Rob Hart: Paradox Hotel

Das Paradox Hotel ist nicht nur deshalb außergewöhnlich, weil man dort Zeitreisen in die Vergangenheit buchen kann, sondern auch, weil dort immer seltsamere Dinge vonstattengehen. Der amerikanische Sciencefiction-Thriller „Paradox Hotel“ von Rob Hart – übersetzt von Michael Pfingstl – vereint eine spannende Kernidee mit einer Portion Chaos und Grusel.

Im Paradox Hotel kann man Zeitreisen in verschiedene Epochen unternehmen. Dabei lautet die wichtigste Regel: Es darf unter keinen Umständen in der Vergangenheit herumgepfuscht werden – alles soll bleiben, wie es ursprünglich war. January Cole, die Sicherheitschefin, soll dies sicherstellen und auch innerhalb des Hotels für Sicherheit sorgen. Als January dann jedoch eine Leiche findet, überschlagen sich die Ereignisse und die Existenz des Hotels steht auf der Kippe.

Die Idee rund um das Paradox Hotel macht neugierig und enthält viel Potential. Rob Hart hat es geschafft, aus dieser Idee eine eigene Welt zu kreieren, die die Genres SciFi, Thriller und Krimi bedient. Während man das Buch liest, fühlt man sich als Teil dieser Welt. Es wird einem jedoch nicht leicht gemacht, in diese neue, spannende Dimension einzutauchen. Das hängt damit zusammen, dass man das Hotel zum Zeitpunkt einer Ausnahmesituation kennenlernt – absolutes Chaos vorprogrammiert. Weiterlesen

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Kristina Pfister: Ein unendlich kurzer Sommer

Ein Sommer auf einem rustikalen Campingplatz an einem ruhigen, märchenhaften See irgendwo im Nirgendwo. Wer diese Atmosphäre verspüren will, der sollte „Ein unendlich kurzer Sommer“ von Kristina Pfister lesen. Der Roman ist nicht nur die perfekte Sommerlektüre, sondern zeigt auch, dass manchmal schwere Entscheidungen ein Tor zum Glück sein können, wenn man es zulässt.

Nach einem Schicksalsschlag verspürt Lale das dringende Bedürfnis nach einem Tapetenwechsel. Sie will einfach nur raus, muss weg von ihrem Ehemann und ihrem gemeinsamen Zuhause. Ihr Weg führt sie zu einem alten Mann, der ihr anbietet, auf seinem Campingplatz an einem See irgendwo in Deutschland auszuhelfen und im Gegenzug dort unterzukommen. Doch Lale ist nicht die Einzige, die zu dem Campingplatz findet. Die Magie des Ortes führt vier Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensstandpunkten zusammen, die fortan einen unendlich kurzen Sommer miteinander verbringen. Weiterlesen

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Helene Hegemann: Bungalow

In ihrem Roman „Bungalow“ erzählt Helene Hegemann die Geschichte eines Mädchens, das in einer immer apokalyptischer werdenden Welt versucht, aus ihrer aussichtslosen Situation auszubrechen. Der Roman ist auf vielerlei Weise brillant und gehört zu den Büchern, die wirklich Charakter haben.

Charlie wächst mit einer psychisch kranken Mutter auf, die das letzte Einkaufsgeld für Alkohol ausgibt und ihr überhaupt keine unbeschwerte Kindheit ermöglicht. Die beiden wohnen in einer Betonmietskaserne, von dessen Balkon aus sie die perfekte Sicht auf die benachbarten Bungalows haben. Als Charlie die Bewohner der Bungalows beobachtet, fällt ihr auf, dass sie kein gutes Los im Leben gezogen hat. Als kurz nach ihrem zwölften Geburtstag dann ein neues und äußerst interessantes Ehepaar in einen der Bungalows zieht, fühlt sie sich auf seltsame Weise zu den beiden hingezogen und versucht fortan mit allen Mitteln, irgendwie zu ihnen dazuzugehören. Wie wird ihr das gelingen? Weiterlesen

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J. L. Carr: Leben und Werk der Hetty Beauchamp (1988)

Die Zukunftsperspektive einer jungen Frau war in Großbritannien in den späten 80er Jahren oft dieselbe: Ein Leben im Schatten des Ehemannes ohne eigene Selbstverwirklichung. Dieser tristen Realität zum Trotz schildert der britische Bestsellerautor J. L. Carr in dem erstmalig 1988 erschienenen Roman „Leben und Werk der Hetty Beauchamp“ eine feministische Perspektive einer jungen Frau, die fest davon überzeugt ist, dass ihr Leben mehr zu bieten hat als zu heiraten, eine Familie zu gründen und dem Ehemann alle Wünsche zu erfüllen.

Die 18-jährige Hetty hat bald ihren Schulabschluss in der Tasche und möchte ihrer Bildung auch nach der Schule einen hohen Stellenwert beimessen. Vonseiten ihrer Eltern – besonders der ihres cholerischen Vaters – erfährt sie allerdings mehr Gegenwind als Unterstützung, besonders, was ihre Liebe zur Literatur angeht. Als jedoch ein gewaltiges Geheimnis an die Luft kommt, beschließt Hetty, fortan ihren eigenen Weg zu gehen.

Dass J. L. Carr in der damaligen Zeit die Perspektive einer selbstbestimmten Protagonistin beleuchtet, verdient Lob. Carr zeigt in seinem Roman realitätsnah, welche Rolle Frauen in der Gesellschaft und Familie zu der Zeit einnahmen und dass der Status quo eben nicht im Sinne aller Frauen war. Der Roman ist allein schon deshalb lesenswert, weil es interessant ist zu erfahren, wie ein feministischer Roman in den 80er Jahren umgesetzt wurde. Weiterlesen

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Theresa Hannig: Pantopia

Wie schön es doch wäre, wenn komplexe Probleme wie die Klimakrise und soziale Ungerechtigkeiten der Vergangenheit angehören würden. Wenn alle Menschen wirklich gleichwertig behandelt würden. Theresa Hannig erzählt in dem Roman „Pantopia“ mit einer exzellenten Mischung aus Fachwissen, Kritik und Witz, wie die erste starke künstliche Intelligenz unsere Erde rettet. Der Roman ist die wahrscheinlich beste Utopie unserer Zeit, von der man sich wünscht, sie würde Realität.

Henry und Patricia sind junge, engagierte Informatiker, die im Rahmen eines Wettbewerbs eine autonome Trading-Software schreiben sollen. Doch dann kommt es zu einem Bug, aus dem die erste starke künstliche Intelligenz dieses Planeten entsteht – Einbug. Während Einbug gedeiht, lernt die KI, dass ihre Existenz unausweichlich von der Existenz der Erde und derer Bewohner abhängt. Und da die Erde zum Scheitern verurteilt ist, setzt Einbug es sich zum Ziel, sie zu retten – mit der Gründung der Weltrepublik Pantopia. Doch der Plan kommt verständlicherweise nicht überall gut an. Das wachsende Unbehagen in den Regierungen und bei der Polizei stellt das dreiköpfige Team vor einige Herausforderungen. Wie kann es Einbug dennoch gelingen, das veraltete, von intransparentem Kapitalismus gesteuerte Weltsystem zu reformieren? Weiterlesen

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Charles Pépin: Kleine Philosophie der Begegnung

Einige Begegnungen grenzen fast an Magie. Plötzlich glaubt man, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man fühlt sich, als hätte man erst durch diese Person zu sich selbst gefunden.

In dem Sachbuch „Kleine Philosophie der Begegnung“ zeigt Charles Pépin, dass jeder zwischenmenschliche Kontakt nicht nur eine Begegnung mit der Welt, sondern auch eine Begegnung mit sich selbst ist. Der Schriftsteller, der Philosophie unterrichtet, entfaltet seine Argumentation anhand großer Denker des 20. Jahrhunderts, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und deren fundamentalen Bedingungen beschäftigt haben – von Aristoteles über Sigmund Freud, Martin Buber und Simone Weil bis hin zu Jean-Paul Sartre. Doch dabei bleibt es nicht: Pépin beleuchtet Begegnungen auch von der anderen Seite und entführt einen in die Welt derer, die bezaubernde Begegnungen in Szene gesetzt haben, also unter anderem Maler, Filmregisseure und Romanschriftsteller. Nicht zuletzt erzählt er von bekannten Werken, die ohne eine Begegnung nicht entstanden wären – spannende Geschichten und Details vorprogrammiert.

Essentiell für ein Sachbuch – vor allem für eines, das sich mit Philosophie beschäftigt – ist eine klare Struktur, die es einem erleichtert, dem Inhalt zu folgen. Das ist Pépin hervorragend gelungen. Gefolgt von einem Inhaltsverzeichnis und einer kurzen Einleitung unterteilt sich das Werk in drei Teile. Zuerst klärt Pépin darüber auf, was man unter einer wahrhaftigen Begegnung versteht. Weiterlesen

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