Anna Herzig: Die dritte Hälfte eines Lebens

#Mit groben Pinselstrichen entwirft Anna Herzig ihre Geschichte von Krimmwing, einem Dorf irgendwo am Land, und seinen Bewohnern. Man lernt allerdings nur einzelne Figuren kennen. „Das Dorf“ bleibt als kaltherziger, ewig gestriger, erratischer Block ohne Gesichter. Vor diese Leinwand tritt z.B. Rosa Steinlachner. Sie wird sechzehnjährig vom dunkelhäutigen Jackson schwanger. Ihre Eltern stellen sich vehement gegen den Kindsvater und der räumt auch flugs das Feld, was Rosa das Herz bricht. Frustriert schleppt sie sich durch den Rest ihres Lebens. Das unerwünschte Kind Seppi wird ob seiner dunklen Hautfarbe im Dorf ausgegrenzt und natürlich von der Mutter nicht geliebt. Die katholische Schule ist ein Albtraum, eh klar, seinen einzigen Freund Frido darf Seppi nicht mehr sehen, es sei denn seine Mutter entschuldigt sich öffentlich bei der Dorfgemeinschaft. Ob sie das tut, erfährt man nicht dezidiert. Schließlich verlässt Seppi Krimmwing, um seinen Vater zu suchen. Weitere Dorfbewohner sind z.B. Lorenz Karl Ignatius Rathbauer. Er fühlt sich zum einen im falschen Körper und zum anderen im Dorf gefangen. Weiterlesen

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Madeleine Becker: Erstmal für immer

Madeleine Becker studiert in Jena und ist zusätzlich Bloggerin. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie mit mehreren Jobs. Das ist sehr stressig. Um mal zu Atem zu kommen, beschließt sie im Spätsommer 2018, einen Roadtrip durch Österreich zu starten. In Kärnten bleibt sie auf einem Campingplatz mit Bauernhof „kleben“. Es gefällt ihr so gut in dem Ort Mörtschach, dass sie ihre gesamte Österreich-Zeit dort verbringt und wiederkommt. Schließlich ergattert sie sogar einen Praktikumsplatz auf dem Lindlerhof und letzten Endes eine feste Anstellung. Frau Becker muss am Campingplatz, in der dazugehörigen Gastro, im Garten, auf Wiese, Alm und Feld und im Kuhstall mit anpacken. Die Arbeit verlangt ihr alles ab, aber sie möchte nirgendwo anders mehr sein. Seit sie denken kann, ist das Leben mit Tieren ihr großer Traum. Hier wird er wahr. Darum schließt sie flott ihr Studium ab und wechselt vom Hörsaal in den Kuhstall.

Begeistert und mit viel Herzenswärme erzählt die Autorin von den tierischen „Mitarbeitern“ auf dem Hof, von Freud und Leid, Geburten und Tod, von vielen schönen und auch von schweren Momenten. Und Madeleine findet die Liebe… Weiterlesen

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Susanne Fröhlich: Heimvorteil

Jutta und Klaus sind ein typisches mittelständisches Ehepaar. Sie kennen einander seit der Realschule, haben ein Haus gebaut und drei Kinder bekommen. Klaus hat sich als Elektriker selbstständig gemacht, betreibt eine kleine Firma, Jutta arbeitet bei „Lidl“ an der Kasse und bringt es sogar zur stellvertretenden Filialleiterin. Urlaub wird, wenn überhaupt, nur in Dänemark gemacht, weil es Klaus dort so gut gefällt. Grundsätzlich wird aber jeder Euro umgedreht. Man muss das Haus abbezahlen. Probleme gibt es nicht, weil man einfach nicht über sie spricht und worüber man nicht spricht, das existiert auch nicht.

Jutta ist mit der Situation nicht unzufrieden. So ist es eben in ihrem Leben. Es gibt Üblere als Klaus, ihre Ehe verläuft „befriedigend“ und „sehr gut“ hält Jutta für eine Illusion made in Hollywood. Sie fügt sich in die Gegebenheiten, nimmt sich selbst zurück, damit das Familiengefüge funktioniert. Die Dinge gehen ihren Gang, bis Klaus mit 58 aus heiterem Himmel ein Herzinfarkt aus dem Leben katapultiert. Jutta trottet noch zehn Jahre benommen den von Klaus rhythmisierten Alltag weiter, wie ein Rädchen, im Gesetz der Trägheit gefangen. Dann aber erkennt sie nach und nach, sie hat keine Freunde, kein Hobby. Weiterlesen

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Klaus Ranzenberger: Mostkost. Ein Fall für den Onkel Franz

Dies ist ein bedächtiges Buch. Bedächtig im Erzählfluss, bedächtig in der Wortwahl, bedächtig ist auch das Voranschreiten der Handlung. Die Hauptfigur, der Onkel Franz, ist ein gemütlicher und stressbefreiter Charakter. Er lebt mit seiner Frau, der „Tante“, im Innviertel. Dieser Landstrich liegt im Westen Österreichs und grenzt an Bayern. Dort wird gerne „Most“ getrunken, der andernorts als Apfelwein oder Obstwein bekannt ist. Der Onkel Franz ist Rentner, wohnt in einer Kleinstadt, geht immer dienstags zum Stammtisch und liebt Hausmannskost. Gemeinsam mit seinem Freund Albert wird er in polizeiliche Ermittlungen verwickelt.

Erst verschwindet die Gattin des Mostschänken-Betreibers Birnbacher spurlos, dann ihr Ex-Mann und Nachbar, der Bauer Haslinger. Beide bleiben unauffindbar. Sowohl Birnbacher als auch Haslinger sollen in Grundstückspekulationen der russischen Mafia verstrickt sein. Albert und der Onkel Franz machen sich Gedanken, was da wohl im Gange sein könnte. Als ein menschliches Ohr auftaucht, ist ihre Neugier vollends geweckt und Chefinspektor Steiner von der Abteilung Leib und Leben der Kriminalpolizei Linz hat mit den beiden Hobbydetektiven seine liebe Not. Ständig sind sie seinen Ermittlungen im Weg, aber eigentlich immer einen Schritt voraus. Weiterlesen

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Martina Parker: Zuagroast. Gartenkrimi

Ein fieser, brutaler Ehemann, der „Club der grünen Daumen“, eine Stammtischrunde garten- und kräuterinteressierter Damen, eine umtriebige Journalistin und ein fescher Gärtnermeister sind die Hauptakteure in diesem „Gartenkrimi“. Gewürzt wird die Sache mit einem ordentlichen Quantum Alkohol, einer Prise Sex und jeder Menge Garten-Fachwissen.

„Zuagroaste“ sind in Österreich ganz pauschal Personen, die sich an einem Ort ansiedeln, dorthin also „zureisen“, im Gegensatz zu den dort ansässigen Einheimischen. Sie werden manchmal belächelt oder übers Ohr gehauen, weil sie mit den örtlichen, oft dörflichen, Gegebenheiten nicht vertraut sind. Der Durchschnittsösterreicher steht Zuagroasten anfangs immer skeptisch und arrogant abwartend gegenüber, bis er sich nach geraumer Zeit mit ihnen fraternisiert oder auch nicht.

Die Journalistin Vera Horvath bezieht mit ihrer Tochter das Haus ihrer verstorbenen Urgroßmutter in einem Dorf im Südburgenland an der Grenze zu Ungarn. Sie freundet sich mit Eva Achleitner an, Gattin des Architekten Paul Achleitner, ebenfalls kürzlich zugezogen. Paul ist ein wahres Ekel und schon bald wendet Eva das im „Club der grünen Daumen“ gewonnene Kräuterwissen an, um sich an ihrem Ehemann zu rächen. Weiterlesen

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Ute Mank: Wildtriebe

Lisbeth, Marlies, Joanna. Drei Frauen, drei Generationen, drei Schicksale. Schwiegermutter, Schwiegertochter/Mutter und Tochter; drei Leben verknüpft mit dem Bethches-Hof in Hessen.

Weil Lisbeths Brüder im II. Weltkrieg gefallen sind, erbt sie das Anwesen. Ihre Mutter kann den Tod der Söhne nicht überwinden und versinkt in Depressionen. Darum muss Lisbeth in ganz jungen Jahren das Kommando über die Mägde übernehmen und den großen Haushalt führen. Sie lebt gewissenhaft die althergebrachten bäuerlichen Traditionen, ist fest eingewoben in die Dorfgemeinschaft und trägt auch im Alltag aus Überzeugung die hessische Tracht. Als ihr einziger Sohn Konrad seinen Eltern Marlies vorstellt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Marlies, im Minirock, mit lackierten Fingernägeln und riesigen Ohrringen, entspricht ganz und gar nicht Lisbeths Vorstellungen von der idealen Schwiegertochter. Wie soll aus der Verkäuferin und Modepuppe eine Bäuerin werden? Nach Konrad und Marlies´ Hochzeit gibt Lisbeth das Szepter dann auch nicht aus der Hand. Nichts kann Marlies der Schwiegermutter recht machen. Vom Putzen der Fenster bis zum Dekorieren des Christbaumes – nichts macht sie richtig. Mit ihrem Mann Konrad, dem Schwiegervater Karl, Lisbeth und dem alten Knecht Albert lebt sie in einem Haushalt. Eine eigene Küche gibt es für sie nicht. Wo käme man denn da hin? Ihre Aussteuer bleibt in Kisten und Schachteln verpackt. Sie macht den Jagdschein. Weiterlesen

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Petra Hartlieb: Sommer in Wien

Petra Hartlieb entführt ihre Leser nach Wien in die letzten Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Marie Haidinger kommt aus bescheidenen Verhältnissen am Land und arbeitet bei der Familie des Schriftstellers Artur Schnitzler als Kindermädchen. Diese Tätigkeit macht ihr viel Freude und sie ist sehr dankbar, eine so gute Stelle gefunden zu haben. Ihre anfangs noch unverbindliche Beziehung mit Oskar Nowak, Teilhaber des Buchladens Stock in der Währinger Straße, intensiviert sich. Beide möge einander sehr und verloben sich. Als Oskars Chef und Haupteigentümer des Buchgeschäftes unerwartet stirbt, erbt Oskar dessen Wohnung und den Laden. Jetzt steht einer Hochzeit mit Marie nichts mehr im Wege. Er kann ihr ein Zuhause und ein gesichertes Einkommen bieten. Marie kündigt daraufhin schweren Herzens bei der Familie Schnitzler. Sie fürchtet, neben dem belesenen Oskar keine gute Figur zu machen. Der aber mag Marie, wie sie ist, schätzt ihre Herzenswärme und ihre Fähigkeit zur Empathie. So hilft Marie Fanni Gold, einer Bekannten von Oskar, einen Weg aus ihren Depressionen zu finden. Fanni hat den Untergang der Titanic überlebt, ihre Geliebte aber ist ertrunken. Dadurch hat sie ein schweres Trauma erlitten. Durch Marie fasst sie wieder Lebensmut und bleibt ihr und Oskar in herzlicher Freundschaft verbunden. Weiterlesen

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Wolf Harlander: 42 Grad

Deutschland erleidet eine nie dagewesene Dürre. Monatelang regnet es nicht und das bei großer Hitze. Europa trocknet aus. Hausbrunnen versiegen, in den Großstädten wird die Versorgung mit Trinkwasser reglementiert, der Rhein ist ein Rinnsal, wie alle anderen großen europäischen Flüsse auch. Wälder brennen, die Autobahnen sind nahezu unpassierbar, weil in der Hitze den Asphalt schmilzt. Unzählige Menschen versuchen in den Süden des Landes zu fahren, In Bayern fließt das Wasser noch regelmäßig aus den Hähnen. Schuld an der großen Wassernot ist das schon erwähnte „Jahrtausend-Hoch“ und ein Erdbeben mit Epizentrum in Italien, das tektonische Verschiebungen im Erdinneren verursacht, Wasserläufe verlegt und zum Versiegen gebracht hat.

Zwei Wissenschaftlern ist die Brisanz der Lage als Einzige bewusst: Elsa Forsberg, die als IT-Spezialistin und Daten-Analystin bei der europäischen Umweltagentur arbeitet, und Julius Denner, einem jungen Hydrologen. Beiden glaubt man an höchster Stelle in Brüssel aber nicht. Elsa hat als ehemalige Umweltaktivistin keine weiße Weste und sie gerät sogar in den Focus polizeilicher Ermittlungen. Zeitgleich eilt der Experte für Wasserwirtschaft Noah Luethy in ganz Europa von Wasserwerk zu Wasserwerk, weil die Versorgung zusammenzubrechen droht. Weiterlesen

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Andreas Föhr: Unterm Schinder

Beim Versuch, seine attraktive Kollegin Lisa mit einer inszenierten Schießerei zu beeindrucken, entdeckt Polizeiobermeister Kreuthner von der Polizeidienststelle Miesbach in einem leerstehenden Bauernhof eine Frauenleiche. Diese wurde in einer Tiefkühltruhe versteckt. Es handelt sich um Carmen Skriba, Eigentümerin mehrerer Fitnessstudios. Sie wurde durch einen Kopfschuss getötet.

Kommissar Clemens Wallner macht sich mit seinem Team an die Ermittlungen und findet heraus, dass Frau Skribas Ehemann Gerry vor zwei Jahren ebenfalls erschossen wurde. Die geständige Täterin, eine Hausangestellte mit kriminellem Vorleben, sitzt hinter Gittern. Wallner eilt in die Justizvollzugsanstalt und erfährt in einigen Gesprächen mit besagter Hausangestellten interessante Details. Polizeiobermeister Kreuthner befragt inzwischen eingehend seinen Vater, der in zwielichtigen Kreisen alte Bekannte und auch noch eine Rechnung offen hat. Durch kuriose Verwicklungen findet sich Wallner als Drogendealer wieder, spielt plötzlich die Entführung einer Minderjährigen 1998 eine wichtige Rolle, führen alle Hinweise zu einer halbseidenen Autohändlerszene in Düsseldorf und muss ein abgeschlossener Fall gegen den zähen Widerstand des Staatsanwaltes neu aufgerollt werden. Weiterlesen

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Carina Wohlleben: Die Welt ist noch zu retten

Carina Wohlleben wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Sauerland. Eine Dokumentation verändert ihr Leben nachhaltig. Es wird ihr klar, wie sehr Massentierhaltung und industrialisierte Landwirtschaft unser Klima beeinflussen. Sie bespricht in ihrem Buch die Rodung des Regenwaldes zugunsten von Sojamonokulturen. Dieses so gewonnene Soja wird in Europa zur Tiermast verwendet. Das Problem Aquakulturen findet Erwähnung, aus denen der Großteil der Fische auf unseren Tellern stammt, oder das unermessliche Leid, das unseren „Haustieren“ Rind, Schwein und Huhn angetan wird.

Für Frau Wohlleben gibt es nur eine Lösung: den Verzicht auf Fleisch und alle tierischen Produkte. Ihre gesamte Familie hat die Ernährung umgestellt und gute Erfahrungen damit gemacht. Würden alle Menschen sich Großteils pflanzlich ernähren, gäbe es, laut Frau Wohlleben, kein Tierleid, keine zerstörten Regenwälder, keine den Boden vergiftende Gülleflut und 70% weniger in der Landwirtschaft produziertes CO2. Auch unser Umgang mit dem Ökosystem Wald liegt ihr sehr am Herzen. Sie skizziert das Problem Fichtenmonokulturen mit all seinen Auswirkungen. Weiterlesen

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