Knut Reinhardt: Wenn Fußball Schule macht: Mein Weg vom Fußballprofi zum Lehrer

Knuuuuuut. Tja, das war sein Markenzeichen wie es aus zigtausend Kehlen in den Neunzigern der Hitzfeld  – Ära im Dortmunder Westfalenstadion schallte, wenn Knut Reinhardt an der Außenlinie zum Sprint ansetzte, sogar den Ball technisch versiert vor sich hertrieb und im richtigen Moment entweder eine Flanke in den Strafraum zirkelte oder nach kurzem Doppelpass mit Andy Möller, eine Klebe ansetzte, für die man in der Regel einen Waffenschein brauchte, bzw. einen verdutzten Torhüter schlecht aussehen ließ. Nun gut das ist vorbei. Aber Knut hat auch ein Leben vor dem Profifußball und ein Leben danach. Wir befassen uns am besten mit dem Leben danach. Was Knut vorher aus seinem Leben als heranwachsender, fußballbegeisterter Junge zu erzählen hat, gehört in die Kategorie „fast normal“. Selbst ich hätte aus der Zeit viel zu sagen, träumte ich doch auch von einem Leben als Torwartprofi. Da gibt es jede Menge Ups and Downs zu verarbeiten, Siege und Niederlagen, Fettnäpfchen, geplatzte Träume, Verletzungen innen wie außen. Weiterlesen

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Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Dies ist eine Geschichte von vier Kindern, die zusammen ihre Teenager – und Jugendzeit meist in einem verwilderten Garten verbringen und, bei aller Freundschaft,  den falschen Weg einschlagen, bzw. alle die Abzweigung verpassen oder nie wirklich nach den Möglichkeiten, die das Leben sonst so bietet, gesucht haben. Hört sich kompliziert an, ist es auch und in den Auswirkungen katastrophal. Als sich die vier, Raimund und Moritz auf der einen – und Inger und Floriane auf der anderen Seite, als Erwachsene für die jeweils falsche Partnerschaft entscheiden, bleibt nur noch eine kurze Strecke und alle Freundschaft ist auf Ewigkeiten zerrüttet.

Schlimme Versuche alles im Geheimen wieder gut zu machen, enden depressiv. Das eine ungleiche Paar, Raimund und Floriane, bekommen sogar noch zwei Kinder zusammen, die, jedes auf seine Art, der Entzweiung der Eltern trotzen. Schlichtweg verrückt ist die Schwangerschaft von Inger, Weiterlesen

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Bernd Gieseking: Früher hab‘ ich nur mein Motorrad gepflegt

Von einem, der auszog, um seinen alten Eltern zu helfen. Genau! Und dies betrifft uns alle, die wir in „diesem“ Alter (noch) verweilen. Eben in dem Alter, in dem sich der Autor auch befindet. Da eben, wo man sich noch fit fühlt, einem manchmal (noch) die Welt gehört und erste Alterswehwehchen am Tresen einfach weggetrunken werden. Mit „Prostata die Herren“ und ähnlichen Sprüchen! Tja, irgendwann fällt einem auf, das die Eltern nunmehr über achtzig sind. Das kann man eine Zeit lang ignorieren oder nicht ernst nehmen, oder schlimmer noch, hoffen, dass da Geschwister sind, die Verantwortung abnehmen. Nicht so Bernd Gieseking: er stellt sich. Und das ist so rührend, dass einem manchmal die Tränen kommen, bei all der Sitcom im Hause Gieseking. Ur-Westfalen aus der Nähe von Minden. Kauzig manchmal, aber im Kern herzlich und liebevoll. Nur nicht alles sofort zeigen. Weiterlesen

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Lucas Vogelsang: Heimaterde

Egal, wie das Buch allgemein gewertet, gemocht oder zerredet wird – wir haben hier eine literarisch – sprachliche Meisterleistung vorliegen. Lucas Vogelsang gelingen Satzgemälde, die ich lange nicht mehr so gelesen habe. Wenn ich das mit der angloamerikanischen modernen Belletristik vergleiche, könnte er glatt für einen deutschen Richard Ford durchgehen, der auch in großartiger Lakonie beschreiben kann. Eben Emotionen, Haltungen, Gedanken. Vogelsang nimmt uns mit auf eine Reise, nein, eher eine Suche danach, was „Heimat“ bedeutet oder vielmehr: nicht mehr. Wir treffen auf die unterschiedlichsten Verjagten, Geflohenen, Verratenen, Abgehängten, Entwurzelten.

Wir lernen ganz nebenbei die aktuellen und die schon länger zurückliegenden Krisenherde der Welt, die für diese permanenten Völkerwanderungen (wenn man es positiv ausdrückt) und Fluchten verantwortlich sind. Weiterlesen

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Paolo Cognetti: Acht Berge

Aus der Mitte entspringt ein Fluss! Daran habe ich mich erinnert. Wikipedia schreibt dazu: „Der Film von Robert Redford erzählt die Geschichte zweier Brüder, die charakterlich grundverschieden, jedoch beide in der Liebe zum Fliegenfischen vereint sind. Paul ist ein lebenslustiger und heimatverbundener Naturbursche, Norman ein ruhiger und verschlossener Intellektueller.“ Nur geht es in diesem wunderbar gelassen daherkommenden Roman nicht um Fliegenfischen, sondern um die Liebe zu den Bergen. Pietro und Bruno sind auch keine leiblichen Brüder, aber alles andere kann so durchgehen. Vor allem geht es um die Ruhe, die dieser Text (wie auch der Film) ausstrahlt. Unaufgeregt erzählt der Ich – Erzähler Pietro von seinem Vater der ihm, (nicht ohne persönliche Probleme), die Berge nahebringt und seiner Mutter, die den wilden Gebärden ihres Mannes lange widersteht und ihn weiter liebt, eigentlich bis zu seinem Ende. Weiterlesen

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Wilfried Steiner: Der Trost der Rache

Was soll ich sagen? Das Buch wird deshalb so interessant für mich, weil ich irgendwie mit den drei Hauptsträngen des Buches zu tun habe bzw. hatte. Ich meine nicht professionell, sondern eher aus meiner persönlichen Geschichte: 1. Das astrophysikalische Interesse – hier eher die Faszination der Entstehung des Universums mit all den unglaublichen Rätseln; 2. ein Urlaub auf La Palma und natürlich auch ein Besuch (nur außen) des Telescopio Canarias und 3. meine politische Sozialisation, die viel mit dem Putsch gegen Salvodor Allende 1973 in Chile zu tun hatte. Die Gemengelage kommt in diesem Roman zusammen.

Hobbyastronom Adrian fliegt mit seiner erfolgreichen Psychologenehefrau Karin nach La Palma. Sie braucht eher Zerstreuung – er will das Teleskop besichtigen, bzw. mal durchgucken und hat sogar über einen Freund in Deutschland, einen Vorzugsbesuchstermin bekommen. Weiterlesen

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Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr

Wenn man sagt, das etwas des Guten zu viel ist, dann meint man doch, dass da zwar was etwas Gutes als Grundlage da ist, aber durch das zu viele Gute etwas sich selbst verwässert. Verständlich? So ging es mir nach diesem Büchlein von Jocelyne Saucier, einer Frankokanadierin, die folgende gute Geschichten,  in einen Roman packt: 1. Eine Geschichte dreier alter Männer, die der Zivilisation den Rücken gekehrt haben und  so etwas wie ein eigenes Palliativzentrum als Einsiedelei für sich aufgebaut haben, um – sagen wir – in Ruhe zu sterben. 2. Eine Geschichte über Feuersbrünste in Kanada am Anfang des 20. Jahrhunderts mit vielen Toten, aber auch ein paar Überlebenden, einer davon ist oder war einer der alten Männer. 3. Die Geschichte einer zierlichen alten Dame, die drei Viertel ihres Lebens in einer psychiatrischen Anstalt verbracht hat. 4. Ein Fotografin, die reges Interesse an den Überlebenden der Feuersbrünste hat und deren Geschichte dokumentieren will. Weiterlesen

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Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten

Vor mir liegt ein Bildungsroman, den ich mit Vergnügen und Eifer gelesen habe. Eifrig, was für ein bescheuertes Wort, aber hier passt es eben. Es sind zwei Größen des letzten Jahrtausends um die es hier geht, eben Karl Marx und Charles Darwin! Sie haben das Denken, die Richtung, die Aufklärung und überhaupt alles revolutionär geprägt, in dem sie den Ballast hinter sich gelassen, den Klerus und Feudalismus, beide schon immer Hand in Hand arbeitend, in vielen Jahrhunderten zu ihrem Nutzen aufgeschichtet haben. Marx und Darwin und räumen auf. Darwin erkennt die Gesetzmäßigkeiten der Evolution und Marx eben die des Kapitals uns seiner Gier, sich selbst zu aufzufressen. Weiterlesen

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Svenja Gräfen: Das Rauschen in unseren Köpfen

Mich erinnert dieser Liebesroman, bzw. er fügt sich nahtlos ein, an den Sprachstil und der Inhalte,  der  zur Zeit auf allen „Happy Wellen“ im Radio laufenden neuen Schlager-Schnulzen, wie von Revolverheld, Silbermond, Holofernes, Max Giesinger oder Marc Forster, etc… Da geht der Himmel auf, der Bauch ist voll Zement, man verschenkt Sonne, Mond und Sterne sowie Regenbögen, Wellen und Wolken mit der Nummer 7! Träume platzen, etc.! Nun gut, man kann ja ausmachen und wer war nicht schon mal verliebt.

Die Geschichte kann man schnell zusammen fassen: zwei innige Freundinnen, auch Klassenkameradinnen, machen gemeinsam Abi und irgendwann ziehen sie zusammen in ihre erste Wohnung. Man lebt wohlbehütet noch, wenn auch als naher Satellit etwas entfernter vom Elternhaus, man flirtet und feiert viel in Clubs und durch Nächte, hier und da Urlaub am Meer oder träumend im Gras im Stadtpark. Weiterlesen

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Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich moderne,  gute, französische Literatur empfehlen könne, dann hätte ich natürlich folgende Antwort parat: 1. „Unterwerfung“ von Michel Houlellebecq und dann gleich danach von 2. Virginie Despentes: „Das Leben des Vernon Subutex“. Unbedingt lesen! Um gleich einen Strick dazuzulegen. Ehrlich, „Unterwerfung“ war schon niederschmetternd, aber Despentes holt uns aus allen Träumen von einem lebenswerten Leben mit Hoffnung auf Zukunft. Das Buch schreit uns förmlich an: „Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Bist Du blind und siehst die ganze Scheiße nicht? Wo lebst Du eigentlich? Und warum machst Du Dir immer noch was vor? Sieh gefälligst hin, Du Träumer!“ Ja, so kann es einem gehen, wenn man sich durch das Buch gebissen hat. Weiterlesen

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