Joseph Jefferson Farjeon: Dreizehn Gäste (1936)

Ein Politiker, ein Cricket-Spieler, ein Maler, ein Klatschreporter, ein Wurstfabrikant, eine Krimiautorin, eine Schauspielerin und eine faszinierende Witwe namens Nadine Leveridge – diese und andere illustre Gäste hat Lord Aveling zu einem Wochenende auf seinem Landhaus Bragley Court eingeladen. Der verschuldete Adlige will nach außen hin die Fassade wahren, nützliche Kontakte pflegen und nebenbei seine Tochter mit einem aufstrebenden Politiker verkuppeln. Doch es soll anders kommen…

Unfreiwillig platzt John Foss in diese bunt zusammengewürfelte Gesellschaft hinein. Als er am Bahnhof stürzt, nimmt ihn die schöne Nadine kurzerhand mit in das Landhaus. Dort soll sich John auskurieren. Als unerwarteter dreizehnter Gast lässt das Unglück nicht lange auf sich warten. Aufgrund seines verletzten Fußes ist John in einem Vorzimmer im Eingangsbereich untergebracht, wo er unfreiwillig Zeuge merkwürdiger nächtlicher Szenarien wird. Nach dem Motto „Der Beobachter sieht vom Spiel am meisten“ gewinnt John ungeahnte Einblicke in die Geheimnisse der Geladenen. Dieses Wissen ist für Kriminalinspektor Kendall bald Gold wert: Denn nach einem zerstörten Gemälde geht es diversen Vier- und Zweibeinern auf Bragley Court an den Kragen. Weiterlesen

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Vivian Gornick: Ich und meine Mutter

Mütter und Töchter – eine lebenslang schwierige Beziehung. Autorin Vivian Gornick schildert eine dieser „Sie lieben und sie hassen sich“- Geschichten, die ihrer eigenen Biografie entsprungen ist. Während der gemeinsamen Spaziergänge durch New York lässt sie in herrlich bösartigen Dialogen die Lebensentwürfe von sich und ihrer Mutter aufeinanderprallen. Ein Minenfeld voller spitzzüngiger Gemeinheiten. Gornicks Mutter muss in den 30er Jahren ihren Beruf für ihre beiden Kinder aufgeben – der Ehemann wollte es so – und hasst fortan ihre eintönige Existenz als Hausfrau. Den Frauen in ihrem Häuserblock intellektuell überlegen, findet sie in Klatsch und Besserwisserei bald ihre neue Bestimmung. Tochter Vivian hingegen lebt ein völlig anders Leben als Journalistin und Schriftstellerin, finanziell unabhängig, ohne Mann und Kinder. Zwischen Neid und Bewunderung für das Leben der jeweils anderen schwankend, können die beiden nicht mit- und nicht ohne einander leben. Am Ende müssen beide erkennen, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie wahrhaben wollen.

In wundervollen, fast schon poetischen Szenen, schildert die Autorin ihre Kindheit im New Yorker Stadtteil Bronx in den 40er Jahren. Die Vierteil sind in jüdische, italienische und irische Einwanderer gegliedert, die Familien teilen nicht nur das Badezimmer am Ende des Flurs, sondern auch das Leben der anderen miteinander. Hier charakterisiert die Autorin verschiedene Frauenbilder, darunter auch Nachbarin Nettie, die einzige Nichtjüdin im Block, die nach dem Tod ihres Mannes ihre Sexualität frei auslebt. Weiterlesen

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Karsten Dusse: Achtsam morden

Zum Totlachen! Achtsamkeitsübungen integriert in einem schwarzhumorigen Krimiplot – Karsten Dusse hat mit diesem Roman eine literarische Lücke geschlossen. Erkenntnis: Unliebsame Geschäftspartner lassen sich ganz tiefenentspannt aus dem Weg räumen, ohne schlechtes Gewissen! Beißt der Boss durch unterlassene Hilfeleistung ins Gras, liegt dies nicht an böser Absicht. Weit gefehlt! Es liegt lediglich daran, dass man in diesem Moment einfach fokussiertes Singletasking betrieben und sich auf die eigene Zeitinsel zurückgezogen hat. Wer unkooperativen Geschäftspartnern die Nase bricht, tut dies selbstverständlich nur, weil er deren innerste Bedürfnisse erkannt hat. Das Gegenüber hatte das Bedürfnis nach Krawall. Den hat er bekommen. Wenn einem ein Haufen Krimineller nach dem Leben trachtet, ist es hilfreich, sich den Begriffen Sicherheit und Unsicherheit völlig wertfrei zu nähern… schon sieht das Leben wieder rosig aus. Und mit der richtigen Atmung bringt einen auch ein explodierter Firmenwagen nicht aus der inneren Mitte.

Zur Story: Björn Diemel hat Probleme. Er ist völlig überarbeitet, bekommt seine Tochter kaum noch zu Gesicht, seine Ehe liegt in Scherben. Als Anwalt sind ihm alle Aufstiegschancen in der Kanzlei verwehrt. Leider ist er zuständig für den „Bäh“-Kunden Dragan, dem Chef eines Verbrechersyndikats. Weiterlesen

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John Lanchester: Die Mauer

Eine beängstigende Dystopie, die im wahrsten Sinne des Wortes Gänsehaut bereitet. Schon der erste Satz „Es ist kalt auf der Mauer“, bringt es treffend auf den Punkt. Erbarmungslos klar schildert der Autor die alles durchdringende Kälte auf dem Schutzwall. Die frostigen Temperaturen sind ein Spiegelbild der Kälte, die in der neuen Gesellschaft „nach dem Wandel“ vorherrscht.

John Lanchester führt aktuelle Begebenheiten des Weltgeschehens fort – wie Klimawandel, Flüchtlingsströme oder den Brexit – und verortet sie in einer düsteren Welt, die nur ein bis zwei Generationen nach uns folgen könnte. Schauplatz ist England, das seine komplette Küstenlinie mit einer Mauer vom Rest der Welt abgeriegelt hat. Grund: Die Insel gehört zu den Staaten, die nach dem „Wandel“ mit einem blauen Auge davongekommen sind. Während die meisten Länder durch den gestiegenen Meeresspiegel untergehen oder durch den Klimawandel verdorren, kann sich England noch einigermaßen autark versorgen. Damit dies so bleibt, werden Flüchtlinge, genannt „Die Anderen“, auf Abstand gehalten. Junge Briten beiderlei Geschlechts müssen zwei Jahre Dienst auf der Mauer leisten, um ihr Land vor Eindringlingen zu verteidigen. Keine leichte Aufgabe: Sollte es einem der Anderen gelingen, die Mauer zu stürmen und ins Landesinnere vorzudringen, wird dafür ein Wächter aufs Meer verbannt. Die Einzigen, die dem Dienst an der Mauer entkommen können, sind die „Fortpflanzler.“ Doch in einer gnadenlosen Welt wollen die meisten keine Kinder mehr bekommen. Weiterlesen

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Carmen Maria Machado: Ihr Körper und andere Teilhaber

Radikal, mystisch, mehrdeutig: Carmen Maria Machados Debüt polarisiert, schockiert und regt zur Diskussion an. Essenz des vielfach ausgezeichneten Erzählbandes: Frauen gehört ihr Körper nicht! Alle möglichen Parteien verschaffen sich Zugang, um an den Vorteilen zu partizipieren. Vorneweg die Männer, teils durch patriarchalische Strukturen, teils gewaltsam durch Vergewaltigung und Mord. Mal sind es die Kinder, die nach Schwangerschaft und Geburt ein „Schlachtfeld“ hinterlassen, um in den folgenden Jahren alle Energie aus ihren Müttern zu saugen. Mal ist es die Gesellschaft, die den weiblichen Körper in Normen zwängt, durch Moralvorstellungen, Jugend- und Schönheitskult. Mal sind es andere Frauen, die sich im Wettstreit um den schlanksten Körper ihren Geschlechtsgenossinnen überlegen fühlen. Mal sind es sogar die eigenen Gedanken, die in Widerstand zum Stofflichen treten. Wahnsinn oder Wahrheit – das ist hier die Frage.

Diese Themen handelt die Autorin in ihren Erzählungen durch eine einzigartige Mischung aus Prosa, Märchen, Mystik, Tiefenpsychologie, Erotik, Sciencefiction und dunklem Humor ab. Weiterlesen

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Tara Isabella Burton: So schöne Lügen

Wer es in New York bis Dreißig nicht geschafft hat, wird es gar nicht mehr schaffen. Diese erbarmungslose Regel gilt im Dunstkreis der Reichen und Schönen. Louise ist 29 Jahre alt und wollte in New York Schriftstellerin werden. Dumm nur, dass sie nichts zu Papier bringt und sich mit drei schlechtbezahlten Nebenjobs notdürftig über Wasser hält. Da tritt die reiche Lavinia in ihr Leben. Jung, schön, blond, reich, exzentrisch. Sie nimmt Louise unter ihre Fittiche, staffiert sie aus, schleppt sie mit auf dekadente Partys, führt sie ein in eine Welt, die sich Louise immer erträumt hat, in die sie aber nicht zu passen scheint. Zumindest nicht, bevor sie radikale Entscheidungen trifft. Was folgt, ist eine Freundschaft zwischen Abhängigkeit, Dominanz und Unterwerfung. Tara Isabella Burton zeichnet das Bild einer Gesellschaft des Scheins, in der Likes und Follower mehr zählen, als echte Beziehungen. In der jeder nach immer neuen Extremen sucht, um sich interessant zu machen. In der Verbrechen ungestraft bleiben, da alle verlernt haben, hinzusehen und mitzufühlen.

Lavinia trägt Vintage-Kleidung, bricht in Parks ein, ist mit Künstlern sowie mit „nicht richtigen“ Prostituierten befreundet und geht auf Partys, in denen Zwerge mit Dildos performen. Sie ist ein klassisches It-Girl, obwohl sie eigentlich nichts leistet. Sie hat ihr Studium abgebrochen, um während eines Sabbaticals einen Roman zu schreiben, der sich grottenschlecht liest. Weiterlesen

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Barbara Pym: Vortreffliche Frauen (1952)

London nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mildred Lathbury ist eine Pfarrerstochter über Dreißig. Anders ausgedrückt: eine alte Jungfer! Zudem ist sie eine „vortreffliche“ Frau – fleißig, bescheiden, anspruchslos, stets um das Wohlergehen anderer bemüht. Sie lebt in einer kleinen Wohnung, arbeitet halbtags für eine Organisation, die sich um verarmte Witwen kümmert und bringt sich in ihrer Freizeit in der Kirchengemeinde ein. Einen Mann vermisst sie nicht, dafür hat sie gute Freunde wie den Gemeindepfarrer Julian Malory und seine Schwester Winifred.

Mit dem beschaulichen Leben ist es vorbei, als das Ehepaar Napier in Mildreds Haus einzieht. Die Anthropologin und der ehemalige Marine-Offizier führen ein exotisches Leben. Sie trinken bevorzugt Wein statt Tee und debattieren doppelzüngig über allerlei anrüchige Themen, angefangen beim Klopapier bis hin zu italienischen Mätressen. Hinzu kommen ständige Streitereien. Von dieser Welt ist Mildred ebenso fasziniert, wie überfordert. Denn schneller als ihr lieb ist, wird sie in ein Ehe-Drama hineingezogen. Zum einen harmonieren die chaotische Helena und der ordnungsliebende Rockingham im Alltag nicht besonders. Zum anderen scheint sich Helena zu ihrem Kollegen, dem Anthropologen Everand Bone, hingezogen zu fühlen. Rockingham ist hingegen ein Charmeur und Frauenheld erster Güte. Auch Mildred ist gegen diesen Charme nicht immun. Wohl wissend, dass sich dies bei einem verheirateten Mann nicht gehört. Weiterlesen

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Hans Fallada: Malheurgeschichten (1930)

Galgenhumor vom Feinsten: Die Kurzgeschichten und Episoden dieses Buches handeln von Menschen, die scheitern, aber trotzdem weitermachen. Irgendwie. Hans Fallada, Autor von „Kleiner Mann, was nun“, macht weder vor Gutsherren, Beamten, Nazis, Bauern, Dieben, herrenlosen Weibern oder Sturköpfen aller Art Halt. Nach dem Motto: „Wenn neunundneunzig Dinge misslungen sind, kann das hunderste doch gelingen.“ Kann… muss aber nicht!

Ein gerissener Schneidergesell versucht, in einer spiegelverkehrten „Hans im Glück“-Geschichte ein paar Bauern hereinzulegen. Junge Wandersleute ziehen einen faulen Wirt über den Tisch, ein Bettler einen abergläubischen Verkäufer. Ehelicher Zwist kann durch Kleinigkeiten wie eine offene Tür hervorgerufen werden. Eine strenggläubige Gutsherrin will die sündige Magd zur Reinheit bekehren – ein Schuss, der böse nach hinten losgeht. Fallada hat ein untrügliches Gespür für die absurden Untertöne des Alltags. Besonders deutlich kommt dies in der Geschichte „Das Groß-Stankmal“ zum Tragen. Weiterlesen

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Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Der provokante Buchtitel lässt bereits auf den Inhalt schließen. Dafür sorgen auch Statements wie: „Menschenrechte enthalten nicht das Recht, dem Elend zu entkommen!“ Eine aus Indien stammende Dolmetscherin für die Asylbehörde schlägt in der Metro einem Migranten eine Weinflasche über den Kopf. Im Polizeirevier will der Beamte wissen, wie es dazu kommen konnte. Gemeinsam begleiten wir die Ich-Erzählerin zu ihrem auslaugenden Arbeitsalltag. In einer nicht enden wollenden Flut werden ihre ehemaligen Landsleute wie „Quallen“ in die Besprechungszimmer der Behörde gespült. Die Schleuser verkaufen den Männern nicht nur die Überfahrt und gefälschten Papiere, sondern auch die immer gleichen Geschichten, die sie vor den Beamtinnen vorbringen sollen. Bei näherer Befragung können diese jedoch schnell als Lügenkonstrukt entlarvt werden. Es gibt Männer, die behaupten, als Christen verfolgt worden zu sein. Doch sie wissen nicht, was an Weihnachten gefeiert wird oder wer die Heiligen Drei Könige sind. Es gibt Männer, die behaupten, von einer gegnerischen Partei bedroht zu werden, denen aber jegliche politische Grundbildung fehlt.

Mal reagieren die Antragsteller unterwürfig-devot, mal aggressiv-fordernd. Sie stammen aus einem Land, in dem arrangierte Ehe legitim sind und Frauen wenig zu sagen haben. Hier nun entscheiden zwei Frauen über ihre Zukunft! Weiterlesen

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Katrine Engberg: Blutmond

Die Kopenhagener Fashion Week im Januar, wenige Tage vor dem astrologischen Ereignis des Blutmondes: Modezar Alpha Batholdy bricht nach einem Event tot zusammen. Seine inneren Organe sind verätzt worden, offenbar durch eine stark basische Substanz wie Abflussreiniger, die während der Eröffnungsfeier in seinen Drink gelandet ist. Wenig später ereilt Sängerin Cara dasselbe Schicksal. Die Kopenhagener Polizei rund um Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner versucht anhand von Zeugenaussagen und Social Media Selfies die Beziehungen der Akteure untereinander zu entschlüsseln. Das Problem: Jeppes bester Freund, der Schauspieler Johannes Ledmark, war mit beiden Opfern bekannt, hatte sie an den Abenden getroffen und sogar einen schweren Streit mit Alpha gehabt. Jeppe gerät in ein schweres Dilemma.  Soll er Johannes schützen? Wie gut kennt er seinen besten Freund wirklich?

In atemlosen Tempo und in bester skandinavischer Manier, präsentiert uns die Autorin routiniert ein sich immer schneller drehendes Roulette, das sich um die Frage „Who did it?“ dreht. Sie präsentiert uns eine ganze Reihe von Verdächtigen mit verschiedensten, starken Mordmotiven. Weiterlesen

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