Julia Kröhn: Das Modehaus: Töchter der Freiheit

Julia Kröhn erzählt die Geschichten der Frauen des „Modehaus König“ vom Beginn des letzten Jahrhunderts bis in die 70er Jahre hinein. Dabei bedient sie sich einer interessanten Erzähltechnik. Die Geschichte wird eingerahmt von einem Brief der Urenkelin, die etwa in unserer Zeit lebt, dann werden abwechselnd die Erzählstränge von Mutter, Tochter und Enkelin bedient. Dadurch weiß man schon sehr früh, dass das Modehaus die diversen Kriege letztlich doch überlebt hat, es nimmt dem Buch aber nicht die Spannung, weil Julia Kröhn sehr geschickt mit der Frage nach dem „wie“ und „wer“ arbeitet.

Der Titel allerdings es eher irreführend. Es geht gar nicht so sehr um das Modehaus und wirklich nur am Rande um die Schwierigkeiten und Lösungen, als kleines Modehaus erst mit den neuen Moden und dann mit dem Versandhandel und den großen Kaufhäusern konkurrieren zu müssen. Es geht um drei Frauen in verschiedenen Epochen, die jede ihre eigene Herausforderung zu meistern hat. Fanny zu Beginn des Jahrhunderts muss sich durchsetzen, weil sie moderne Mode für moderne Frauen entwerfen möchte. Weiterlesen

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Jeff Kinney: Ruperts Tagebuch – Zu nett für diese Welt!: Jetzt rede ich!

Rupert ist bekannt als der „beste“ Freund von Greg, dem tagebuchschreibenden selbsternannten Superhirn aus den „Greg’s“ Tagebüchern. Rupert kommt dabei ja nicht immer gut weg und jetzt möchte er halt seine Sicht der Dinge schildern. Das kommt bei Greg gar nicht gut an, Tagebuchschreiben ist schließlich „sein“ Ding (es war in Wirklichkeit die Idee seiner Mutter, wenn ich mich recht entsinne. Da Rupert, wie schon im Titel angekündigt, viel zu gut für diese Welt ist, lässt er sich recht schnell überreden, dann doch über Greg zu schreiben. Sozusagen schon mal den Biografieentwurf für die spätere Berühmtheit.

Mit der Sichtweise von Rupert gelingt es Jeff Kinney, Greg’s Tagebüchern doch noch mal eine neue Seite abzugewinnen. Weiterlesen

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Maureen Johnson: Ellingham Academy – Was geschah mit Alice?

Ich muss zugeben, ich bin voreingenommen. Das Buch hatte mich in dem Augenblick, als ich begriffen habe, dass Stevie sich unabhängig von ihren Eltern in die Ellingham Academy einschreiben konnte. Allein schon die Passage im Auto auf dem Weg zur Academy ließ mich vor Neid erblassen: Ich will da auch hin. Die Ellinham Academy ist eine Stiftung zu Ehren der vor vielen Jahren verschwundenen Tochter des reichen Gründers: Alice. Sie wurde in den 1930ern entführt und ist nie wieder aufgetaucht. Kurz danach gründete ihr gramgeplagter Vater die Academy um Talente aus dem ganzen Land die Gelegenheit zur Ausbildung zu bieten: alles umsonst. In ihrer normalen Umgebung wird Stevie höchstens milde belächelt. Sie weiß alles über Kriminalromane, über Fallstudien, über das Lösen von Rätseln. Sie möchte später gerne zum FBI, aber ihre Eltern nehmen sie nicht ernst, verstehen sie nicht und interessieren sich eigentlich sowieso nur für sich. Deswegen bewirbt sie sich in Ellingham und gibt in ihrer Bewerbung an, den uralten Kriminalfall um Alice lösen zu wollen. Das wird härter, als sie glaubte. Weiterlesen

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Serena Valentino: Die Schönste im ganzen Land

Sie gilt als die Böse. Die böse Stiefmutter, die böse Königin und überhaupt als böse. Aber warum ist sie wie sie ist? Gab es da einen Grund für, oder wurde sie einfach böse geboren? Das Buch ist ein Band aus der Reihe Disney-Villains und die ganze Reihe beschäftigt sich mit dem Schicksal der verschiedenen Bösewichte aus Disney-Filmen. In diesem Fall geht es um Schneewittchens Stiefmutter und ihren berühmten Spiegel. Sie wollte ihn doch haben, oder? Sie hat es doch geliebt, ihn immer wieder zu befragen, oder? Dieser Roman erzählt ihre Geschichte. Wie sie nach einer traurigen Kindheit endlich den König heiratete. Wie sehr sie ihn liebe. Wie sie an seinem Tod zerbrach. Und wie der Spiegel ihr eben nicht beistand.

Einst liebte sie Schneewittchen, heiß und innig. Sie war ihr das Kostbarste auf der Welt. Weiterlesen

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Marissa Meyer: Renegades 02: Geheimnisvoller Feind

In diesem zweiten Band der Reihe hat Nova ihr Ziel aus dem ersten Band „Gefährlicher Freund“ erreicht. Sie ist Teil der Renegade-Truppe geworden, geht bei ihren Einsätzen mit nach draußen und hat sogar Freunde gefunden. Dabei ist sie doch nach wie vor eine überzeugte Anarchistin und will nur das Regime der Renegades beenden helfen.  Aber es ist nicht so einfach, wie es scheint. Ihr Truppführer Adrian wird zu mehr als einem Freund, dabei hat er auch seine Geheimnisse. Er heißt nicht umsonst Sketch, jede seiner Zeichnungen kann er zum Leben erwecken. Aber noch mehr: Er hat herausgefunden, dass er sich Superkräfte selbst tätowieren kann und diese dann ein- und ausschalten, wie er möchte. So wurde er zum Wächter, aber der Wächter wird zum Problem für ihn.

Marissa Meyer hat mit Gatlon, den Renegades und den Anarchisten wieder eine ganz eigene Welt geschaffen, die so anders ist und wo die Menschen doch so wie wir sind. Es ist eine Welt, in der junge Menschen an alten Regeln und Gegebenheiten verzweifeln können. Weiterlesen

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Grady Hendrix: Der Exorzismus der Gretchen Lang

Huch, was war das denn? Der Roman spielt in einer High-School, mit Teenagern, aber es ist gewiss kein Jugendbuch. Ist der Horror echt, oder findet er nur in den Köpfen der Protagonisten statt?

Gretchen Lang ist eine Musterschülerin, die aus einer eher strengen Familie kommt. Trotzdem oder gerade deswegen ist sie Abbys beste Freundin. Das ändert sich auch nicht, als Abbys Familie verarmt. Die Mädchen leben manchmal in zwei Welten, aber sie halten zusammen, komme was da wolle. Und es kommt was. Nach einem Drogentrip ist Gretchen plötzlich nicht mehr dieselbe. Wir schreiben das Jahr 1988, was den Umgang mit LSD erklärt. Gretchen wird erst krank und dann boshaft. Sie verleumdet Freunde, reitet sie tief in Ungemach rein und manipuliert so sehr, dass sie eine ehemalige Freundin beinahe in den Selbstmord treibt. Was ist nur los mit ihr, fragt sich Abby, ist sie möglicherweise gar von einem Dämon besessen? Oder bildet Abby sich das alles nur ein und Gretchen sagt die Wahrheit? Weiterlesen

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Joël Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Orphea ist ein kleiner Badeort an der Ostküste. Ausgerechnet am ersten Tag des neu eingeführten Theaterfestivals geschieht dort 1994 ein Mord. Nicht nur einer. Die gesamte Bürgermeisterfamilie plus einer vorbeikommenden Joggerin wird geradezu abgeschlachtet. Natürlich wird der Mord eingehend untersucht,  es wird ein Täter gefunden, der wenig später stirbt und der ganze Fall trifft die Ermittler auch persönlich tief und bis tief ins Privatleben hinein. Trotzdem taucht kurz vor dem 20jährigen Jubiläum des inzwischen etablierten Theaterfestivals die Journalistin Stephanie  Mailer bei einem der Ermittler von damals auf und behauptet: „Ihr habt da wo nicht richtig hingeguckt.“ Dem lässt das natürlich keine Ruhe, obwohl er sich keiner Schuld bewusst ist. Zumal Stephanie kurz darauf unter mysteriösen Umständen verschwindet. Gemeinsam ermitteln die ehemaligen Partner Jesse Rosenberg und Derek Scott, beide inzwischen kurz vor der Rente, noch einmal in dem alten Fall – und kommen zu neuen und alten Erkenntnissen. Weiterlesen

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Christian Hardinghaus: Die Spionin der Charité

Seit seinem Roman um den Arzt, der Soldat wurde um seine Familie zu retten, bin ich ja ein großer Fan von Christian Hardinghaus Romanen. Der Roman beginnt in Bern 1974. Die 56jährige Lilly Kolbe regt sich furchtbar über die Feiern zum Gedenken der Widerstandskämpfer des 20. Juli auf. Waren doch die Attentäter um Staufenberg bei weitem nicht die Einzigen, die für den Widerstand Kopf und Kragen riskiert haben. Lilly arbeitete in den ersten 40 ger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Berliner Charité unter dem berühmten Professor Ferdinand Sauerbruch. Dort gab es den Donnerstagsclub, dessen Mitglieder nach ihren Möglichkeiten versuchen, dem Naziregime Steine in den Weg zu werden. Ihre Aktionen waren wenig öffentlichkeitswirksam und alle Mitglieder schworen, den Donnerstagsclub nach dem Krieg für immer geheim zu halten. Aber vielleicht ist jetzt, nach 30 Jahren des Schweigens, der Moment des Redens gekommen? Weiterlesen

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Achim Gruber: Das Kuscheltierdrama

Ich gebe zu, ich hatte Angst vor diesem Buch. Ich wollte es aber unbedingt lesen, weil ich wissen  wollte, was so häufig vorkommt, dass der Fehler es in das Buch schafft und wie ich ihn vermeiden kann. Es war dann auch nicht so schlimm, wie befürchtet. Prof. Dr. Achim Gruber ist Tierpatologe und -forensiker, erst in Hannover und heute in Berlin. Er bekommt die rätselhaften Fälle auf den Tisch, er sieht die Enden der vermeidbaren Dramen.

Qualzucht ist ein ganz großes Thema im „Kuscheltierdrama“. Merlegefärbte Hunde, die blind und taub sind und das Schwimmen mühsam lernen müssen. Die kurznasigen Rassen, die kaum noch atmen können und bei Hitze und Überlastung einfach tot umfallen. Das Thema liegt dem Autor am Herzen und das merkt man. Interessant fand ich auch das Kapitel über das tollwütige Urlaubsmitbringsel, was übrigens auch die sogenannten Wühltischwelpen betreffen kann. Wer es nicht weiß: Zu hunderten werden an dubiosen Orten unter grauenhaften Bedingungen „Rassehunde“ gezüchtet, die dann hier aus dem Kofferraum heraus oder übers Internet billig (für einen Rassehund) verkauft werden. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Vanitas – Schwarz wie Erde

Wien ist unter anderem auch die Stadt der Friedhöfe. In der Gärtnerei eines davon arbeitet Carolin, die sich vor der Rache des organisierten Verbrechens versteckt, nachdem sie in Deutschland entweder als geheime Ermittlerin oder als Whistleblower tätig war, so ganz klar wird das nicht. Sicher ist nur, dass beim Zugriff einiges schiefgegangen ist, so dass auch Menschen gestorben sind, die Carolin nahestanden. Sie weiß, dass man ihr den Verrat niemals verzeihen wird und dass sie immer gefährdet sein wird, deswegen hat sie sich mit Hilfe der deutschen Polizei in Wien ein beschauliches Leben eingerichtet. Aber diese Polizei möchte erneut ihre Mitarbeit. Ein scheinbar einfacher Auftrag, in München, nur mit einer jungen Frau anfreunden, nix großartiges und nichts mit organisiertem Verbrechen, wird ihr versichert. Es geht nur um merkwürdige Unfälle auf Baustellen.

Ich mochte Carolin als Protagonistin und freue mich schon auf weitere Bücher mit ihr. „Vanitas“ fängt zwar ausgesprochen beschaulich an, gewinnt jedoch in München zunehmend an Fahrt. Weiterlesen

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