schatten stellt. Ein wahrgewordener Alptraum zerstört alles, was vorher sicher schien. Im Falle von Lucy sind da nicht nur Zweifel, ob ihr Mann etwas Wichtiges verheimlicht und die Frage, warum er sich und die Kinder in ernsthafte Gefahr gebracht hat. Weiterlesen

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Christoph Poschenrieder: Ein Leben lang

Schon als Kinder sind sie Freunde, und sie glauben, sie sind Freunde für ein ganzes Leben. Und während sie sich nach ihrem Schulabschluss auf Studium und Berufseinstieg konzentrieren, wird der Onkel von einem von ihnen ermordet. Abgesehen davon, dass sie ihrem verhafteten Freund unbedingt helfen wollen, stellen sie sich zwei Fragen: Kann man mit einem mutmaßlichen Mörder befreundet sein? Und kann man mit einem verurteilten Mörder befreundet bleiben?

Christoph Poschenrieder studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Sein beruflicher Werdegang begann als Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Der Weg zum literarischen Schreiben war irgendwann die logische Konsequenz, durch die bisher sieben Romane entstanden sind. In seinem aktuellen Roman Ein Leben lang arbeitet er den Parkhausmord in München auf. Ganz offensichtlich geht es ihm nicht um die Aufklärung eines Mordes in einem Indizienprozess sondern um den Freundeskreis des mutmaßlichen Mörders. Jeder von den fünf Freunden kann einfach nicht glauben, dass einer aus ihrer Mitte zu einem Mord fähig ist. Im Laufe des langen Prozesses lernen sie, dass ein Gericht allein auf Beweisanzeichen hin ein Urteil fällen kann. Weiterlesen

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Micaela A. Gabriel: Die Frauen vom Reichstag: Stimmen der Freiheit

Marlene erlebt das deutsche Kaiserreich, lernt den Ersten Weltkrieg fürchten und im Anschluss eine neue politische Ordnung, die Demokratie, kennen. Unterschiedliche Parteien kämpfen um Mehrheiten, die durch das Frauenwahlrecht eine neue Dynamik erfährt. Marlenes Dynamik besteht aus ganz viel Lernen und einem abgeschlossenen Jura-Studium in Paris, weil dieses für Frauen in Deutschland nicht erlaubt ist. Danach schreibt sie in München ihre Doktorarbeit. Fräulein Dr. Marlene von Runstedt hat sich für den Kampf für Frauenrechte entschieden. Und wer für Frauen erfolgreich kämpfen will, muss dafür in die Politik gehen. Der Preis für eine solche Karriere ist hoch. Marlene kann dies nur bewerkstelligen, wenn sie ledig bleibt und für den guten Ruf im Zölibat lebt.

Die Bestseller-Autorin Micaela A. Gabriel wurde über ihre Tochter, die als Historikerin nach den ersten Politikerinnen im Reichstag forschte, auf die Pionierinnen aufmerksam. Dieses Thema begann sie so zu fesseln, dass daraus ein umfangreiches Werk aus drei Teilen wurde. Weiterlesen

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Gisa Klönne: Für diesen Sommer

Heinrich Roth ist alt geworden und krank. Unter anderem spürt er nicht mehr den Boden unter seinen Füßen. Früher rannte er mit seiner jüngsten Tochter Franziska durch die Wälder. Und heute ist jeder Schritt ein Kraftakt. Auch sonst hat er buchstäblich die Bodenhaftung verloren. Während sein Kopf an die eigene Unabhängigkeit glauben will, spricht sein greiser Körper eine andere Sprache.

„[…] ICH KOMME SCHON KLAR. Lass mich. Lass mich! So, wie ihr Vater jetzt redet, kann sie sich selbst hören. Ihre kleine Hand, die den Breilöffel wegschlägt, weil sie allein essen will, ohne Hilfe.“ (S. 45)

Für drei Wochen soll Franziska kommen und ihre Schwester Monika vertreten. Zu ihren Aufgaben gehören die Ordnung des Haushalts und Umbaumaßnahmen, die ihr Vater nicht will. Auch Franziska will er weder sehen noch hören. Als sie mit ihrem Rucksack nach über zwei Jahren Schweigen vor ihm steht, beginnt für beide eine schwierige Annäherung, die durch alte Familiengeister gestört wird. „Was hätte gesagt werden müssen, aber nicht gesagt wurde […]“ (S. 285), muss Franziska jetzt aussprechen. Diese namenlose Welt, die ihre Eltern und Monika verleugnen und Franziska trotzdem spürt, hat sie zum ewigen Weglaufen verleitet. Doch jetzt funktioniert dieser Schutzmechanismus nicht mehr. Weiterlesen

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Thomas Ziebula: Engel des Todes

Der Erste Weltkrieg ist an keinem spurlos vorbeigegangen. Und dies nicht nur in der Bevölkerung. Auch die heimkehrenden Soldaten müssen sich umstellen. 75 % von ihnen werden nicht mehr gebraucht. Bei diesen weitreichenden Veränderungen kann es nur Aufruhr geben. Denn jeder in Leipzig verfolgt seine politischen Ziele. Die einen wollen die guten, alten Zeiten des Kaiserreichs zurück, die anderen Frieden und ihre gerade zurückgewonnene Freiheit behalten. Rechte, Linke, Konservative, Kommunisten stehen sich kämpferisch gegenüber. Der Putschversuch in Berlin kommt da vielen gerade zur rechten Zeit, um sich mit Waffengewalt zu positionieren. Aus dem in Berlin ausgerufenen Generalstreik entsteht auch in Leipzig ein blutiger Bürgerkrieg.

„Stainer starrte in die Flammen und rang um Fassung. Was sollte nun werden? Aus Leipzig, aus Deutschland – sah so die Zukunft der Republik aus? Der brennende Dachstuhl der Villa krachte zusammen.“ (S. 376)

In diesem politischen, kriegerischen Durcheinander muss Kriminalinspektor Stainer einen Serienmörder fangen, der seinen Opfern nicht nur das Leben nimmt, sondern auch ihre Köpfe vom Körper abtrennt. Weiterlesen

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Dror Mishani: Vertrauen

Inspektor Avi Avraham aus Tel Aviv überlegt schon seit einer Weile, dass sich in seinem Leben etwas ändern sollte. Das ewige Klein-Klein in der Ermittlung von Verbrechen scheint jeden Tag mehr an Banalität zu gewinnen. An dem Tag, an dem er mit seinem neuen Chef über seine berufliche Orientierung sprechen will, ereignen sich zwei Fälle, die er zunächst völlig voneinander losgelöst betrachtet. Denn was soll ein ausgesetztes Frühchen und die von einem Touristen nicht bezahlte Hotelrechnung auch schon gemeinsam haben? Während seine Kollegin nach der Mutter des Babys sucht und alle anderen gerade auch beschäftigt sind, fährt Avi zu dem Hotel, in dem der Tourist logierte. Was ihn dort erwartet, könnte wieder ein Beispiel für die Banalitäten seines Arbeitsalltages sein. Denn nach der Aussage des Rezeptionisten habe sich die Angelegenheit erledigt. Die Rechnung sei von zwei männlichen Verwandten des Touristen beglichen worden, und sie haben das Gepäck abgeholt. Doch einige Fragen bleiben offen: Warum hat der Tourist nicht selbst ausgecheckt? Wo ist er jetzt? Warum haben sich die zwei Männer so lange im Hotelzimmer aufgehalten? Warum gab der Tourist einen falschen Namen an, während die beiden Männer ohne Identitätsnachweis mit dem Gepäck verschwanden? Weiterlesen

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Hoeps & Toes: Der Tallinn-Twist

Für Außenstehende mag es eine Beförderung sein, doch für die betroffene Marie Vos sieht die Entsendung nach Tallinn schwierig und zugleich gefährlich aus. Sie soll den ermordeten Assistenten der Leiterin der Taskforce ersetzen und inoffiziell den Maulwurf finden, der Russland mit Insiderwissen versorgt. Im Mittelpunkt stehen die unterbrochenen Vertragsverhandlungen über Tallinns Wasserwerke und eine Privatisierung mit weitreichenden Folgen. Kaum ist Marie in Tallinn eingetroffen, gipfeln die politischen Unruhen in Gewaltausbrüchen. Unterschiedlich motivierte Gruppierungen schüren in der Bevölkerung Ablehnung und Hass auf die EU, so dass Mordanschläge jede Bewegungsfreiheit der EU-Vertreter nahezu unmöglich macht. In diesem aufgeputschten Gerangel um Meinungs- und Machthoheit sucht Marie den Verräter.

Das deutsch-holländische Autorenduo Hoeps & Toes hat nach dem erfolgreichen Polit-Thriller Die Cannabis-Connection ein brisantes Thema aufgegriffen. Der Themenbereich Korruption mit EU-Geldern und der Kampf um Ressourcen wird am Beispiel von Estland aufgezeigt. Im Fokus stehen dabei auch die Tricksereien, mit denen Russland in osteuropäischen Ländern systematisch Einfluss gewinnt. Weiterlesen

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Asako Yuzuki: Butter

Die Journalistin Rika befindet sich in einer vertrackten Situation: Sie arbeitet mehr als ihre männlichen Kollegen und trotzdem scheint sie noch immer vor einer gläsernen Barriere zu stehen. Ein Interview mit der vermutlich mehrfachen Mörderin Manako Kajii könnte ihrer Karriere helfen. Bisher hat Manako jede Interviewanfrage abgelehnt. Mit einer Finte gelingt Rika der erste Kontakt. Es folgen weitere Verabredungen. Rika lässt sich von Manako in die Welt des Genusses entführen. Bisher lebte sie asketisch und entsprach optisch den Idealen einer japanischen Frau, die sehr dünn, fleißig und gehorsam sein muss. Doch nun eröffnen sich für die Journalistin Gaumenfreuden, die ihr neue Perspektiven zeigen.

Rika, die bisher nie freiwillig gekocht hat, lernt zum Beispiel Butter lieben. Für das versprochene Interview geht sie auf eine lukullische Reise, die an ihr nicht spurlos vorbeigeht. Die junge Frau nimmt zu und glaubt, wenn sie so weiter macht, würde sie dick werden. Ihr fehlt noch das Maß. So ähnlich scheint es auch bei der unersättlichen Manako zu sein. Und je mehr sie sich dieser mutmaßlichen Mörderin annähert und sie zu verstehen glaubt, um so größer wird die Gefahr, sich von dieser hemmungslosen Frau manipulieren zu lassen. Denn Rika vermutet, dass auch andere von ihr manipuliert und instrumentalisiert worden sind. Weiterlesen

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