Christian Hardinghaus: Die Spionin der Charité

Seit seinem Roman um den Arzt, der Soldat wurde um seine Familie zu retten, bin ich ja ein großer Fan von Christian Hardinghaus Romanen. Der Roman beginnt in Bern 1974. Die 56jährige Lilly Kolbe regt sich furchtbar über die Feiern zum Gedenken der Widerstandskämpfer des 20. Juli auf. Waren doch die Attentäter um Staufenberg bei weitem nicht die Einzigen, die für den Widerstand Kopf und Kragen riskiert haben. Lilly arbeitete in den ersten 40 ger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Berliner Charité unter dem berühmten Professor Ferdinand Sauerbruch. Dort gab es den Donnerstagsclub, dessen Mitglieder nach ihren Möglichkeiten versuchen, dem Naziregime Steine in den Weg zu werden. Ihre Aktionen waren wenig öffentlichkeitswirksam und alle Mitglieder schworen, den Donnerstagsclub nach dem Krieg für immer geheim zu halten. Aber vielleicht ist jetzt, nach 30 Jahren des Schweigens, der Moment des Redens gekommen? Weiterlesen

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Achim Gruber: Das Kuscheltierdrama

Ich gebe zu, ich hatte Angst vor diesem Buch. Ich wollte es aber unbedingt lesen, weil ich wissen  wollte, was so häufig vorkommt, dass der Fehler es in das Buch schafft und wie ich ihn vermeiden kann. Es war dann auch nicht so schlimm, wie befürchtet. Prof. Dr. Achim Gruber ist Tierpatologe und -forensiker, erst in Hannover und heute in Berlin. Er bekommt die rätselhaften Fälle auf den Tisch, er sieht die Enden der vermeidbaren Dramen.

Qualzucht ist ein ganz großes Thema im „Kuscheltierdrama“. Merlegefärbte Hunde, die blind und taub sind und das Schwimmen mühsam lernen müssen. Die kurznasigen Rassen, die kaum noch atmen können und bei Hitze und Überlastung einfach tot umfallen. Das Thema liegt dem Autor am Herzen und das merkt man. Interessant fand ich auch das Kapitel über das tollwütige Urlaubsmitbringsel, was übrigens auch die sogenannten Wühltischwelpen betreffen kann. Wer es nicht weiß: Zu hunderten werden an dubiosen Orten unter grauenhaften Bedingungen „Rassehunde“ gezüchtet, die dann hier aus dem Kofferraum heraus oder übers Internet billig (für einen Rassehund) verkauft werden. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Vanitas – Schwarz wie Erde

Wien ist unter anderem auch die Stadt der Friedhöfe. In der Gärtnerei eines davon arbeitet Carolin, die sich vor der Rache des organisierten Verbrechens versteckt, nachdem sie in Deutschland entweder als geheime Ermittlerin oder als Whistleblower tätig war, so ganz klar wird das nicht. Sicher ist nur, dass beim Zugriff einiges schiefgegangen ist, so dass auch Menschen gestorben sind, die Carolin nahestanden. Sie weiß, dass man ihr den Verrat niemals verzeihen wird und dass sie immer gefährdet sein wird, deswegen hat sie sich mit Hilfe der deutschen Polizei in Wien ein beschauliches Leben eingerichtet. Aber diese Polizei möchte erneut ihre Mitarbeit. Ein scheinbar einfacher Auftrag, in München, nur mit einer jungen Frau anfreunden, nix großartiges und nichts mit organisiertem Verbrechen, wird ihr versichert. Es geht nur um merkwürdige Unfälle auf Baustellen.

Ich mochte Carolin als Protagonistin und freue mich schon auf weitere Bücher mit ihr. „Vanitas“ fängt zwar ausgesprochen beschaulich an, gewinnt jedoch in München zunehmend an Fahrt. Weiterlesen

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Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen

Der Roman beginnt 2001 und arbeitet sich bis in die Nähe der Gegenwart vor. Phillip und Tobias sind zwei Brüder, die in der tiefsten Provinz Ostsachsens aufwachsen. Zuerst sieht alles nach Aufbruch und Zukunft aus, die Eltern bauen ein Haus (das sich als längeres Projekt als der Berliner Flughafen erweist), die Welt scheint den jungen offen zu stehen. Aber sie leben in der Provinz, es gibt fast nichts, keine Schule, keine Unterhaltung, nur die Dorfgemeinschaft. Als die beiden älter werden, entwickeln sie sich auseinander, haben unterschiedliche Wertvorstellungen, aber in beiden wächst die Wut auf ihr Leben, das sich scheinbar fernab von allem abspielt was spannend und vielversprechend ist.

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil mich das Thema interessiert hat. Wieso schließt sich ein Jugendlicher rechtsradikalen Organisationen an? Bloß weil es nichts anderes gibt? Ich wollte eine literarische Erklärung. Weniger für die Wut, die im Osten herrscht, das kann ich nachvollziehen, aber für die Eskalationen. Leider fand ich nicht, dass das Buch die versprochene Erklärung geliefert hat. Weiterlesen

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Chloe Benjamin: Die Unsterblichen, gelesen von Wolfram Koch

1969 legen die Geschwister Simon, Daniel, Klara und Varya ihr Geld zusammen, um eine Wahrsagerin zu besuchen, die angeblich den Todestag voraussagen kann. Da sind sie noch Kinder und können darüber lachen. Aber was macht es mit ihnen, ihren Todestag zu wissen? Macht es einen Unterschied, ob sie daran glauben oder nicht? Diesen Fragen geht Chloe Benjamin in diesem Hörbuch nach.

Die Geschichten der vier werden nacheinander erzählt, sozusagen in ihrer Todesreihenfolge. Der homosexuelle Simon sucht sein Glück im liberalen San Francisco der 80ger Jahr. Es gelingt ihm sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, er findet immer wieder tolle Liebhaber, aber damit ist auch früh klar, warum sein Todesdatum das erste ist.

Klara ist von Magie fasziniert, kann ihre Leidenschaft aber im Gegensatz zu ihrem Bruder nicht ausleben, weil sie glaubt, mit langweiligen Jobs Geld verdienen zu müssen. Als sich das endlich ändert, hat sie ihr nicht mehr weit entferntes Todesdatum immer vor Augen und wird auch nicht wirklich glücklich. Weiterlesen

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Romy Hausmann: Liebes Kind, gelesen von Heiko Deutschmann u.a.

Lange hat mich ein Thriller nicht mehr so überzeugt. So viele Aha-Erlebnisse, so viele Wendungen und Irrungen, die am Ende dann doch alle passten. Der Klappentext wirbt damit „beginnt wo andere Thriller enden“ und hat damit vollkommen recht.

Lenas Martyrium scheint endlich ein Ende zu haben. Nach 14 Jahren gelingt es der jungen Frau gemeinsam mit ihrer Tochter aus der Hütte am Wald zu fliehen, in der sie gefangen gehalten wird. Ihr Sohn bleibt mit dem toten Entführer zurück. Ihre Flucht endet mit einem Unfall, sie wird angefahren, der Fahrer ruft einen Krankenwagen und verschwindet dann. Aber was macht das schon, sie kommt ins Krankenhaus und ist in Sicherheit. Die Eltern werden benachrichtigt. Nach 14 Jahren endlich ein gutes Ende. Dann kommt der erste Knaller und der einzige Spoiler, den ich bringen werde: Es ist nicht Lena, obwohl sie das behauptet. Weiterlesen

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Michelle Obama: Becoming, gelesen von Katrin Fröhlich

Ich bin ja eigentlich nicht so der Biografien-Fan, aber die hier ist wirklich toll. Michelle Obama beschreibt voller Witz und Reflexion ihren Weg vom kleinen schwarzen Mädchen der Chicagoer South Side bis zu dem Haus nach dem Weißen Haus. Sie beschreibt ihr Leben in kleinen, spannenden Geschichten, die sich dann zu einem Lebensweg zusammensetzen. Sie ist früh ehrgeizig, wie sich an der Geschichte des Lesewettbewerbs zeigt. Sie ist ungeduldig, wie sie beim Klavierspiel beweist. Sie ist ängstlich, als sie in die neue Schule kommt. Sie versucht ihr Bestes zu geben, Probleme zu erkennen, Dinge zu ändern, die sie versteht und die sie stören. Dabei beweist sie eine Klugheit und eine emotionale Intelligenz, vor der ich nur neidisch den Hut ziehen kann. Sie beschreibt ihre ersten Kontakte mit Barrack Obama, seinen Weg zum Präsidenten nur soweit, wie es ihr Familienleben betraf. Weiterlesen

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Dan Wells: Mirador 03: Active Memory, gelesen von Elmar Börger

Im dritten und leider letzten Band um die Hackerin Marissa aus dem Jahr 2050 erfahren wir endlich das, worauf wir schon die letzten beiden Bände gewartet haben: Was es mit dem geheimnisvollen Autounfall auf sich hatte, bei dem Marissa mit zwei Jahren ihren Arm verlor und bei dem die Fahrerin ums Leben kam. Natürlich war das viel mehr, als nur ein Unfall mit einigen Rätseln. Die Fahrerin war damals Zenaida de Maldonado, die Frau des mächtigsten Mafiabosses der Stadt. Seitdem verbindet die beiden Familien eine Haßliebe. Jetzt taucht zu Anfang des Buches eine frisch abgetrennte Hand auf, die Zenaidas DNA trägt. Wie kann das sein, wo die Frau doch seit Jahren tot ist? Und warum ist die Hand für den größten Konzern der Welt so interessant, dass er Mitarbeiter in die Polizeistation schickt?

Marissas Versuche, ihren Vater zu dem Unfall zum reden zu bringen, sind genauso fruchtlos wie in der Vergangenheit, also muss sie andere Wege finden. Weiterlesen

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Kerstin Ruhkieck: Was geschah mit Femke Star?

Anouk und Femke waren bis vor drei Jahren unzertrennliche beste Freundinnen. Dann geschah etwas, was die beiden unwiderruflich zerstritten hat. Jetzt bittet Femke Anouk um ein Treffen, aber dabei läuft alles schief und es endet damit, das Femke tot ist. In der Nacht verwandelt Anouk sich äußerlich in Femke und versucht in deren Leben herauszufinden, was in diesen drei Jahren geschehen ist.

Kerstin Ruhkieck hat mit Sicherheit kein „schönes“ Buch geschrieben, aber ein überzeugendes. Sie selber – oder der Verlag – warnt bereits vorab, dass es sich um ein Buch handelt, dass bei Betroffenen Triggerwirkung haben kann. Veröffentlicht ist es als Jugendthriller, aber es kann auch Erwachsene überzeugen. Ich bin ja aus dem Alter der Schulzeit schon eine ganze Weile raus, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass mich ein Buch negativ beeinflusst hätte, aber in Zeiten, in denen Schüler von Social-Media-Mobbing in den Selbstmord getrieben werden, bin ich etwas vorsichtig damit, es für Jugendliche uneingeschränkt zu empfehlen. Weiterlesen

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Tana French: Der dunkle Garten

Es beginnt alles mit einem nächtlichen Überfall, der Tobys Leben für immer verändert. Eine Kopfverletzung macht ihn schwach und anfällig, aber vor allem kann er sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Gerade noch 28, verliebt, erfolgreich im Beruf, traut er sich jetzt kaum noch hinaus. Er zieht sich in das Haus seiner Kindheit zurück, in dem sein Onkel gerade eine Krebsdiagnose  bekommen hat und Betreuung braucht. An einem sonnigen Nachmittag zieht Tobys kleiner Neffe einen Schädel aus einem hohlen Baum und damit beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die für Toby um so schwieriger ist, weil er eben seinen Erinnerungen nicht trauen kann. Er kann doch nicht der Mörder sein, oder etwa doch?

Tana French zieht den Leser mit hinein, in diese am Anfang so einfach und liebevoll erscheinende und dann plötzlich doch so komplizierte und grausame Familiengeschichte. Hier versucht jeder, jeden zu beschützen, aber wer kennt denn die Wahrheit? Der Tote ist bereits seit mehreren Jahren tot, ein Mitschüler der Geschwister, beliebt, aber in seinen letzten Monaten war er irgendwie seltsam. Und dann soll er sich umgebracht haben, aber die Leiche wurde nie gefunden – bis jetzt. Was hat er in dem Garten zu suchen gehabt, wo doch jeder glaubte, er habe sich weit entfernt ins Meer gestürzt? Und recht bald ist klar, dass er sich nicht selbst umgebracht haben kann. Wie kam die Leiche in den Familiengarten? Weiterlesen

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