Viveca Sten: Flucht in die Schären

Da mutet die schwedische Bestsellerautorin in ihrem neunten Band der Krimireihe ihren Protagonisten Nora Linde und Thomas Andreasson einiges zu. Den Leserinnen und Lesern übrigens auch. „Flucht in die Schären“ bricht eindeutig aus dem gewohnten Schären-Krimi-Genre aus. Die Geschichte trägt die Züge eines Thrillers. Viveca Sten konfrontiert ihr Ermittler-Duo mit drei Themen, die alle „unter die Haut“ gehen. Es geht um traumatische Kriegsfolgen, um häusliche Gewalt und skrupellose Wirtschaftskriminalität im schwedischen Drogenmilieu.

Den neuen Fall habe ich mit besonderer Spannung erwartet, weil ich meinen Sommerurlaub im Schärengarten vor Stockholm verbracht habe und „natürlich“ Viveca Stens Insel Sanddön mit ihrem Hauptort Sandham besucht habe. Es war schön viele Orte in der Realität zu entdecken, die die Autorin zur Kulisse ihrer Plots gemacht hat. In der Beschreibung der Schönheit dieses touristischen Kleinods übertreibt die Autorin nicht. Sanddön und überhaupt der Schärengarten ist für Schwedenfans ein Muss.

Auch aus diesem Grund habe ich mich auf meine virtuelle Rückkehr nach Sandham gefreut. Natürlich auch auf die Begegnung mit Nora Linde und Thomas Andreasson. Nora hat die Stelle gewechselt und arbeitet nun als Staatsanwältin bei der Behörde gegen Wirtschaftskriminalität. Weiterlesen

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Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Michael Chabon wird als Autor hoch gehandelt. Um etwa von den Kritikern „Der Welt als Wortmagier aller Genres bezeichnet zu werden, braucht es ein schriftstellerisches Können, das über handwerkliche Grundfähigkeiten weit hinaus geht. Nicht umsonst wurde Michael Chabon mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt.

Michael Chabon wurde am 24. Mai 1963 in Washington, D.C., geboren und wuchs in Columbia, Maryland, auf. Heute lebt er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Ayelet Waldman und den vier Kindern in Berkeley, Kalifornien. In seinem Roman „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ erzählt der Autor die Geschichte einer fiktiven jüdischen Siedlung in Alaska. Im Jahr 1940 wurden jüdische Flüchtlinge aus Europa für einen bestimmten Zeitraum auf dem damaligen Territorium Alaskas angesiedelt. Eine dauerhafte Lösung sollte dies jedoch nicht sein. Die jüdischen Migranten sollten nach dem Krieg wieder nach Europa zurückkehren.

Chabon macht die Kleinstadt Sitka zum Hauptort der jüdischen Enklave und Schauplatz seiner Geschichte. Hier lebt der Polizist Meyer Landsmann. Er arbeitet beim Morddezernat. Und er hat Probleme: Seine Ehe ist am Ende, er trinkt und steckt auch beruflich in einer Sackgasse.

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Geheimnisse

„Die“ Bretagne gibt es nicht! Diese Wahrnehmung beschreibt der Autor, indem er die geheisvollen Seiten dieser, in der Tat, vielfältigen Landschaft zur Kulisse seines 7. Bandes erhebt. Der Titel ist selbsterklärend und mit bedacht gewählt zumal sich um den Autor selbst immer noch Geheimnisse ranken. Das Pseudonym ist enttarnt. Ein erstes bretonisches Geheimnis gelüftet: Jean-Luc Bannalec ist Jörg Bong, Literaturwissenschaftler und Geschäftsführer des S. Fischer Verlags. Ihm gelingt es zum siebten Mal, seiner persönlichen bretonischen Vorliebe im Genre eines Krimi´s Referenz zu erweisen.

Der Leser spürt sofort, dass der Autor selbst ein Stück seiner persönlichen Identität aus dieser Region bezieht. Darum ist es kein Zufall, dass die Reihe um Kommissar Dupin sehr erfolgreich ist und in weiten Teilen verfilmt wurde. Im Jahre 2016 wurde Bannalec mit einem bedeutenden Preis für seine literarischen Verdienste um die Bretagne geehrt. Immer wieder fördert er Typisches, Besonderes und Legendenhaft-Geheimnisvolles in seinen Kriminalfällen zutage. In seinem siebten Band fordert Bannalec sein Ermittlerteam heraus, sich einer besonderen Legende an einem geheimnisvollen Ort zu stellen. Weiterlesen

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Jacques Berndorf: Der Bunker (1984)

Wieder eine Neuveröffentlichung! Nach Herausgabe des Berndorf-Klassikers „Eine Reise nach Genf“ im April 2017, folgt nun ein weiterer Schritt zurück an die Anfänge des Autors im Genre „Roman“. Der KBV Verlag erinnert so an die Wurzeln des einundachtzig jährigen Autors.

Der wiederum hatte sich damals einem geheimnisumwitterten Projekt verschrieben: Der Regierungsbunker in Marienthal an der Ahr. Schon als Journalist hatte er sich kritisch mit diesem Objekt auseinandergesetzt. In „Der Bunker“ erzählt er dessen Geschichte in Romanform, die erstmals 1989 im Pahl-Rugenstein-Verlag erschien. Jaques Berndorf selbst bezeichnet diesen Roman als „Geburtshelfer“ für seine Eifel-Krimi-Reihe. Im Klappentext steigert er diese Aussage noch: „Der Bunker ist mein Lebensscharnier. Ohne ihn wäre ich nicht in die Eifel gekommen.“ Eine Neuveröffentlichung also, die den Autor an seine Wurzeln und seine Leser in eine andere Ära der Geschichte der BRD führt.

Die Geschichte beginnt mit autobiografischen Kriegserinnerungen des Autors. Seine eigenen Bunkererlebnisse scheinen ihn für dieses Thema zu autorisieren. Er fragt nach dem Sinn des Bunkerbaus. Wessen Tod sollen Bunker verhindern? Weiterlesen

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Gallert & Reiter: Tiefer denn die Hölle

Da haben sich drei gesucht und gefunden: das Autorenduo Gallert/Reiter und ihr Protagonist, der Polizeiseelsorger Martin Bauer. Offensichtlich haben die Autoren ihre Nische im Krimigenre gefunden, denn Martin Bauers erster Fall „Glaube, Liebe, Tod“, der 2017 bei Ullstein erschienen ist, zog viele Leser in seinen Bann. Schon kurze Zeit später präsentieren sie den zweiten Fall des Pfarrers und seiner Mitstreiterin, der Kommissarin Verena Dohr.

Der erste Fall saß der Familie Bauer noch tief in den Knochen. Darum stand es mit der Ehe des evangelischen Polizeiseelsorgers immer noch nicht zum Besten. Mit seiner hochschwangeren Frau will er an seinem freien Wochenende einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Natürlich kommt es anders. Noch auf dem Hinweg wird der Pfarrer Bauer zu einem Einsatz gerufen. In dem Förderschacht einer stillgelegten Zeche wir eine mit Honig überzogene Leiche gefunden. Ein junger Polizist gerät in Panik. Der diensthabende katholische Kollege von Bauer wird zum Fundort gerufen. Dort erleidet Rüdiger Vaals jedoch einen Herzinfarkt. Für Bauer gibt es kein zurück. Er muss helfen, den Beamten und den Pfarrkollegen zurück ans Tageslicht zu befördern. Er fragt sich, was den Infarkt seines Kollegen ausgelöst hatte. War es der Anblick der Leiche? Oder gab es da…? Weiterlesen

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Gallert & Reiter: Glaube Liebe Tod

War es nicht ein katholischer Pfarrer, der das Wort „kriminalisieren“ in aller Munde gelegt hat? Kriminalisierende Pfarrer sind gar nicht so selten. Neu hinzugekommen ist jedoch der Polizeiseelsorger Martin Bauer in diesem Genre.

Das Autorenduo Gallert/Reiter macht den Leser mit einer kuriosen Persönlichkeit bekannt, der gleich zu Beginn der Handlung in eine ebenso kuriose Situation gerät. Ein vielversprechender „Sprung ins kalte Wasser“, mit dem der Protagonist den Leser in seinen Bann zieht. Schnell spürt man, dass die Autoren keine Anfänger sind. Als erfahrene Drehbuchautoren erzeugen sie gekonnt einen Spannungsbogen, der es den Lesern schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Polizeiseelsorger Martin Bauer schafft es, als Pfarrer authentisch zu bleiben und sein kriminalistisches Gespür zur Entfaltung zu bringen. Natürlich stößt er dabei nicht nur auf Gegenliebe. Die Kommissarin Verena Dohr tut sich schwer damit, Bauer in ihre Arbeit einzubeziehen. Weiterlesen

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Stefan Barz: Nimmerwiedersehen

Welchen Preis der ambitionierte Autor für seinen zweiten Krimi „Nimmerwiedersehen“ erhalten wird ist natürlich noch offen. Den Jaques-Berndorf-Preis 2014 für sein Krimi-Debüt „Schandpfahl“ kann ihm keiner mehr nehmen. Nun legt der zweiundvierzigjährige promovierte Religionslehrer, der mit seiner Familie in Wuppertal wohnt, den zweiten Fall für seinen Protagonisten Kommissar Jan Grimdorf vor. Klassentreffen haben ihre eigene Dramaturgie. Die illustre Gesellschaft, die sich auf einem Reiterhof versammelt, verbindet die gemeinsam bestandene Reifeprüfung vor zwanzig Jahren. Natürlich werden Erinnerungen ausgetauscht. Dabei taucht die alte Frage auf, die sie damals in Aufruhr versetzte: War es ein Unfall oder etwa doch Mord? Einer von ihnen glaubt an Mord. Cornelius Beck will den Mörder seines besten Schulfreundes Chris nicht ungestraft davon kommen lassen. Doch dieses Unterfangen kostet ihn selbst das Leben. Weiterlesen

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Sven Koch: Dünenfluch

Mit dem Titel „Dünenfluch“ legt der Autor Sven Koch den fünften Band seiner Dünen-Krimi-Reihe vor. Wieder fordert er seine Protagonisten, das bewährte ostfriesische Ermittlerteam Femke Folkmer und Tjark Wolf stark heraus. Dabei spürt man dem Multitalent Sven Koch an, er hat sich als Musiker, Fotograf und Autor einen Namen gemacht, dass er eine persönliche Beziehung zur Nordsee und zur ostfriesischen Küste hat. Die Tiefe des Meeres, die Weite des Horizonts und die Melancholie der Landschaft hinter dem Deich beflügeln seine Fantasie, die ein fester Bestandteil der Krimiszene Ostfrieslands geworden ist. Weiterlesen

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Viveca Sten: Mörderisches Ufer

Das konnten die Vorfahren der schwedischen Autorin nicht ahnen, wie wichtig das 1917 erworbene Haus auf Sandhamn für die achtundfünfzigjährige Juristin wird. Die in Stockholm geborene Viveca Sten verbringt hier seit ihrer Kindheit jeden Sommer. Darum ist es kein Zufall, dass auch ihr neuer Kriminalroman „Mörderisches Ufer“ auf der Schäre vor Stockholm spielt. Es ist der achte Fall, den Kommissar Thomas Andreasson und seine Jugendfreundin Nora Linde aufklären müssen. Für einen Schwedenfan und Krimi-Reihen-Leser wie ich es bin, ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Zu neuen mörderischen Ufern.

In Schweden sind die Sommer kurz, darum verbringen die Menschen diese Jahreszeit so oft, wie es geht, unter freiem Himmel. Die Kulisse für „Mörderische Ufer“ ist darum typisch. Es handelt sich um Seglercamp für Jugendliche auf der kleinen Nachbarinsel von Sandhamn, die Lökholmen heißt. Hier verschwindet plötzlich ein Kind. Mit der unbeschwerten Sommeridylle ist es plötzlich vorbei. Weiterlesen

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Reiner Strunk: Der Dolch des Patriarchen

Es ist bereits der zweite Kirchenkrimi, den Reiner Strunk veröffentlicht. Der 1941 geborene promovierte Theologe schafft es, eine gesellschaftspolitisch relevante Situation in Form einer fiktionalen Kriminalgeschichte zu präsentieren.

Unvermittelt stürzt dem Protagonisten der Geschichte, dem Gemeindepfarrer Beermann, ein Kommilitone aus alten Tagen vor die Füße. Der Dolch, der in dessen Rücken steckt, macht dem Pfarrer schlagartig klar, dass er zum zweiten Mal als Ermittler gefordert ist. Erst einige Tage zuvor hatte das Opfer, Thomas Wackernagel, am Rande eines Promotionstreffens dem Pfarrer einen Besuch angekündigt. Eine Kontaktaufnahme, die tödlich endet. Schnell gerät der Pfarrer in den Bann einer Geschichte, deren Tragweite er zunächst nicht erkennt. Weiterlesen

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