Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection

Der Deutsche Marcel und der Niederländer Sander lernen sich im Amsterdam der 80er Jahre kennen. Studentenrevolten, Hausbesetzungen und Drogentourismus haben die beiden jungen Männer für eine Weile zusammengeschweißt. Als die gemeinsame Freundin Kiki bei einer Drogenübergabe unter seltsamen Umständen stirbt, ist die Freundschaft vorbei.

Drei Jahrzehnte später steht Dr. Marcel Kamrath als Staatssekretär im Fokus der Medien. Seine Gesetzesinitiative für die Legalisierung von Cannabis schreckt viele auf. Kurz vor der Abstimmung des Gesetzes begegnet Marcel Sander wieder. Wie früher gewinnt der alte Freund Marcels Vertrauen mit lustigen Sprüchen und seinem einnehmenden Wesen, bis dieser in Sanders Falle festsitzt. Erschreckend schnell steht nicht nur Marcels politische Karriere auf dem Spiel.

„… Irgendwann in dieser Nacht waren ihm alle verlässlichen Koordinaten verloren gegangen, mit denen er zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Hirngespinsten unterscheiden konnte. Alles floss ineinander, … eine einzige Katastrophe, …“ (S. 109) Weiterlesen

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Carol Weston: Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt

In ihrer Widmung schreibt Carol Weston „Für meine Mom und meinen Dad – denen ich so gern ein signiertes Exemplar überreicht hätte“.

Sofia, die Ich-Erzählerin, lebt mit ihrem Vater in einem Hochhaus in New York, das den Lehrern vorbehalten ist, die in der benachbarten Schule unterrichten. Auch sie geht in diese Schule. Ohne Vorankündigung stirbt ihre Mutter, und Sofias behütetes Leben verändert sich.

Gleich zu Beginn ihrer Geschichte warnt sie vor ihrer ziemlich traurigen Geschichte.

Sofia erzählt einleitend, „… Vierzehn war ein hartes Alter für mich. Echt hart. … – rückblickend betrachtet war das ein perfektes Leben.“ (S.10)

Trotz allem oder genau genommen wegen allem ist es ein perfektes Leben geworden. Denn nach dem Erklimmen eines Berges bei Regen in Flip-Flops findet Sofia Selbstvertrauen, Liebe, Glück und die Erkenntnis, aus allem das Beste machen zu können. Immer und egal, was passiert.

Im Nachwort schreibt die Autorin, dass viele Menschen ihren Roman vor der Veröffentlichung gelesen und kommentiert haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Abgesehen von einer ausgereiften, angenehm berührenden Geschichte hat die Autorin die Trauer um einen geliebten Menschen perfekt in einem Jugendroman ausgearbeitet. Weiterlesen

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Karen Sander: Wenn ich tot bin

Drei Frauen lernen sich an einem schicksalhaften Tag in Edinburgh kennen. Es ist der Tag, an dem Madelin nach ihrer zehnjährigen Entführung den Weg nach Hause zurückfindet. Ihre Mutter Susan ist überglücklich und ruft die Polizei. Der damals ermittelnde Beamte Tom bringt seine Kollegin Kate mit. Beide sind genauso überrascht wie die Mutter und ihre neue Familie. Aus dem kleinen Mädchen ist inzwischen eine verwahrloste, abgemagerte junge Frau, eine Fremde, geworden. Wenige Stunden später ist wieder alles beim Alten. Denn Madelin verschwindet spurlos. Nur eines ist anders: Susanns Mann Stuart liegt nach einem Messerangriff schwer blutend auf dem Boden. Pannen in der Polizeiarbeit und viele falsche Fährten führen zu verkehrten Schlussfolgerungen.

Allein Kate gibt sich nicht mit bequemen Mutmaßungen zufrieden. Sie will unbedingt die Wahrheit herausfinden, bis auch sie  in Gefahr gerät. Weiterlesen

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Paul McNeive: Resistent

In Manhattan herrscht ein Ausnahmezustand, der scheinbar jeden unvorbereitet erwischt. Polizei, Krankenhäuser und Behörden stehen vor einem Rätsel, denn auffallend viele Menschen erkranken und sterben.

„… Professor, mein Team ist mit allen Krankenhäusern in Kontakt. Alle sagen, dass sie keine weiteren Patienten mehr aufnehmen können. Und ihre Parkplätze sind voll mit Menschen, die versuchen, aufgenommen zu werden“
„Und was machen sie mit diesen Leuten?“ (…)
„Für den Moment bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sie nach Hause zu schicken … Wir müssen mit ansehen, wie Patienten septisch werden, und zwar extrem schnell.“ (S. 320/321)

Der einzige, der viel zu spät eine Idee für die Ursache der Katastrophe zu erkennen glaubt, ist Detective John Wyse vom New York Police Department. Seine Idee ist eher eine Ahnung, für die ihm leider handfeste Beweise fehlen. Nur eines ist sicher, ihm rennt die Zeit davon und die Personen, die ihm Auskunft geben könnten, sind außer Landes. Weiterlesen

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Alva Gehrmann: I did it Norway!

Auf ihrer Homepage erklärt die Journalistin und Autorin Alva Gehrmann über sich selbst: »Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.« Das Schreiben scheint ihr tatsächlich leicht zu fallen, denn sie zeigt eine Vielfältigkeit, die sich auch in ihrem Sachbuch wieder findet. Ihr aktuelles Buch über Norwegen schenkt eine Fülle von Details über ein freundliches Volk, das durch Öl reich geworden ist.

Die Autorin reiste über einen Zeitraum von einigen Jahren immer wieder nach Norwegen: So nach und nach erlebt sie Kulturereignisse, lernt sportliche Wettkämpfe und ein Arbeitsleben kennen, das dem Norweger ein intensives Freizeit- und Familienleben ermöglicht. Denn freitags geht es spätestens um 15.00 Uhr ins Wochenende. Wer länger arbeitet, verliert seinen guten Ruf.

Die beliebten Holzhütten weit weg vom normalen Alltag erlauben pure Natur. Wer so lebt, hat eine innige Beziehung zur Familie und der Natur. Ein solches Umfeld bietet zugleich Raum für Kunst und Kultur und fördert Werte, die ein soziales Miteinander in den Vordergrund stellen. Ein Dorf, in dem Bücher die Hauptrolle spielen, ein Museum, das einsam am Fjord auf Besucher wartet oder ein Rockfestival in der Einsamkeit sind nur einige Beispiele. Spontane Feiern werden ebenso gern angenommen wie ehrenamtliches Engagement. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Unten im Dunkeln

… Die Polizei hat nicht ohne Grund Vorschriften, und ich bemühe mich, sie zu befolgen. Aber die Toten sind wichtiger. Ihre Regeln sind heilig und in Ewigkeit gültig.“ (S. 85)

Fiona arbeitet bei der Polizei, obwohl sie unter dem Cotard-Syndrom leidet. In den Augen ihrer Kollegen und Vorgesetzten wirkt sie mal verschroben oder eigenwillig. Nur ihre engen Freunde sind eingeweiht und wissen die hoch intelligente junge Frau zu nehmen. Früher glaubte Fiona, trotz Puls tot zu sein. Heute spürt sie eine stärkere Nähe zu den Toten als zu den Lebenden und fühlt sich aus diesem Grund für sie verantwortlich.

Während Fiona in der Asservatenkammer aushilft, liest sie zu ihrer Erbauung in alten Akten. Ein tödlicher Sturz von den Klippen und ein Selbstmord wecken ihre Neugier. Dann kommt ein seltsamer Einbruch hinzu, bei dem der Dieb mit ungewöhnlichen Kletterkünsten das Gestohlene zurückgegeben hat. Aus unscheinbaren Verbindungen entwickelt sich allmählich ein richtig großer Fall. Ein Grund mehr für Fiona, mit vollem Einsatz die Hintermänner zu entlarven. Weiterlesen

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Ljudmila Petruschewskaja: Das Mädchen aus dem Hotel Metropol

Das Mädchen in Moskaus vornehmen Hotel Metropol eckt an, als sie im Flur einen kämpfenden Reiter spielt. Sie ist laut, wild und verwahrlost. Mit über dem Boden schrammenden Schaukelpferd und schleifendem Säbel schreit sie die heilige Ruhe nieder und ruiniert zugleich das Parkett. Die Konsequenzen kommen: Sie muss ausziehen. Mit Unterbrechungen wohnt sie in einem kleinen, hohen Raum mit 5000 Büchern, dem gelehrten, in Ungnade gefallenen Großvater und ihrer Mutter. Mutter und Tochter schlafen unter dem Tisch, bis ihnen die Exfrau des Großvaters diesen wegnimmt.

Ljudmila Petruschewskajas Geschichte bis zum Beginn ihrer beruflichen Karriere ist eine Geschichte der extremen Umstände. Wie sie diese überlebt, beschreibt die Autorin mit den familientypischen Charaktereigenschaften: „… Hartnäckigkeit, … selbstzerstörerischen Starrsinn; … Treue zur eigenen Überzeugung; … grausame Aufrichtigkeit; … der Wunsch, allen zu helfen, und der Hass auf die Nachbarn …“ (S. 11) Dieser Hass bleibt nachvollziehbar, wenn die lieben Nachbarn Ljudmila und ihre Familie nicht nur als Volksfeind betrachten, sondern sie auch so behandeln. Zahlreiche Familienmitglieder wurden vom Regime getötet. Die Unfähigkeit ein gehorsamer Parteisoldat und Stalingetreuer zu sein, kann während und nach dem Zweiten Weltkrieg nur eines bedeuten: unerwünscht ein fragiles Überleben zu fristen. Weiterlesen

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Agatha Christie: N oder M? Ein Fall für Tommy und Tuppence (1941)

Das Ehepaar Tommy und Tuppence Beresford war im Ersten Weltkrieg ein erfolgreiches Spionageteam. 1941 gehören sie zu den Alten, die keiner mehr braucht. Und während sie versuchen, sich mit dem Stillstand abzufinden, bekommt Tommy einen geheimen Auftrag. In Leahampton, einem verträumten Ort an der Südküste von England, wird die Pension Sans Souci verdächtigt, Anlaufstelle von englischen Verrätern zu sein. Ein Agent starb bereits bei der Suche nach den zwei übergelaufenen Agenten N und M. Und bis sein Ersatzmann erscheint, soll Tommy in der Rolle eines harmlosen Witwers das Feld nach möglichen Verdächtigen sondieren. Womit jedoch keiner gerechnet hat, ist Tuppence Raffinesse. Drei Tage vor Tommy taucht sie in der Pension Sans Souci auf.

Viele scheinbar harmlose Gäste logieren einträchtig nebeneinander, bis die Gefahr eines Angriffs der Deutschen auf London vorbei ist. Plötzlich wird die kleine Tochter eines Gastes entführt. Der Schock und die Überraschung führen dazu, dass die harmlosen Gäste nicht mehr ganz so harmlos aussehen wie vorher. Weiterlesen

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James Runcie: Die Vergebung der Sünden

Sidney Chambers ist viel mehr als nur ein engagierter Pfarrer in England. Sein Ruf, Verbrechen aufzuklären, eilt ihm voraus. Immer wieder wird er gebeten, einem Verdacht nachzugehen oder sogar einen Mordfall aufzuklären. Weil bei ihm selbst Verbrecher redselig werden, beeindruckt der Pfarrer jeden mit seiner hohen Aufklärungsrate. Nur seine Frau Hildegard ist darüber nicht amüsiert, denn Sidney glänzt durch Abwesenheit. Ein glückliches Familienleben mit Kleinkind braucht einen präsenten Vater und Ehemann.

Sein Freund, Inspector Keating, holt Sidney ebenfalls auf den Boden der Tatsachen zurück: „ ‚… Die wirklich hässlichen Fälle mute ich dir meist gar nicht zu. Du lebst zu behütet, Sidney.‘
‚Behütet? Ich habe in den letzten zehn Jahren etliche grausige Verbrechen miterlebt.‘
‚Dann kannst Du dich auf weitere fünfundzwanzig gefasst machen. Und das sind nur die leichten Fälle, mit denen wir die Amateure glücklich machen.‘
“(S. 133)

Der Brite James Runcie hat um den ermittelnden Pfarrer Sidney Chambers bereits eine Reihe geschrieben. Dank seines Vaters, dem ehemaligen Erzbischof von Canterbury, kennt er sich mit den Interna und Querelen innerhalb der Kirchenverwaltung aus. Angesiedelt sind Chambers Ermittlungen im Raum Cambridge der 1960er Jahre. Im Stil dieser Zeit hat der Autor auch seine Kurzkrimis erzählt, die Renate Orth-Guttmann übersetzt hat. Weiterlesen

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Jeong Yu-Jeong: Der gute Sohn

Als Yu-jin morgens blutbesudelt erwacht und seine Mutter mit aufgeschnittener Kehle in der Nähe findet, glaubt er, der Mörder zu sein. Alles spricht gegen ihn. Dummerweise hat er an die letzte Nacht keine eindeutigen Erinnerungen. Dies liegt unter anderem an den Entzugserscheinungen der heimlich abgesetzten Medizin. Die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Kostbare Zeit vergeht, bis er den Schock überwunden hat. Und allmählich begreift er, dass die Polizei nur das Augenscheinliche ermitteln wird. Seine Pflicht als guter Sohn verlangt jedoch, die ganze Wahrheit herauszufinden. Leider erweist sich dies als sehr schwierig. Denn Hae-jin, sein Ziehbruder, wird bald kommen.

Yu-jin versteckt den Leichnam und putzt, so gut es geht, die verdächtigen Spuren weg. Viel zu früh steht Hae-jin in der gemeinsamen Wohnung. Wie von Yu-jin befürchtet, hinterfragt der Ziehbruder Mutters Abwesenheit. Er wird immer neugieriger und skeptischer. Auch die Tante, die zugleich Yu-jins behandelnde Ärztin ist, fragt hartnäckig nach.

Der gute Sohn sucht weiter nach der Wahrheit und läuft nicht weg. Gleichzeitig läuft ihm unaufhaltsam die Zeit davon. Weiterlesen

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