Rebecca Gablé: Teufelskrone

„Die Teufelskrone“ ist der sechste, aber eigentlich der erste Band der Waringham-Saga. Es geht um zwei Brüderpaare, Yvain und Guillaume (die Namensgebung lässt mich rätseln, auf welchem der beiden Äste eigentlich Robins Zweig ruht, immer noch) of Waringham auf der einen Seite und John und Richard Plantagenet auf der anderen. Im Jahr 1193 ist Richard noch der kraftvolle Kriegerkönig und John der kleine Bruder, der zu Hause die Stange hält. Die Waringham-Brüder folgen nicht dem gleichen König. Guillaume zieht mit Richard ins Morgenland und Yvain wird Ritter in Johns Haushalt. Aber sie schwören sich, dass die Konflikte der Plantagnets niemals zwischen Ihnen stehen werden. Ein Schwur, der nicht immer leicht zu halten ist.

Es war wie nach Hause kommen. Vieles kommt bekannt vor und genau das macht den Reiz dieser Romane aus. Die Burg befindet sich im Umbau, das Gestüt existiert noch nicht, aber viele Namen aus dem Dorf sind bekannt. Ganz vieles, was den späteren Generationen selbstverständlich erscheint, wird gerade erst angelegt, wie der Rosengarten. Bei vielen Dingen, die im Hause Waringham geplant und eingeführt werden, wissen wir, wie es endet und das macht einfach Spaß. Yvain hat die Gabe, weiß es aber noch nicht und mit seiner Frau kommt auch die Hellsichtigkeit in die Familie. Ich rechne immer noch nach, ob es ihre Tochter oder doch eher die Enkelin ist, zu der Robin später seine eigene Tochter schickt. Vieles bleibt auch offen, so gibt es am Ende dieses Romans immer noch kein eigenes Gestüt, was mich auf mindestens noch einen Roman für die Zwischenzeit hoffen lässt. Weiterlesen

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Colson Whitehead: Die Nickel Boys

Florida Anfang der 60ger Jahre ist ein schwieriger Ort für Schwarze. Trotzdem scheint Elwood Curtis es geschafft zu haben. Sein Platz im College ist ihm so gut wie sicher, er ist schon auf dem Weg dorthin. Leider ist er in das falsche Auto gestiegen und landet in der Nickel Academy , einer Besserungsanstalt für Jungen. Nicht nur für schwarze Jungen, dort gibt es auch weiße, aber fein abgetrennt und natürlich nicht gleich behandelt. Elwood ist nicht dumm und fest entschlossen, die Zeit, die er dort absitzen muss, möglichst unauffällig hinter sich zu bringen. Aber das erweist sich als sehr viel schwieriger als er glaubt.

Sehr viele Jahre später wird ein geheimer Friedhof auf dem Gelände der inzwischen stillgelegten Anstalt gefunden. Wer sind all diese unbekannten Toten, teilweise sehr jung und teilweise durch Gewalteinwirkung gestorben? Das Nickel hat viele seiner Insassen für immer geprägt, denn es war sehr viel weniger eine Besserungsanstalt als mehr ein Straflager. Elwood versucht sein Bestes, passt sich an, aber er ist einfach zu gut für diese Welt. Er glaubt wirklich daran, dass das Nickel nur eine vorübergehende Erscheinung ist, dass alle Menschen im Prinzip gut sind und dass sie nur sein Bestes wollen. Alle Erlebnisse können ihm diesen Glauben nicht nehmen und das ist seine einzige Stärke in einer Welt, die nicht an ihn glaubt. Weiterlesen

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Alex North: Der Kinderflüsterer, gelesen von Stefan Kaminski

Es ist 20 Jahre her, dass in Featherbank fünf Kinder verschwanden, der Täter ist gefasst und längst hinter Gittern, nur das letzte Opfer wurde nie gefunden. Ausgerechnet diesen Ort sucht Tom, oder vielmehr sein Sohn Jake, für einen Neuanfang aus. Toms Frau Rebecca ist plötzlich und unerwartet verstorben und der kleine Jake hat seine Mutter gefunden. Das neue Haus zieht den Jungen magisch an, dort möchte er wohnen. Kurz nach ihrem Einzug verschwindet wieder ein Kind und im Ort werden Gerüchte laut, der Kinderflüsterer hätte vor 20 Jahren einen Komplizen gehabt, der jetzt sein Werk fortsetze. Und Jake benimmt sich merkwürdig, hört ein Wispern – wie die Kinder vor 20 Jahren, sieht Kinder, die nur er sieht. Ist ausgerechnet er in Gefahr?

Der Anfang des Hörbuchs war ein echter Knaller. Die Atmosphäre ins Toms Haus ist derart gruselig und gut gesprochen, dass ich das Licht wieder angeschaltet und unter das Bett gesehen habe. Leider hält sich die Stimmung nicht über das ganze Hörbuch. Dazu wird die Geschichte zum komplex, was ihr viel von der Spannung nimmt und sie in Nebenschauplätze zerfranst. Da ist zum einen Jake und das kleine zerrissene Mädchen, mit dem er immer wieder spricht, Weiterlesen

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Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Ich mag Bücher von Karen Duve und ich mag historische Romane. Anhand von „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ habe ich allerdings gelernt, dass ich die Kombination aus beiden nicht mag. Annette von Droste-Hülshoff als Protagonistin hat nur genervt und zwar nicht nur ihre Umwelt, sondern auch mich. Der Spiegel der Zeit ist Karen Duve gut gelungen, aber als Roman vermag das Buch nicht zu packen. Die Intrige um Annettes Ehe geht fast unter in den vielen Hä?-Erlebnissen, die man während dieses Romans als Leser hat. Das Handeln der Männer bleibt – auch unter dem Aspekt der anderen Zeit – zum Teil völlig rätselhaft. Ich habe den Roman immer wieder angefangen und wieder weggelegt und fast ein Jahr bis zum Ende gebraucht. Außer „es hat mich überhaupt nicht gepackt“, kann ich auch nicht viel herumkritteln, ich kann an nichts festmachen, was mich eigentlich so gestört hat. Darum greife ich auf die Aussage zurück: Roman und Leserin haben irgendwie nicht zusammen gepasst.

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer.
Galiani-Berlin, September 2018.
592 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 02: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, gelesen von Laura Maire

Ophelia wird zu Faruk bestellt, dem Ur-Ahn des Erdteils Pol. Durch mehrere Missverständnisse wird sie zur Vize-Erzählerin des Hofes ernannt und glaubt sich endlich sicher. Denn nachdem am Ende des letzten Bandes beinahe der gesamte Clan der Drachen, Thorns Clan , ausgelöscht wurde, ist sie mehr denn je gefährdet. Die Sicherheit durch Faruk ist jedoch trügerisch, denn er hat seine ganz eigenen Ansprüche an die Leserin von Gegenständen. Dazu verschwinden nach und nach immer mehr hochgestellte Persönlichkeiten spurlos und Ophelia findet heraus, dass es etwas mit bestimmten Sanduhren zu tun hat. Aber wer steckt dahinter? Und schon ist sie wieder mittendrin in gefährlichen Illusionen und Verwicklungen. Ihrem Verlobten Thorn kommt sie näher und näher, auch wenn beide das überhaupt nicht zugeben wollen.

Ich fand den zweiten Band, wieder herrlich gelesen von Laura Maire, eine Spur spannender als den ersten, Weiterlesen

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Minette Walters: In der Mitte der Nacht

Der zweite Band der Pest-Saga hat mir deutlich besser gefallen, als der erste. Vielleicht liegt es daran, dass der Krimi-Anteil hier höher ist. Im September 1348 klingt die Pestwelle in England langsam ab. Lady Anne of Develish ist es nach dem Tod ihres Mannes erfolgreich gelungen, die Krankheit aus ihrer Burg fernzuhalten, durch rigorose Abschottung und Hygiene. Jetzt gehen langsam die Vorräte aus und sie muss sich Gedanken machen, wie sie an neue kommt. Ihr Verwalter, gleichzeitig Vertrauter und alter Freund Thaddeus macht sich auf die Reise. Da er als Leibeigener nicht weit kommen würde, erfindet Lady Anne für ihn einen Titel und eine Abstammung. Diese Strategie erweist sich als noch gefährlicher als gedacht, denn der eifersüchtige Ex-Verwalter ihres Mannes hat nichts eiligeres zu tun, als Thaddeus zu verraten.

Es tauchen einige Klischees in diesem Roman auf, wie der gute Leibeigene und der böse Adelige. Die völlig eingeschüchterten Pächter sind meiner Meinung nach auch eher Klischee als Realität, ebenso wie die ungehemmte Brutalität an manchen Stellen, das ist eher Walther Scott als moderner historischer Roman. Weiterlesen

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 01: Die Verlobten des Winters, gelesen von Laura Maire

Laura Maire entführt uns in eine Welt voller Tücken und Zauber. Ophelia ist eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie führt ein kleines Museum und besitzt zwei Eigenschaften: Sie kann durch Spiegel reisen und sie kann Gegenstände lesen, da heißt, die Gegenstände erzählen ihr, was ihnen in der Vergangenheit geschehen ist. An Heirat denkt Ophelia überhaupt nicht, aber sie wird an einen mächtigen Mann eines anderen Erdenteils verschachert. Thorn erweist sich als spröde, wenn auch nicht völlig lieblos, aber er hat einfach keine Zeit für seine Braut. Diese wird bei seiner Tante abgeladen und dort lernt sie eine Art von Illusionen kennen, wie sie sich aus ihrer Heimatwelt nicht einmal vorstellen konnte.

Der Auftakt der Serie ist superspannend und reißt einen beim Zuhören einfach mit Ophelia gibt nicht etwa auf und ergibt sich in ihr Schiksal, wie man es von der Protagonistin vom Anfang erwartet hätte, sondern sie bringt sich aktiv in diese neue Welt ein, die sie eigentlich niemals kennenlernen wollte. Weiterlesen

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Aimee Molloy: Die Mutter

Sie nennen sich die Mai-Mütter, fast zur gleichen Zeit entbinden sie und sie treffen sich regelmäßig in Brooklyn im Park auf einen gesunden Drink und zum Erfahrungsaustausch. Eines Tages beschließen sie, einen Abend, nur einen Abend, einmal wieder ausgehen, Stress vergessen, wieder ohne Baby lachen. Für eine von Ihnen endet das mit dem Verlust des Babys. Aber was steckt dahinter? Eine überforderte Mutter? Ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein ganz anderes Verbrechen?

„Die Mutter“ ist ein gut aufgebauter Psychothriller, dessen Ende so nicht voraussehbar war. Er ist durchweg spannend und gut zu lesen. Das ist nicht selbstverständlichen, denn Aimee Molloy hat noch einen anderen Aspekt eingebaut: Die Schwierigkeiten frischgebackener Mütter in Amerika, den irren Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf und Leidenschaft. Einige der Mai-Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, andere haben das nicht nötig, wieder andere wollen das nicht, haben aber mit dem Einkommen des Mannes zu kämpfen. Weiterlesen

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Dana von Suffrin: Otto

Otto hat ein bewegtes Leben hinter sich. Seine Erlebnisse, und vermutlich auch sein unerbittlicher Charakter, haben ihn zu einen Familienpatriarchen gemacht, der seinen Töchtern das Leben nie wirklich leicht gemacht hat. Jetzt in hohem Alter ist er ein Pflegefall geworden und das macht ihn beinahe zu einem Tyrannen. Er kann nicht mehr, also müssen seine Töchter – immer und jederzeit. Tochter Timna nimmt das nicht ganz so gelassen, wie sie gerne würde.

Der Roman ist voller Humor, voller Rückblicke auf ein bewegtes Leben, wie Otto einzelne Erlebnisse seinen Töchtern erzählt hat, aber auch, wie sie ihre Kindheit empfunden haben. Der Schreibstil der Autorin ist toll und obwohl das Dritte Reich ein Teil von Ottos Leben war, wird es zwar thematisiert, aber nicht herausgehoben. Ein sehr emotionales Buch, über einen Abschied, bei dem das Bleiben schon nicht einfach war und der trotzdem schwerfällt. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind, gelesen von Martina Treger

Nathaniel ist blind. Normalerweise kommt er gut zurecht, aber es gibt so das eine oder andere, bei dem er gerne jemanden Sehenden um Rat fragen würde. Die Farbe der Krawatte zum Beispiel. Dafür gibt es eine App: „be my eyes“. Die App ruft eine Reihe von registrierten Nutzern an, und der Erste der sich meldet, wird mit Nathaniel verbunden. Per Kamera kann er dann bei was auch immer helfen. Eines Tages endet eine solche Hilfestellung mit einem gellenden Schrei der Frau am anderen Ende und Verbindungsabbruch. Natürlich kann etwas völlig harmloses dahinter stecken, aber Nathaniel lässt die Sache keine Ruhe. Die Polizei glaubt ihm zwar, sieht aber keinen Handlungsbedarf und auch keine Möglichkeit. Denn für die Nutzer sind die anderen Nutzer anonym, da es Zufall ist, wer von den Angerufenen zuerst ans Telefon geht, hat selbst der App-Betreiber kaum Möglichkeiten, die Identität festzustellen – und für eine Privatmann schon mal gar nicht. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla macht Nathaniel sich trotzdem auf die Suche – und taucht dabei tief in seine Vergangenheit. Weiterlesen

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