Gérard Salem: Du wirst an dem Tag erwachsen, an dem du deinen Eltern verzeihst

Dieses Buch besteht nur aus Briefen, in denen zwölf Mitglieder einer Familie miteinander kommunizieren. Der Briefkontakt erstreckt sich über drei Generationen. Um hier den Überblick nicht zu verlieren, ist der Stammbaum am Romanende hilfreich.

Ein weiterer Briefschreiber ist der Psychiater Yuri, der diesen ungewöhnlichen Austausch überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Yuri hat seinem Patienten Boris, um dessen Befindlichkeit sich alles dreht, nahegelegt, endlich wieder mit seinen Eltern in Kontakt zu treten.

Sieben lange Jahre hatte Boris die Verbindung zu seinen Eltern, Geschwistern und der restlichen Verwandtschaft abgebrochen. Boris war damals verzweifelt gewesen. Es gab Interessenkonflikte und  verletzte Eitelkeiten, stets fühlte er sich ungerecht behandelt. Nun, als er vor einem erneuten innerfamiliären Trümmerhaufen steht – diesmal geht es um Konflikte mit seiner Frau und seinen Kindern, steht es nicht gut um seine Gemütsverfassung. Um seinen depressiven Gedanken entgegenzuwirken, hat Yuri, zu dem Boris sich in Behandlung begeben hat, die Kontaktaufnahme in Briefform vorgeschlagen und Boris folgt dem Rat seines Psychiaters. Weiterlesen

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Siri Hustvedt: Damals

Siri Hustvedt begibt sich in Damals auf die Spuren der Vergangenheit ihrer Protagonistin, einer etwas über sechzigjährigen Schriftstellerin – womit sie eine von vielen  Parallelen zu ihrer eigenen Person knüpft. Dieser sicher stark autobiografisch geprägte Roman spiegelt die reale Gegenwart mit fiktiven Gedankeneinschüben und öffnet Fenster in das Gewesene mit Seiten aus Tagebuchaufzeichnungen einer Schriftstellerin als junges Mädchen.

Die Protagonistin, eine junge Frau aus Minnesota mit den Initialen S. H. zieht nach New York um. Ein Jahr Zeit hat sie sich gesetzt, um währenddessen einen Roman in Form einer Detektivgeschichte zu Ende zu bringen. Anschließend will sie Literatur studieren. Dass Sherlock Holmes in ihrer Detektivgeschichte dieselben Initialen wie sie selbst aufweist, ist dabei wohl kein Zufall. Denn wie Sherlock Holmes begibt S. H. sich auf Spurensuche, feilt ihr Wissen aus und entwickelt sich weiter. S. H. verbringt viel Zeit in Bibliotheken. Während ihrer Erkundungstrips durch die Stadt saugt sie Bilder, Geräusche und Gerüche wie ein Schwamm in sich auf. Sie hat sich in ein winziges Appartement eingemietet und als ihr Geld knapp wird, durchsucht sie Abfalleimer nach Essbarem. Sie lauscht durch die Wand den verstörenden Gesprächen ihrer Zimmernachbarin, Weiterlesen

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André de Richaud: Der Schmerz (1931)

Allein schon weil Albert Camus sich nach eigenen Angaben im Jahr 1951 durch André de Richauds Lektüre Der Schmerz inspiriert fühlte, selbst Schriftsteller werden zu wollen, macht dieses Buch neugierig.

Die Geschichte trägt sich im Kriegsjahr 1914 in einem kleinen Dorf in der Provence zu. Dabei geht es aber keineswegs um das Geschehen an der Front oder Kriegsgeschichten der Männer. André de Richaud schildert sehr subtil, wie die Frauen und Kinder zu Hause mit den veränderten Lebenssituationen klarkommen müssen.

Eine dieser Frauen ist Thérèse Delombre, die mit ihrem jungen Sohn Georget in einer Villa am Dorfrand lebt. Nachdem sie die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält, hält die Tristesse nicht allzu lange an. Jedoch wird sie das Gefühl der Einsamkeit nicht los, die    gleichsam ihrer sexuellen Begierden immer stärker wird. Thérèse versucht zu kompensieren und konzentriert sich nur noch und viel zu sehr auf Georget, den sie mit ihrer Liebe überschüttet. Um die Zweisamkeit mit ihrem Sohn zu durchbrechen nimmt sie ein Flüchtlingsmädchen auf. Später verstößt sie das Kind wieder aus einer eifersüchtigen Laune heraus mit einer perfiden Lüge. Georget durchschaut die Mutter. Die Vertrautheit zwischen Sohn und Mutter wird weniger. Immer häufiger zieht sich der Junge auf den Dachboden zurück. Dort kann er seinen Phantasien und stillen Spielen freien Lauf lassen. Weiterlesen

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Hansjörg Schertenleib: Die Fliegengöttin

Schon lange ist nichts mehr wie es war. Die Krankheit kam schleichend. Jeder Tag bringt eine andere Herausforderung für Willem de Witt mit sich, der seine an Alzheimer erkrankte Frau pflegt. Immer wieder aufs Neue muss er sich auf ihre Wesensveränderungen, Wortfindungsstörungen, ihren Gedächtnisverlust und die physischen Defizite einstellen.

Niemals in einem Pflegeheim enden – dieses gegenseitige Versprechen haben sich der Holländer Willem und seine irische Frau Eilis einst gegeben. Aber nun, seit Eilis keine Erinnerungen mehr hat und Willem oft nicht weiß, ob sie ihn überhaupt erkennt, hat dieses Versprechen eine ganz andere Gewichtung bekommen. Doch Willem hält sich daran. Die letztendliche Konsequenz die im Raum steht, schiebt er dennoch von sich, denn zwischen Zuständen von Verwirrung und Apathie hat Eilis auch lichte Momente. Dann sind die Rückblicke seiner Frau oft solche, die Willem verloren gegangen sind. Auch er verspürt mit seinen dreiundachtzig Jahren körperliche und geistige Defizite. Erinnerungen aus über fünfzig Ehejahren die sie gemeinsam in ihrem Haus in Irland verlebt haben, gibt es genügend. Immerhin haben die de Witts auch drei Kinder mit allen Höhen und Tiefen großgezogen sowie einige schöne Urlaube zusammen verbracht. Weiterlesen

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Stefan Moster: Alleingang

Freddy ist einundfünfzig Jahre alt, als er zum dritten Mal aus dem Gefängnis entlassen wird. Am Tag seiner Entlassung nimmt er die LeserInnen mit hinaus in die Freiheit und in seine Erinnerungen an sein Leben davor.

Hineingeboren in eine asoziale Familie wächst der junge Freddy mit elf älteren Geschwistern bei der Großmutter in einem heruntergekommenen Haus auf. Unter den Geschwistern gilt das Recht des Stärkeren. Lieblosigkeit, Gewalt und billiges Vokabular sind an der Tagesordnung und nicht eben förderlich für Freddys Entwicklung. Wäre da nicht sein Kinder- und Jugendfreund Tom aus der Nachbarschaft, der wohlbehütet als Einzelkind in geordneten Verhältnissen lebt, würde Freddy vielleicht gar nicht realisieren, dass er und seine restliche Familie ein Außenseiterdasein führen.

Mit Tom verlebt er Kindheitsabenteuer. Später führt Tom ihn in seine Clique ein, mit der er nach Griechenland reist. Während die anderen nach der langen Fahrt apathisch auf die Landschaft reagieren, ist Freddy jemand, der sich unverhohlen freuen kann. Weiterlesen

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Yishai Sarid: Monster

Yishai Sarid hat einen Protagonisten erschaffen, der im Holocaust eine ganz andere Opferrolle einnimmt. Mit ihm zeigt er einen neuen Blick auf den Umgang mit der Erinnerung auf: In einem Bericht an seinen ehemaligen Chef versucht ein junger Familienvater einen Eklat, den er ausgelöst hat, zu erklären.

Für seine Doktorarbeit beschäftigte der junge Israeli sich mit den Vernichtungsmethoden in den verschiedenen Konzentrationslagern. Später fährt er nach Polen, um die Gedenkstätten, über die er tausende von Seiten gelesen hat, zu besuchen. Durch seine umfassenden Kenntnisse ist ihm dort bereits alles so vertraut, dass er sich nach eigenen Angaben gar wie zu Hause fühlt. Hier kann er die Schreckensszenarien in allen Einzelheiten noch einmal aufleben lassen. Nachdem er immer häufiger als Guide für Gruppenführungen in den Vernichtungslagern angefragt wird, bleibt er monatelang in Polen. Mit dem dort verdienten Geld kann er sich selbst und seine Familie in Israel ernähren. Weiterlesen

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Kent Nerburn: Nicht Wolf nicht Hund. Auf vergessenen Pfaden mit einem alten Indianer

In diesem Buch wird unterhaltsam der authentische Versuch einer Annäherung an die indianische Kultur beschrieben.

Bereits 1994 wurde Nicht Wolf nicht Hund in den USA verlegt und avancierte dort zum Bestseller. In Großbritannien wurde das Buch  2017 neu herausgebracht. Hierzu hat Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin ein Vorwort verfasst.

Der Autor Kent Nerburn ist Ethnologe und Theologe. Nach einem Telefonanruf sucht er den alten Lakota-Indianer Dan auf Bitten von  dessen Tochter Wenonah in einem Reservat auf. Dan möchte, dass Kent Nerburn die Geschichte seines Volkes aus Sichtweise eines Indianers und nicht aus Sicht der Weißen für die Nachwelt aufzeigt und niederschreibt. Hierzu übergibt Dan an Kent Nerburn einen Schuhkarton mit Notizen, die er über lange Jahre angereichert hat. Alle Aufzeichnungen wie Briefe, Zeitungsausschnitte, Fotos oder schnelles Gekritzel auf Servietten, liegen wild durcheinander in dem Karton. Hieraus eine Story zu entwickeln erweist sich für Kent Nerburn als schwierig. Weiterlesen

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Jan Wiechert: Scheidung mit dem Beil

Der historische Kriminalfall um Maria Dorothea Huther ist ein Buch aus der Regionalgeschichtenreihe des Gmeiner Verlags. Autor Jan Wiechert hat sich mit den im Hohenlohe-Zentralarchiv gelagerten Dokumenten befasst und sich dem Inhalt der Strafprozessakte gegen die 1777 des Mordes an ihrem Ehemann verdächtigten Maria Dorothea Huther angenommen.

Maria Dorothea Huthers getöteter Mann Peter war Wanderhandwerker und übte den Beruf eines Schmierbrenners aus. Er wurde tot und übel zugerichtet von zwei Bauern auf deren Feld neben zwei zuvor entwendeten Pflugsägen aufgefunden.

Jan Wiechert beleuchtet mit seinem daraus entstandenen zeitgenössischen Text einführend geschichtliche und geografische Hintergründe und zeigt eben diese Mordermittlungen aus dem 18. Jahrhundert auf. Die Informationen aus der Strafprozessakte sind exakt übernommen und unverfälscht wiedergegeben.

Die Möglichkeiten zu einer objektiven Beweisführung in der damaligen Zeit waren begrenzt und mit der oberflächlichen Untersuchung von Tatort und der Obduktion der Leiche weitgehend erschöpft. So mussten weiterführende Zeugenbefragungen und Vernehmungen von Verdächtigen geführt werden. Auf den ersten Seiten werden sämtliche dieser später in der Mordakte auftauchenden Personen aufgelistet. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

Die achtzehnjährige Annie Duchesne kann es kaum erwarten, ihrem behüteten Elternhaus zu entfliehen, um in ihren Ferien als Betreuerin in einer Ferienkolonie zu arbeiten. Zuvor hat Annie ihr Dorf nie verlassen. Ihre Eltern, die einen Krämerladen führen, verwöhnten ihr einziges Kind, das zu Hause nie etwas arbeiten musste, stets. Im Gegenzug fehlt dem Mädchen der Blick über den Tellerrand in das Leben, wie es um sie herum stattfindet und in andere Milieus hinein. Sie kann nicht mit einem Telefon umgehen, hat noch nie geduscht oder gebadet, weil in ihrem bäuerlich-katholisch geprägten Zuhause einfach andere Gepflogenheiten und Gegebenheiten üblich sind. Alles, was sie über die Welt weiß, hat sie sich aus Büchern angelesen. Überhaupt ist Annie ein überdurchschnittlich intelligentes Mädchen, das sich von ihrer einfachen Familie abhebt. Nun aber will sie endlich einen Jungen kennenlernen und sich verlieben. – Genau dies passiert dann auch.

Zumindest redet Annie sich geradezu obsessiv ein, in den jungen Lehrer H. verliebt zu sein. Tatsächlich aber findet H. in Annie lediglich ein gefügiges Opfer seiner sexuellen Bedürfnisse.  Annie, die bislang keine Kontakte zu Jungen hatte, unterwirft sich in ihrer Unerfahrenheit H., der sie nur benutzt, wodurch sie sich zum Gespött der anderen macht. Weiterlesen

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Julia Behringer: Barbecue mit Indianern

Julia Behringers Leben verläuft nicht so, dass sie sich glücklich fühlt. Weder der arbeitsintensive Job noch die Zweckgemeinschaft mit ihrem Lebenspartner empfindet sie als erfüllend.

Im Jahr 2012 nimmt sie sich eine Auszeit und lässt einen Kindheitstraum wahr werden. Sie macht sich auf zu einer Reise, die sie in die Wildnis von Montana im Nordwesten der USA führen wird und ein wunderbares Abenteuer beginnt: Dort in den Naturschutzreservaten erwarten sie unberührte Gebirge, Wälder und Prärien, in denen Bären, Elche, Luchse, Kojoten, Wölfe, Wildkatzen, seltene Bergziegen, Dickhornschafe und nicht zuletzt Indianer leben. Auf dem Pferderücken überquert Julia Behringer mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Rocky Mountains entlang der kanadischen Grenze. Dieser Weg, der durch riesige Naturschutzgebiete führt, bleibt stets das Ziel. Schnell wird der jungen Frau klar, dass Vieles, was ihr Leben in Deutschland ausgemacht hat, in der Wildnis keinerlei Gewichtung mehr für sie hat. Weiterlesen

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