Alice Feeney: Manchmal lüge ich

Bereits auf dem Buchcover sind dem Titel „Manchmal lüge ich“ die beiden Sätze „Ich liege im Koma“ und „Mein Mann liebt mich nicht mehr“ vorangestellt. – Ein spannender Einstieg also, der neugierig macht. Alice Feeney gelingt es, diese Spannung über weite Teile des Textes zu halten, indem sie mit drei Erzählebenen arbeitet.

Ihre Protagonistin Amber liegt im Wachkoma und registriert alles, was um sie herum geschieht und was geredet wird. Aber sie kann sich nicht mitteilen und sie kann sich nicht mehr an alle Zusammenhänge ihres Lebens erinnern. Stumm und reglos lässt sie die Routine des Krankenhausalltags über sich ergehen und lauscht dabei den Gesprächen des Personals oder ihrer Besucher Paul und Claire.

Ambers Mann Paul ist Schriftsteller und Amber ist sich sicher, dass er sie nicht mehr liebt und etwas damit etwas zu tun hat, dass sie erinnerungslos im Krankenhaus liegt. Auch ihrer Schwester Claire, die immer das Lieblingskind ihrer Eltern gewesen war, misstraut sie. Weiterlesen

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Phaedra Patrick: Wie Arthur Pepper sich vor seiner Nachbarin versteckte und am Ende doch sein Herz fand

Seit Arthur Pepper mit 69 Jahren Witwer geworden ist, hat er sich vor der Außenwelt verkrochen. Er versucht nach denselben Abläufen weiterzuleben, wie er sie viele Jahre mit seiner verstorbenen Frau Myriam gepflegt hat. So oft es ihm gelingt, geht er seiner Nachbarin Bernadette, die ihm gern etwas zu essen vorbeibringt und es nur gut mit ihm meint, aus dem Weg.

Als er Kleidungsstücke von Myriam für eine Kleiderspende aussortiert, findet er in einem ihrer Stiefel ein goldenes Bettelarmband mit verschiedenen Anhängern. Arthur ist verwirrt. Er kennt das Armband nicht und fragt sich, ob Myriam Geheimnisse vor ihm hatte. Mit einer Uhrmacherlupe versucht er, Details wie eingravierte Buchstaben und Zahlen auf den Anhängern zu entziffern. Er beginnt zu recherchieren und stößt auf die abstrusesten Verbindungen Myriams aus der Zeit vor ihrer Ehe. Er kann nicht anders, er muss sich nun diesem Teil der Vergangenheit seiner Frau stellen, die nach Paris, Indien und London führt und auch einen dunklen Punkt in ihrem Leben offenbart, um selbst wieder Ruhe finden zu können. Weiterlesen

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Kent Haruf: Lied der Weite

Abermals wählt Kent Haruf wie bereits in seinem vorangegangenen Buch „Unsere Seelen bei Nacht“, die fiktive Stadt Holt in Colorado als zentralen Ort seiner Romanhandlung. Diese Kleinstadt mit seinen Menschen die er dort ansiedelt, entspricht überzeugend der Lebensrealität im Mittleren Westen der USA. Es sind die Lebensausschnitte während eines knappen Jahres von  sieben Protagonisten aus Holt mit authentisch wirkenden Dialogen und treffend zugeschnittenen Charakteren, die der Autor schildert.

Die Handlungen drehen sich zum einen um die beiden neun- und zehnjährigen Brüder Bobby und Ike. Sie müssen miterleben, wie ihre depressive Mutter sich dem Familienleben immer weiter entfremdet und entzieht und die Familie schließlich verlässt. Weiterlesen

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Paul Hawkins: Die nerven, die Briten!

Der Brite Paul Hawkins nimmt die Eigenheiten seiner Landsleute mit viel Sinn für Humor unter die Lupe und liefert Tipps und Tricks, wie man Land und Leute einzuschätzen hat. Einige Ausprägungen, Gegebenheiten oder Vorlieben der Briten sind sicher nicht wenigen von uns hinreichend bekannt. Hawkins liefert viele weitere Details, die staunen und schmunzeln lassen.

In fünf Kapiteln stellt der Autor die Briten eingehender in recht lockerem Plauderton vor. Er gibt Ratschläge über den Umgang mit dem Inselvolk, erläutert die Kommunikation, Touristenbesuche oder das Trinkverhalten seiner Landsleute in vielen Unterkapiteln. Dabei spannt er seinen Bogen vom Brexit über After-work-Drinks, das Schlangestehen, englisches Frühstück, Trinkgelage, Gästeetikette, Hitlerimitation, Kommunikation an der Bar, Smalltalk, Tee trinken, leere Höflichkeitsfloskeln, Spitznamen, Trinkgeld… Die typisch britischen Attribute scheinen unerschöpflich. Weiterlesen

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Hanns-Josef Ortheil: Der Typ ist da

Matteo kommt wie aus der Welt gefallen daher, in seinem langen schwarzen Mantel und seiner auffallend zuvorkommenden, zurückhaltenden Wesensart. Doch genau damit schafft er es, ohne es beabsichtigt zu haben, das Leben dreier junger Frauen, die in einer männerlosen WG zusammenleben, komplett durcheinanderzuwirbeln.

Matteo ist Restaurator und stammt aus Venedig, wo er zuvor eine der Frauen – Mia – während ihres Studienaufenthaltes kennengelernt hatte. Doch als er dann unangemeldet vor ihr steht, hat Mia im ersten Moment sogar Schwierigkeiten, sich an ihn erinnern zu können. Sie fragt sich, wieso ausgerechnet er, dem gegenüber sie genau wie vielen anderen Bekannten auch, lediglich eine vage Einladung ausgesprochen hatte, nun tatsächlich den Besuch wahr macht. Weiterlesen

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Volker Lilienthal & Irene Neverla (Hg.): Lügenpresse

Dieses Buch hat sich aus einer Ringvorlesung an der Uni Hamburg, die von den beiden Medienwissenschaftlern Volker Lilienthal und Irene Neverla organisiert wurde, entwickelt.

Wissenschaftler wie auch Journalisten vertreten darin in vielen verschiedenen Beiträgen ihre durchaus auch kritischen Standpunkte zum Thema „Lügenpresse“, einem Begriff, der bei den Montagsdemonstrationen der Pegida in Dresden wortgewaltig auftauchte, sich auf weiteren Demos und im Internet zum gängigen Unwort entwickelt und Eingang in die breite Öffentlichkeit gefunden hat.

Was ist dran, am Begriff Lügenpresse und hat er eine Berechtigung? Warum hat sich der Begriff „Lügenpresse“ so rasant verbreitet und erscheint nicht mehr nur als Kampfbegriff sondern als akzeptiertes Stichwort für eine Medienkritik in der Bevölkerung? Weiterlesen

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Elli H. Radinger: Die Weisheit der Wölfe

Bereits in ihrem im Juli 2015 erschienenen Buch Minnesota Winter hat Elli H. Radinger ihr Leben, das sie ein Jahr in der Wildnis, in einer Blockhütte ohne Wasser und Strom verbracht hat, beschrieben. Nun widmet sich die renommierteste deutsche Wolfsforscherin, die als Freiwillige im US-Nationalpark Yellowstone im Zuge des  Yellowstone-Wolfsprojekt Biologen bei der Feldforschung unterstützte, ganz den Wölfen.

Bei mehr als zehntausend Wolfssichtungen, die sie nach eigenen Angaben erlebt hat und bei denen sie manchmal nur wenige Meter von den Wildtieren entfernt war, versteht sie die Wölfe wie kaum jemand anderes. Stundenlang harrte sie für ihre Beobachtungen bei jedem Wetter aus. Um Wölfe zu sichten, muss man das gesamte Umfeld im Blick haben, vor allem das Verhalten der Beutetiere, weiß sie. Auch die Krähenvögel behält sie im Auge, denn sie profitieren von den Mahlzeiten der Wölfe. Weiterlesen

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Martha Schoknecht (Hrsg.): Der schönste Ort der Welt. Von Menschen in Buchhandlungen

Von Menschen in Buchhandlungen lautet der Untertitel dieses Erzählbandes, in dem zwanzig Geschichten von Martha Schoknecht zusammengestellt wurden.

Die ausgewählten Beiträge könnten nicht unterschiedlicher sein. So lesen wir unter anderem von Roger Willemsen & W. Sommerset Maugham die Geschichte Büchermenschen, von Martin Suter In der Provinz, von George Orwell Erinnerungen an eine Buchhandlung, von Ingrid Noll Begegnungen im Buchladen, von Gustave Flaubert Bibliomanie, von Patricia Highsmith Ein anstrengender Samstag oder von Mark Twain lediglich Drei Gedanken, von denen der erste Gedanke lautet: „Ich war auch mal einige Zeit Buchhändler, gab das aber auf, weil die Kunden mich immer beim Lesen störten.“ Weiterlesen

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Mark Lowery: Wie ein springender Delfin

Der dreizehnjährige Martin unternimmt mit seinem kleinen Bruder Charlie eine Zugreise an die Küste, wo die beiden zusammen mit den Eltern den letzten Urlaub verbracht haben. Geschickt und kindgerecht aufbereitet baut der Autor in die abenteuerlich und witzig geschilderte Handlung die Verarbeitung von Trauer um einen geliebten Menschen ein, was aber erst am Ende klar wird. Nur einen Tag will Martin mit Charlie verreisen, und weil die Eltern das niemals erlauben würden, muss alles heimlich geschehen. Er möchte dem kleinen Bruder nochmals den Delfin zeigen, der in den Sommerferien in St. Bernards immer im Hafenbecken aufgetaucht ist und von dem Charlie so fasziniert war.

Charlie ist kein Kind wie die anderen. Seit seiner Geburt leidet er an einer Herzschwäche und Asthma, doch er ist ein fröhlicher Junge. Martin hat früh gelernt, sich um ihn zu kümmern. Weiterlesen

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Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger

Eigentlich ist Joachim Meyerhoff Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Erst im August 2017 wurde er in der traditionellen Kritikerumfrage von „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres gewählt. Doch er kann auch verdammt gut schreiben. Wer seine vorangegangenen drei Bücher der autobiografisch gefärbten Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ kennt, hat auf den neuesten, letzten Band „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ längst gewartet und wird nicht enttäuscht.

Nun schreibt Meyerhoff über seine Zeit als junges, mit mäßigem Erfolg gesegnetes Ensemblemitglied am Theater Bielefeld und Dortmund, denn Kindheit und Jugend hat er bereits literarisch verarbeitet.

Meyerhoff bleibt seinem bekannt witzigen selbstironischen Stil treu. Die neuen, oft wahnwitzigen Eskapaden in seinem Buch handeln von einem Beziehungsgeflecht, in das sich der Erzähler immer tiefer verstrickt: In Bielefeld begegnet er der jungen, reichlich komplizierten und verkopften Studentin Hanna mit den langen Zähnen, in die er sich verliebt. Weiterlesen

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