Chloe Benjamin: Die Unsterblichen

New York, 1969: Die vier Geschwister Varya (13), Daniel (11), Klara (9) und Simo (7) haben einen Sommer voller Abenteuer vor sich. Es geht das Gerücht, dass eine seltsame Frau in einer Wohnung das Schicksal, sogar den Todestag eines jeden, der vor sie tritt, voraussagen kann. Die vier Kinder ahnen nicht, welchen Stein sie mit ihrem Besuch bei der Frau ins Rollen setzen. Vor allem Simon ist danach wie ausgewechselt und wütend. Was hat die Frau ihm prophezeit? Warum läuft er, als Klara einige Jahre später ausziehen will, um in den Westen zu gehen, gegen alle Regeln auf und folgt ihr, obwohl er noch minderjährig ist?

Chloe Benjamin folgt in ihrer Geschichte den vier jungen Menschen, die sie gleich am Anfang vorstellt. Zuerst ist Simon dran, der sich gegen alles und jeden auflehnt, nur um er selbst zu sein. Dann Klara, die ihren Traum wahr machen möchte und Zauberin werden will.  Schließlich Daniel, der auf sein Leben zurückblickt und viele Fragen hat. Und dann Varya, voller Schuldgefühle und Geheimnisse. Alle vier Personen lernt man im Verlauf des Romans näher kennen. Drei von ihnen sind dabei glanzvoll umsetzt, spannend mit aufreibenden Themen und Fragen, nur Varya bleibt irgendwie auf der Strecke. Sie bildet das Ende des Romans und ich hatte genau da etwas mehr erwartet, als dann gekommen ist. Weiterlesen

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Kirsten Ciccarelli: Iskari 02: Die gefangene Königin

Der erste Band rund um die Iskari, „Der Sturm naht“, war eins meiner Highlights aus dem Jahr 2017. Umso größer war die Erwartungshaltung an den neuen Band. Wie schon angekündigt, hat die neue Geschichte allerdings neue Hauptfiguren und das machte mir persönlich den Einstieg sehr schwer. Vielleicht war aber auch einfach zu viel Zeit seit dem Lesen des letzten Bandes vergangen. „Die gefangene Königin“ folgt der Geschichte von Roa und ihrer Schwester Essie und dem König Dax, der der Bruder der Hauptfigur Asha aus dem ersten Band ist. Auch Roa ist im ersten Band als Randfigur schon aufgetaucht.

Roa hat mittlerweile Dax geheiratet, obwohl sie doch eigentlich Theo liebt. Der nimmt ihr dies schrecklich übel und zieht sich deshalb vor ihr zurück. Die Heirat mit Dax, von der sich Roa wichtige Allianzen verspricht, hält er für einen schlimmen Verrat. Roa ihrerseits hängt an ihrer Schwester Essie, die vor acht Jahren zu Tode kam, obwohl eigentlich Dax hätte sterben sollen. Seitdem begleitet Essie ihre Schwester in Form eines Falkens, der ständig auf Roas Schulter sitzt. Weiterlesen

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Malin Persson Giolito: Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen

Stockholm: Die 18-jährige Maja steht vor Gericht. Sie soll bei einem Massaker in ihrer Schule geschossen haben und ihren Freund Sebastian sogar zu der Tat angestiftet haben. Seit Monaten schon sitzt Maja in Untersuchungshaft, nun beginnt der Prozess. Zeit sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Denn einst waren Maja und Sebastian ein glückliches Paar und Amanda, die unter den Toten ist, war Majas beste Freundin. Die Partys in Sebastians Haus waren legendär, doch schon damals war das Verhältnis zwischen Vater und Sohn schwierig. Auch Sebastians Vater ist tot. Viele Leichen pflastern den Weg des Pärchens und die Frage nach dem Warum wird immer drängender.

Malin Persson Giolitos Roman läuft zurzeit auch in einer sechsteiligen Serie auf Netflix. Der Roman selbst wurde als „Bester Kriminalroman Schwedens“ und „Bester Nordischer Kriminalroman“ ausgezeichnet. Entsprechend hoch sind dann natürlich die Erwartungen. Weiterlesen

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Stef Penney: Im Licht des Polarsterns

Großbritannien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Schon seit sie 12 Jahre alt war, hat Florence einen Traum: Sie will Polarforscherin werden und die Antarktis erforschen. Doch schon in diesem zarten Alter merkt sie, dass dafür viel Kraft nötig sein wird. Die Forschung ist eine Männer-Domäne und sie muss nicht nur wortwörtlich ihren Mann stehen. Doch Florence setzt alles daran, ihren Traum zu verwirklichen, sie ist sogar bereit, dafür zu heiraten, um die finanziellen Mittel zu sichern. Dann lernt sie Jakob kennen, einen Mann aus dem Forschungsteam der Amerikaner und entdeckt ihre Gefühle für ihn.

Stef Penney ist ein interessanter und abwechslungsreicher Roman gelungen. Sie beschreibt die Geschichte aus den Perspektiven von Florence und Jakob und tatsächlich ist für jeden Geschmack etwas dabei: Da gibt es eine Liebesgeschichte, Gefühle und Irrungen und Wirrungen. Dann gibt es den interessanten historischen Kontext, die Geschichte der Polarforschung. Weiterlesen

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Amy Giles: Jetzt ist alles, was wir haben

Hadley ist 17 Jahre alt und unsichtbar. Natürlich nur wortwörtlich. Sie ist die perfekte Schülerin, eine großartige Sportlerin, hat gute Noten und Aussichten auf einen großartigen Studienplatz. Und das alles nur, damit niemand merkt, dass ihre Familie ein Geheimnis hütet. Doch Hadley hat auch eine 10-jährige Schwester, Lila, um die sie sich Sorgen machen muss, wenn sie in Kürze endlich ausziehen kann. Und dann passiert ein schlimmes Unglück. Ein Flugzeugabsturz, der viele Fragen aufwirft. Fragen, denen sich Hadley auf kurz oder lang stellen muss.

Amy Giles entwirft eine Geschichte über eine Familie, die zerrüttet ist und dennoch nach außen ein perfektes Bild abgibt. Die Mutter in der Schule engagiert, der Vater wohlhabend und ein gern gesehener Spender bei jedem Anlass. Lila ganz unauffällig, aber rebellisch und jung, Hadley die Musterschülerin schlechthin, über die sich niemand beschweren kann. Was also könnte die Familie verbergen? Alles beginnt mit besagtem Flugzeugabsturz, dessen einzige Überlebende ausgerechnet Hadley ist. Weiterlesen

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Ivan Calbérac: Der Sommer mit Pauline

Émile ist 15 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig verliebt. Die Angebetete ist Pauline aus der Klasse unter ihm und sie haben sogar schon mal zusammen in einem Raum gesessen. Doch wie man sie anspricht? Kein Plan! Dann entwickelt sich das Schicksal zu Émiles Gunsten und es kommt zu einem ersten Kontakt. Die beiden Jugendlichen finden sich sympathisch, treffen sich öfter und kommen immer wieder ins Gespräch. Als Pauline Émile schließlich zu einem Konzert in Venedig einlädt, bei dem sie selbst auch spielt, ist er ganz aus dem Häuschen. Leider ist das Venedig schrecklich weit weg von Frankreich und seine peinliche Familie setzt sich zudem noch in den Kopf ihn mit dem Wohnwagen selbst dorthin zu bringen. Schlimmer geht’s kaum!

Ivan Calbérac erzählt eine amüsant-chaotische Geschichte über die erste Liebe. Sein Protagonist Émile ist ein sensibler junger Mann mitten in der Pubertät. Er macht sich viele Gedanken über Mädchen im Allgemeinen und Pauline im Besonderen. „Pauline habe ich im Freizeitraum getroffen. Also unsere Blicke haben sich getroffen, aber manchmal reicht das ja, um ein Leben zu verändern.“ (Kapitel Montag, 12. März) Weiterlesen

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Jenny-Mai Nuyen: Die Töchter von Ilian

Einst wurden vier magische Artefakte geschaffen und an die Völker des Landes verteilt: Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren. Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen. Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen. Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen. Die Menschen, Zwerge und Elfen verschenkten die Gegenstände untereinander und so nahmen sie in ihrer Macht stetig zu. Doch nun scheinen die magischen Artefakte verschollen. Der Spiegel zerbrach und wurde zum kupfernen Kleid, der Becher wurde lange nicht mehr gesehen. Nur noch Geschichten ragen sich um die vier magischen Gegenstände. Doch sie könnten das Gleichgewicht der Welt wiederherstellen. Walgretas Schicksal, die eigentlich eine Weise Frau werden wollte und deren Lebenstraum nun zerstört scheint, ist untrennbar mit den Artefakten verbunden.

Zugegeben muss man sich in Jenny-Mai Nuyens neuem Roman erstmal zurechtfinden. Sie wählt einen besonderen, etwas umständlichen Schreibstil, der letztlich aber sehr gut zu der Geschichte passt. Es ist genau der richtige Ton für so eine umfassende Handlung mit viel Magie, Liebe und Schicksal. Hinzu kommen die zahlreichen Figuren, die den Einstieg nicht leicht machen. Weiterlesen

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Mattias Edvardsson: Die Lüge

Lund, Schweden: Adam, Ulrika und ihre 19-jährige Tochter Stella führen ein gutes Leben. Es mangelt nicht an Geld, Adam ist als Pfarrer des Ortes angesehen, Ulrika als Anwältin erfolgreich. Dann stellt ein Ereignis das Leben der Familie gründlich auf den Kopf. Ein Mann kommt zu Tode, er wurde erstochen und ist verblutet. Als Tatverdächtige wird ausgerechnet Stella festgenommen. Adam und Ulrika wollen nicht glauben, dass ihre Tochter zu einer solchen Tat fähig ist und lassen jeweils, ohne den anderen einzuweihen, erdrückende Beweise verschwinden.

Mattias Edvardsson ist ein grandioser Roman gelungen. Er nimmt in der Geschichte eine Dreiteilung vor. Zuerst erzählt Adam, was vor dem Prozess passiert. Ein schwieriges Verhältnis zu seiner Tochter wird mehr als deutlich. Aber sie ist auch sein kleines Mädchen und er würde alles tun, um sie zu schützen. Weiterlesen

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Wiebke Lorenz: Einer wird sterben, gelesen von Christiane Marx

Stella Johannsen lebt zurückgezogen in dem Häuschen, das sie mit ihrem Mann Paul bewohnt. Seit einem schweren Unfall, in den die beiden verwickelt waren und bei dem auch Pauls Exfrau starb, ist ihr Gesicht entstellt und sie zeigt sich nur selten in der Öffentlichkeit. Als tagelang ein Auto scheinbar grundlos in ihrer Straße parkt, ist Stella in Alarmbereitschaft. Kann es sein, dass der Mann und die Frau nur wegen des Unfalls da sind, dass sie vielleicht sogar wissen, was damals wirklich passiert ist? Stella ruft in hellem Aufruhr ihren Ehemann Paul an, der als Pilot überall auf der Welt unterwegs ist.

Wiebke Lorenz verlagert die Handlung ihres neusten Romans in die so genannte Blumenstraße. Ein idyllisches Sträßchen mit wenigen Mietern, die sich kennen und allesamt irgendwie Geheimnisse vor einander haben. Der Bau einer großen Wohnanlage bringt das Leben der Ansässigen kräftig durcheinander und auch für das seit Tagen dort parkende Auto interessiert sich nicht nur Stella. Auch die anderen Bewohner fragen sich, was es mit den mysteriösen Leuten auf sich hat. Um so schlimmer, denkt Stella. Denn niemand soll erfahren, was vor sechs Jahren wirklich passiert ist. Doch Stella ist auf sich allein gestellt, denn Paul ist weit entfernt und wird so schnell nicht nach Hause kommen. Weiterlesen

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Sarah Kuttner: Kurt

Als Jana mit Kurt zusammenzieht, lernt sie auch dessen gleichnamigen Sohn Kurt aus seiner früheren Beziehung kennen. Der kleine Kurt ist seitdem im wöchentlichen Wechsel bei Papa Kurt und seiner Mama. In den Wochen, die der Junge bei ihnen verbringt, lernt Jana den kleinen Kerl kennen und lieben. „Ich kann meinen Kurt nicht ohne seinen Kurt haben, er gehört dazu. Schon immer. […] Also habe ich jetzt ein Haus und zwei Kurts.“ (Zitat Kapitel I) Alles scheint in bester Ordnung, als die Welt der Erwachsenen durch ein Unglück aus den Fugen gerät. Kurt verletzt sich in der Schule tödlich und stirbt. Zurück bleibt eine Lücke im Leben von Jana und dem großen Kurt. Sie weiß nicht, wie sie mit Kurts Trauer umgehen soll.

Sarah Kuttners neuer Roman „Kurt“ befasst sich intensiv mit dem Thema Trauer. Dabei ist das Gelesene aber bei weitem nicht so schwere Kost wie man denken mag. Es existiert im Roman auch viel Wortwitz und alles ist von Liebe umgeben. Es gelingt der Autorin perfekt, die einzelnen Szenen auf den Punkt zu bringen, ohne zu viel oder zu wenig zu schreiben. Weiterlesen

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