Tristan Garcia: Faber. Der Zerstörer

Faber ist anders als alle anderen. Schon als Kind fällt er durch seine Überlegenheit an Intelligenz und Mut auf. Als er mit acht Jahren neu an die Schule kommt, beschützt und hilft er den beiden Außenseitern Basile und Madeleine, die auf dem Pausenhof ausgegrenzt und gequält werden. Dies ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft des Dreiergespanns, die über die Jahre während ihrer Grundschulzeit und später im Collège der fiktiven Stadt Mornay anhält.

Faber, dessen algerische Eltern ihn verlassen haben, wächst nachdem seine ersten Pflegeeltern tödlich verunglücken, bei einem älteren französischen Ehepaar auf. Obwohl seine Adoptiveltern sich liebevoll alle Mühe mit ihm geben, entwickelt er ein stark persönlichkeitsgestörtes, unbezwingbares Eigenleben. Häufig zieht er sich in seine Kammer zurück und befasst sich, seinem Alter weit voraus, unter anderem mit anspruchsvoller Literatur. Immer wieder fügt er sich selbst mit einem Cutter Verletzungen zu, um das Leben aushalten zu können. Weiterlesen

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David G. Haskell: Der Gesang der Bäume

Haskell betrachtet alles Leben als Teil einer großen Lebensgemeinschaft, in der die Bäume eine ganz spezielle Rolle spielen.
So beschreibt er im Besonderen ein Beziehungsnetzwerk der Bäume und stellt gleichermaßen weitreichende Zusammenhänge über die Verbundenheit allen Lebens her.

Haskell hat seine ureigene Sichtweise, ja Beziehung zu den Bäumen entwickelt. Für ihn sind sie mit unserem vergangenen und zukünftigen Leben verwoben.

Die ersten Kapitel handeln von Bäumen in menschenleeren Gegenden.
Die mittleren Kapitel beziehen sich auf Überreste von Bäumen wie Baumfossilien oder Holzkohle, die noch von den Eiszeitmenschen stammt. Hier greift Haskell den Zusammenhang von Biologie und Geologie auf.
Am Ende befasst der Autor sich mit den Bäumen, die inmitten menschlicher Zivilisation stehen. Weiterlesen

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Anthony Doerr: Die Tiefe

In seinem neuen Buch „Die Tiefe“ legt Anthony Doerr sechs Geschichten mit einem Umfang zwischen 14 und 80 Seiten vor. Alles dreht sich um Erinnerungen in diesen Storys. „Denn die Erinnerungen sind es, die unserem Leben Sinn und Zusammenhang verleihen“, lässt der Autor verlauten.

In der Titelgeschichte „Die Tiefe“ lernen wir den herzkranken Tom kennen. Gäbe es nicht die rothaarige Ruby, hätte Tom nie erfahren, wie es sich anfühlt wirklich zu leben. Weiter erzählt Doerr in der Geschichte „Die Memel“ von einem  elternlosen Mädchen, das bei seinem Großvater in Litauen in eine sagenumwobene Welt eintaucht. Eine andere Erzählung dreht sich um die Samenhüterin, die die Geschichte ihres chinesischen Dorfs in sich trägt, das wegen eines Staudamms bald überflutet werden soll. Weiterlesen

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Colum McCann: Briefe an junge Autoren

Wer schon einmal nach Schreibratgebern gesucht hat, weiß, dass sich hierzu jede Menge mehr oder weniger hilfreiche Bücher finden lassen. Viele dieser Ratgeber sind angereichert mit Anleitungen für Schreibtechniken, die sich in der Praxis dann aber oftmals kontraproduktiv auf die eigene Kreativität auswirken.

Colum McCanns kleines Büchlein Briefe an junge Autoren kommt dagegen ganz ohne starre Regeln aus, vielmehr liest es sich mehr als wohlmeinender Zuspruch. Mit „junge Autoren“ sind hier ganz nebenbei bemerkt nicht explizit Autoren im jungen Lebensalter, sondern gleichermaßen auch die Älteren angesprochen.

McCann muntert darin sogar dazu auf, Regeln zu missachten. Er hält sich in seinen Ausführungen weder mit theoretischen Ausschweifungen auf, noch schreibt er mehrseitige Kapitel, deren Kernaussagen man in drei kurzen Sätzen bündeln könnte. Weiterlesen

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Colum McCann: Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist

Der Autor Colum McCann wurde im Sommer 2014 Opfer einer Gewalttat, bei der er niedergeschlagen wurde, wie er in der Nachbemerkung des Buches beschreibt. Dieses traumatisierende Erlebnis hat Colum McCann auch in den Geschichten dieses Buches verarbeitet. Das Vorfeld von zwei Geschichten hat er vor dem gewalttätigen Übergriff verfasst, als hätte er das Später bereits erahnen können. Dabei kommt McCann ganz ohne Effekthascherei aus, denn er legt den jeweiligen Focus nicht auf die Taten selbst, sondern auf die bedrückenden und einschneidenden Nachwirkungen.

Die Geschichte „Dreizehn Sichtweisen“ beschreibt die Lebenssituation mit allen körperlichen Einschränkungen des zweiundachtzig jährigen verwitweten Mendelssohn, der sich in einem Restaurant in Manhattan mit seinem Sohn Eillot zum Essen verabredet. Das Groteske an der Geschichte ist, dass Eillot sich seinem Vater kaum widmet, sondern sich nur mit seinem Handy beschäftigt.  Als Mendelssohn später allein das Restaurant verlässt, wird er überfallen und stirbt. Die Polizei kann das Verbrechen trotz überall vorhandener Videokameras nicht aufklären.

In „Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist“ konfrontiert uns der Autor mit der Geschichte über eine junge Soldatin, die fern der Heimat der Kälte zwischen den afghanischen Bergen ausgesetzt ist. An Silvester denkt sie an ihren Sohn und ihre Geliebte und möchte mit ihnen telefonieren. Weiterlesen

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Christoph Schulte-Richtering: 32 Tage Juli

Lagos in Portugal war der am weitesten entfernte Ort, den man mit einem Interrailticket erreichen konnte. Die beiden Freunde und frischgebackenen Abiturienten Jayjay und Tiggy hatten genau dieses  Ferienziel vor Augen, in das sie ihre Wünsche und Träume packten und dabei den Eltern den Rücken kehren konnten. Endlich war es so weit und sie konnten ganz auf sich allein gestellt in eine Welt eintauchen, in der sie die ersehnten Freiheiten und Abenteuer auskosten wollten, was natürlich auch mit so manchen Widrigkeiten und ungeahnten Risiken einherging.

Viele Jahre später, Jayjay und Tiggy sind mittlerweile siebenundvierzig Jahre alt, machen die beiden sich nochmals auf, ihren alten Sehnsuchtsort Lagos zu besuchen. Der Zeitpunkt könnte nicht besser passen, denn beide stecken in einer Krise, der eine beruflich, der andere privat. Weiterlesen

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Howard Axelrod: Allein in den Wäldern

Der Autor und Ich-Erzähler versucht in der Einsamkeit zu sich selbst zu finden. Fast zwei Jahre verbringt er in einem abgeschiedenen Haus im Wald, wo er ohne Computer, Handy und Fernseher lebt. Wie kommt jemand damit klar, alles Vertraute, alle Annehmlichkeiten des Lebens hinter sich zu lassen und sein Heil allein in der Natur zu suchen? Howard Axelrod zeichnet diese Erfahrung eindrücklich und spannend mit schön zu lesenden poetischen Naturbeschreibungen auf.

Ein Sportunfall hat ihn, den erfolgreichen Harvard-Studenten, der die besten Chancen auf eine erfolgreiche Berufskarriere hatte,  aus der Bahn geworfen. – Nach einer unglücklichen Aktion eines Mitspielers während eines Baseballspiels, erblindet er auf einem Auge. Diese erschwerte Lebenssituation und eine unglücklich endende Liebe lassen ihn den Halt im Leben verlieren. Weiterlesen

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Hans-Peter Schwarz: Die neue Völkerwanderung nach Europa

Der Politologe und Zeithistoriker Hans-Peter Schwarz verdeutlicht in diesem Essay Fehlbeschlüsse in der europäischen Flüchtlingspolitik und hält den Entscheidungsträgern mit Zahlen und Fakten den Spiegel vor. Dabei bezieht er kritisch Stellung, lässt Vorzeichen und Vorahnungen Revue passieren und zeigt falsche Weichenstellungen auf, als im Herbst 2015 der Flüchtlingsstrom nach Europa einsetzte.

Schwarz schildert den Kontrollverlust während der Flüchtlingsströme, hinterfragt das EU-Flüchtlingsrecht, die paradoxe Konstruktion des Schengen-Grenzkodex und die komplizierten Brüsseler Bürokratien.

Darüber hinaus beleuchtet er unter anderem die Krisenherde in Afrika samt Ursachenbekämpfung und internationaler Flüchtlingshilfe, setzt sich auseinander mit nationalen Notmaßnahmen sowie den verschärften Spannungen innerhalb der Europäischen Union, die unter dem Druck der Flüchtlingsströme entstanden sind. Weiterlesen

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Dieses Buch handelt von der Einsamkeit in endlos scheinenden Nächten, die nicht schlafen lassen. Von der Suche nach Verständnis und Glück im Alter und der damit verbundenen Akzeptanz/Intoleranz der Menschen aus dem gewohnten Lebensumfeld.

Sie ist schon mutig und dabei auch ein klein wenig verwegen, diese Addie Moore: Eines Abends fasst sich die Siebzigjährige ein Herz und klingelt bei ihrem langjährigen Nachbarn Louis Waters, um ihm einen höchst ungewöhnlichen Vorschlag zu unterbreiten. – Wie auch Addie, ist Louis verwitwet. Die empfundene Isolation, die damit einhergeht, bringt Addie auf die Idee, Louis zu fragen, ob er sich vorstellen könne, die Nächte zusammen mit ihr zu verbringen. Weiterlesen

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Adriana Altaras: Das Meer und ich waren im besten Alter

Adriana Altaras behandelt in ihrem neuen Buch private Begebenheiten wie auch aktuell politisches und vergangenes Zeitgeschehen. In smartem und zugleich profundem Plauderton macht sie uns mit ihrer Sicht auf die Welt und das Leben in 32 kurzen Episoden vertraut. Diese bereits in verschiedenen Medien veröffentlichten Beiträge entspringen zum einen Adriana Altaras‘ ureigenem Blickwinkel einer reifen Frau, zum anderen sind die Geschichten immer wieder mit ihren jüdischen Wurzeln verankert, was ihrem Erzählton eine besondere Nuance verleiht.

Der Buchtitel ist ein Satz aus dem Beitrag „Septembermeer“, in dem die Autorin mit ihren Füßen im Sand feststellt, dass auch sie sich, wie das Meer im Herbst, im dritten Quartal ihres Lebens befindet. – „Na und? Das Meer und ich waren im besten Alter. Weise, dabei herrlich entspannt.“ Weiterlesen

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