Hendrik Otremba: Kachelbads Erbe

… Was wäre, könnten wir die Phase des Todes überspringen, eine Brücke bauen in eine Zeit danach …? Was wäre, wenn wir nicht verfallen würden, wenn wir zurückkämen, ohne Sorgen, ohne Leid?“ (S. 24)

In den 1980er Jahren bietet die Firma Exit U.S. einen besonderen Service an, in dem sie lebensverlängernde Maßnahmen durch Kryonik verspricht. Die Idee ist, Menschen im flüssigen Stickstoff zu lagern, bis eines Tages in der Zukunft die Medizin mit der Wiederbelebung und Heilung von Krankheiten beginnen kann.

Kachelbad, einer der beiden Geschäftsführer der Firma baut den Kontakt zu möglichen Klienten auf, bespricht die Details, Vermögensübertragungen und sorgt persönlich für die Durchführung. Alles läuft einigermaßen nach Plan, bis sein Kompagnon plötzlich stirbt und Kachelbad genauso plötzlich vor dem Ruin steht. Abgesehen davon, dass Firmengelder verschwunden sind, wird ihm die Schwachstelle ihrer Idee vor Augen geführt. Wie lange kann ein Vermögen reichen, wenn ihr Unternehmen einer Kostenexplosion in unbekannter Höhe ausgesetzt ist? Die Anmietung geeigneter Lagerräume, Wartung der Aufbewahrungstanks sowie der regelmäßige Kauf von flüssigem Stickstoff steigen, je mehr Menschen bei Exit U.S. einsteigen. Der Tod seines Kollegen zwingt Kachelbad zum Umdenken. Wenn er das Vertrauen seiner Kunden nicht enttäuschen will, braucht es sehr schnell eine Lösung. Weiterlesen

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Ester Gonstalla: Das Klimabuch

Das Thema Klima beschäftigt inzwischen viele Menschen. Die einen werden es nicht müde, eine von menschenverursachte Klimaveränderung zu negieren, die anderen leiden bereits darunter. Letztendlich dürfte es entscheidend sein, dass sich jeder fundiert informiert. Am besten von Wissenschaftlern, die wissen, wovon sie reden. Esther Gonstalla hatte den kühnen Gedanken, die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen grafisch darzustellen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Klare Bilder, klare Worte und klare Aussagen haben das umfangreiche Thema überschaubar gemacht. Unmissverständlich werden die Zusammenhänge und Kettenreaktionen dargestellt. In den ersten Kapiteln zeigen die Grafiken vereint den Ist-Zustand, wie Klima funktioniert und was passiert, wenn der natürliche Kreislauf von Menschen weiterhin zerstört wird. Im letzten Kapitel präsentiert Ester Gonstalla viel mehr als nur die bekannten Weisheiten. An den Beispielen der grünen Suchmaschine, dem grünen Unternehmen oder den vorbildlichen Leistungen anderer Länder erweitert die Autorin den Fokus. Weiterlesen

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Petra Ivanov: Entführung

Steinerne Mienen, steife Rücken, angespannte Stille. Im Büro der Staatsanwältin knisterte die Luft, sie war aufgeladen mit kaum verhohlener Wut. Pal Palushi sieht seinem Klienten nach. Trotz Handschellen und Fußfesseln wirkte Mustafa Saifullah unbekümmert …“ (S. 7)

Pal Palushi hat in einen Sack voller Giftschlangen gegriffen: Er wird Pflichtverteidiger eines Entführers, der die Aussage verweigert, und die Staatsanwältin missbraucht ihr Amt, um mit Pal alte Rechnungen zu begleichen. Während die Medien alles über die Entführung von Lara Blum, der Tochter eines Millionärs, ausbreiten, der Polizei Ermittlungsansätze fehlen, wird Pal in seiner Berufsehre öffentlich angegriffen. Wie kann ein Anwalt einen muslimischen Entführer verteidigen?

Um Lara zu retten, bringen sich Pal und seine Freundin Jasmin in Gefahr.

Petra Ivanov hat bereits über Jasmin Meyer, inzwischen Ex-Polizistin, und den Anwalt Pal Palushi drei Kriminalromane geschrieben, in denen das ungleiche Paar ermittelt. Im neuen Fall tauchen beide in das Milieu der strenggläubigen Muslime ein, die mit ihren Doktrin Glaubensbrüder radikalisieren. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Erebos 2

Das Computerspiel Erebos war schon vor Jahren kein Spiel, es war eine Bedrohung mit weitreichenden Folgen für alle Mitspieler.
Eine Spielregel lautet: Mit niemandem über Erebos reden.
Auch heute, bei seiner unerwarteten Rückkehr, ist Erebos kein Spiel.

Für den Schüler Derek sieht es wie ein virtuelles Abenteuer aus, bei dem er mit seltsamen Wesen für bessere Waffen und Fähigkeiten kämpft. Jedes weitere Abenteuer wird gefährlicher. Aber auch Erebos‘ Aufträge in der realen Welt haben es in sich. Sie bringen ihn mit überzeugenden Argumenten zum Lügen, Stehlen und Betrug. Ohne es anfangs zu bemerken, entwickelt sich für Derek die virtuelle Welt voller Gefahren und Tod realer als der Alltag. Und als er es begreift, ist es für ihn zu spät. Erebos hat ihn fest im Griff.

Nick, der Spielveteran, wird ebenfalls von Erebos überrascht. Weil der Abschluss eines Fotoauftrags vom Mitspielen abhängig gemacht wird, entsteht für ihn eine Zwangslage. Egal, was er versucht, jedes weitere Spiel, jeder neue Auftrag raubt ihm Freiheit und Lebenszeit, die er besser für das Studium und seine Jobs nutzen könnte. Deshalb wachsen von Tag zu Tag Nicks Schwierigkeiten in der realen und virtuellen Welt. „… Das Smartphone in der Jackentasche fühlte sich wie ein Sprengsatz an, … doch jetzt musste er erst mal erreichbar bleiben. Für beide Welten.“ (S. 268) Weiterlesen

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Helen Endemann: Todesstreifen

Die Grenzmauer zwischen Ost- und West-Berlin wirkt auf Marc eher wie die Wand eines Gefängnisses. Er muss da raus, weg von den Bestrafungen und den ständigen Kontrollen. Er will auch keine Tabletten einnehmen, die die Sportschule ihm vorschreibt.

Marcs Auflehnung kritisiert indirekt das sozialistische System der DDR, in dem jeder stumm jede Regel befolgt. Mal freiwillig, mal unter Zwang. Natürlich wissen alle, dass es mit Marc nicht gut enden wird. Niemals.

„… Wer diskutiert, ist ein Schädling.“ (S. 51) sagen die Lehrer.

Weil Marc trotzdem nicht den Mund halten kann, droht ihm der Aufenthalt in einem Kinderheim, das genaugenommen ein Gefängnis für Kinder ist.

Der Besuch einer Westberliner Sportschule zu einem Sportfest in Ost-Berlin verleitet Marc zu einem Fluchtversuch in den Westen. Ben, einer der westlichen Schüler, sieht ihm so ähnlich, dass Marc in Bens Kleidung und mit dessen Pass heil über die Grenze kommen könnte. Weiterlesen

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Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe

Irgendwann war der Witz da und auch lustig. Jemand sagte stolz, er habe heute lecker gekocht. Er habe eine Dose aufgemacht.

An den Dosen hat sich wenig geändert. Sie bekamen unzählige Geschwisterchen in Gestalt von gefrorenen, gekühlten, eingeschweißten Fertiggerichten. Auch anderes wird fertig zubereitet, bunt verpackt offeriert, in Tuben, Gläsern, Bechern, Tüten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Inhalt wurde haltbar gemacht und mit Geschmack aufgewertet.

Der Preis für das Delegieren des Selber-Kochens kennt keine Grenzen: Bei wenigen Cents für eine Tütensuppe geht es los.

Besser essen könnte für den Eiligen, Immer-Beschäftigten bedeuten: billig (in erster Linie für den Hersteller), viel, lecker süß oder salzig. Manches macht sogar satt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky versteht unter besser essen einen Speiseplan mit so wenig Chemie und Zusatzstoffen wie möglich. Das Ziel ihrer Aufklärung über Zusatzstoffe aller Art richtet sich auf eine gesunde Ernährung und ein Bewusstsein für gesunde Nahrung. Vor allen Dingen dieses Bewusstsein will sie wecken und bietet in den letzten Kapiteln hilfreiche Hinweise, wie man ohne Zusatzstoffe ganz einfach Lebensmittel haltbar macht oder zubereitet. Weiterlesen

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Bo Svernström: Opfer

Hauptkommissar Carl Edson aus Stockholm stößt nach dem Fund eines gefolterten Mannes auf eine Serie von Morden, die alle auf einen Täter hinweisen. Schnell entwickelt sich dieser Fall völlig anders als alles, was er bisher erlebt hat.

Der Journalistin Alexandra Bengtsson ergeht es ähnlich. Ihr sensationsgieriger Chef setzt sie auf diese Story an und bringt sie, ohne es zu ahnen, in größte Schwierigkeiten.

Bo Svernström, Autor, Dr. der schwedischen Literatur und Journalist, legt mit seinem Debüt einen ungewöhnlichen Thriller vor, der von Ulla Ackermann übersetzt worden ist.

Sein Thema ist das Wechselspiel zwischen Täter und Opfer, bei dem die alttestamentarische Auffassung von Gerechtigkeit »Auge um Auge, Zahn um Zahn« die Regie übernommen hat. Seine Opfer stecken unmenschliche Grausamkeiten ein, nachdem sie selbst als Täter eine Brutalität ausgelebt haben, die nur verstören kann. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind deshalb aufgelöst. Niemand kann sich sicher fühlen, weil Justiz und Polizei naturgemäß immer zu spät kommen. Weiterlesen

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Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

2014 erhielt der 1960 in New York geborene Jaron Lanier den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Journalist fragte ihn nach einer Buchpräsentation, was er von Social Media halte. Die anschließende Diskussion veranlasste den Autoren, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen. Es wurde eine emotionale, engagierte Auflistung von Gründen, warum Social Media Accounts gelöscht werden müssen:

… Früher … konnte man sehen, ob ein Produkt sich besser verkauft. … Heute messen Social-Media-Konzerne, ob der Einzelne sein Verhalten geändert hat, und der Feed wird für jeden Anwender ständig optimiert, um dessen individuelles Verhalten zu ändern.“ (S. 41)

Als Internetpionier der ersten Stunde schrieb er wegweisende Programme. Anfangs teilte er die Meinung seiner Kollegen, das Internet solle kostenlos sein. In verschiedenen Foren tauschte er seine Erfahrungen aus, bis ihm etwas auffiel, das er drastisch formuliert und mit der Gruppendynamik begründet: „… Ich habe es … erlebt, dass ich online zum Arschloch wurde, und das war beängstigend und deprimierend.“ (S. 59) Weiterlesen

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Garry Disher: Kaltes Licht

Fünf Jahre nach seiner Frühpensionierung kehrt Adam Auhl in den Polizeidienst zurück. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Bearbeitung der kalten, also ungeklärten Mordfälle. Doch dann wird ein Skelett unter einem scheinbar alten Betonfundament gefunden. Die Umstände und Spurenlage weisen auf einen Mord hin, der recht bald mit der Ermordung einer jungen Frau in Verbindung gebracht wird. Damals liefen die Ermittlungen ins Leere, weil der mutmaßliche Täter verschwunden war. Neue Indizien verändern die Ausgangslage, so dass Sergeant Auhl seine Kollegen in diesem komplizierten Fall unterstützen soll.

Vergessliche Zeugen, Halbwahrheiten und Lügen sowie Medienrummel erweisen sich als wenig hilfreich.

Und während Auhl mit den Widerständen bei den Ermittlungen innerhalb und außerhalb der Polizeibehörde kämpft, kündigen sich in seinem Privatleben Veränderungen an. Seine Frau geht nun endgültig eigene Wege. Gleichzeitig bringen neue Untermieter dem sozial engagierten Sergeant Probleme ins Haus, die seine Werte vollständig in Frage stellen. Weiterlesen

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Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection

Der Deutsche Marcel und der Niederländer Sander lernen sich im Amsterdam der 80er Jahre kennen. Studentenrevolten, Hausbesetzungen und Drogentourismus haben die beiden jungen Männer für eine Weile zusammengeschweißt. Als die gemeinsame Freundin Kiki bei einer Drogenübergabe unter seltsamen Umständen stirbt, ist die Freundschaft vorbei.

Drei Jahrzehnte später steht Dr. Marcel Kamrath als Staatssekretär im Fokus der Medien. Seine Gesetzesinitiative für die Legalisierung von Cannabis schreckt viele auf. Kurz vor der Abstimmung des Gesetzes begegnet Marcel Sander wieder. Wie früher gewinnt der alte Freund Marcels Vertrauen mit lustigen Sprüchen und seinem einnehmenden Wesen, bis dieser in Sanders Falle festsitzt. Erschreckend schnell steht nicht nur Marcels politische Karriere auf dem Spiel.

„… Irgendwann in dieser Nacht waren ihm alle verlässlichen Koordinaten verloren gegangen, mit denen er zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Hirngespinsten unterscheiden konnte. Alles floss ineinander, … eine einzige Katastrophe, …“ (S. 109) Weiterlesen

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