Pippa Goldschmidt: Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen

Die surreale  Endzeitstory „Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen“ beginnt damit, dass weltweit die GPS-Systeme versagen. Dann krachen „die Satelliten wie himmlische Autoscooter ineinander, und die Astronomen waren in ihren Raumstationen gefangen und warteten auf die Unendlichkeit.“

Diese Geschichte versteckt sich auf kurzen zwei Seiten in der Mitte des Buches und zeigt die ganze Eindringlichkeit und Lakonie der Sprache, mit der Pippa Goldschmidt unterschiedlichste Geschichten erzählt, von Frauen in der Wissenschaft, die nicht durch Teleskope sehen dürfen, aber klassifizierte Sterne in Listen eintragen; von den privaten Tragödien des Albert Einstein und Alan Turings; von Robert Oppenheimers Zeit als unsicherer Doktorand in Camebridge und Bertold Brecht im Exil. Weiterlesen

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Enrico Brissa: Auf dem Parkett: Kleines Handbuch des weltläufigen Benehmens

Das ist schon etwas Besonderes, wenn der ehemalige Protokollchef beim Deutschen Bundestag und Protokollchef der Bundespräsidenten Wulff und Gauck ein Handbuch über gutes Benehmen und angebrachte Manieren vorlegt.

Enrico Brissa hat dies nun getan. Mit seinem Handbuch geht er aber teilweise ganz andere Wege als die herkömmlichen Benimmratgeber und Verhaltens-Knigges, mit denen der Buchmarkt aus gutem Grund übersättigt ist. In einem Vorwort erinnert sich Brissa kurz seiner eigenen Erziehung und verweist darauf, dass Manieren und gute Sitten z. B. Bei Tisch nicht nur ein Selbstzweck sind, sondern demjenigen, der sie beherrscht, Halt geben.

Darüber hinaus seien sie auch ein Zeichen von Achtsamkeit und Respekt. Das sehe im Privaten nicht anders aus als auf dem öffentlichen Parkett. In diesem Zusammenhang erinnert er an anderer Stelle an den berühmt berüchtigten Fototermin der Staats- und Regierungschefs auf dem Nato-Treffen in Brüssel 2017, als US-Präsident Donald Trump dadurch unangenehm auffiel, dass er den Premierminister von Montenegro, Markovic, rüde beiseiteschob und sich vordrängelte. Weiterlesen

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Sebastian Guhr: Die Verbesserung unserer Träume

Lichtjahre von der Erde entfernt haben Menschen in einem unbedeutenden Sonnensystem eine Stadt gebaut. Die Oneiropole sollte Symbol einer neuen, besseren Gesellschaft werden. Aber Rheit ist ein feindseliger Planet und die früheren Ideale der Siedler sind längst zu hohlen Phrasen verkommen – soviel (und etwas mehr) verrät bereits der Klappentext des sonderbaren und besonderen Buches von Sebastian Guhr.

Die Nachfahren der ersten Siedler führen ein geordnetes Leben, 20 Lichtjahre von der Erde entfernt, abseits von Handlungsrouten in einem offenbar besiedelten Weltraum, fernab anderer bewohnter Planeten. Das Wohnschiff Prometheus, mit dem sie angekommen sind,  wurde zerstört, aus den Trümmern wurde ein Frachter gebaut, der gerade dazu nutze ist, von Rheit zum Außenparasiten zu pendeln. Der Frachter liefert einen Rohstoff, die Droge Kys, deren Anwendung Pflicht ist. Weiterlesen

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Muriel Spark: Memento Mori (1959)

Diogenes hat den 1959 erschienenen Roman “Memento Mori” von Muriel Sparks neu übersetzt herausgebracht. In meiner Erinnerung handelte das Buch von einem Haufen alter Leute, die körperlich, mental und finanziell in unterschiedlichen Ligen spielen, letztlich aber alle durch Arteriosklerose, Endokarditis, Schlaganfälle oder Gehirnblutung zu Pflegefällen werden oder sterben. So ganz hat mich meine Erinnerung nicht getrogen, auch ist immer noch der Hobby-Gerontologe Alec Warner mein Liebling, der sein Umfeld auf Hinweise auf die Art des Alterns hin befragt, beobachtet und auf unsensible Weise zu Versuchsobjekten macht.

So schreibt er seinen Freunden Briefe, in denen er ihnen Hiobsbotschaften mitteilt und informiert zum Beispiel Guy, dass Percy dessen Memoiren gelesen hat und sehr aufgebracht über deren Inhalt ist. Verbunden mit dieser Mitteilung an Guy ist die Bitte, dieser möge Percy bei dessen Besuch und der erwarteten Aussprache den Puls messen, die Temperatur überprüfen und Gesichtsfarbe, Redeweise und Aussprache beobachten und protokollieren. Weiterlesen

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Flurin Jecker: Lanz

Der 14-jährige Lanz hat Projektwoche und eigentlich keine Lust, einen Blog schreiben. Trotzdem meldet er sich bei dem Projekt „Ich schreibe einen Blog“ an, weil er weiß, dass Lynn da sein wird. Dass sein Lehrer Gilgen den Kurs leitet und Lynn gar nicht da ist, frustriert ihn.

Natürlich hat er keine Ahnung, was er schreiben soll. Als er dann aber beginnt, werden seine Einträge so persönlich, dass niemand den Blog lesen darf: Lanz hat zwei Zuhause, ein Zimmer bei der Mutter, eins beim Vater, und versucht beiden Eltern das Gefühl zu geben, dass es bei ihnen jeweils am schönsten ist.

Das Dorf in der Schweiz, in dem er lebt, steht nicht gerade für Spaß und Abwechslung. Am meisten beschäftigen ihn seine Gefühle für Lynn, die dann doch noch im Kurs auftaucht. Allerdings meint Gilgen, dass es unmöglich sei, im Projekt „Ich schreibe einen Blog“ erst gar nicht zu bloggen, dann seine Texte geheim zu halten, obwohl der Sinn eines Blogs das Teilen von Eindrücken, Geschichten und Gefühlen mit anderen ist. Weiterlesen

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J. P. Delaney: The Girl Before

Jane hat ihr Baby verloren und versucht einen Neuanfang. Sie kündigt ihren Job und sucht eine neue Wohnung. Mit weniger Geld als zuvor fällt die Wohnungssuche schwer und nach einigen Besichtigungen bewirbt sie sich um ein merkwürdig modernes Haus in der Folgate Street 1 in London, das durch Minimalismus und High Tech besticht. „Bewerbung“ bedeutet, dass sie erklären muss, warum das Haus und sie zusammenpassen, dass sie hundert teils persönlicher Fragen beantworten und dem Architekten und Besitzer des Hauses, Edward Monkford, ein Foto von sich schicken muss.

„The Girl Before“, von dem Jane nach und nach erfährt, ist Emma. Sie ist gemeinsam mit ihrem Freund Simon eingezogen, als auch sie an einem Wendepunkt in ihrem Leben war.

Der Dritte im Bunde mit schmerzlicher Vergangenheit ist der Architekt Monkfort selbst: Das Haus war für seine Familie, Frau und Sohn, konzipiert. Beide sind ums Leben gekommen und Jane findet Hinweise darauf, dass sie unter dem Grundstück des Hauses bestattet wurden. Weiterlesen

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Ulrike Anna Bleier: Schwimmerbecken

Luise erzählt von ihrer Kindheit mit dem Zwillingsbruder Ludwig in Kollbach, von ihrem Leben in Regensburg, vom Verschwinden und der Rückkehr Ludwigs. Anlass für den Rückblick ist die Rückkehr von Luises Bruder nach einer Abwesenheit von fünf Jahren, die genauso wenig erklärbar ist wie das Bluten aus den Augen einer lokalen Beinahe-Heiligen.

Luise hat ihren Bruder immer bewundert, hat zu ihm aufgeschaut und seine dunklen Wesenszüge und seinen manischen Ordnungssinn nicht nur akzeptiert, sondern darin seine Überlegenheit erkennen wollen. Doch wo war Ludwig? Warum ist er gegangen? Warum spricht er nun, zurückgekehrt, eine Sprache, die seine Familie nicht versteht?

„Schwimmerbecken“ ist ein tottrauriger und unglaublich spannender Heimat- und Kindheitsroman, in dem alles gleichzeitig einfach und magisch ist. Der schwarze Bach, der durch den Ort Kollbach fließt, ist unruhig und dunkel wie Ludwig, Luise erzählt davon und von der keltischen Vergangenheit des Ortes. Weiterlesen

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Robert A. Heinlein: Die Invasion

Eine Invasion von Außerirdischen bedroht die Erde! Oder ist das eine Täuschung? Zunächst wird über Iowa ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet, in der Bevölkerung bricht daraufhin Panik aus, Agenten werden geschickt, um das Objekt zu studieren. Dann folgt die Entwarnung: Es gab kein Flugobjekt, keine Außerirdischen, keine Gefahr. Das Raumschiff entpuppt sich als plumpe Fälschung.

Die Agenten Sam und Mary werden auf die merkwürdige Angelegenheit angesetzt, als zwei Agenten des Secret Service nicht von ihrem Einsatz in Iowa zurückkehren. Sie finden heraus, dass eine Alien-Invasion tatsächlich stattgefunden hat. Die Mollusken-Aliens, die sich vom sechsten Mond des Saturn zur Erde aufgemacht haben, um den Planeten zu erobern, sind tatsächlich gelandet und ihr Feldzug hat begonnen. Weiterlesen

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E. S. Schmidt: Die zweite Finsternis

Ich liebe gute Endzeit-Geschichten, und E.S. Schmidts Roman beschreibt definitiv das Leben der Menschheit nach ihrem Ende als Beherrscher der Welt. Im Prolog kurz zusammengefasst die Ursache für die Zerstörung der menschlichen Zivilisation: Ein außerirdisches Raumschiff stürzt auf der Erde ab und drachenähnliche Reaper mit telepathischen Fähigkeiten, die große Teile der Menschheit und der Tierwelt ausrotten, werden freigelassen.

In den USA gibt es nur noch wenige menschliche Siedlungen, die mit den Möglichkeiten der untergegangenen Zivilisation gesichert sind. Weiterlesen

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Marcel Bauer: Shango: Im Bann des Voodoo

Layout 1Georg Werners Großvater war Eisenbahner in der deutschen Kolonie Togo. Georg, der sich für die Lebensgeschichte seines Großvaters bisher nicht interessiert hat, findet auf dem Dachboden seiner Eltern einen unheimlichen Nagelfetisch, der in seinem Brustkasten wie in einem Reliquienschrein merkwürdige Überreste enthält. Er bewahrt den Fetisch von nun an zuhause auf, gegen den Willen seiner Frau Petra.

Georg plagen, seitdem er diesen unheimlichen Fund gemacht hat, Albträume, er hat Erscheinungen und sein Alltag gerät völlig aus den Fugen. Schließlich reist er überstürzt nach Afrika ab, scheinbar gesteuert von einer fremden Macht. Weiterlesen

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