Andy Weir: Der Astronaut

Als Ryland Grace aufwacht, weiß er nicht, wo er ist und auch nicht wer er ist. Er hat sein Gedächtnis verloren und ist allein. Mit ihm im Raum befinden sich zwei Leichen…

Was wie der Anfang eines Krimis klingt, ist die Ausgangssituation, aus der der Protagonist des neuesten Romans von Andy Weir („Der Marsianer“) allmählich herausfinden muss. Stück für Stück gelingt ihm das auch. Erinnerungen blitzen auf, die ihn schließlich zu dem Schluss kommen lassen, dass er sich in einem Raumschiff befindet und in einer Mission unterwegs ist, die nichts Geringerem dient, als die Erde zu retten.

Ein Mann allein im Weltraum. Da kommen sofort Erinnerungen an das Setting von Weirs Mars-Erfolgsroman auf. Trotz gewisser Ähnlichkeiten ist die Story von „Der Astronaut“ aber völlig anders: Die Sonne verliert durch ein zunächst unerklärliches Phänomen an Leuchtkraft. Der Erde droht innerhalb weniger Jahre eine Abkühlung um 15 °C und mehr, was gigantische Katastrophen zur Folge haben wird. Und Ryland Grace ist der auserkorene Retter.

Das Buch entwickelt sich schnell zu einem echten Pageturner. Grace ist sympathisch und hat immer wieder gute Ideen, die ihn weiterbringen. Unterhaltsam ist auch der insgesamt für Grace wenig hilfreiche Bordcomputer, der ihn mit Fragen (‚Was ist 2 x 2?‘) löchert, ihm den Zugang zur Brücke erst gewährt, als Grace sich an seinen Namen erinnert, sich aber keinerlei Information über die Mission oder auch nur eine Bedienungsanleitung für das Raumschiff entlocken lässt. Weiterlesen

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Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus

Wien ist bekannt für den Prater, die Hofreitschule, Schloss Schönbrunn und zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten. Mit dieser Stadt fest verbunden ist aber auch deren weltberühmte Kaffeehauskultur. Vor deren Hintergrund spielt der neue Kriminalroman der österreichischen Autorin Beate Maxian.

Marianne Böhm, die Grande Dame der Kaffeehaus-Dynastie Böhm regiert das traditionsreiche Familienunternehmen trotz ihres fortgeschrittenen Alters uneingeschränkt und mit starker Hand. Ihren Sohn Clemens, der die Cafés gerne modernisieren würde, hält sie weitgehend aus der Geschäftsführung fern. Sie scheint andere Pläne für ihre Nachfolge zu haben. Bevor sie diese jedoch in die Tat umsetzen kann, verstirbt sie plötzlich und unerwartet während eines Interviews, das die Journalistin Sarah Pauli mit ihr führt. Ort des Todesfalls: ein Kaffeehaus. Weiterlesen

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Christine Cazon: Lange Schatten über der Côte d‘Azur

Mit „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ ist nun der achte Band der Krimireihe um Kommissar Léon Duval bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Wie der Titel schon besagt, spielt auch die Handlung dieses Romans an der Côte d‘Azur. Genauer gesagt in Cannes. Dort lebt und arbeitet Kommissar Duval zusammen mit seiner Lebensgefährtin Annie und seiner kleinen Tochter Julie.

Duval wird auf den historischen Friedhof Le Grand Jas in Cannes gerufen, wo auf dem Grab einer 1942 verstorbenen Familie jüdischer Herkunft die Leiche eines Mannes gefunden wurde. Die Identität des Toten ist zunächst unbekannt. Hinweise auf den Täter oder die Tatwaffe sind auch nicht zu finden. Daher beginnt Duval mit seinen Nachforschungen, indem der versucht, mehr über das Grab und die verstorbene Familie herauszufinden. Dabei taucht er immer tiefer in die französische Geschichte dieser Zeit und die Judenverfolgung ein.

Da ich die vorherigen Bände der Serie nicht kannte, war ich gespannt, wie mir der Einstieg gelingen würde. Es war völlig unproblematisch. Die Autorin schreibt leicht und locker, Weiterlesen

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Michael Crichton: Andromeda

Den Autor Michael Crichton muss man sicherlich niemandem vorstellen. Viele seiner Romane waren auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten zu finden und wurden auch als Verfilmung erfolgreich. Beste Beispiele sind ‚Timeline‘ oder ‚Jurassic Park‘.

Im Heyne-Verlag ist nun mit ‚Andromeda‘ die Neuauflage des frühesten Werks von Crichton erschienen. Hintergrund für diese Neuauflage dürfte sein, dass zeitgleich mit ‚Andromeda – Die Evolution‘ (Autor: Daniel H. Wilson) eine Fortsetzung erschienen ist, die die ursprünglichen Ereignisse aufgreift und in einer neuen Geschichte weiterführt. Da ist es sinnvoll, vor der Lektüre des neuen Romans, die ursprüngliche Geschichte (noch einmal) zu lesen.

Andromeda befasst sich mit einem leider durchaus aktuellen Thema: die Welt wird von einem tödlichen Virus bedroht. Bei ‚Andromeda‘ kommt diese Bedrohung aus dem All und wird von einer Raumsonde auf die Erde gebracht. Diese stürzt nahe der amerikanischen Kleinstadt Piedmont ab. Die Soldaten, die die Sonde bergen sollen, finden sich plötzlich in einem Ort wieder, dessen Straßen von Leichen gepflastert sind. Auch die beiden Männer der Bergungseinheit werden schnell Opfer des Virus. Nun wird von der Regierung das Projekt ‚Wildfire‘ aktiviert, das zur Abwehr eines aus dem All stammenden Virus ins Leben gerufen wurde. Die vier besten Biophysiker des Landes machen sich an die Arbeit und nehmen den Kampf gegen das Virus auf. Weiterlesen

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Marc Elsberg: Der Fall des Präsidenten

Marc Elsberg ist zurzeit sicherlich einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Thrillerautoren. Bekannt wurde er mit seinen Büchern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘. Zuletzt beschäftigte er sich in ‚Gier‘ auf spannende Weise mit dem Thema Wettbewerb. Mit ‚Der Fall des Präsidenten‘ ist nun von ihm ein Politthriller erschienen.

Douglas Turner, der Amtsvorgänger des aktuellen US-Präsidenten trifft mit Privatjet und Bodyguards in Athen ein, wo er für einen Vortrag gebucht wurde. Zu seiner großen Überraschung wird er jedoch direkt am Flughafen im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) von der griechischen Polizei verhaftet. Der Vorwurf lautet: Kriegsverbrechen.

Diese Verhaftung hat in der Welt große Aufmerksamkeit zur Folge und wird insbesondere in den USA mit Entsetzen und Unverständnis aufgenommen. Arthur Jones, der direkte Amtsnachfolger Turners und gerade mitten im Wahlkampf, wird sofort aktiv und macht deutlich, dass die USA die Verhaftung eines Ex-Präsidenten auf keinen Fall akzeptieren werden. Weiterlesen

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David Klass: Klima

Wenn auch im Moment von Corona überschattet, ist der Klimawandel doch nach wie vor hochaktuell und in aller Munde. Das zeigt sich auch im belletristischen Bereich, wo mehr und mehr Bücher sich mit diesem Thema beschäftigen. Ein Beispiel dafür ist Dirk Rossmanns ‚Der neunte Arm des Oktopus‘. Nun ist im Goldmann-Verlag ein weiterer Klima-Thriller erschienen. Er stammt aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers und Drehbuchautors David Klass.

Ein als ‚Green Man‘ bekannter Terrorist verübt Anschläge auf Ziele, die eine Umweltbedrohung darstellen. Er hat dies bereits in mehreren Fällen erfolgreich getan. Zuletzt sprengte er mit Hilfe einer selbstgebauten Drohne einen Staudamm am Snake River, gegen den Umweltschutzorganisationen lange vergeblich mit friedlichen Mitteln protestiert hatten.

Bei seinen Anschlägen nimmt er jedoch in Kauf, dass Menschen ums Leben kommen. Mit dieser Einstellung kann der junge FBI-Agent Tom Smith sich nicht anfreunden. Er war zwar selbst im Umweltschutz aktiv und sieht, dass es ‚Green Man‘ vor allem um den Schutz der Welt und der Menschheit geht. Doch die unschuldigen Opfer kann und will Tom nicht akzeptieren. Er setzt alles daran, ‚Green Man‘ zu fassen, um ihn an weiteren Anschlägen zu hindern. Weiterlesen

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Maude Barlow: Das Wasser gehört uns allen!

Laut Buchcover bezeichnete Naomi Klein die Autorin als „eine der größten Verteidigerinnen des Wassers“. Eine Bezeichnung, die vermutlich zutrifft, denn Maude Barlow ist eine international renommierte Wasseraktivistin und setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Wassers und ein Grundrecht darauf ein.

Um das Thema Wasser geht es auch in ihrem neuen Buch. Marlow zeigt dort anhand erschreckender Beispiele auf, welche Missstände durch die Privatisierung des Zugangs zu Trinkwasser in der Welt herrschen. Hierbei wiederholt sich immer wieder das Bild, dass zuvor öffentliche Quellen privatisiert und danach nur noch von großen Getränkeherstellern für deren Abfüllanlagen genutzt werden dürfen. Der örtlichen Bevölkerung wird der kostenfreie oder zumindest kostengünstige Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt.

Es ist erschreckend, über dieses hässliche Gesicht der Kommerzialisierung von Wasser zu lesen. Aber es ist meiner Ansicht nach gerade für uns im Wohlstand lebende Westeuropäer wichtig zu wissen, mit welchen Methoden die Konzerne agieren, deren Produkte wir alltäglich im Supermarkt vorfinden.

Doch die Schilderung dieser negativen Seiten ist für Maude Barlow nur der Ausgangspunkt, um Wege aufzuzeigen, wie es besser gehen kann. So berichtet sie vom „Blue Community Project“, das in Kanada im Kampf gegen die Wasserprivatisierung entstand und zum Ziel hat, die Wasserversorgung in der öffentlichen Hand zu belassen oder in diese zurückzuführen. Das Projekt hat mittlerweile auch in Europa in einigen Ländern Fuß gefasst. Weiterlesen

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Hans Traxler: Die grünen Stiefel

„Als Johann eines Morgens erwacht, steht sein Zimmer unter Wasser.“ (Seite 5) So beginnt das neue Kinderbuch von Hans Traxler und damit auch das Abenteuer, das der kleine Johann dort mit den Auswirkungen des Klimawandels erlebt.

Johann wundert sich natürlich darüber, woher das viele Wasser auf einmal kommt. Also zieht er sich seine grünen Gummistiefel an und geht aus dem Haus, um zu schauen, was dort vor sich geht. Und das ist einiges. Die Wiesen sind überschwemmt und im Wasser treiben Eisschollen. Er trifft auf Eskimos, die wegen des Klimawandels ihre Heimat verlassen haben und auf in der Hitze schwitzende Eisbären. Was ist nur geschehen und wer hat das alles verursacht? Weiterlesen

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Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst

In seinem neuen Roman ‚Ein Mann der Kunst‘ wirft Kristof Magnusson einen augenzwinkernden und durchaus unterhaltsamen Blick auf den Kunstbetrieb. Der Architekt Constantin Marx gehört dem Förderverein des Museums Wendevogel in Frankfurt an. Michael Neuhuber, der Direktor des Museums, setzt alles daran, ‚sein‘ Museum um einen Neubau zu erweitern, der dem bekanntesten zeitgenössischen Künstler gewidmet ist: K D Pratz.

Die dafür benötigten Subventionen von Bund und Land werden aber nur unter der Auflage bewilligt, dass auch der Förderverein des Museums einen finanziellen Beitrag in angemessener Höhe leistet. Dummerweise sind sich dessen Mitglieder aber alles anders als einig, den Neubau gerade diesem als äußerst exzentrisch und öffentlichkeitsscheu bekannten Künstler zu widmen.

Neuhuber schafft es, sowohl den Künstler als auch den Förderverein von einem Wochenendbesuch auf dessen Burg am Rhein zu überzeugen, auf der K D Pratz seit vielen Jahren zurückgezogen lebt. Der Besuch und das Wochenende entwickeln sich freilich völlig anders, als alle Beteiligten sich das vorgestellt hatten. Weiterlesen

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Philippa Perry: Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen

So ungewöhnlich der Titel, so vielversprechend ist er auch. Ein Buch, von dem man sich wünscht, die eigenen Eltern hätten es gelesen? Das klingt interessant. Und mein Interesse hat es auch geweckt. Zumal ein Buch, das als Nr.-1-Bestseller in Großbritannien beworben wird, so schlecht nicht sein kann. Aber ist das wirklich so? Ich habe es gelesen und hier ist meine Einschätzung.

Geschrieben wurde es von Philippa Perry, die seit zwanzig Jahren als Psychotherapeutin in London arbeitet. Ein Satz am Anfang des Buches beschreibt meiner Meinung nach gut, worum es der Autorin geht: „Dieses Buch ist für Eltern, die ihre Kinder nicht nur lieben, sondern auch mögen wollen.“ (Seite 13)

Es geht ihr im Wesentlichen um die Beziehung zwischen Eltern und Kind, die letztlich durch die Erwachsenen geprägt und gesteuert wird. Zudem um das Erkennen und den Umgang mit den Gefühlen des Kindes. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kommunikation, die sowohl von Eltern als auch von Kindern nicht nur über Sprache erfolgt. Gerade ganz kleine Kinder können sich verbal noch nicht ausdrücken, weshalb es an den Eltern ist, besonders aufmerksam auf sie zu achten. Problematisch wird es beispielsweise, wenn Eltern sich intensiv ihrem Smartphone zuwenden und dem Kind zwar körperlich nahe sind, aber nicht wirklich aufmerksam bei ihm. Philippa Perry sagt dazu: „Sie entziehen ihm (dem Kind) sonst nicht nur den Kontakt, sondern schaffen sogar eine Leere in ihm.“ (Seite 168). Weiterlesen

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