Titus Müller: Die fremde Spionin

1961 ist die DDR noch nicht abgeriegelt. West- und Ostberlin verkehren noch selbstverständlich miteinander. Aber es gibt sie schon, die fremde Denkweise in Ost und West. Die Konkurrenz, die sich an technischen Spielereien austobt und doch eine Konkurrenz der Systeme ist. Und es gibt sie auch  schon, die beiden Geheimdienste, die ständig im Wettstreit stehen und doch häufiger als geahnt die gleichen Spieler aufgestellt haben.

In dieser Welt lebt Ria. Schon ihre Eltern waren dem DDR-Regime nicht genehm, aber viel schlimmer ist, dass Ria im Alter von gerade 10 Jahren ihre Familie verlor. Die Eltern verhaftet, sie selbst und ihre kleine Schwester in getrennten Pflegefamilien untergebracht, ohne jeden Kontakt zueinander. Ihre Chance zur Rache erhält sie, als der BND sie rekrutiert. Ihre Chance zur Rache und vielleicht sogar die Gelegenheit, ihre Schwester endlich wieder zu finden.

Ria arbeitet im Ministerium für Außenhandel, dort soll sie für den BND spionieren, aber auch die Stasi hat bereits ein Auge auf die intelligente junge Frau geworfen. Der Agent Sorokin ist ihr auf den Fersen, hat jedoch auch schwer mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Denn er ist verliebt. Undenkbar für einen Agenten mit Killerauftrag. Aber es ist so und Sorokin versucht alles Legale und Illegale, um die junge Frau und sein Baby zu beschützen und heiraten zu dürfen. Weiterlesen

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Gytha Lodge: Neben wem du erwachst

Louise wacht auf nach einer durchgesoffenen Nacht. Das ist kein völlig neues Gefühl für sie, denn nur der Alkohol kann die andere, die mutige, die fröhliche Louise hervorbringen. Ein Teil von ihr, den Louise ebenso hasst, wie sie ihn braucht und will. Eigentlich trinkt sie nur noch, wenn ihr Mann Niall auf Geschäftsreise ist, denn er sieht das nicht gerne. Wieso liegt er also neben ihr? Langsam kommt Louise in ihrem Kater zu sich und stellt fest: Der Mann neben ihr ist nicht Niall und er ist tot. Was hat sie nur getan? Sie kann sich an nichts erinnern.

Gytha Lodge erzählt ihren Roman aus zwei Sichten. Aus der von Louise und aus der der Ermittler. Das ist insofern in diesem Fall ziemlich genial, weil uns Louise von ihren Zweifeln erzählt, von ihren Erlebnissen mit der „betrunkenen Louise“, die so ganz anders ist, als die „normale Louise“. Der Leser versteht erst nach und nach, warum Louise ihren betrunkenen Part so sehr braucht und lernt sehr viel früher als sie selbst, an Niall zu zweifeln. Im Laufe der Ermittlungen werden Zweifeln an so ziemlich jedem Teil von Louises Leben gestreut und das bleibt bis zum Schluss spannend. Zumal das meiste zwar nicht so ist, wie es am Anfang schien, aber auch nicht so, wie man in der Mitte glaubte. Weiterlesen

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Anna Fleck: Meeresglühen 01: Geheimnis der Tiefe

Während ihre Mutter als Ärztin in Afghanistan tätig ist, verbringt Ella die Ferien bei ihrer Granny in Cornwall. Dort verlebt sie unbeschwerte Stunden mit ihrem Hund und alten und neuen Freunden, bis sie eines Tages einen vermeintlichen Surfer vor dem Ertrinken rettet. Aris ist – anders. Seine Verletzungen erscheinen merkwürdig und als es ihm besser geht und Ella ihn mit zu ihren Freunden nimmt, scheint er selbstverständliche Dinge einfach nicht zu kennen.

Das ist auch wenig verwunderlich, denn Aris stammt vom Meeresgrund. Das gesteht er Ella jedoch erst, als es gar nicht mehr anders geht. Als seine Verfolger bereits beginnen, auch Ella und ihre Familie zu verfolgen. Genial hier die beiden wehrhaften alten Damen. Aris muss zurück unter die Meeresoberfläche, aber Ella will ihn nicht allein lassen. Dabei ist eins klar: Wer einmal dort unten war, darf niemals wieder zurück.

Stella Fleck erzählt eine spannende, aber nicht zu spannende Geschichte. Ella läuft sehenden Auges in ihr Schicksal, aber nach und nach wächst sie daran. Mir hat besonders das immer wieder geheimnisvolle an diesem Roman gefallen. Zuerst versteht Ella nicht, um wen es sich bei Aris wirklich handelt. Später sind es Aris Erinnerungslücken, die Ella und den Leser immer wieder an Freund und Feind verzweifeln lassen. Nicht jeder ist in diesem Buch der, der er vorgibt zu sein und Stella Fleck versteht es, den Leser mit in Ellas Verwirrungen und Zweifel zu ziehen. Dazu ist der Schreibstil sehr angenehm und flüssig, wenn ich persönlich auch deutlich weniger Landschaftsbeschreibungen vorgezogen hätte, das liegt aber eher an meinen Vorlieben als an der Autorin. Weiterlesen

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Kilay Reid: Such a Fun Age

Zwei Welten prallen aufeinander. Die dunkelhäutige Babysitterin Emira wird von einer Party zu einem nächtlichen Noteinsatz gerufen. Eine Scheibe ist zu Bruch gegangen, die weiße Alix möchte ihr Kind einfach aus dem Chaos heraushaben. Emira geht mit dem Kind wie so oft in den Supermarkt. Nachts. In Amerika. Eine farbige, zur Party gestylte Frau (ja, auch leicht angetrunken) mit einem weißen Kind an der Hand. Das geht (natürlich) nicht gut. Emira muss sich gegen den Vorwurf wehren, das Kind entführt zu haben, gerät mit dem Wachpersonal aneinander und muss schließlich den Vater zu Hilfe rufen („Er ist ein weißer alter Mann.“, herrlich). Das ist aber nur der Anfang der Geschichte.

Weder Emira noch Alix sind mit ihrem Leben zufrieden. Emira lässt sich mit Hilfsjobs treiben und möchte doch so gerne im Leben ankommen, wie all ihre Freundinnen. Alix bereut den Umzug aus New York, auch wenn sie theoretisch ihren Job auch von außerhalb machen könnte. Ihr Job ist, zu bekommen was sie will und anderen Frauen beizubringen, wie sie genau das erreichen. Klingt modern, ist es auch. Nur dass Alix sich außerhalb von New York langweilt. Das trägt auch dazu bei, dass sie ihren gesamten Ehrgeiz darauf ausrichtet, Emira zu helfen. Die gar keine Hilfe will, jedenfalls nicht die von Alix. Dazu kommt auch noch eine komplizierte Liebesgeschichte mit einem Mann, den beide kennen. Weiterlesen

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Alex Michaelides: Die verschwundenen Studentinnen

Marianna ist noch tief verfangen in der Trauer um ihren Mann. Da erhält sie einen Anruf von ihrer tochtergleichen Nichte Zoe, in deren Wohnheim in Oxford habe es einen Mord gegeben und vielleicht sei es ihre beste Freundin. Marianna ist Traumatherapeutin, also durchaus geeignet, Zoe und gegebenenfalls ihren Freundinnen beizustehen. Sie macht sich auf den Weg nach Oxford, wo sie vor Jahren selbst studierte und auch ihren Mann kennenlernte.

Vor Ort erweist sich die Lage als viel undurchsichtiger als angenommen. Zoe verdächtigt den charismatischen Professor, der angeblich vielen Studentinnen näher als erlaubt gekommen ist. Die Polizei glaubt bereits einen Täter gefunden zu haben und Marianna glaubt sich von griechischen Göttern verfolgt. Weiterlesen

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London Shah: Water Rising 01: Flucht in die Tiefe

London 2099 liegt komplett unter Wasser. Aber nicht der Klimawandel ist diesmal schuld daran, sondern ein Kometeneinschlag vor 65 Jahren. Die Menschen haben sich arrangiert, ein Leben an der Oberfläche gibt es nicht mehr. Leyla ist erst 16 und doch schon fast allein, denn ihr Vater wurde vor 3 Monaten verhaftet, Grund unbekannt bis vorgeschoben. Trotzdem glaubt Leyla, was ihr über die Gefahren der Tiefe – ist schon ein wenig crazy, dass eine Unterwasserzivilisation sich ausgerechnet vor Gefahren aus den tieferen Wassern fürchtet – und über Ungeheuer und die schrecklichen Anthropoiden von der Regierung erzählt wird. Anthropoiden sind Menschen, die unter Wasser atmen können und auch sonst besser an das neue Leben angepasst sind. Leyla schlägt sich als U-Boot-Fahrlehrerin mehr schlecht als recht durch und erst als sie ein großes Rennen gewinnt, ändert sich daran etwas. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Ari bricht sie auf, um sich endlich nicht mehr auf Anwälte und Auskünfte zu verlassen, sondern ihren Vater selbst zu suchen – und um jede Menge Erkenntnisse zu gewinnen.

Water Rising hat gute und schlechte Seiten. Auf der Plusseite würde ich den Wiedererkennungswert der Unterwasserwelt verbuchen. Es macht immer wieder Spaß, alte Sehenswürdigkeiten mit neuen Augen sehen zu können. Als ganz großes Plus habe ich empfunden, dass sich die Autorin mit Hilfe der Anthropoiden sehr genau mit Vorurteilen, Vorverurteilungen und dem Anderssein allgemein auseinandersetzt. Weiterlesen

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Helene Sommerfeld: Die Polizeiärztin 01: Das Leben ein ewiger Traum

Der Markt wird ja gerade überschwemmt von Romanen aus den 20ern und 30ern des 20. Jahrhunderts und seit den Erfolgen von Gereon Rath nimmt auch die Anzahl der Polizeiromane unaufhörlich zu. An diesem Roman hätte mich eigentlich alles abschrecken müssen. Der Name der Autorin und der Titel hören sich in der Kombination verdächtig nach leichter Romance-Kost an, das Cover macht es nicht besser.  Ich habe so manchen als Historischen Roman verkleideten Arztroman in den letzten Jahren frustriert nach den ersten Seiten aufgegeben. Irgendwie bin ich trotzdem an das Buch geraten und muss gestehen, ich habe mich getäuscht. Das Buch ist toll.

Magdas Mann wird getötet, sie verliert danach ihr erstes Kind und es muss ein Neuanfang her. Magda ist selbst Ärztin und bewirbt sich auf eine Anzeige der Berliner Polizei, ohne so ganz genau zu wissen, was das eigentlich ist, eine Polizeiärztin. So springt sie auch ziemlich ins kalte Wasser. Kommt in Berlin an und wird gleich zu ihrem ersten Fall geschickt. Nein, sie ist keine Forensikerin, ihre Aufgabe soll es sein, sich um die betroffenen Frauen und Kinder zu kümmern. Manchmal nur um die Kinder, wenn die Frau das Opfer ist. Sehr schnell begreift sie, zu welchen Taten Mensch in ihrem Elend fähig sind, und dass es immer Kinder gibt, die dabei leiden, selbst wenn sie gar nicht betroffen scheinen.

Magda lernt die Fürsorgerin Ina kennen und reißt diese aus einer Lethargie, die der Frust ihrer Arbeit in vielen Jahren mit sich gebracht hat. Gemeinsam wollen sie die Welt verbessern, soweit sie das in ihren beschränkten Rollen können. Weiterlesen

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Anna Benning: Vortex 03: Die Liebe, die den Anfang brachte

Elaine hat ihre Kräfte verloren. Sie kann nicht länger durch Zeit und Raum reisen und das fühlt sich wirklich nicht gut an. Gerade jetzt, wo ihr geliebter Bale sich wieder in der Hand von Hawthorne befindet, der nicht weniger will, als den Urvortex im Jahre 2020 mit Bales Hilfe zu erreichen und jegliche Vermengung rückgängig zu machen. Das wäre das Ende der Welt, wie Elaine sie kennt, das Ende vieler ihrer Freunde, die ohne den Urvortex niemals zu Vermengten geworden wären. Der rote Sturm, die Rebellentruppe der Vermengten, dringt mehr und mehr in die Metropolen vor, die ganze Situation spitzt sich zu und Elaine möchte Bale so gerne helfen. Aber hatte er recht, ist wirklich alles vorherbestimmt und sie kann am Lauf der Geschichte gar nichts ändern? Im Laufe des Buches scheint es mehr und mehr so zu sein, auch wenn Elaine an die Vorbestimmung einfach nicht glauben kann, nicht glauben will.

Im zweiten Band der Trilogie, kurz bevor er sich opferte, um sie zu retten, hatte Bale ihr gesagt, dass er sie hat sterben sehen. Dass Elaine zum Urvortex zurückgereist war sich von ihm zermalmen ließ, um den Vortex zu erhalten. Bale glaubte, dass sich an diesem Geschehen nichts mehr ändern lasse. Elaine ist da optimistischer, aber ihn kann sie nicht mehr fragen, denn er steht unter Drogen und kann sich nicht mal mehr an sie erinnern. Weiterlesen

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Rena Fischer: Das Lied der Wölfe

Kaya hat Gründe, dem Leben in Deutschland entfliehen zu wollen. Die junge Wolfsforscherin nimmt das Angebot des schottischen Milliardärs Allistair an, im Hochland sein Wolfsprojekt zu betreuen. Die Briten haben nicht weniger Vorurteile gegen freilaufende Wölfe als die deutschen Landwirte, aber noch liegt Allistairs Projekt hinter Zäunen und beschränkt sich auf ein Pärchen. Ebenfalls in dem Herrenhaus, in dem Kaya untergebracht ist, wohnt Allistairs Sohn Nevis, der sich dort von den Verletzungen erholen soll, die er während seiner Soldateneinsätze erlitten hat – den physischen und den psychischen. Nevis fühlt sich durch das Projekt seines Vaters unter Druck gesetzt und versucht alles, um nicht mit hineingezogen zu werden.

Rena Fischer erzählt uns die Geschichte aus zwei Perspektiven: aus Kayas und aus Nevis. So erfahren wir nach und nach, was die beiden auch innerlich umtreibt. Sie haben beide mit eigenen Dämonen zu kämpfen und nähern sich doch Schritt für Schritt an. Denn Kaya kann Nevis mit ihrer Begeisterung mitreißen und sie verhält sich so ganz anders, als die Frauen, die Nevis bislang kannte. Trotzdem ist diese Geschichte sehr viel mehr, als eine Highlander-Liebesgeschichte mit Wölfen. Denn die Autorin hat hervorragend recherchiert, sich sowohl mit der modernen Wolfsforschung, den Gründen für die Ablehnung in der Bevölkerung für alles was „Wolf“ heißt, als auch mit den Auswirkungen des Krieges auf den Menschen auseinandergesetzt. Weiterlesen

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David Safier: Miss Merkel: Mord in der Uckermark

Die aktive Regierungszeit von Angela Merkel wird im September 2021 enden. Aber was macht eigentlich so eine Ex-Bundeskanzlerin in Rente? David Safier lässt sie gemeinsam mit Ehemann „Puffel“ Joachim, Mops Putin und Personenschützer Mike in das beschauliche Neufreudenstadt in der Uckermark ziehen. Wandern und Kuchenbacken sollen ab jetzt ihr Leben bestimmen und ruhig und erholsam machen. Aber Wandern ist anstrengend, manchmal anstrengender als regieren, und Kuchenbacken kann man nur begrenzt, es muss ja auch von irgendwem gegessen werden. Kleinfreudenstadt hat zwar eine High Society, zu der Kontakt zu bekommen erweist sich jedoch in mancher Hinsicht als schwieriger als ein G7-Gipfel und auch der Kontakt zum Volk funktioniert nur eingeschränkt. Angela langweilt sich.

Da wird der Freiherr Philip von Baugenwitz vergiftet in seinem von innen verschlossenem Verlies gefunden. Endlich wieder eine Aufgabe. Sie treibt ihren Personenschützer damit zwar in den Wahnsinn, aber die Ex-Bundeskanzlerin ist fest entschlossen, von jetzt an auf den Spuren Sherlock Holmes zu wandeln. Sie will den Täter finden. Weiterlesen

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