Peter Heller: Die Lodge

Peter Hellers neuer Roman „Die Lodge“ ist ein regelrechter Abenteuerroman, der in einer abenteuerlichen Landschaft – der Wildnis Colorados angesiedelt ist. Überhaupt dominiert die urwüchsige Natur das Buch. Die Geschichte lebt geradezu von Gerüchen, Bildern, Geräuschen – und dem Fliegenfischen.

Zur Handlung: Der junge Jack nimmt einen Job als Guide für prominente und wohlhabende Gäste auf einer Luxuslodge an. Als versierter Fliegenfischer bekommt er die Sängerin Allison zugeteilt.

Zwischen Allison und Jack entwickelt sich bald ein Einvernehmen, das mehr als nur Sympathie ist. Sie verstehen sich auch ohne viele Worte und verbringen viele Stunden am Tag zusammen im Fluss um zu angeln.

Etwas stimmt nicht auf dem Gelände der Lodge, das wird Jack sehr schnell klar. Nicht nur, dass er gezwungen wird, seine private Waffe abzugeben. Unter anderem bringt Jack in Erfahrung, dass sein Vorgänger auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Weiterlesen

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Stewart O’Nan: Ocean State

In diesem Buch geht es um jugendliche Mädchen und deren Mütter, um Freundschaft, Liebe, Lebenshunger, Anerkennung und den ungemeinen Drang, Freiheiten auszuleben: Marie, deren große Schwester Angel eine der Protagonistinnen ist, erzählt aus ihrer Sicht das Geschehen um einen Mord, an dem Angel beteiligt war.

Auch Angel selbst und ihre Gegenspielerin und gleichzeitiges Opfer Birdy, lassen in immer wieder wechselnden Kapiteln in ihre Lebenswelten samt aller Emotionen blicken. Die Vielschichtigkeit eben dieser Erzählweise verleiht dem Roman die entsprechende Tiefe. Dazu kommt die exakt wiedergegebene Darstellung eines amerikanischen Kleinstadtlebens am Rande der Gesellschaft. Man liest von den Müttern, die mühsam den Lebensunterhalt für die kleine Familie verdienen. Von der Chancenlosigkeit, jemals wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommen zu können. Von Verzweiflung, Alkohol, Armut ebenso wie von Familiensinn und dem Wunsch dazuzugehören. Weiterlesen

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Jane Gardam: Mädchen auf den Felsen

Die Handlung zeigt einen Sommer an der englischen Küste in den Dreißiger Jahren auf. Die Zeilen, die anfangs etwas schlicht und angestaubt anmuten, erfahren recht schnell eine unerwartete, ganz besondere Gewichtung.

Im Zentrum des Geschehens steht die junge Familie Marsh, die soeben zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen hat. Der Vater, ein Bankbeamter, geht vollkommen auf in seiner eigentlichen Berufung  als fanatischer Prediger einer Sekte. Das gesamte Familienleben wird von seinem Glauben dominiert, der die Darwinsche Lehre verpönt. Bereits die achtjährige Margaret ist so bibelfest, dass sie für alles Geschehen stets einen Bibelvers parat hat, den das clevere Mädchen aber genauso schnell ins Gegenteil zu widerlegen versteht und hinterfragt.

Damit sie sich nicht wegen dem neugeborenen Bruder zurückgesetzt fühlen soll, darf Margaret mit dem frisch engagierten Hausmädchen Lydia einmal in der Woche etwas unternehmen. Die lebensfrohe, frivole Lydia, die so unumwunden und ohne Hemmungen durchs Leben geht und redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist, ist für Margaret eine Wohltat. Sie passt zwar so gar nicht in das fromme Gotteshaus der Familie Marsh, wird aber akzeptiert, weil der Vater davon überzeugt ist, dass Lydia ihnen „gesandt“ wurde. Weiterlesen

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Hans-Christian Schmidt & Andreas Német: Das komische Gefühl

Jedes Kind hat es schon mehr als einmal gespürt und kennt es: Ein komisches Gefühl. Plötzliches ist es da. Manchmal macht es einem Angst, manchmal ist es nur ein wenig unangenehm. Auf jeden Fall fühlt man sich nicht gut damit. Und genau so wird es auch in diesem Buch beschrieben: Niemand weiß, wie ich aussehe, ich bin unsichtbar.

Die verschiedenen Illustrationen des komischen Gefühls bringen es schon ganz gut auf den Punkt: Einmal ist da ein Gekrakel mit einer immer dunkler werdenden Mitte dargestellt, dann ein gezacktes Wirrwarr oder ein unauflösbares, gebogenes Knäuel. – Egal wie es aussieht, ob es im Innern zieht, hämmert oder drückt – klar ist: so etwas möchte man auf keinen Fall in seinem Bauch verspüren. Weiterlesen

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Leïla Slimani: Der Duft der Blumen bei Nacht

Leïla Slimani hat dieses Buch, in dem sie über sich selbst und ihr Schreiben berichtet, ihrem Freund Salman Rushdie gewidmet.

Schreiben lässt sich nicht erzwingen, Schreiben ist ein innerer Drang, dem man nicht entkommen kann, davon ist die Schriftstellerin, Aktivistin und Feministin überzeugt. Dennoch lässt sie sich auf den Vorschlag ihrer Lektorin ein, eine Nacht allein zwischen Kunstwerken in einem Museum in Venedig zu verbringen, um auszuprobieren, ob und in welcher Form dieses Eingesperrtsein sich auf ihre Gedankengänge und so auch auf ihr Schreiben auswirkt. Ihre anfängliche Skepsis schlägt bald um. Der Schreibprozess geht einher mit Einsamkeit und ganz bestimmt gibt es hierfür kaum einen geeigneteren Ort als ein menschenleeres Museum.  Mit dem nächtlichen Durchstreifen der Flure und dem Betrachten der Kunstwerke öffnen sich immer wieder neue Perspektiven, die Gedankenströme auslösen, die sehr persönlich sind. Wir erfahren von Slimanis beiden wesentlichen Lebensstationen: Von ihrem Geburtsland Marokko und ihrer späteren und jetzigen Heimat Paris. Weiterlesen

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Birk Grüling & Tine Schulz: Am Arsch der Welt und andere spannende Orte – 25 Landkarten für hellwache Kinder

Wie und wo auf der Welt leben andere Kinder?
Was frühstücken die Kinder zum Beispiel in Indien oder in Japan?
Wo gibt es „Firfir“ zum Frühstück und was ist das überhaupt?

Was ist in anderen Ländern verboten und welche lustigen Gesetze gibt es woanders? – Hierzu erfährt man unter anderem, dass in Cresskill/USA alle Katzen drei Glocken tragen, damit sie von Vögeln gehört werden. Außerdem liest man davon, wo auf der Welt es verboten ist, Sandburgen zu bauen oder in welchem Land der Strand für Bären verboten ist. Etwas nachdenklichere Seiten im Buch behandeln die Themen „Kinder auf der Flucht“ und den Klimawandel.

Oft kommt man aus dem Staunen kaum heraus, wie an der Stelle, wo es um die verschiedenen Eissorten geht, die es auf der Welt gibt: Eis mit Reis? – In Japan ist das nichts Ungewöhnliches. Ansprechend gestaltet und erklärt sind auch die verschiedensten „heiligen Orte“, wo man vom Ayers Rock in Australien liest oder vom Borobudur in Indonesien… Weiterlesen

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Lara Hawthorne: Kleine geheime Welten an Land

Dieses Pappbilderbuch macht neugierig auf alles, was man in der Natur nicht auf den ersten Blick wahrnimmt. In vielen bunten Bildern wird anschaulich dargestellt, wo und wie Tiere und Kleinlebewesen wohnen, wie sie sich ernähren, wo sie sich verstecken, welche besonderen Eigenschaften sie haben, wie manche Lebewesen als Team zusammenarbeiten usw. So erfährt man beim Lesen und Betrachten von Räubern, Pflanzenfressern oder „Zersetzern“ und bekommt die ungewöhnlichsten Tierwohnungen gezeigt, über die man einfach nur staunen kann. Von einigen tierischen oder pflanzlichen Existenzen haben nicht nur die kleinen Leser, sondern sicher auch so manche erwachsene Vorleser zuvor noch nie etwas gehört.

Die geheimen Welten von denen man erfährt, machen nicht nur neugierig sondern können durchaus auch anregen, vielleicht beim nächsten Waldspaziergang einmal die Blätter auf dem Waldboden oder einen Stein auf dem Wiesenweg umzudrehen. Weiterlesen

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Bergsveinn Birgisson: Antwort auf den Brief von Helga

In diesem kleinen Roman liest man den Brief eines alten Isländers  an eine Frau, die er sein ganzes Leben lang geliebt und dennoch allein gelassen hat. Der Rückblick des Protagonisten Bjarni ist nicht nur ein bewegendes Bekenntnis, sondern gleichsam ein Fenster in eine Natur- und Lebenswelt mit bescheidenen, archaischen Strukturen, die ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten fordern.

Nur kurz hat Bjarni Gíslason die Liebe zu Helga physisch erfahren. Die restliche Zeit hängt er seinen Erinnerungen und Träumen nach. Erst jetzt, da er alt ist und sein Leben gelebt hat, wird ihm in dem Brief an Helga bewusst, was er durch seine inkonsequente Haltung versäumt hat. Doch wie hätte er, der einfache Bauer und Schafzüchter das auch anstellen sollen, wo er doch mit Unnur verheiratet gewesen war. Vor langer Zeit waren Helga und er sich beim Schafabtrieb näher gekommen. Danach gierte er nach jeder Möglichkeit, die unbeschwerte Helga wieder zu treffen. Das gelang recht gut, denn in seiner Funktion als Fütterungsbeauftragter konnte er Helgas Hof, wie auch alle anderen in der Umgebung, ganz offiziell aufsuchen. Weiterlesen

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Elena Ferrante: Frau im Dunkeln

Die Universitätsprofessorin Leda liegt nach einem Autounfall im Krankenhaus. Ihre Verletzungen sind unwesentlich, jedoch hat sie eine für die Ärzte unerklärliche Stichwunde unter ihren Rippen. Eine letztendliche Erklärung für sich selbst hat auch Leda nicht. Aber sie erzählt rückblickend, wie es dazu gekommen ist.

Leda verbringt ihren Urlaub an der Ionischen Küste. Am Strand, hinter einem Pinienwald, findet sie einen Platz, den sie fortan  täglich aufsucht. Bald fallen ihr dort eine junge Mutter und ihre kleine Tochter auf, die in ihrem Spiel mit einer Puppe ein sehr beglückendes, einander zugewandtes Gebaren an den Tag legen. Das tägliche Stelldichein am Strand macht die beiden für Leda schnell zu vertrauten Personen. Leda interpretiert das Spielverhalten von der jungen Mutter Nina und ihrer Tochter mit ihrer ureigenen Sicht auf die Dinge. Ihre eigenen Unzulänglichkeiten brechen in ihr auf. Einerseits bewundert sie die junge Frau, würde gerne so fühlen, wie diese junge Mutter, die ganz selbstverständlich in ihrer Rolle aufgeht. Gleichzeitig reflektiert sie ihre eigene Mutterrolle, in der sie sich vor über zwanzig Jahren aus Überforderung gegen ihre beiden kleinen Töchter und für ihre eigene Karriere entschieden hatte, wodurch nun alle weiteren Abläufe eine neue Gewichtung und Richtungsänderung erfahren. Weiterlesen

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Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens

Die Originalausgabe von „Tage des Verlassenwerdens“ erschien  bereits 2003 und ist Elena Ferrantes zweiter Roman. Schon nach wenigen Zeilen ist man gefangen in der traurigen Geschichte mit einer unglücklichen Protagonistin, die bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Diesmal nimmt Ferrante uns mit in die Tiefen des Gemütszustandes einer verlassenen Frau. Die achtunddreißigjährige Olga lebt mit ihrer Familie in Turin. Mit ihrem Mann Mario ist sie seit fünfzehn Jahren glücklich verheiratet, die beiden haben zwei Kinder, einen Hund, eine schöne Wohnung. Olgas Leben und das ihrer Familie ist intakt, bis Mario sich für eine jüngere Frau entscheidet und die Familie verlässt. Damit bricht eine Welt für  Olga zusammen, denn damit hatte sie niemals gerechnet. Von einem Tag auf den anderen steht sie mitten in einem Scherbenhaufen. Von nun an durchlebt Olga einen schmerzhaften Prozess, bei dem die Leser alle Stationen ihrer Krise, das ganze Elend physischer und psychischer Zerrüttung in ihren Einzelteilen mitfühlen. Weiterlesen

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