Ilka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben

Ilka Piepgras ist Autorin verschiedener Bücher und arbeitet momentan als Redakteurin im Zeitmagazin. Das Essay von Anne Tyler aus den Siebzigern „still just writing“ war der ausschlaggebende Impuls für sie, dieses Buch zu verfassen. Eingangs ergründet sie darin ob und wie sich die Bedingungen des Schreibens von Männern und Frauen unterscheiden. Dabei stellt sich heraus, dass schreibende Frauen mit mehr Problemen zur kämpfen haben und auch im Literaturbetrieb weniger wahrgenommen werden. Über Jahrhunderte hinweg war und ist der Literaturbetrieb eine Männerdomäne. Für Frauen waren keine Plattformen vorhanden und sie mussten reichlich Mut aufbringen, um mit ihrem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen. Da Frauen in der Literaturgeschichte keine Tradition haben,   mussten sie sich ihre Anerkennung in der Kunst- und Kulturszene eben auch immer härter erkämpfen als Männer. Zwar ist es mittlerweile längst so, dass immer mehr Frauen Bücher veröffentlichen und auch die Leserschaft überwiegend weiblich ist,  – die Schreibbedingungen für Schriftstellerinnen haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Aus diesem Grund gibt Ilka Piepgras in diesem Buch den Schriftstellerinnen ein Podium. Weiterlesen

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Jacky Durand: Die Rezepte meines Vaters

Dieser Roman handelt von einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung und beginnt mit dem zu Ende gehenden Leben des Vaters:  Als Henri im Sterben liegt, verbringt Julien die letzten Tage seines Vaters an dessen Sterbebett. Hier lässt er das Leben des Vaters, das auch sein Leben maßgeblich geprägt hat, Revue passieren.

Nachdem Henri mit seinem Freund Lucien aus Algerien zurückgekehrt war, eröffneten die beiden ein kleines Bistro. Henri kochte und Lucien war „Mädchen für alles“. Die Gäste kamen teilweise aus entfernten Gegenden um Monsieur Henris Kochkunst zu genießen. Dabei war Henri ein Koch der alten Garde, der nur wenige Gerichte anbot. Die Zutaten und Mengen mischte und wog er nach Gefühl ab und fand dabei immer genau das richtige Maß. Wenn Julian seinen Vater in der Küche unterstützte, musste er sich alle Verrichtungen mit Augen und Ohren aneignen, denn der Vater behielt all die Tricks und Kniffe seiner Kochkunst für sich. Henri vergötterte Juliens intellektuelle Mutter. Jeden Tag kochte er für sie und Julien etwas Besonderes, nie servierte er ihnen das Tagesessen. Die Mutter hatte den Vater stets bedrängt, seine unvergleichlichen Rezepte aufzuschreiben. Schließlich durfte sie sich Notizen machen, die Monsieur Henri ihr diktierte. Nachdem Julien von einem Ferienaufenthalt ohne die Eltern nach Hause zurückkehrte, war das Glück zerbrochen. Weiterlesen

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Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam

Ein kleiner Stern wartet schon eine Million Jahre darauf, auf die Erde zu kommen um ein Menschenkind zu werden. Nach langem Suchen findet der Stern endlich Eltern, bei denen er aufwachsen möchte. Eine Eule hilft ihm dabei.

Die großflächigen Bilder spiegeln die Geschichte aussagekräftig. So ganz nebenbei kann man darin nebensächliche Details wie zum Beispiel unterschiedliche Hautfarben der Eltern bemerken.

Hinter der Geschichte um den kleinen Stern, der mit Hilfe der weisen Eule zum Leben erweckt wird, steckt in doppelter Sicht –  vom Ursprung allen Entstehens bis hin zur Menschwerdung – eine aufklärende Botschaft. Das Fantastische entspringt der Wirklichkeit.

Die märchenhaft anmutende Illustration von Mehrdad Zaeri unterstreicht den kindgerecht verpackten Text von Thomas Meyer und lässt Platz für eigene Phantasien.

Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam.
Diogenes, Oktober 2020.
40 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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Sien Volders: Norden

Die 1983 geborene Sien Volders siedelt ihren Debütroman im hohen Norden Kanadas an. Das einstige Goldsucherstädtchen Forty Mile bietet vor allem jenen, die sich nach Einsamkeit und der Wildnis sehnen, ein Podium. Es ist ein ganz besonderer Menschenschlag, der    dort gestrandet ist. Genau an diesen Ort verschlägt es auch die Protagonistin Sarah auf ihrer Suche nach sich selbst und einer wichtigen Entscheidung, die sie treffen muss. In Vancouver hat sie sich einen Namen als erfolgreiche Designerin und Silberschmiedin gemacht und dabei über ihrem Ehrgeiz und Fleiß nicht nur ihre Freunde vernachlässigt sondern schlichtweg vergessen zu leben. So ist sie nun eine ganze Woche mit dem Auto unterwegs um die Strecke von Vancouver nach Forty Mile zurückzulegen.

Mary, die in Forty Mile einen kleinen Kolonialwarenladen mit Poststelle unterhält und Sarah spontan ein Zimmer anbietet, entpuppt sich als eine Art Seelenverwandte durch viele Parallelen, die die Lebenswege der beiden Frauen aufweisen.

Die alte Kneipe in Forty Mile ist Treffpunkt für die Bewohner ringsum. Adam und Jakob treten dort als Musiker auf und pflegen einen außergewöhnlichen, sehr lokalen Musikstil. Beide Männer werden zu einer wichtigen Verbindung für Sarah. Weiterlesen

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Christine Stemmermann (Hrsg.): Gefährliche Ferien – Kanada

Die Abenteuer in dieser Geschichtensammlung spielen sich nicht nur in der kanadischen Wildnis ab, sie schwelen zwischen den Menschen. Insgesamt sechzehn Storys mit den verschiedensten Kulissen wurden hierfür ausgewählt. Einige der Titel kennt man und hat sie vielleicht auch schon gelesen, wie den Auszug aus Jakob Arjounis Roman „Magic Hoffmann“, einen Ausschnitt aus John Irvings „Letzte Nacht in Twisted River“, Alice Munros Geschichte „Das gefundene Boot“ aus ihrem Erzählband „Was ich dir schon immer sagen wollte“ oder die Geschichte „Hochwasser“ aus Joyce Carol Oates Erzählband „Grenzüberschreitungen“. Weitere Autoren sind Leonard Cohen („Das Lieblingsspiel“), Margaret Atwood („Das Labrador-Fiasko“), Brian Moore („Schwarzrock“) uvm..

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Sabine Rückert: Verbrechen: Echte Kriminalfälle aus Deutschland

Seit 2018 gestaltet Sabine Rückert zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Sentker den erfolgreichen Podcast ZEIT Verbrechen, in dem sie spektakuläre Kriminalfälle aus Deutschland aufgreift. Auch im gleichnamigen Magazin Zeit Verbrechen, sind diese Kriminalfälle, die teilweise schon viele Jahre zurückliegen, wegen ihrer besonderen Dramatik aber noch immer in den Köpfen vieler Menschen  sind, nachzulesen. Nun gibt es das Buch hierzu.

Sabine Rückert sitzt durch ihre zwanzigjährige Tätigkeit als Gerichtsreporterin am Puls der Verbrechen. Sie wohnte Gerichtsverhandlungen bei und stellte eigene Nachforschungen zu Tätern und Opfern an. So hatte sie immer einen nahen Zugang zu den Taten, in die sie die Leser*innen in vielfältiger Weise eintauchen lässt. Ob Familiengewalt, Kindesmisshandlung, politische Tat, Verkehrsdelikt, Mord, jahrelange Pein oder sekundenschneller Tod – immer ist es ein Blick hinter die Kulissen der Verbrechen, bei denen Sabine Rückert sich mit der Psyche der Menschen in unserer Gesellschaft und mit unserem Justizsystem auseinandersetzt. Durch die Realität der Geschehnisse und ihre Mitwisserschaft um das Böse werden die Leser*innen  mit der gesamten Dramatik der zehn hier geschilderten entsetzlichen Taten konfrontiert. Weiterlesen

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Ralf Rothmann: Hotel der Schlaflosen

Die Figuren in Ralf Rothmanns neuem Erzählband sind stark problembehaftet. Neben Verflechtungen mit der Vergangenheit und inneren Unsicherheiten spielt vor allem die Angst eine zentrale Rolle in den elf Geschichten.

In der ersten Geschichte Wir im Schilf ist eine Geigerin die Hauptfigur. Kurz vor ihrem anstehenden Konzert trifft sie eine unerwartete, endgültige Entscheidung.

Die Buchtitel gebende zweite Geschichte, Hotel der Schlaflosen, ist nichts für zarte Gemüter. Erzählt wird von der Konversation des Gefangenen Isaak Babel, einem jüdischen Schriftsteller, der auf seine Erschießung wartet, mit seinem Peiniger und Vollstrecker Wassili Blochin. Der Text ist ein albtraumhaftes, ergreifendes Szenario mit allem erdenklich geschilderten menschlichen Leid der einen und eisigkalter Übermacht der anderen Figur: Die linke Hand, an der drei Fingernägel fehlten…. Spitz die Nase, bleich das stoppelige Gesicht mit den gelbgrünen Flecken über dem Jochbein und dem geronnenen Blut im Ohr… (eBook S. 28).

In der Erzählung Das Sternbild der Idioten lesen wir von der Tragödie eines Filmkomparsen, an der die anderen Komparsen ungewollt beteiligt sind. Dies ist abermals ein außergewöhnlich mitleiderregendes Schicksal eines Menschen inmitten einer aberwitzigen Handlung. Weiterlesen

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John Burnside: What light there is. Über die Schönheit des Moments

John Burnside lehrt unter anderem als Professor an der University of St. Andrews in Schottland Kreatives Schreiben. Da ist es nicht verwunderlich, dass seine Texte schon mehrfach ausgezeichnet wurden. Er ist ein Meister des detaillierten Beschreibens. Vor allem seine autobiografischen Werke, in denen er seine Seele öffnet, sind durch eindringliche Tiefe geprägt.

In What light there is befasst er sich mit dem Zauber von Vergangenem. Er unterteilt seinen Text in die vier Kapitel „Erde“,  „Himmel (über das Verlieren)“, „Die Sterblichen“, „Die Göttlichen“. Wir lesen von Erinnerungen an die Kindheit, den Prägungen und daraus resultierenden späteren Sichtweisen. Das was war, lässt er wieder aufleben. Burnside bedient sich dabei der Texte verschiedener Literatur und Betrachtungen von Gemälden, die mit den eigenen inneren Bilderwelten entsprechende Empfindungen auslösen. Weiterlesen

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Lily Brett: Alt sind nur die anderen

In diesem kleinen, nur 84 Seiten starken Buch sind 24 Kolumnen von Lily Brett versammelt, die bis auf zwei Geschichten alle bereits im Magazin „Brigitte Wir“ abgedruckt waren.

Lily Brett ist eine dreiundsiebzigjährige australisch-amerikanische Schriftstellerin, die seit dreißig Jahren in New York lebt. Die pulsierende, nie zur Ruhe kommende Metropole scheint ihre Dynamik auch auf Lily Brett zu übertragen und deren  Sicht auf das Altern angenehm milde zu stimmen. Allen ihren Geschichten liegt eine Prise Humor und eine gesunde Portion Eigenironie zugrunde: So liest man von peinlichen Themen im Wartezimmer oder von einem Speeddating-Dinner, das die Autorin zufällig beobachtet und darüber gänzlich ihre Sorge um ihre Nierenarterienstenose vergisst. Die Augenoperation beschert ihr wieder besseres Sehvermögen, gleichzeitig erkennt sie beim Blick in den Spiegel aber auch plötzlich die vielen Falten, die sie vorher nicht bemerkt hatte. Weiterlesen

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Hélène Jousse: Die Hände des Louis Braille

Zumindest unbewusst ist wohl jedem schon einmal das perforierte Punktemuster der Brailleschrift aufgefallen, das man unter anderem auf Arzneimittelpackungen, Geldscheinen oder Krankenversicherungskarten findet. Dieses Alphabetsystem, in dem verschiedene Punktkombinationen Buchstaben bilden, ermöglicht es blinden Menschen zu lesen. Erfunden wurde diese Blindenschrift im Jahr 1825 von dem damals erst sechzehnjährigen Franzosen Louis Braille.

Die Autorin Hèlène Jousse lebt als Künstlerin in Paris. Sie hat an der Kunstakademie eine Ausbildung zur Bildhauerin gemacht. Nachdem sie von einem jungen blinden Mann darum gebeten wird, ihm das Handwerk der Bildhauerei beizubringen, taucht sie in eine völlig andere Welt ein. In ihrem Debütroman Die Hände des Louis Braille verwebt sie zwei Geschichten miteinander.

Ein Erzählstrang handelt von Constanze, einer erfolgreichen Dramaturgin, die sich nach dem Tod ihres erblindeten Mannes in einer Sinnkrise befindet. Von dem ihr wohlgesonnenen Produzenten Thomas erhält sie den Auftrag, ein Drehbuch über Louis Braille zu entwickeln. Durch das Schicksal ihres verstorbenen Mannes hat sie sich bereits intensiv mit dem Leben Louis Brailles  auseinandergesetzt. Im Romanablauf wechseln ihre persönlichen Aufzeichnungen, die mit „Rotes Heft von Constanze betitelt sind, mit ihrem Drehbuch über Louis Braille ab. Constanze erlernt sogar die Blindenschrift, um ihrem Protagonisten Louis noch näher zu kommen. Weiterlesen

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