Benedict Wells: Hard Land

Fünf Jahre hat es gedauert, bis Benedict Wells‘ neuer Roman Hard Land bei seinem Hausverlag Diogenes erschienen ist. Zuvor hatte er mit seinem Erfolgsroman Vom Ende der Einsamkeit, der über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste stand, die eigene Messlatte sehr hoch gelegt. Schon aus diesem Grund darf man auf Hard Land gespannt sein.

Zum Inhalt: Die Handlung ist im Jahr 1985 in der fiktiven, recht gewöhnlichen Kleinstadt Grady im US-Bundesstaat Missouri angesiedelt. Hier spielt die typische Coming-of-Age-Geschichte des Protagonisten Sam.

Für den fünfzehnjährigen Sam bricht ein einschneidender Sommer mit vielen Facetten aus Glück und Leid an. Doch nicht nur Sams ureigene, von Unsicherheiten und Ängsten behaftete Welt ist im Umbruch; auch in seiner Familie ist vieles aus dem Lot.

Über die Ferienzeit nimmt Sam einen Job im Kino von Grady an. Hier kann er den Problemen im Elternhaus entfliehen. Hier findet er auch endlich Freunde die ihn akzeptieren und in ihre Clique aufnehmen, obwohl er einige Jahre jünger ist. Mit seinen neuen Freunden taucht er in eine andere Lebenswelt ein. Weiterlesen

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Callan Wink: Big Sky Country

Der junge August wächst auf einer kleinen Farm in Michigan auf. Die Ehe seiner Eltern ist zerrüttet. Die Mutter wohnt im alten, einst von ihren Eltern erbauten Haus auf dem Farmgelände, der Vater im neuen Gebäude. Der Junge pendelt zwischen den Häusern und den Elternteilen, die einen stillen Kampf untereinander ausfechten. Die einst früh eingegangene, nur auf Emotionen aufgebaute Bindung der Eltern rächt sich nun im Alltag. Augusts Mutter fehlt die adäquate Ansprache, wogegen der Vater sein typisches Farmerdasein auslebt, das er obendrauf noch mit einer viel zu jungen Geliebten krönt. August steht zwischen der mit ihrem Leben unzufriedenen, intellektuell unterforderten Mutter und dem Vater, der den Naturburschen und Farmer verkörpert. Dennoch suchen beide Elternteile immer wieder das Gespräch mit dem Sohn, was sich in vielen Dialogen zeigt. Seine stoische Haltung, als er der Aufforderung des Vaters nachkommt, der Katzenplage auf der Farm den Garaus zu machen, unterstreicht einen erschreckend kruden Wesenszug des Zwölfjährigen, der sich in seiner weiteren Entwicklung immer wieder offenbart.

Als die Mutter ein Angebot bekommt, als Bibliothekarin in Montana zu arbeiten, verlässt August zusammen mit ihr den Vater. Die   gewaltige Natur der Rocky Mountains in seinem neuen Lebensumfeld beeindruckt den jungen August nachhaltig. Er tritt dem Footballverein in seiner Highschool bei und verinnerlicht die rauen Gepflogenheiten der Sportart und des Teams. Er bleibt weiter ein Einzelgänger. Weiterlesen

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ATAK: Piraten im Garten

In diesem Bilderbuch explodieren die knallbunten Farben geradezu.

Fast ganz ohne Text, oft mit nur einem einzigen Wort auf einer Seite erzählen allein die farbenfrohen Bilder eine abenteuerliche  Geschichte.

Im Haus sieht man Emil mit seinen Piratenfiguren spielen. Aufmerksame Betrachter erkennen bereits beim Blick durchs Fenster, wie die Piraten auch durch den Garten laufen.

Perspektivwechsel weisen auf das Geschehen drinnen und draußen, hier und dort hin. Nach einem lauten Knall geht es im Haus und draußen im Garten drunter und drüber. Der Bildablauf zeigt rauf und runter, groß und klein, oben und unten, vorne und hinten, geordnet und durcheinander, vertauscht und richtig, leicht und schwer, verkehrt herum und passend, kreuz und quer, Licht und Schatten auf. Hier wird die Bedeutung der Worte und das richtige Verständnis dafür nebenbei ganz simpel gefördert. Aufmerksamen Betrachtern werden Unterschiede und Fehler in den Abbildungen auffallen. Weiterlesen

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Paul Auster: Mit Fremden sprechen: Ausgewählte Essays und andere Schriften aus 50 Jahren

Von Sprache entfremdet zu sein ist nichts anderes, als seinen Körper zu verlieren. Wenn dir die Worte versagen, zerfällst du in ein Bild von nichts. Du verschwindest. (S. 10 aus Notizen aus einer Kladde 1967)

Paul Auster gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Seine bislang erschienenen Romane sind eng mit der Stadt New York verknüpft („Die New-York-Trilogie“ hat ihn international bekannt gemacht). Für den Band „Mit Fremden sprechen hat der Autor seine 44 darin enthaltenen Schriften, Reden und Essays aus über fünfzig Jahren selbst zusammengestellt.

Der titelgebende Text bezieht sich auf das letzte Kapitel im Buch und handelt von Austers Dankesrede zum Prinz-von-Asturien-Preis.   (Im Roman begegnen sich Autor und LeserInnen auf gleicher Stufe ohne sich tatsächlich zu sehen und bleiben so doch immer Fremde). Wir erfahren mehr von Austers Bedürfnis zu schreiben – dem Einzigen, was er jemals wollte. Literatur ist das, was Auster antreibt und ihn schon sein Leben lang begeistert. Seine Gedanken umkreisen Erinnerungen und reflektieren aktuelles Zeitgeschehen. Das Spektrum seiner Themen ist vielseitig. In „Mit Fremden sprechen geht es um Austers philosophische Sichtweisen und seine weitreichenden literarischen Betrachtungen. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Der Platz

In ihrem autobiografischen Buch „Der Platz“ schreibt die 1940 geborene Annie Ernaux vom Leben ihres Vaters, was natürlich auch mit ihrem eigenen Aufwachsen im Elternhaus in der Normandie verbunden ist. In Frankreich erschien das Buch „La place“ bereits 1983.

Wie in den beiden hier bereits besprochenen Büchern der Autorin „Eine Frau und „Erinnerung eines Mädchens bleibt Ernaux ihrem sehr persönlichen, eindringlich emotionalen Stil treu.

Ausgehend vom Tod des Vaters ruft sie die mit ihm verbundenen Erinnerungsbilder in sich wach.

Aus einfachem Bauernstand stammend und geprägt von den Kriegsjahren war dem Vater geistige Kultur fremd. Vom Fabrikarbeiter arbeitet er sich zum Kolonialwaren- und Kneipenbesitzer hoch, worauf er stolz ist. Doch das Stigma vom armseligen Leben der Unterschichtenklasse wird er zeitlebens nicht los. Weiterlesen

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Ilka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht: Schriftstellerinnen über ihr Schreiben

Ilka Piepgras ist Autorin verschiedener Bücher und arbeitet momentan als Redakteurin im Zeitmagazin. Das Essay von Anne Tyler aus den Siebzigern „still just writing“ war der ausschlaggebende Impuls für sie, dieses Buch zu verfassen. Eingangs ergründet sie darin ob und wie sich die Bedingungen des Schreibens von Männern und Frauen unterscheiden. Dabei stellt sich heraus, dass schreibende Frauen mit mehr Problemen zur kämpfen haben und auch im Literaturbetrieb weniger wahrgenommen werden. Über Jahrhunderte hinweg war und ist der Literaturbetrieb eine Männerdomäne. Für Frauen waren keine Plattformen vorhanden und sie mussten reichlich Mut aufbringen, um mit ihrem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen. Da Frauen in der Literaturgeschichte keine Tradition haben,   mussten sie sich ihre Anerkennung in der Kunst- und Kulturszene eben auch immer härter erkämpfen als Männer. Zwar ist es mittlerweile längst so, dass immer mehr Frauen Bücher veröffentlichen und auch die Leserschaft überwiegend weiblich ist,  – die Schreibbedingungen für Schriftstellerinnen haben sich jedoch nicht wesentlich geändert. Aus diesem Grund gibt Ilka Piepgras in diesem Buch den Schriftstellerinnen ein Podium. Weiterlesen

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Jacky Durand: Die Rezepte meines Vaters

Dieser Roman handelt von einer ganz besonderen Vater-Sohn-Beziehung und beginnt mit dem zu Ende gehenden Leben des Vaters:  Als Henri im Sterben liegt, verbringt Julien die letzten Tage seines Vaters an dessen Sterbebett. Hier lässt er das Leben des Vaters, das auch sein Leben maßgeblich geprägt hat, Revue passieren.

Nachdem Henri mit seinem Freund Lucien aus Algerien zurückgekehrt war, eröffneten die beiden ein kleines Bistro. Henri kochte und Lucien war „Mädchen für alles“. Die Gäste kamen teilweise aus entfernten Gegenden um Monsieur Henris Kochkunst zu genießen. Dabei war Henri ein Koch der alten Garde, der nur wenige Gerichte anbot. Die Zutaten und Mengen mischte und wog er nach Gefühl ab und fand dabei immer genau das richtige Maß. Wenn Julian seinen Vater in der Küche unterstützte, musste er sich alle Verrichtungen mit Augen und Ohren aneignen, denn der Vater behielt all die Tricks und Kniffe seiner Kochkunst für sich. Henri vergötterte Juliens intellektuelle Mutter. Jeden Tag kochte er für sie und Julien etwas Besonderes, nie servierte er ihnen das Tagesessen. Die Mutter hatte den Vater stets bedrängt, seine unvergleichlichen Rezepte aufzuschreiben. Schließlich durfte sie sich Notizen machen, die Monsieur Henri ihr diktierte. Nachdem Julien von einem Ferienaufenthalt ohne die Eltern nach Hause zurückkehrte, war das Glück zerbrochen. Weiterlesen

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Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam

Ein kleiner Stern wartet schon eine Million Jahre darauf, auf die Erde zu kommen um ein Menschenkind zu werden. Nach langem Suchen findet der Stern endlich Eltern, bei denen er aufwachsen möchte. Eine Eule hilft ihm dabei.

Die großflächigen Bilder spiegeln die Geschichte aussagekräftig. So ganz nebenbei kann man darin nebensächliche Details wie zum Beispiel unterschiedliche Hautfarben der Eltern bemerken.

Hinter der Geschichte um den kleinen Stern, der mit Hilfe der weisen Eule zum Leben erweckt wird, steckt in doppelter Sicht –  vom Ursprung allen Entstehens bis hin zur Menschwerdung – eine aufklärende Botschaft. Das Fantastische entspringt der Wirklichkeit.

Die märchenhaft anmutende Illustration von Mehrdad Zaeri unterstreicht den kindgerecht verpackten Text von Thomas Meyer und lässt Platz für eigene Phantasien.

Thomas Meyer & Mehrdad Zaeri: Wie der kleine Stern auf die Welt kam.
Diogenes, Oktober 2020.
40 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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Sien Volders: Norden

Die 1983 geborene Sien Volders siedelt ihren Debütroman im hohen Norden Kanadas an. Das einstige Goldsucherstädtchen Forty Mile bietet vor allem jenen, die sich nach Einsamkeit und der Wildnis sehnen, ein Podium. Es ist ein ganz besonderer Menschenschlag, der    dort gestrandet ist. Genau an diesen Ort verschlägt es auch die Protagonistin Sarah auf ihrer Suche nach sich selbst und einer wichtigen Entscheidung, die sie treffen muss. In Vancouver hat sie sich einen Namen als erfolgreiche Designerin und Silberschmiedin gemacht und dabei über ihrem Ehrgeiz und Fleiß nicht nur ihre Freunde vernachlässigt sondern schlichtweg vergessen zu leben. So ist sie nun eine ganze Woche mit dem Auto unterwegs um die Strecke von Vancouver nach Forty Mile zurückzulegen.

Mary, die in Forty Mile einen kleinen Kolonialwarenladen mit Poststelle unterhält und Sarah spontan ein Zimmer anbietet, entpuppt sich als eine Art Seelenverwandte durch viele Parallelen, die die Lebenswege der beiden Frauen aufweisen.

Die alte Kneipe in Forty Mile ist Treffpunkt für die Bewohner ringsum. Adam und Jakob treten dort als Musiker auf und pflegen einen außergewöhnlichen, sehr lokalen Musikstil. Beide Männer werden zu einer wichtigen Verbindung für Sarah. Weiterlesen

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Christine Stemmermann (Hrsg.): Gefährliche Ferien – Kanada

Die Abenteuer in dieser Geschichtensammlung spielen sich nicht nur in der kanadischen Wildnis ab, sie schwelen zwischen den Menschen. Insgesamt sechzehn Storys mit den verschiedensten Kulissen wurden hierfür ausgewählt. Einige der Titel kennt man und hat sie vielleicht auch schon gelesen, wie den Auszug aus Jakob Arjounis Roman „Magic Hoffmann“, einen Ausschnitt aus John Irvings „Letzte Nacht in Twisted River“, Alice Munros Geschichte „Das gefundene Boot“ aus ihrem Erzählband „Was ich dir schon immer sagen wollte“ oder die Geschichte „Hochwasser“ aus Joyce Carol Oates Erzählband „Grenzüberschreitungen“. Weitere Autoren sind Leonard Cohen („Das Lieblingsspiel“), Margaret Atwood („Das Labrador-Fiasko“), Brian Moore („Schwarzrock“) uvm..

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