Petros Markaris: Das Lied des Geldes: Ein Fall für Kostas Charitos

Der saudische Investor al Fallah wird in einem Vorort von Athen in der Nähe der Küste durch mehrere Messerstiche getötet. Er wollte in diesem Gebiet einen Yachthafen und ein Hotel bauen lassen. Zeugen gibt es nicht, allerdings hat ein Wachmann zur Tatzeit die Melodie eines Schlagers, in dem es um Geld geht, gehört. Kommissar Charitos muss nicht nur den Mörder finden, sondern auch den saudischen Botschafter beschwichtigen und verhindern, dass der Fall in der Presse ausgewalzt wird. Während die Ermittlungen langsam erste Erfolge versprechen, geschieht ein zweiter Mord: Im Exarchia-Viertel wird ein chinesischer Investor tot aufgefunden. Das ruft nicht nur die chinesische Botschaft auf den Plan, sondern könnte auch dafür sorgen, dass die dringend gesuchten ausländischen Investoren sich aus Griechenland zurückziehen. Und vom Täter gibt es auch hier keine Spur, er agiert offenbar sehr geschickt.

Zudem beschäftigt Kommissar Charitos noch ein ganz anderes Problem: Sein alter Freund Lambros Sissis, ein desillusionierter Altkommunist und Betreuer eines Obdachlosenheimes, hat mit den Bewohnern seines Hauses und anderen Obdachlosen die Linke symbolisch zu Grabe getragen und ruft damit eine neue Bewegung der Armen ins Leben. Er plant regelmäßige Kundgebungen. Da seine Freundschaft zum Kommissar bekannt ist, könnte diesen das in Schwierigkeiten bringen, vor allem dann, wenn sich Randalierer unter die Demonstranten mischen. Es gibt also einiges zu tun. Weiterlesen

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Monika Held: Der Schrecken verliert sich vor Ort

Der Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ von Monika Held hat mich tief berührt. Er thematisiert die Schrecken des Konzentrationslagers Auschwitz und ist gleichzeitig die Geschichte einer Liebe. Wie kann das zusammenpassen?

Lena lernt Heiner im Gerichtsgebäude in Frankfurt kennen. Von 1963 bis 1965 findet in der Stadt der erste Auschwitz-Prozess statt. Lena arbeitet beim Gericht als Dolmetscherin. Heiner ist als Zeuge nach Frankfurt gereist. Er ist einer der wenigen, die die Lagerhaft überlebt haben. Im Prozess muss er erleben, wie seine Aussagen von der Verteidigung angezweifelt und seine Beobachtungen unglaubwürdig gemacht werden. Er sieht in den Gesichtern der Täter keine Reue, eher Hohn. Als er schließlich im Flur des Gerichtsgebäudes zusammenbricht, findet ihn Lena und hilft ihm.

Lena und Heiner verlieben sich, sie heiraten und kaufen sich ein Haus auf dem Land irgendwo im Norden Deutschlands. Das Zusammenleben ist nicht leicht. Heiner verkraftet keinen normalen Arbeitsalltag, er schreit nachts und kann ohne Licht nicht schlafen. Auschwitz lässt ihn nicht los, er hat das Lager ertragen, weil er eine Mission hatte: Er wollte ein glaubwürdiger Zeuge sein. Jedem Besucher zeigt er sein Senfglas, welches auf den ersten Blick mit Sand gefüllt scheint, aber in Wirklichkeit Asche und Knöchelchen von Verbrannten enthält. Weiterlesen

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Luisa Neubauer & Bernd Ulrich: Noch haben wir die Wahl: Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen

Am 26. September 2021 haben wir die Wahl: Mit der Abstimmung über eine neue Bundesregierung werden auch die Weichen für die künftige Klimapolitik gestellt. Die Fridays-for-Future Aktivistin Luisa Neubauer und Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der „Zeit“, haben gemeinsam ein Buch über unseren Umgang mit der ökologischen Krise geschrieben. Die als Gespräch aufgebauten Texte behandeln umfassend verschiedene Aspekte der mit der Klimakrise verbundenen gesellschaftlichen Prozesse. Dazu gehört zum einen die Bestandsaufnahme – die Wahrnehmung des Phänomens Klimawandel aus unterschiedlichen Blickwinkeln, die Folgen der Politik der Regierung unter Angela Merkel, die Rolle der Medien bei der Beschreibung von klimatischen Veränderungen und bei der Berichterstattung über Klimaaktivisten, die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Klimadebatte oder auch die Haltung der politischen Parteien in Bezug auf die Problematik.

Zum anderen geht es auch um mögliche Folgen im nationalen und globalen Rahmen und zugleich um Strategien für nachhaltiges Wirtschaften. Wichtig dafür ist die Diskussion des Freiheitsbegriffes, der nach Ansicht beider Autoren neu definiert werden muss. Weiterlesen

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Herman van Veen: Solange es leicht ist – Geschichten übers Älterwerden

Das Älterwerden beginnt mit dem Tag der Geburt und endet mit dem Tod. Dazwischen geschieht so allerlei. In seinem Buch „Solange es leicht ist – Geschichten vom Älterwerden“ schreibt Herman van Veen über die kleinen und großen Ereignisse, die einen vom Älterwerden ablenken und auch von denen, die uns daran erinnern. Er erzählt von Begegnungen mit anderen Menschen, bekannten und unbekannten, beschreibt das Haus seiner Kinderjahre, von Alltag und Urlaub mit der Familie. Erinnerungssandalen tragen mich vom Strandurlaub mit Muscheln und Eimerchen in Katwijk aan Zee bis zum ersten Kuss in der Abschlussklasse der Oberschule. Herman van Veen teilt seine Erinnerungen an Reisen, an Lesungen und Konzerte, lässt mich seine Freude am Musizieren miterleben.

Und auch seine Freude am Zeichnen: Jedem Kapitel ist eine der Grafiken vorangestellt, welche beim Schreiben des Buches entstanden.

Die meisten Geschichten haben so etwas wie einen roten Faden, aber er trägt nicht auf. Es ist, als ob man sich mit jemandem unterhält, ein Satz ergibt den nächsten, ein Bild erzeugt ein weiteres, das Gespräch fließt dahin. Und doch behält der Autor sein Thema immer im Auge. Jeder Text beschäftigt sich auf seine Weise mit der Frage, was es mit dem Älterwerden auf sich hat, wie Menschen ihre Zeit füllen, wie sie sich verändern. Weiterlesen

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Hallgrimur Helgason: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

Gestatten: Toxic, also eigentlich Tomislav Bokšić, gebürtiger Kroate, von Beruf Profikiller bei der kroatischen Mafia. Bisher hat er 66 Aufträge erfolgreich ausgeführt. Na gut, Nummer 66 hatte einen Schönheitsfehler, der Typ war vom FBI. Deswegen ist Toxic jetzt auf der Flucht. Beim Check-in am Flughafen entgeht er nur knapp einer Verhaftung, indem er, professionell, aber ungeplant und deswegen recht riskant, die Identität von Nummer 67 „übernimmt“. Dumm nur, dass sich hinter Nummer 67 der Prediger David Friendly verbirgt, welcher auf dem Weg nach Reykjavik ist. Dort wird er, also Father Friendly, schon erwartet, er ist in eine Fernsehshow eingeladen. Toxic spielt mit, er lebt für einige Tage bei einem isländischen Priester und dessen Frau und tritt mehrmals in der Show auf. Die Tochter der Familie erweist sich als „Tag 1“-Frau: „Wenn sie die einzige Frau in unserer Einheit wäre und wir einen Monat in den Bergen festsäßen, würde ich am Tag 1 anfangen, vor ihr zu träumen.“ (S. 47) Weiterlesen

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Pankaj Mishra: Freundliche Fanatiker

„Man muss seine Feinde kennen, um sie besiegen zu können.“, sagte einst der chinesische General und Philisoph Sunzi. Zumindest auf der argumentativen Ebene erweist sich das Buch von Pankaj Mishra als gute Hilfe.

Als „freundliche Fanatiker“ bezeichnet der indische Autor die Ideologen des Neoliberalismus. Er beschreibt, wie sie den ideellen Unterbau des auf Freihandel und Gewinnmaximierung ausgerichteten Prinzips der Ökonomisierung und Globalisierung fast aller Lebensbereiche erdachten/erdenken und verbreiten. Selbst weitgehend im Hintergrund – ich kannte zugegebenermaßen kaum einen der genannten Autoren – liefern sie Politikern und Wirtschaftsvertretern die Argumente. Die Ideologie des Liberalismus wird als ultimative Lösung für die Menschheit dargestellt, sie beanspruchen die Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung. Was nicht passt, wird weggelassen oder bis zur Unkenntlichkeit relativiert, Ungleichheit und Ausbeutung werden höchstens am Rande erwähnt und beschönigt.

Das Buch enthält Essays aus den Jahren 2011 bis 2020. Der Autor setzt sich mit den gängigen Narrativen westlicher Überheblichkeit auseinander, mit dem „Wir sind die Guten, also dürfen wir alles.“ Er ergänzt die weggelassenen, weil störenden Fakten. Weiterlesen

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António Lobo Antunes: Bis die Steine leichter sind als Wasser

Der Vater, Leutnant in der portugiesischen Armee im Krieg in Angola, zerstört mit seinen Leuten ein Dorf, mordet, brandschatzt. Stellt sich schützend vor einen schwarzen Jungen, dessen Eltern er zuvor getötet hatte. Nimmt das Kind mit nach Portugal und an Sohnes statt auf.

Viele Jahre später sticht der Sohn den Vater beim Schlachtfest nieder und wird darauf von den Nachbarn erschlagen. Das ist der Rahmen und er wird gleich auf den ersten Seiten aufgebaut.

Der Autor António Lobo Antunes war selbst in Angola, hat den Krieg miterlebt, die Gräuel, das Leiden. Das Buch ist ein Zeugnis davon. Es ist keine leichte Lektüre. Der Autor lässt abwechselnd Vater und Sohn sprechen, lässt den Leser in die Gedankenwelt eintauchen. Die Stimme des Vaters ist voller Resignation, voller Enttäuschung und schwer fassbarer Schuld. Die Bilder der Kriegserlebnisse beherrschen sein Denken, überschatten alltägliche Geschehnisse. Die Gespräche mit dem Psychologen konnten daran nichts ändern. Die Stimme des Sohnes ist voller Zynismus, genährt aus Demütigungen durch Familie und Ehefrau. Er ist zwischen allen Welten und nirgends zu Hause. Er fährt mit seiner Ehefrau, die er spöttisch als Exzellenz bezeichnet und die ihn verachtet, obwohl sie von seinem Geld lebt, ins Dorf zu seinen Eltern, die nicht wirklich seine Eltern sind, wo Schlachtfest gefeiert werden soll. Weiterlesen

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Simona Baldelli: Die Rebellion der Alfonsina Strada

Il diavolo in gonnella – der Teufel im Rock – wurde sie genannt, und es war nicht freundlich gemeint. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schickte es sich nicht für ein Mädchen, mit nackten Beinen auf dem Rad zu fahren, von Rennen ganz zu schweigen. Doch für Alfonsina ist das Fahrrad ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung. Sie bringt sich das Fahren selbst bei – heimlich, nachts, mit dem viel zu großen Rad des Vaters. Vom ersten Lohn kauft sie sich ein eigenes Rad, mit 13 gewinnt sie ihr erstes Rennen. Sie fährt zweimal die Lombardei-Rundfahrt und nimmt als erste und einzige Frau am Giro d’Italia teil.

Sie erringt die Bewunderung ihres Mannes und die Anerkennung mancher Fahrer, bekommt den Beinamen „Königin der Tretkurbel“. Von den Leuten und besonders von ihrer Familie erntet sie dagegen nur Schimpf und Vorwürfe. Sie ist „die Irre“ oder gar „die Nutte“.

Das Buch erzählt die Geschichte eines besonderen Tages – es ist der Tag, an dem Alfonsina Strada noch einmal ein Rennen als Gast besucht: Am 13.September 1959 fährt sie mit dem Motorrad zum Tre Valli Varesine. Alfredo Binda und Fausto Coppi werden erwartet. Sie freut sich auf die Begegnung mit Freunden, auf gute Gespräche und einen kleinen Rest Ruhm. Weiterlesen

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Sinéad Gleeson: Konstellationen. Die Sprache meines Körpers

Als Sinéad Gleeson 13 Jahre alt ist, erzwingt ihr Körper ihre Aufmerksamkeit: Schmerzen in der Hüfte, ausgelöst durch den Zerfall der Knochen, sind der Anfang einer lebenslangen Leidensgeschichte. Sie wird mehrfach operiert, verbringt immer wieder lange Wochen im Krankenhaus. Schmerz wird zum ständigen Begleiter.

Mit Ende 20 wird bei ihr eine aggressive Form der Leukämie diagnostiziert. Ihre fassungslosen und aufgelösten Eltern beruhigt sie mit der Ankündigung, sie werde nicht sterben, sondern ein Buch schreiben. Sie übersteht die Chemotherapie, überwindet den Krebs. Sie schreibt auf, was ihr in Krankenhäusern, mit Ärzten und Mitmenschen begegnet.

Am Anfang ist es vor allem die Perspektive der Patientin, die sich Ärzten und Klinikroutine ausgeliefert fühlt, nicht gehört und verstanden wird. Ihr gelingt der Schritt in die Metaebene, sie studiert die Funktionsweise eines Körpers, sammelt Informationen, will verstehen, was mit ihr geschieht.

Zugleich schärft sich ihr Blick für soziale Interaktionen. Woher kommt die Scham, die man als kranker, eingeschränkter Mensch empfindet. Wie wird man wahrgenommen, wenn man unheilbar krank ist. Wie wird man wahrgenommen, wenn man etwas wagt, das unvernünftig erscheint. Wenn man einer kaputten Hüfte und einem von Chemotherapie gebeutelten Körper eine Schwangerschaft zumutet. Sie meistert auch diese Herausforderung und schenkt zwei gesunden Kindern das Leben. Weiterlesen

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Steffen Kopetzky: Monschau

Aus der halb offenen Tür weht Jazzmusik hinaus ins Treppenhaus und lockt. Nikos, der junge griechische Arzt ist nicht nur von der Musik verzaubert, auch Vera, die Erbin der Rither-Werke, hat seine Neugier zu wecken gewusst. Er fasst sich ein Herz und klingelt an ihrer Tür. Er wird bereits erwartet.

Steffen Kopetzky erzählt von der Liebe zwischen zwei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Doch handelt es sich nicht um einen Liebesroman. Der Autor verknüpft die Geschichte von Nikos und Vera mit historischen Ereignissen, die aktueller nicht sein könnten. Anfang des Jahres 1962 wird ein von Fieber geschütteltes Mädchen nach langer Irrfahrt im Krankenhaus in Monschau eingeliefert. Ihr Vater, Monteur bei den Rither-Werken, war kurz vor Weihnachten aus Indien zurückgekehrt und hatte sich dort mit den schwarzen Pocken infiziert.

Der Düsseldorfer Dermatologe Professor Stüttgen fährt, begleitet von Nikos Spyridakis, eben jenem jungen Arzt, ins Krisengebiet, um die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Er organisiert Quarantänemaßnahmen, Kontaktnachverfolgung, die Unterbringung und Behandlung der Erkrankten und die vorbeugende Impfung der Bevölkerung. Nikos arbeitet als Betriebsarzt bei Rither. Er kümmert sich vor allem um infizierte Betriebsangehörige und deren Familien. Damit soll die Schließung der Werke verhindert werden. Weiterlesen

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