Frank Goldammer: Roter Rabe

Dresden im Jahr 1951. Oberkommissar Max Heller lebt mit seiner Frau Karin und der kleinen Pflegetochter Anni im immer noch teilweise zerstörten Dresden. Die Polizei arbeitet wieder als Polizei, aber so richtig unabhängig fühlt sich Heller nicht. Hängt doch viel von den neuen Herren ab, denen er sich so gar nicht anschließen möchte, wie er das auch in der Nazizeit schon nicht getan hat. Er hat das Gefühl, das manche Ermittlungsarbeit politischem Kalkül zum Opfer fällt. Gerade aus einem unerwartet genehmigten Ostseeurlaub zurück, erhält seine Frau Karin ebenso unerwartet die Erlaubnis, den in Köln lebenden Sohn zu besuchen. Aber nur sie. Max bleibt mit Pflegetochter Anni zurück. Und ausgerecht zu der Zeit, kommt ein neuer zeitfressender Fall auf ihn zu. Zwei der Spionage verdächtige Männer sterben in der Haft. Es sieht nach Selbstmord aus, aber die beiden waren doch Zeugen Jehovas? Kann es sein, dass gläubige Menschen den Freitod wählen? Heller ermittelt und plötzlich kommen immer mehr mysteriöse Tote dazu. Hier ein Schlaganfall, da ein seltsamer Unfall, was geht hier vor. In der Stadt geht das Gerücht um, ein „Amerikaner“ würde in Dresden spionieren, um den letzten Schlag vorzubereiten, vielleicht sogar die Atombombe, die 1945 Deutschland nicht mehr traf? Weiterlesen

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Lars Simon: Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason

Der letzte Band hatte ja einen wirklich gemeinen Cliffhanger. Denn der sprechende Mops Bölthorn lag so gut wie tot zu Füssen von Lennart und alles schien verloren. Aber zu Beginn des dritten Bandes gibt es wieder Hoffnung: Noch ist Zeit, wie ein herunterzählender Timer auf Böthorns Fell behauptet. Da gibt es den geheimnisvollen Kapitän Darraben, dessen Schiff die Macht haben soll, jedweden zu heilen, der einen Tag auf dem Schiff verbringt. Dumm nur, dass das Schiff nicht mehr existiert. Aber die orakelnde Keksdose kann helfen: die Statue des „Muschelmanns“ muß zum Leben erweckt werden, alsdann ist nicht das ganze Schiff, sondern lediglich ein bestimmter der Masten für das Wunder erforderlich, der muss gefunden werden und dann wird alles gut. Aber das alles bitte, bevor der Fell-Countdown abläuft.

Der Kapitän erweist sich als wild fluchender und saufender Seeräuber, dem seine Zeit als Statue gehörig auf den Keks gefallen ist. Der Mast ist inzwischen auf einem Wohn-Schiff verbaut, auf dem sich ausgerechnet Lennarts Eltern befinden Weiterlesen

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Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 13: Eiskalt erwischt!

Greg ist ja außer einem Faulpelz auch noch eine Frostbeule. Deswegen kommt es ihm ganz gelegen, dass es noch warm ist, obwohl der Winter längst begonnen haben müsste, Klimawandel hin oder her. Nur dass seine Schule mit der Situation gar nicht umgehen kann und alle Heizungen so hoch eingestellt sind, dass man sich vorkommt wie in einer Sauna ist unangenehm.  Aber dann kommt der Winter doch noch mit aller Kraft und anstatt gemütlich vor dem Fernseher zu liegen, scheucht Gregs erziehungskorrekte Mutter ihn raus zum Spielen. Im Laufe des Buches lernen wir beinahe die gesamte Nachbarschaft kennen, was ziemlich lustig ist. Da gibt es Anfang und Ende von Gregs steiler Straße und natürlich ist man sich nicht gewogen. Da werden Forts gebaut und Schneebälle mit taktischer Feinheit weiterentwickelt und alles ist ein Riesenspaß, schließlich hat die ganze Stadt schulfrei. Weiterlesen

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Celeste Ng: Kleine Feuer überall, gelesen von Britta Steffenhagen

Elena Richardson führt ein Vorzeigeleben in dem Vorzeigevorort Shaker Heights bei Cleveland. Wohlgeratene Kinder, ein Mann, der Rechtsanwalt ist einzig die jüngste Tochter Isabel (Izzy) ist ein wenig aufmüpfig, aber das wird sich schon noch geben. Elena schreibt journalistische Artikel für das Lokalblatt, sie erbt das Haus ihrer Eltern und möchte es nicht aufgeben. Also vermietet sie es. Ausgerechnet an Mia, freischaffende Fotografin, künstlerischer Freigeist. Mia zieht dort mit ihrer Tochter Pearl ein, die die Jahre des Umherziehens satt hat. Elena bietet Mia eine Stelle als Putzhilfe an, und so kommen die beiden Familien sich näher, als sie es sonst je gekommen wären. Mia geht bei den Richardsons ein und aus und wird bald zu einer Vertrauten der Kinder, besonders Izzy fühlt sich zu der so ganz anderen Frau hingezogen.

Elena ist eifersüchtig, dann kommt hinzu, dass Mia sich für eine Kollegin einsetzt, die in einer Stunde der Not ihr neugeborenes Baby verlassen hat. Ausgerechnet Elenas Freundin Linda hat das Baby nach langer Wartezeit und frustrierenden Versuchen, ein eigenes Kind zu bekommen, zur Adoption bekommen. Jetzt ist Mias Kollegin wieder bei klarem Verstand und möchte ihr Baby zurück. Linda ist verzweifelt und Fronten öffnen sich. Weiterlesen

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Nele Neuhaus: Muttertag

Es sieht erst so einfach aus. Ein alter Mann ist in seiner Küche gestorben. Es könnte ein natürlicher Tod gewesen sein. Aber wieso sagen die Nachbarn, dass der Hund des alten Reifenrath eigentlich nie im Zwinger war, jetzt ist er aber da. Einsperrt und beinahe verhungert und verdurstet hat er in seiner Verzweiflung gebuddelt und dabei Knochen freigelegt. Menschenknochen. Frauenknochen. Bei einigen Skeletten ist noch eine Identifizierung möglich, alle Frauen verschwanden an einem Muttertag, zum Teil vor vielen Jahren. Pia Sander und Oliver von Bodenstein finden heraus, dass es noch mehr Leichen geben muss. Immer nach dem gleichen System getötet und immer am Muttertag. Aber der tote Reifenrath war ein alter Mann. Kann er wirklich auch in seinen letzten Jahre in der Lage gewesen sein, junge gesunde Frauen zu töten? Sowohl Pia als auch Oliver bezweifeln das. Außerdem scheinen die Frauen nicht völlig willkürlich ausgewählt worden zu sein. Nach und nach kristallisiert sich eine Gemeinsamkeit heraus: Alle Frauen haben aus den verschiedensten Gründen ihre Kinder verlassen.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, außer, dass es auch diesmal wieder sehr persönlich wird, aber dieses Mal geht es nicht um Olivers, sondern um Pias Familie. Weiterlesen

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Volker Kutscher: Marlow, gelesen von David Nathan

Im 7. Band um den Kölner Kommissar Gereon Rath, den es nach Berlin verschlagen hat, befinden wir uns mitlerweile im Jahr 1935. Die Nazis sitzen fest im Sattel und versuchen, das Schmuddelimage der ersten Kampfjahre vergessen zu machen. Ebenso wie der Unterweltboss Johann Marlow, der zukünftig nur noch legale Geschäfte betreiben will und sogar in die SS eingetreten ist. Und wie Gereon Rath, der nie wieder etwas mit Johann Marlow und seinem chinesischen Fahrer Lian etwas zu tun haben möchte.

Ein eigentlich simpler Verkehrsunfall bringt sie alle wieder zusammen. Ein Taxifahrer fährt mit Vollgas gegen die Wand, mit ihm stirbt ein Fahrgast. Rath ist zunächst leicht empört, dass die Verkehrspolizei die Kriminalpolizei hinzuzieht, aber irgendwie haben sie ja recht. Es IST misstrauenerweckend, dass der Fahrer nicht einmal versuchte zu bremsen, sondern im Gegenteil noch beschleunigt hat. Er selbst überbringt der Witwe die Todesnachricht und findet eine verzweifelte Frau mit Kindern in ärmlichen Verhältnissen. Umso erstaunlicher, dass die gleiche Witwe keine paar Tage später umgezogen ist ein Haus, das sich Rath kaum leisten könnte. Aufgesucht hatte er sie, weil der Gerichtsmediziner bei dem Taxifahrer einen unheilbaren Gehirntumor festgestellt hatte, dessen Bezeichnung Rath an etwas erinnert … Weiterlesen

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M. Hjorth & H. Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt

In diesem Roman ist der Kriminalfall selbst ganz interessant, aber nicht überragend und auch nicht wirklich besonders glaubhaft. Aber das Ermittlerteam ist wieder das ganze Buch wert. Da ist zunächst mal Sebastian Bergmann, der Kriminalpsychologe mit der psychischen Störung, der einfach den „Hosenstall nicht zulassen kann“. Der steht in direktem Konflikt mit seiner Tochter Vanja, ebenfalls erfolgreiche Polizistin und im gleichen Team, der er immer wieder in dem, was er unter „gutem Glauben“ versteht, das Leben ruiniert. Sie könnte keine erfolgreiche Polizistin ein, wenn sie sich das gefallen lassen würde. Mit Ursula hatten sowohl Sebastian als auch der Leiter des Teams Törgel bereits ein Verhältnis.

Törgel versucht das Team zusammenzuhalten, ist aber viel mehr mit seiner neuen Liebe beschäftigt. Und damit, dass sein Posten ausgerechnet der energischen Einsatzleiterin gefällt, die die Reichsmordkomission zu den Vergewaltigungsfällen zu Hilfe gerufen hat. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Thalamus

Timo ist siebzehn, als er mit dem Mofa verunglückt. Trotz Helm trägt er schwere Kopfverletzungen davon, kann nicht reden, nicht gehen. Deswegen kommt er zur Rehabilitation auf den „Markwaldhof“, der sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Timo kommt in ein Zweibettzimmer mit einem Komapatienten, von dem man ihm sagt, dass er vollständig im Koma wäre. Aber er steht nachts auf, redet mit Timo, läuft herum, bedroht ihn. Zunächst kann Timo das niemandem mitteilen, er kann ja nicht sprechen und er zweifelt auch an seinen eigenen Beobachtungen. Alles nur Folgen der Kopfverletzung?

Timo lernt im Rollstuhl seine Mitpatienten und ihre Schicksale kennen und eines Nachts steht auch er auf. Kann laufen, kann reden. Morgens ist alles wie immer. Es gibt Fortschritte, aber keinen Durchbruch. Und Timo hört Stimmen. Stimmen, die ihn beeinflussen, die ihm Befehle erteilen.

Das Buch ist spannend vom Anfang bis zum Ende und beschäftigt sich mit dem, was Medizin vielleicht kann und darf. Weiterlesen

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Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten, gelesen von Christoph M. Herbst

Deutschland, Europa, hat seine Grenzen geschlossen. Weit weg, in Nordafrika befinden sich Läger mit Asylsuchenden, die zum Teil schon seit Jahren dort auf eine Entscheidung warten.  So lange, dass sich die Menschen in den Lagern eingerichtet haben. In Deutschland dagegen nimmt das Leben den Gang, den wir kennen. Das neueste Sternchen am Moderatorenhimmel heißt Nadeche Hackenbusch und sucht gerade einen Weg, sich dem Publikum als mitleidende, ernstzunehmende Moderatorin zu präsentieren. Unter anderem deswegen plant sie eine Sendung direkt aus einem der Flüchtlingslager. Der Sender ist begeistert.

Lionel befindet sich schon eine ganze Weile in diesem größten Flüchtlingslager, das Nadeche aussucht. Er erkennt in der deutschen Moderatorin eine Chance, die er so nicht erwartet hätte. Gemeinsam brechen sie auf. Zu Fuß. Nach Europa, genauer: nach Deutschland. Und mit ihnen ein Zug von 150.000 weiteren Flüchtlingen, live dabei immer Nadeches Sender.

So ein Zug läuft nicht ohne Probleme, aber sie kommen Europa näher und näher. Timur Vermes hat das Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass Europas, auf den der Zug Tag für Tag zurückt in Kleinigkeiten eingefangen. Zum Beispiel in der Exkrementeentsorgung. Weiterlesen

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Carmen Korn: Zeitenwende

Vier Hamburger Freundinnen wurden zu Beginn des letzen Jahrhunderts geboren, da hatte Deutschland noch einen Kaiser. Alle vier haben beide Kriege überlebt, wenn sie auch mehr oder weniger beschädigt daraus hervorgegangen sind, sie haben ihre Familien durch Inflation und Wirtschaftswunder gebracht und im letzten Band erleben sie die Zeit der Studentenunruhen, des Deutschen Herbstes, der Wiedervereinigung und auch den Jahrtausendwechsel.

Groß ist er geworden, der Freundeskreis, in dem man Freunde und Familie kaum noch auseinanderhalten kann. Das Buch setzt 1970 mit Henny Ungers 70. Geburtstag ein, es gibt alleinerziehende, erfolgreiche Mütter, die schwule Lebensgemeinschaft ihres Sohnes wird endlich legal. Trotzdem muss man sich um die Verwandtschaft noch jede Menge Sorgen machen. Da träumt die eine von einer Karriere als Kriegsreporterin, die andere lässt sich während des Studiums mit der RAF ein. Es sind die großen und kleinen Sorgen, die diese Trilogie ausmachen und die sie so liebenswert machen.

Jeder kann sich ausrechnen, dass nicht alle der Akteure der ersten Stunde dieses Buch überleben werden, die meisten sind schließlich Anfang des Jahrhunderts geboren. Deswegen ist der letzte Teil der Trilogie auch ein Abschiednehmen von lieb gewonnen Protagonisten. Weiterlesen

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