Michael Köhlmeier: Wenn ich wir sage

Michael Köhlmeier wurde für sein literarisches Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Vor einigen Jahren erlangte er durch seine Schilderungen der antiken Sagenwelt im Fernsehen zusätzliche Bekanntheit. (bei Interesse: viele Folgen sind auf Youtube verfügbar)

In seinem nun vorliegenden Buch beschäftigt sich Köhlmeier mit der Frage nach dem ‚Wir‘. Was bedeutet es, ‚Wir‘ zu sagen? Wer sind ‚Wir‘? Und gibt es unterschiedliche Bedeutungen des ‚Wir‘ in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext?

Ein Thema, das nicht so zugänglich ist, wie es zunächst scheinen mag. Und ein Thema, mit dem sich zu beschäftigen auch gar nicht so philosophisch und realitätsfern ist, wie man zunächst vielleicht vermuten könnte. Denn der Umgang mit dem ‚Wir‘ definiert unseren Umgang mit den Menschen, die um uns herum sind. Mit unserer Familie, mit unseren Freunden und mit allen anderen Menschen, die uns alltäglich umgeben.

Gerade beim letzten Punkt wird die Aktualität und Wichtigkeit von Köhlmeiers Überlegungen deutlich. Welche Bedeutung hat das ‚Wir‘, wenn wir an das Land denken, in dem wir leben? Sind ‚Wir‘ dann alle Menschen, die in Deutschland (oder Österreich, Europa … ) leben? Ganz egal, ob sie ursprünglich in einem anderen Teil der Welt geboren wurden? Oder bezieht sich dieses ‚Wir‘ nur auf die Menschen mit der ‚richtigen‘ Nationalität? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima!

„Die größte Herausforderung besteht darin, so viel zu retten, wie noch zu retten ist: so viele Bäume, Eisberge, Grade, Arten und Leben – bald, schnell und ohne Aufschub.“ (Seite 165)

Jonathan Safran Foer ist ein amerikanischer Autor, der vor einigen Jahren mit seinem Sachbuch ‚Tiere essen‘ bekannt wurde; einem eindringlichen Plädoyer für eine zumindest vegetarische Ernährungsweise. In seinem neuen Buch befasst er sich nun mit einem weiteren wichtigen und brandaktuellen Thema: der Klimakrise.

Die durch den Klimawandel drohenden Katastrophen sind nicht erst seit Greta Thunberg und der Fridays-for-Future-Bewegung bekannt. Bereits Al Gore machte Ende der 90er-Jahre mit ‚Eine unbequeme Wahrheit‘ auf diese uns alle betreffende Thematik aufmerksam. Die Zahl der Wissenschaftler, die die globale Erwärmung durch Untersuchungen belegt haben und immer wieder belegen, ist enorm. Zahlreiche Belege für den Klimawandel, wie Wirbelstürme und Flutkatastrophen, sind mittlerweile auch in den Nachrichten zu sehen. Und dennoch ist das Thema für die meisten Menschen nicht relevant.

Warum ist das so? Mit dieser Frage beschäftigt sich Jonathan Safran Foer unter anderem in seinem Buch. In zum Teil sehr persönlichen und sehr nachdenklich machenden Kapiteln geht er der Frage nach, warum das Problem des Klimawandels von vielen Menschen ignoriert oder sogar in Frage gestellt wird. Immerhin ist es ein Problem, das in den kommenden Jahrzehnten dafür sorgen wird, dass unsere Welt sich deutlich zum Negativen verändern wird. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Mark Forsyth: Eine kurze Geschichte der Trunkenheit

Wem es bislang noch nicht klar war, dem wird spätestens mit der Lektüre von Mark Forsyths unterhaltsamen Buch ein Licht aufgehen: Alkohol und Trunkenheit haben in der Geschichte der Menschheit schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Der Leser wird in jedem der 18 Kapitel durch eine andere Epoche bzw. Zivilisation der Menschheitsgeschichte geführt und erfährt, welche Rolle der Alkohol dort spielte.

Es beginnt bereits in der Frühgeschichte der Menschheit. So fand man in der uralten Stadt Göbekli Tepe (Türkei) große Steinwannen, in denen sich vermutlich Alkohol befand, wenn an diesem Ort die damals noch als Jäger und Sammler umherstreifenden Menschen zusammenkamen. Überhaupt, vermutet Forsyth, könne Bier durchaus eine wichtigere Rolle beim Sesshaft werden der Menschen gespielt haben als allgemein angenommen, da es ähnlich nahrhaft wie Brot ist, aber wesentlich leichter herzustellen.

Nach diesem Einblick in die Frühzeit führt Forsythe den Leser weiter nach Mesopotamien, wo die Sumerer sogar eine Göttin des Bieres hatten. Sie trug den Namen Nikasi. Weiter geht es mit einer äußerst aufschlussreichen Schilderung des, nun ja, eher entspannten Verhältnisses, das die alten Ägypter zum Alkoholgenuss und dessen Folgen hatten sowie dem deutliche komplizierteren Umgang, den die Griechen insbesondere mit dem Wein pflegten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Vaucher: Der General

Paris am 10. August 1792. Es ist der Tag des Tuileriensturms. Die Schweizergarde hat den Auftrag, den Tuilerienpalast, die königliche Residenz, zu bewachen. Doch die Französische Revolution ist in vollem Gange. König Ludwig XVI. ist mit seiner Familie in die Nationalversammlung geflohen. Die Schweizer stehen vor der Aufgabe, einen leeren Palast vor dem Ansturm der aufgebrachten Volksmassen schützen zu müssen.

Unter ihnen der Gardist Johann Gobet. Trotz allen Einsatzes muss er mit ansehen, wie die Schweizer immer weiter dezimiert werden. Es gibt viele Tote auf beiden Seiten, doch schließlich gewinnt das Volk die Oberhand. Ein anderer Gardist, Hauptmann von Erlach, übergibt Johann kurz vor seinem Tod ein Lumpenbündel mit einer darin eingewickelten Speerspitze. Johann erhält den Auftrag, sie keinesfalls in die Hände der Aufständischen fallen zu lassen. Nun bleibt ihm nur noch die Flucht durch die Straßen des von wütendem Volk brodelnden Paris…

Thomas Vaucher ist ein Schweizer Autor, der mit ‚Der General‘ einen weiteren historischen Roman vorlegt, der sich mit einem Stück der Schweizer Geschichte beschäftigt. In diesem Fall ist es die Rolle der Schweizergarde zur Zeit des Tuilerienstrums und die Zeit der helvetischen Republik. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

Goethe und Schiller im Jahr 2014 auf einer Lesereise durch den Harz? Und das in einem Alter von jeweils deutlich über 200 Jahren? Das ist die völlig verrückte und doch großartige Idee, die hinter dem Romandebüt von Christian Tielmann steht.

Der Verleger Cotta möchte den Absatz der insbesondere von den beiden Herren geschriebenen Klassiker wieder ankurbeln. Da Goethe und Schiller in Christian Tielmanns Geschichte nicht etwa schon vor langer Zeit verstorben sind, sondern in Weimar bzw. Jena leben und sich durchaus guter Gesundheit erfreuen, ist das an sich kein Problem. Und die beiden Herren lassen sich auch darauf ein. Goethe freilich mit deutlich mehr Widerwillen als Schiller.

Ganz einfach wird die Lesereise dann auch nicht. Auch deshalb, weil die geplanten Lesungen vornehmlich vor Schülern stattfinden, denen die großen Namen und die Werke der beiden so gar nichts sagen. Ein Umstand, mit dem Schiller deutlich besser zu Recht kommt und es dann auch tatsächlich schafft, bei der Lesung eines von ihm verfassten Fantasy-Romans das Interesse der jungen Leser zu wecken. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Eine Arbeitswoche mit nur 15 Stunden? Geldgeschenke an Bedürftige? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Unvorstellbar? Unsinnig? Nicht realisierbar? Nicht, wenn es nach Rutger Bregman geht. In seinem Buch ‚Utopien für Realisten‘ stellt er dar, dass solche Ideen alles andere als unrealistisch sind. Wir müssen uns nur trauen, sie in unserem Denken auch wirklich zuzulassen. Denn, so sagt er, ein Problem, das wir haben, ist, dass es uns so gut geht, dass wir uns solche Dinge gar nicht vorstellen können.

Im Unterschied zu einem Leibeigenen des Mittelalters oder einem Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung ist unser Lebensstandard so hoch, dass wir gar nicht mehr wirklich nach weiteren Verbesserungen streben, sondern vielmehr davon ausgehen, dass die Zukunft nur schlechter werden kann. Und genau da sieht Bregman die Gefahr: dass diese Vorstellung dann tatsächlich zur Wirklichkeit wird.

Das ist aber nach seinen Untersuchungen überhaupt nicht nötig. Denn es gibt bereits zahlreiche Erfahrungen, die in der Praxis gezeigt haben, dass beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen fast nur positive Auswirkungen hat. Das Leben der Menschen verbessert sich und auch die Staatsausgaben sinken. Denn durch die festen und von Bedingungen unabhängigen Zahlungen reduzieren sich zum Beispiel Verwaltungskosten ganz erheblich. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tony Kent: 3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer

Der US-Präsident und sein Amtsvorgänger nehmen an einer Großveranstaltung in London teil. Der gesamte Trafalgar Square ist gesperrt und nur für geladene Gäste zugänglich. Überall ist Sicherheitspersonal postiert. Sogar auf den Dächern, die den Platz umgeben, liegen Scharfschützen in Stellung. Dennoch kommt es zu einem Attentat, bei dem einer der Politiker getötet und ein weiterer verletzt wird. Sicherheitschef Joe Dempsey kann den Täter zwar fassen, doch als dieser kurz darauf tot in seiner Zelle aufgefunden und weitere seltsame Todesfälle folgen, kommen ihm Zweifel.

Zur gleichen Zeit gerät die Journalistin Sarah, die bei dem Attentat ebenfalls anwesend war, zufällig an Informationen, die ihr Leben in Gefahr bringen. Zusammen mit dem Rechtsanwalt  Michael Devlin versucht sie, die Hintergründe der Tat aufzudecken. Es beginnt eine Jagd, die bis nach Irland führt und bei der sowohl Michael Devlin als auch Joe Dempsey ihrer Vergangenheit begegnen… Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marijke Louisa Fuchs: Die Abenteuer von Naginoso und Schnuff

Marijke Louisa Fuchs ist eine junge Autorin, die mit ‚Naginoso und Schnuff‘ nun ihr Erstlingswerk veröffentlicht hat. Das Buch ist für Kinder im Alter von 5 – 8 Jahren geschrieben und eignet sich neben dem Vorlesen durchaus auch für erste Leseerfahrungen und -übungen. Wirklich selbst lesen und verstehen werden es vermutlich aber erst Kinder ab der zweiten Schulklasse. Die Geschichte ist zwar bebildert, besteht aber doch zum größten Teil aus Text. ‚Naginoso und Schnuff‘ ist kein Bilderbuch, obwohl es eine Reihe hübscher Zeichnungen der (tierischen) Protagonisten enthält.

Naginoso und Schnuff sind Katzen. Genauer gesagt eine Maine-Coon-Katze und ein Scottish-Fold-Kater. Das erfährt man direkt zu Beginn der Geschichte, denn da stellen die beiden sich dem Leser bzw. der Leserin persönlich vor und erzählen ein wenig von sich. Das ist sehr schön gemacht, da die beiden Katzen so quasi direkt mit dem lesenden Kind sprechen und so es in die folgende Geschichte mitnehmen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marc Elsberg: Gier

Marc Elsberg hat sich durch seine Romane in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Autoren entwickelt. Bereits mit seinen Thrillern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘ feierte er große Erfolge. Dabei erhielten ‚Blackout‘ (2012) und ‚Zero‘ (2014) von der Zeitschrift ‚Bild der Wissenschaft‘ jeweils die Auszeichnung als Wissensbuch des Jahres.

Die Handlungen von Elsbergs Büchern basieren auf wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen, aus deren Möglichkeiten und Risiken er spannende Plots aufbaut. So spielt er in ‚Blackout‘ mit den Folgen eines umfassenden Stromausfalls in Europa, in ‚Zero‘ behandelt er mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und beschäftigt sich in ‚Helix‘ mit dem Thema Genmanipulation.

Nun liegt mit ‚Gier‘ sein neueste Buch vor, in dem er sich diesmal nicht mit einer auf neuen technologischen Möglichkeiten basierenden Entwicklung befasst. Es geht um unsere Gesellschaft und deren Entwicklung vor dem Hintergrund von Globalisierung, Kapitalismus und der Tatsache, dass immer größere Vermögen in den Händen eines immer geringer werdenden Teils der Menschheit liegen. Wie geht die Menschheit mit Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Zukunftsängsten um? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Uli Aechtner: Die Bach runter

Was würden wir tun, wenn durch irgendein Unglück alles um uns herum zusammenbrechen würde? Kein Strom mehr. Und kein Trinkwasser. Keine Möglichkeit mehr, sich im Supermarkt mit Lebensmitteln zu versorgen. Die meisten von uns hätten in einem solchen Fall vermutlich ein Problem, denn wer ist auf so eine Situation schon vorbereitet?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Prepper. Mit diesem Begriff (von prepare – vorbereiten) bezeichnet man Personen, die für eine Krise vorsorgen, indem sie Lebensmittelvorräte anlegen, sich in Überlebenstechniken ausbilden und mit Waffen beschäftigen.

Mit Personen aus diesem Umfeld bekommt es der bereits aus anderen Krimis von Uli Aechtner (‚Todesrauscher‘, ‚Mordswetter‘) bekannte Kommissar Christian Bär in ihrem neuesten Roman zu tun.

Dabei geht es zunächst nur um ein Baby, das ein Schäfer in der warmen Asche eines Lagerfeuers findet. Da es dem Baby gut geht und nur zu klären ist, wer die Eltern sind und wer es an diesen seltsamen Ort gelegt hat, scheint Christian Bärs Welt in Ordnung. Zumal er Urlaub hat, in dem er viel mit seiner Nichte Amelie unternehmen möchte.. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: