Jane Gardam: Ein untadeliger Mann

Reinweiße Fingernägel, glänzendes Schuhwerk, viktorianisches Seidentuch in der Brusttasche: Edward Feathers ist „sagenhaft sauber“ und verströmt noch im 21. Jahrhundert die Eleganz des Empire herauf. Als Anwalt Old Filth (failed in London, try Hong Kong) hat er in Fernost Karriere gemacht. Doch nach dem Tod seiner Frau Betty bricht sein tadelloses Leben auseinander. In Rückblenden wird das Bild eines Mannes erzählt, der Perfektionismus als Schutzschild gegen seine schrecklichen Kindheitserlebnisse als „Raj Waise“ kultiviert hat. In unvergleichlich britischer Manier schafft es Jane Gardam, Tragik, Komik, Weisheit und Menschlichkeit miteinander zu verknüpfen. Elegant beschwört sie die Ära der Britischen Kolonialzeit herauf, die uns noch heute so verstört wie fasziniert.

In den noblen Räumen des Londoner „Inner Temple“ diskutieren hochrangige Richter und Anwälte über Old Filth. In dessen Leben habe es nie einen Fehlgriff gegeben. Es sei immer alles glatt gelaufen. Weiterlesen

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Haruki Murakami: Birthday Girl

Haruki Murakami schafft es wie kein Zweiter, den Raum zwischen den Zeilen zu füllen. Mag dieses Buch mit seinen 72 beschriebenen und illustrierten Seiten auf den ersten Blick übersichtlich wirken, so öffnet der Autor die Augen für all das, was sich dahinter verbirgt. Das Ungesagte seiner Prosa kann es mit jedem umfangreichen Roman aufnehmen. Der Autor regt die Imagination des Lesers an, verleitet dazu, sich mit universellen Themen wie dem Zauber und Fluch von Wünschen auseinanderzusetzen.

Zur Erzählung: An ihrem zwanzigsten Geburtstag geht eine junge Frau wie gehabt ihrer Arbeit in einem Restaurant nach. Doch ausgerechnet heute wird der Geschäftsführer krank und sie muss dem mysteriösen Eigentümer, der die oberste Etage bewohnt und den niemand zu Gesicht bekommt, dessen Abendessen aufs Zimmer liefern. Der ältere Herr bietet der Kellnerin an, ihr einen Wunsch zu erfüllen. Egal, welchen. Die Antwort überrascht ihn. Und den Leser überrascht die Auflösung – oder vielmehr das Ausbleiben derselben. Weiterlesen

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Don Carpenter: Freitags im Enrico’s

Vier Schriftsteller treffen zwischen 1959 und 1975 immer wieder an Amerikas Westküste aufeinander. In dieser bewegten Zeit des gesellschaftlichen Wandels, voller Beat-Poeten und Hippiekultur, Vietnamkrieg und freier Liebe, entwickelt die Story einen außergewöhnlichen Sog. Freitags bei Enrico‘s ist ein Abgesang auf eine Ära und den Beruf des Schriftstellers. Die unterschiedlichen Autorenschicksale zeigen, dass Schreiben Ruf und Fluch zugleich ist. Schriftsteller sind Getriebene, ohne Aussicht auf Ankommen. Daran vermögen (Miss-) Erfolge nichts zu ändern. Nostalgisch, berührend, lesenswert!

Im pulsierenden San Francisco debattiert die künstlerische Boheme über die Liebe und das Leben. Charlie ist Koreaveteran, der an einem Kriegsepos arbeitet und dem eine große Karriere prognostiziert wird. Studentin Jamie hat das Schreiben im Blut, eine ungeplante Schwangerschaft droht ihren Träumen jedoch ein Ende zu bereiten. Dick, ein selbstverliebter Müßiggänger, erlebt nach einem kurzen Erfolg den herben Fall. Einbrecher Stan scheint seine wahre Berufung gefunden zu haben, muss aber erst eigene Dämonen besiegen. Weiterlesen

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Shane Kuhn: Feindliche Übernahme

Thriller plus Comedy – da ist ein Mordsspaß garantiert! Seit Shane Kuhns Erstlingsroman „Töte deinen Chef“ arbeitet John Lago in einer Vermittlungsagentur für Profikiller. Human Resources Inc. schleust diese als Praktikanten in Unternehmen ein, um verhassten Firmenbossen den Garaus zu machen. In diesem literarischen Nachfolger geht es noch abgedrehter zur Sache. John ist mittlerweile mit seiner ehemaligen Erzfeindin, der Profikillerin Alice, verheiratet. Die beiden haben eine besondere Beziehungsdynamik, nach dem Motto: Sie küssten und sie schlugen sich … Gnadenlos böse, gnadenlos gut.

Wer es makaber mag, wird dieses Buch lieben. Der Autor Shane Kuhn schafft Kunstfiguren, die fast Tarantino-mäßig anmuten. Weiterlesen

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Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes

Es gibt sie noch, die modernen Märchen. Dafür bedarf es eines italienischen Drehbuchautors und Regisseurs, der in seinem ersten Roman zwar nicht die „fabelhafte Welt der Amélie“, dafür aber die nicht weniger fabelhafte Welt des Michele erschaffen hat. Der sonderbare Einzelgänger lebt in seinem Bahnhofswärterhäuschen und sammelt Gegenstände, die Fahrgäste im Zug vergessen haben. Vor über zwanzig Jahren ist seine Mutter in einen dieser Züge gestiegen und nie wieder heimgekehrt. Seitdem misstraut Michele allen Menschen. Bis eines Tages die quirlige Elena in seine Alltagsroutine platzt. Wenig später findet Michele im Zug einen persönlichen Gegenstand. Sein altes Tagebuch, das seine Mutter bei ihrer Abreise mitgenommen hat … Weiterlesen

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Christopher Lück: Emma, der Kaktus und ich

Self-fulfilling prophecy oder Schicksal? Gerd Gerthner verliebt sich in die Gärtnerin Emma, die im Botanischen Garten Berlin zeigt, was eine richtige Harke ist. Bislang kam Gerd weder im Studium noch beim Sex so richtig zum Zuge. Der liebenswerte Loser hat nicht einmal sein „Erstes Mal“ hinter sich gebracht. Bringt die coole Emma endlich die Wende? Eine amüsante literarische Mischung aus „American Pie“ und männlicher „Bridget Jones“.

Gerd Gerthner wohnt im hippen Berlin, ist selbst jedoch alles andere als hipp. Sein Studium zieht sich wie Kaugummi, die literarischen Ambitionen sind wenig von Erfolg gekrönt, auch der Auszug aus dem „Hotel Mama“ liegt noch in weiter Ferne. Traumtänzer Gerd ist ein Spätzünder, wie er im Buche steht. Weiterlesen

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Jan Costin Wagner: Sonnenspiegelung

Ein plötzlich verstorbener Familienvater, ein geplanter Selbstmord, ein fehl geschlagener Einbruch. Jan Costin Wagners acht faszinierende Geschichten aus „Sonnenspiegelung“ befassen sich mit den Schattenseiten der menschlichen Existenz. Mal bricht das Dunkel scheinbar plötzlich in eine sommerliche Idylle hinein, mal wartet ein schwarzes Loch aus der Vergangenheit darauf, die Gegenwart für sich zu vereinnahmen. Fassaden brechen, Masken fallen.

Jede Story gleicht einer emotionalen Tour de Force mit ungewissen Ausgang. Dank atemberaubend eingebauter Wendungen können wir uns nie sicher sein, was der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Autor uns hier literarisch vorspiegelt. Weiterlesen

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Jenny Offill: Amt für Mutmaßungen

Vom Verlieben, Entlieben und Wiederlieben beschreibt Jenny Offill die Stationen einer Beziehung in New York. Dabei beherrscht Jenny Offill die seltene Kunst, in wenigen Worten alles zu sagen. Sie reiht Momentaufnahmen, Gedanken und Dialoge aneinander. Jede dieser literarischen Szenen gleicht einem emotionalen Durchschuss. So hat schon lange niemand mehr über die Liebe in modernen Zeiten geschrieben.

Er macht Musik und arbeitet beim Radio, sie schreibt und arbeitet als Lehrerin und Ghostwriterin. Es scheint, als wären sie füreinander geschaffen. Sie sind verliebt, heiraten, bekommen ein Kind. Dann bricht das Leben über sie herein. Weiterlesen

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Jón Gnarr: Der Outlaw – Eine isländische Jugend am Rande der Gesellschaft

Jón Gnarrs Werdegang ist mehr als abenteuerlich: Problemkind, Punker, Anarchist, Radiokomiker, Gründer der „Besten Partei“ Islands, Oberbürgermeister von Reykjavik. Nach seiner Biografie „Indianer und Pirat“ setzt diese Autobiografie in einer schmerzlichen Zeit an: Jón landet in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Der Vierzehnjährige hadert mit den Regeln des Schulsystems, doch er findet etwas Zugehörigkeit. Unter Islands verlorenen Kindern ist er nicht mehr länger ein Mobbingopfer. Er ist der coole „Jonsi-Punk“.

Die Jugendanstalt in Núpur liegt am Rande der Welt, umgeben von Meer, Felsen und meterhohen Schneehügeln. Hier wären Gitter vor den Fenstern gar nicht nötig, da es nichts gibt, wohin die Jugendlichen flüchten könnten. An diesem Ort verbringt Jón zwei Jahre seines Lebens. Tapfer gilt es, verdorbenen Walgulasch hinter zu würgen und sich morgens den Weg frei zu schippen. Weiterlesen

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Kristina Pfister: Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

Es sind die wohl größten Lehrjahre des Lebens: Jener schwerelose Raum zwischen Jugend und Erwachsenendasein. Für viele eine aufregende Zeit des Aufbruchs. Für andere jedoch eine Zeit voller Selbstzweifel und Stagnation. Die 24-jährige Annika gehört zur letzteren Gruppe. Sie hat ihr Studium beendet, macht sinnlose Praktika, weiß nicht wohin mit sich. Ihren gleichaltrigen Freundinnen scheint es wesentlich besser zu gehen: Facebook-Schnappschüsse von exotischen Auslandsaufenthalten, tollen Jobs und neuen Liebschaften führen Annikas eigenes Versagen vor Augen. Sie zieht sich immer mehr zurück. Bis sie eines Tages ein ungewöhnliches Mädchen kennenlernt, dass ihrem Leben eine neue Richtung gibt. Weiterlesen

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