Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 02: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, gelesen von Laura Maire

Ophelia wird zu Faruk bestellt, dem Ur-Ahn des Erdteils Pol. Durch mehrere Missverständnisse wird sie zur Vize-Erzählerin des Hofes ernannt und glaubt sich endlich sicher. Denn nachdem am Ende des letzten Bandes beinahe der gesamte Clan der Drachen, Thorns Clan , ausgelöscht wurde, ist sie mehr denn je gefährdet. Die Sicherheit durch Faruk ist jedoch trügerisch, denn er hat seine ganz eigenen Ansprüche an die Leserin von Gegenständen. Dazu verschwinden nach und nach immer mehr hochgestellte Persönlichkeiten spurlos und Ophelia findet heraus, dass es etwas mit bestimmten Sanduhren zu tun hat. Aber wer steckt dahinter? Und schon ist sie wieder mittendrin in gefährlichen Illusionen und Verwicklungen. Ihrem Verlobten Thorn kommt sie näher und näher, auch wenn beide das überhaupt nicht zugeben wollen.

Ich fand den zweiten Band, wieder herrlich gelesen von Laura Maire, eine Spur spannender als den ersten, Weiterlesen

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Minette Walters: In der Mitte der Nacht

Der zweite Band der Pest-Saga hat mir deutlich besser gefallen, als der erste. Vielleicht liegt es daran, dass der Krimi-Anteil hier höher ist. Im September 1348 klingt die Pestwelle in England langsam ab. Lady Anne of Develish ist es nach dem Tod ihres Mannes erfolgreich gelungen, die Krankheit aus ihrer Burg fernzuhalten, durch rigorose Abschottung und Hygiene. Jetzt gehen langsam die Vorräte aus und sie muss sich Gedanken machen, wie sie an neue kommt. Ihr Verwalter, gleichzeitig Vertrauter und alter Freund Thaddeus macht sich auf die Reise. Da er als Leibeigener nicht weit kommen würde, erfindet Lady Anne für ihn einen Titel und eine Abstammung. Diese Strategie erweist sich als noch gefährlicher als gedacht, denn der eifersüchtige Ex-Verwalter ihres Mannes hat nichts eiligeres zu tun, als Thaddeus zu verraten.

Es tauchen einige Klischees in diesem Roman auf, wie der gute Leibeigene und der böse Adelige. Die völlig eingeschüchterten Pächter sind meiner Meinung nach auch eher Klischee als Realität, ebenso wie die ungehemmte Brutalität an manchen Stellen, das ist eher Walther Scott als moderner historischer Roman. Weiterlesen

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 01: Die Verlobten des Winters, gelesen von Laura Maire

Laura Maire entführt uns in eine Welt voller Tücken und Zauber. Ophelia ist eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie führt ein kleines Museum und besitzt zwei Eigenschaften: Sie kann durch Spiegel reisen und sie kann Gegenstände lesen, da heißt, die Gegenstände erzählen ihr, was ihnen in der Vergangenheit geschehen ist. An Heirat denkt Ophelia überhaupt nicht, aber sie wird an einen mächtigen Mann eines anderen Erdenteils verschachert. Thorn erweist sich als spröde, wenn auch nicht völlig lieblos, aber er hat einfach keine Zeit für seine Braut. Diese wird bei seiner Tante abgeladen und dort lernt sie eine Art von Illusionen kennen, wie sie sich aus ihrer Heimatwelt nicht einmal vorstellen konnte.

Der Auftakt der Serie ist superspannend und reißt einen beim Zuhören einfach mit Ophelia gibt nicht etwa auf und ergibt sich in ihr Schiksal, wie man es von der Protagonistin vom Anfang erwartet hätte, sondern sie bringt sich aktiv in diese neue Welt ein, die sie eigentlich niemals kennenlernen wollte. Weiterlesen

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Aimee Molloy: Die Mutter

Sie nennen sich die Mai-Mütter, fast zur gleichen Zeit entbinden sie und sie treffen sich regelmäßig in Brooklyn im Park auf einen gesunden Drink und zum Erfahrungsaustausch. Eines Tages beschließen sie, einen Abend, nur einen Abend, einmal wieder ausgehen, Stress vergessen, wieder ohne Baby lachen. Für eine von Ihnen endet das mit dem Verlust des Babys. Aber was steckt dahinter? Eine überforderte Mutter? Ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein ganz anderes Verbrechen?

„Die Mutter“ ist ein gut aufgebauter Psychothriller, dessen Ende so nicht voraussehbar war. Er ist durchweg spannend und gut zu lesen. Das ist nicht selbstverständlichen, denn Aimee Molloy hat noch einen anderen Aspekt eingebaut: Die Schwierigkeiten frischgebackener Mütter in Amerika, den irren Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf und Leidenschaft. Einige der Mai-Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, andere haben das nicht nötig, wieder andere wollen das nicht, haben aber mit dem Einkommen des Mannes zu kämpfen. Weiterlesen

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Dana von Suffrin: Otto

Otto hat ein bewegtes Leben hinter sich. Seine Erlebnisse, und vermutlich auch sein unerbittlicher Charakter, haben ihn zu einen Familienpatriarchen gemacht, der seinen Töchtern das Leben nie wirklich leicht gemacht hat. Jetzt in hohem Alter ist er ein Pflegefall geworden und das macht ihn beinahe zu einem Tyrannen. Er kann nicht mehr, also müssen seine Töchter – immer und jederzeit. Tochter Timna nimmt das nicht ganz so gelassen, wie sie gerne würde.

Der Roman ist voller Humor, voller Rückblicke auf ein bewegtes Leben, wie Otto einzelne Erlebnisse seinen Töchtern erzählt hat, aber auch, wie sie ihre Kindheit empfunden haben. Der Schreibstil der Autorin ist toll und obwohl das Dritte Reich ein Teil von Ottos Leben war, wird es zwar thematisiert, aber nicht herausgehoben. Ein sehr emotionales Buch, über einen Abschied, bei dem das Bleiben schon nicht einfach war und der trotzdem schwerfällt. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind, gelesen von Martina Treger

Nathaniel ist blind. Normalerweise kommt er gut zurecht, aber es gibt so das eine oder andere, bei dem er gerne jemanden Sehenden um Rat fragen würde. Die Farbe der Krawatte zum Beispiel. Dafür gibt es eine App: „be my eyes“. Die App ruft eine Reihe von registrierten Nutzern an, und der Erste der sich meldet, wird mit Nathaniel verbunden. Per Kamera kann er dann bei was auch immer helfen. Eines Tages endet eine solche Hilfestellung mit einem gellenden Schrei der Frau am anderen Ende und Verbindungsabbruch. Natürlich kann etwas völlig harmloses dahinter stecken, aber Nathaniel lässt die Sache keine Ruhe. Die Polizei glaubt ihm zwar, sieht aber keinen Handlungsbedarf und auch keine Möglichkeit. Denn für die Nutzer sind die anderen Nutzer anonym, da es Zufall ist, wer von den Angerufenen zuerst ans Telefon geht, hat selbst der App-Betreiber kaum Möglichkeiten, die Identität festzustellen – und für eine Privatmann schon mal gar nicht. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla macht Nathaniel sich trotzdem auf die Suche – und taucht dabei tief in seine Vergangenheit. Weiterlesen

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Ben Aaronovitch: Die Glocke von Whitechapel

Mit der „Gocke von Whitechapel“ ist Zauberlehrling Peter Grant endlich wieder mit einer längeren Geschichte als der enttäuschenden letzten zurück. Bei diesem nun 7. Band ist es allerdings endgültig hoffnungslos, erst damit anzufangen, dazu wird einfach viel zu viel Vorwissen vorausgesetzt, um der Handlung noch folgen zu können. Der „Gesichtslose“ ist enttarnt, ist jedoch mit Hilfe seiner Gehilfin, ausgerechnet Peters ehemaliger Kollegin Lesley, wieder entkommen. Und dieser Mal ist sein Ziel nicht kleiner als die Zerstörung ganz Londons.

In dem Buch geht es um Peter und seine Liebe zu einer Flüssin, es geht um alte Schuld und neue Herausforderungen. Das Folley ist in den Kreisen der Metropolitan Police zumindest, sagen wir mal – zur Kenntnis genommen. Und die Zauberei entwickelt sich langsam zu einer Grantschen Familientradition. All das ist mit dem gewohnten Witz erzählt, man amüsiert sich köstlich während man dieses Buch liest.

Aber: Bei den ersten Büchern der Reihe, hatte man immer den Eindruck, dass die Geschichte auf ein großes Ganzes zuläuft. Dass es irgendwann ein hypergeniales Ende der Reihe geben würde, was auch immer Ben Aaronovitch sich dafür ausdenken könnte. Weiterlesen

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Julia Kröhn: Das Modehaus: Töchter der Freiheit

Julia Kröhn erzählt die Geschichten der Frauen des „Modehaus König“ vom Beginn des letzten Jahrhunderts bis in die 70er Jahre hinein. Dabei bedient sie sich einer interessanten Erzähltechnik. Die Geschichte wird eingerahmt von einem Brief der Urenkelin, die etwa in unserer Zeit lebt, dann werden abwechselnd die Erzählstränge von Mutter, Tochter und Enkelin bedient. Dadurch weiß man schon sehr früh, dass das Modehaus die diversen Kriege letztlich doch überlebt hat, es nimmt dem Buch aber nicht die Spannung, weil Julia Kröhn sehr geschickt mit der Frage nach dem „wie“ und „wer“ arbeitet.

Der Titel allerdings es eher irreführend. Es geht gar nicht so sehr um das Modehaus und wirklich nur am Rande um die Schwierigkeiten und Lösungen, als kleines Modehaus erst mit den neuen Moden und dann mit dem Versandhandel und den großen Kaufhäusern konkurrieren zu müssen. Es geht um drei Frauen in verschiedenen Epochen, die jede ihre eigene Herausforderung zu meistern hat. Fanny zu Beginn des Jahrhunderts muss sich durchsetzen, weil sie moderne Mode für moderne Frauen entwerfen möchte. Weiterlesen

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Jeff Kinney: Ruperts Tagebuch – Zu nett für diese Welt!: Jetzt rede ich!

Rupert ist bekannt als der „beste“ Freund von Greg, dem tagebuchschreibenden selbsternannten Superhirn aus den „Greg’s“ Tagebüchern. Rupert kommt dabei ja nicht immer gut weg und jetzt möchte er halt seine Sicht der Dinge schildern. Das kommt bei Greg gar nicht gut an, Tagebuchschreiben ist schließlich „sein“ Ding (es war in Wirklichkeit die Idee seiner Mutter, wenn ich mich recht entsinne. Da Rupert, wie schon im Titel angekündigt, viel zu gut für diese Welt ist, lässt er sich recht schnell überreden, dann doch über Greg zu schreiben. Sozusagen schon mal den Biografieentwurf für die spätere Berühmtheit.

Mit der Sichtweise von Rupert gelingt es Jeff Kinney, Greg’s Tagebüchern doch noch mal eine neue Seite abzugewinnen. Weiterlesen

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Maureen Johnson: Ellingham Academy – Was geschah mit Alice?

Ich muss zugeben, ich bin voreingenommen. Das Buch hatte mich in dem Augenblick, als ich begriffen habe, dass Stevie sich unabhängig von ihren Eltern in die Ellingham Academy einschreiben konnte. Allein schon die Passage im Auto auf dem Weg zur Academy ließ mich vor Neid erblassen: Ich will da auch hin. Die Ellinham Academy ist eine Stiftung zu Ehren der vor vielen Jahren verschwundenen Tochter des reichen Gründers: Alice. Sie wurde in den 1930ern entführt und ist nie wieder aufgetaucht. Kurz danach gründete ihr gramgeplagter Vater die Academy um Talente aus dem ganzen Land die Gelegenheit zur Ausbildung zu bieten: alles umsonst. In ihrer normalen Umgebung wird Stevie höchstens milde belächelt. Sie weiß alles über Kriminalromane, über Fallstudien, über das Lösen von Rätseln. Sie möchte später gerne zum FBI, aber ihre Eltern nehmen sie nicht ernst, verstehen sie nicht und interessieren sich eigentlich sowieso nur für sich. Deswegen bewirbt sie sich in Ellingham und gibt in ihrer Bewerbung an, den uralten Kriminalfall um Alice lösen zu wollen. Das wird härter, als sie glaubte. Weiterlesen

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