Allen Frances: Amerika auf der Couch: Ein Psychiater analysiert das Trump-Zeitalter

„Nicht Trump ist verrückt, die Amerikaner sind es, weil sie ihn gewählt haben. Er ist das Symptom, nicht die Krankheit“ (Quelle). Dieses Statement des Autors Allen Frances aus einem in der letzten Woche erschienen Interview, beschreibt auf den Punkt um was es geht: Trump ist nur die Fratze einer Gesellschaft auf  einem gefährlichen psychopathologischen Trip. Das Buch ist so gut, dass ich mir wünschen würde, dies zur Pflichtlektüre eines jeden angehenden Lehrers, jedes Mandatsträgers, jedes BWL – Studenten, etc., oder was auch immer zu machen,  um all diesen Menschen die Augen zu öffnen, um was es heute geht: Demokratie nicht nur zu retten, sondern zu verstehen. Nationalismus als Gefahr zu erkennen, kapitalistische Gier als System einordnen zu können und nicht zuletzt für die Zukunft dieses Planeten zu kämpfen.

Wahnsinn als Methode. Wird oft lapidar so dahin gesagt, aber es ist längst Realität. Trump ist so ein Clown, dass er Stephen Kings Pennywise aus „Es“ wie ein Kindergartenspaßmacher aussehen lässt. Weiterlesen

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Matthias Jung: Chill mal!: Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig

Als meine Tochter 12 Jahre alt war, schrieb ich ein Lied über die kritische Zeit der Pubertät. Im Refrain steht: „Sie ist so jung, so unverfroren unalt, sie ist so cool, und oft Lichtjahre entfernt – sie weiß so viel, vor allem alles besser, manchmal redet sie als käme sie von einem andern Stern, und genau das Gleiche, denkt sie über ihren alten Herrn“. Tja, jetzt ist sie mehr als doppelt so alt und ich spiele dieses Lied noch immer. Weil es zeitlos ist und ich die Worte geplagter Eltern immer noch gerne höre: „Herr Ape, sie singen genau von meiner Tochter“. Das zu beschreiben ist auch Matthias Jung mühelos gelungen. Man kennt ja diesen Psychotest, wenn ein Proband mal ganz schnell drei Dinge sagen soll: „Musikinstrument, Werkzeug, Farbe“. Die Antwort kommt zu nahezu 90% wie aus der Pistole geschossen: „Geige, Hammer, rot“. Und den vorher mit genau diesen drei Begriffen beschriebenen Zettel, hält man diesen verdutzen Zeitgenossen vor die Nase. Weiterlesen

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Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex 2

Als ich den ersten Band vor ca. einem Jahr gelesen habe hat es mich fast umgehauen. Es traf mich unvermittelt, wie ein Schlag in die Magengrube und ich habe das Buch geliebt, gehasst und gefressen. Ein paar Monate vorher war da noch Michel Houellebecq mit „Unterwerfung“ auf meiner Leseliste und ich schwor nach der Lektüre dieser beiden gesellschaftspolitischen Abrechnungen, dass ich keinen Pfifferling mehr auf das Abendland setzen würde. Weil sich (ich zitiere wörtlich aus Subutex 2, Seite 70):“…die Leute seit (…) Jahren das Gehirn haben waschen lassen, dass sie nur noch eins wollen, nämlich ihren Hass auf die Kameltreiber rausschreien. Man hat ihnen die Würde geraubt, die sie in Jahrhunderten des Klassenkampfes erworben hatten, es gibt keinen Moment am Tag, in dem sie sich nicht wie gerupfte Hühner vorkommen, und der einzige gottverdammte Trick, den man ihnen verkauft hat, damit sie sich weniger scheiße fühlen, ist der Triumph, dass sie weiß sind und das Recht haben, auf jeden Dunkelhäutigen herabzusehen. ( …) Die Allianz aus Banken-Religionen und Weltkonzernen hat die Schlacht gewonnen.“ Weiterlesen

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Tim Krohn: Herr Brechbühl sucht eine Katze

Diese Idee ist grandios. Ein Buch über Gefühlsregungen zu schreiben, die von Mitmenschen vorgeschlagen werden, und die Tim Krohn so wunderbar in diese Mietshausgeschichten aus der Röntgenstraße in Zürich, einflechtet. In allen Gestalten, noch so verrückt oder jung, sexbesessen, forschend oder über das Sterben sinnend – in allen findet sich ein Teil von uns wider. Im Leben wir dir nichts geschenkt und es ist meist eine auch eine ziemliche Plackerei. Aber in allem steckt auch ein Wille, die Schwierigkeiten zu meistern, sich nicht demütigen zu lassen oder sogar zu kämpfen.

Dass in dem Haus dabei urkomische, absurde oder auch weltphilosophische Gedanken gewälzt werden, liegt eben in der menschlichen Natur. Nur weißt du eben oft genug nicht, was dabei der Sinn ist, nach dem alle irgendwie suchen. Vielleicht ist das aber eben genau der Sinn. Weiterlesen

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Nina Lykke: Aufruhr in mittleren Jahren

Ich lege ein Buch zur Seite und atme erst mal tief durch. Weil ich grade parallel eine schonungslose Bestandsaufnahme des Zustandes unseres Planeten lese und über dessen  Zerstörern (Amerika auf der Couch), welches im Endeffekt erklärt, dass der Mensch, egal wo und wann er auftaucht (e), qua genetischer Disposition alles ausrottet – inklusive sich selbst. Die Witzfiguren heute an der Spitze, wie Trump zum Beispiel, sind gar nicht das Problem, sondern die Allgemeinheit – also wir –  sind es, die auf die Couch gehören. Nun was hat das mit Nina Lykke zu tun? Irgendwann in diesem beängstigenden Buch über das Leben in den „mittleren Jahren“, geht Jan, Ehemann, Ehebrecher, Liebhaber, Verzweifelter, etc…der über den ganzen Roman hin, nach und nach richtig in die Scheiße fliegt, auch zum Psychotherapeuten auf die Couch. Nutzt aber nix. Weiterlesen

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Karosh Taha: Beschreibung einer Krabbenwanderung

Das ist der Blick durch ein Schlüsselloch. Man sieht auf der anderen Seite eine Welt, von der man quasi nichts weiß. Vielleicht schlimmer noch, eigentlich gar nichts wissen will. Warum ist das so? Ich fühlte mich während der Lektüre dieses interessanten, wohl fast schon autobiographischen Romans, irgendwie immer sowohl neugierig als auch abgeschreckt. Stellen wir uns dieses Hochhaus vor. Voller Kurden. Irgendwo in Deutschland. Das Haus hat sich wie ein Magnet vollgesogen mit Menschen aus der gebeutelten kurdischen Heimat.

Und sie haben alle ihre Weltanschauungen, ihren mehr oder weniger ausgelebten Islam und ihre Familienehre mitgebracht.  Die Älteren versuchen verzweifelt sich an dem wenigen zu klammern, was einen Menschen noch geradeaus laufen lässt, die Jüngeren versickern in dem neuen Land, dass ihnen selten genug eine neue Heimat bieten kann, außer vielleicht hier und da eine Ausbildung oder gar eine Arbeitsstelle. Weiterlesen

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Sonja Heiss: Rimini

Der Roman erinnert mich an die großen amerikanischen Gesellschaftsromane von John Updike oder Jonathan Frantzen. Sonja Heiss zerpflückt eine vermeintlich normale Familienstruktur, d.h., gutbürgerliche Mittelschicht, wo man vordergründig denkt, jau, kenn ich – so weit so gut! Doch nach und nach kommen die Abgründe. Alexander und Barbara als Großeltern, wie man sie nie selbst werden wollen würde!

Der angeschlagene Alexander und die depressive Barbara haben zwei Kinder, Hans und Masha, die dabei sind, ihre Träume und Sicherheiten zu zertrümmern, weil die Brüchigkeit ihrer Lebensläufe, eine relativ gelassen Art von Glück einfach nicht vorgesehen hat. Masha ist jetzt um die vierzig und verspürt den Kinderwunsch in sich, mit all den biologischen Uhren und Bremsen, an Haut, Sexualität und Seele. Weiterlesen

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Knut Reinhardt: Wenn Fußball Schule macht: Mein Weg vom Fußballprofi zum Lehrer

Knuuuuuut. Tja, das war sein Markenzeichen wie es aus zigtausend Kehlen in den Neunzigern der Hitzfeld  – Ära im Dortmunder Westfalenstadion schallte, wenn Knut Reinhardt an der Außenlinie zum Sprint ansetzte, sogar den Ball technisch versiert vor sich hertrieb und im richtigen Moment entweder eine Flanke in den Strafraum zirkelte oder nach kurzem Doppelpass mit Andy Möller, eine Klebe ansetzte, für die man in der Regel einen Waffenschein brauchte, bzw. einen verdutzten Torhüter schlecht aussehen ließ. Nun gut das ist vorbei. Aber Knut hat auch ein Leben vor dem Profifußball und ein Leben danach. Wir befassen uns am besten mit dem Leben danach. Was Knut vorher aus seinem Leben als heranwachsender, fußballbegeisterter Junge zu erzählen hat, gehört in die Kategorie „fast normal“. Selbst ich hätte aus der Zeit viel zu sagen, träumte ich doch auch von einem Leben als Torwartprofi. Da gibt es jede Menge Ups and Downs zu verarbeiten, Siege und Niederlagen, Fettnäpfchen, geplatzte Träume, Verletzungen innen wie außen. Weiterlesen

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Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Dies ist eine Geschichte von vier Kindern, die zusammen ihre Teenager – und Jugendzeit meist in einem verwilderten Garten verbringen und, bei aller Freundschaft,  den falschen Weg einschlagen, bzw. alle die Abzweigung verpassen oder nie wirklich nach den Möglichkeiten, die das Leben sonst so bietet, gesucht haben. Hört sich kompliziert an, ist es auch und in den Auswirkungen katastrophal. Als sich die vier, Raimund und Moritz auf der einen – und Inger und Floriane auf der anderen Seite, als Erwachsene für die jeweils falsche Partnerschaft entscheiden, bleibt nur noch eine kurze Strecke und alle Freundschaft ist auf Ewigkeiten zerrüttet.

Schlimme Versuche alles im Geheimen wieder gut zu machen, enden depressiv. Das eine ungleiche Paar, Raimund und Floriane, bekommen sogar noch zwei Kinder zusammen, die, jedes auf seine Art, der Entzweiung der Eltern trotzen. Schlichtweg verrückt ist die Schwangerschaft von Inger, Weiterlesen

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Bernd Gieseking: Früher hab‘ ich nur mein Motorrad gepflegt

Von einem, der auszog, um seinen alten Eltern zu helfen. Genau! Und dies betrifft uns alle, die wir in „diesem“ Alter (noch) verweilen. Eben in dem Alter, in dem sich der Autor auch befindet. Da eben, wo man sich noch fit fühlt, einem manchmal (noch) die Welt gehört und erste Alterswehwehchen am Tresen einfach weggetrunken werden. Mit „Prostata die Herren“ und ähnlichen Sprüchen! Tja, irgendwann fällt einem auf, das die Eltern nunmehr über achtzig sind. Das kann man eine Zeit lang ignorieren oder nicht ernst nehmen, oder schlimmer noch, hoffen, dass da Geschwister sind, die Verantwortung abnehmen. Nicht so Bernd Gieseking: er stellt sich. Und das ist so rührend, dass einem manchmal die Tränen kommen, bei all der Sitcom im Hause Gieseking. Ur-Westfalen aus der Nähe von Minden. Kauzig manchmal, aber im Kern herzlich und liebevoll. Nur nicht alles sofort zeigen. Weiterlesen

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