Hannelore Hippe: Die verlorenen Töchter

Hannelore Hippe hat in diesem Buch einen bis heute nicht geklärten Kriminalfall um eine mysteriöse halb verbrannte Frauenleiche, die 1970 im Isdal, der Gegend um Bergen/Norwegen, gefunden wurde, aufgegriffen. In ihre fiktiv ausgearbeitete Handlung hat sie Zeugenaussagen, Namen, Daten und Orte aus der Polizeiakte einfließen lassen. 2017 wurde der Fall mit neuen forensischen Techniken abermals untersucht. Erstaunlicherweise gelangten die Ermittler dabei zu ähnlichen Resultaten, wie Hippe sie in der Romanhandlung aufzeigt.

Das Buch beginnt mit dem Fund einer Frauenleiche im Jahr 1970, macht aber nach wenigen Seiten einen Zeitsprung und wechselt ins Jahr 1942. Die Wurzeln dieses Kriminalfalls liegen in der norwegischen Geschichte, als deutsche Wehrmachtssoldaten während des zweiten Weltkrieges das Land bevölkerten:

Die zwanzigjährige Åse findet in Tromsø eine Anstellung in der Wäscherei der Besatzungsmacht. Wie viele andere junge Frauen geht sie eine Beziehung mit einem deutschen Soldaten ein. Weil dies unter großen Teilen der Bevölkerung als höchst anrüchig gilt,  können Åse und der Unteroffizier Kurt sich nur heimlich treffen. Selbst der eigenen Familie kann Åse sich nicht anvertrauen. Weiterlesen

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Alexander Krützfeldt: Letzte Wünsche

Was ist noch wichtig, wenn man nicht mehr lange zu leben hat? Der Untertitel des Buches „Was Sterbende hoffen, vermissen, bereuen – und was uns das über das Leben verrät“, beschreibt weitgehend den Inhalt. Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt ist diesem Thema nachgegangen und zeigt Schicksale auf, die verdeutlichen, auf was sich das Leben am Ende reduziert und konzentriert. Wir lesen von Frank Wenzlow, der seine große Liebe Lissy verloren hat. Lissy konnte ihren aggressiven Krebs nicht besiegen. Die Schilderungen, wie Frank und Lissy mit diesem Schicksal umgegangen sind, hat der Autor bewegend und unaufgeregt festgehalten.

Nach Lissys Tod bewältigte Frank seine Trauer damit, indem er für andere Todgeweihte etwas Sinnvolles tun wollte. So gründete er einen Verein, der es sterbenden Menschen ermöglicht, einen letzten Wunsch erfüllt zu bekommen. Frank arrangiert, dass die Menschen in einem ausrangierten Rettungswagen zu ihren letzten Sehnsuchtsorten zum Beispiel ans Meer (was Lissys großer Wunsch gewesen war) oder in ein Stadion transportiert werden können.

In weiteren Kapiteln begegnen wir anderen Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, lesen von ihrem jeweiligen Schicksal und davon, was sie sich noch wünschen. Weiterlesen

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Adriana Altaras: Die jüdische Souffleuse

Ihren neuen Roman verknüpft Adriana Altaras wie immer mit ihren jüdischen Wurzeln und diesmal mit ihrem Berufsleben. Theater und Opern sind ihre Welt und ihre Erfüllung und entsprechend turbulent gestalten sich die Tage, die immer mit dem Bühnenalltag verbunden sind.

Altaras weist in einem Vorspann darauf hin, dass einige der Charaktere in ihrem Buch tatsächliche Vor- und Urbilder haben, ihre jeweiligen Beschreibungen und die Handlungen dennoch fiktiv ausgearbeitet sind.

Bühnenleben und Opernbetrieb erfordern, dass die Ich-Erzählerin Adriana immer wieder für einige Wochen weg von der Familie, der Wohnung und der vertrauten Umgebung ist. Ganz automatisch versucht sie, in fremden Städten heimisch zu werden und wie zu Hause eine Joggingstrecke, das Schwimmbad oder eine Espressobar ausfindig zu machen. So stellt sich bald überall der Alltag in Form des immer gleichen Gangs zu einem auserkorenen Lieblingsrestaurant oder dem unvermeidlichen permanenten Auswendiglernen ein. Natürlich gibt es da auch noch die Eigenheiten vieler Kollegen, deren Allüren vor und hinter dem Bühnenvorhang. Weiterlesen

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Henry Beston: Das Haus am Rand der Welt (1928)

Henry Bestons Plan war ursprünglich, zwei Wochen auf der Halbinsel Cape Cod in Massachusetts zu verbringen. Doch aus zwei Wochen wird ein ganzes Jahr. Beston lebt in dieser Zeit in einem kleinen Holzhaus, das er Fo’castle nennt. Hier ist er mit sich und der Natur die meiste Zeit allein. Die einzigen Nachbarn sind die Männer der Küstenwache von Nauset, die etwa zwei Meilen entfernt stationiert sind.

Beston hält seine täglichen Naturbeobachtungen schriftlich fest. Als Leser staunt man von Seite zu Seite, wie vielfältig er die Veränderungen von Geologie, Tönen, Farben, Stimmungen wahrnimmt und dies alles in einer schönen, treffenden Sprache beschreibt.

So erfährt man zum Beispiel, in welcher Weise, welcher Gestalt und mit welchen Geräuschen der Ozean auf den Strand trifft, und dass am Strand bei Nacht eine ganz besondere Stimmung mit ganz eigenen Tönen und Klängen herrscht. Beston beschreibt hier ein trockenes Zischeln eines sich endlos fortbewegenden Sandes und ein rhythmisches Auflaufen der Wellen so detailgetreu, dass man sich mitten in dieses Geschehen hineinversetzt fühlt. Weiterlesen

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Juli Zeh: Neujahr

Die Geschichte spielt auf Lanzarote. Hier hat der junge Familienvater Henning für sich und die Familie über Weihnachten und den Jahreswechsel ein Ferienhaus gemietet. Aber dieser Urlaub ist trügerisch.

Hennings Frau Theresa steht mit beiden Beinen im Leben, genauer gesagt erfolgreich im Arbeits- wie auch im Familienleben – im Gegensatz zu Henning.

Die Aufgaben des Familienlebens teilen Henning und Theresa sich untereinander auf. Theoretisch zumindest, denn Henning wird immer wieder von Panikattacken heimgesucht, unter denen er beruflich wie auch privat leidet.

Während Henning sich am Neujahrsmorgen von der Familie abkoppelt und kurzentschlossen mit dem Fahrrad unter Qualen eine Bergstrecke bezwingt, erfahren wir von all seinen Konflikten. Dabei leidet er körperlich mindestens ebenso wie seelisch, denn die Streckenführung zum Atalaya-Vulkan verlangt alles von ihm und seinen Muskeln ab. Weiterlesen

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Linn Ullmann: Die Unruhigen

Hammars auf der Insel Farö ist der Ort, an dem Linn Ullmanns berühmter Vater Ingmar Bergman seinen Lebensabend bis zu seinem Tod 2007 verbrachte.  Die Autorin selbst verlebt in Hammars alljährlich ihre Ferien beim Vater, manchmal zusammen mit einigen ihrer neun Halbgeschwister. Linn ist das jüngste der Kinder. Mit vier Frauen war ihr Vater, der Regisseur Ingmar Bergman verheiratet gewesen, seine neun Kinder teilte er mit sechs Frauen.

Linn Ullmann wächst bei ihrer Mutter, der Schauspielerin Liv Ullmann auf. Es ist ein unstetes Leben, das der Beruf ihr abverlangt. Linn zieht mit mit der Mutter nach New York, Paris, Oslo. Hammars ist wie ein Ruhepol dagegen, obwohl es dort strenge Regeln, die der Vater aufstellt, zu beachten gilt.

Die Erinnerungen an ihre Kindheit bei der Mutter und hauptsächlich an die beim Vater in Hammars, zeigen unterschiedlichste Facetten der Künstlereltern auf. Im Schreibstil der Autorin spiegeln sich in der Vielschichtigkeit Nuancen ihres eigenen und des Lebens ihrer Eltern. Weiterlesen

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Tim Parks: In Extremis

Thomas steckt nicht nur in der Midlife-Crisis, auch die Welt um ihn herum scheint immer mehr aus dem Ruder zu laufen.  Die Mutter liegt in London im Sterben und dennoch will Thomas bei einer Konferenz für Physiotherapeuten in den Niederlanden einen Vortrag halten. Das schlechte Gewissen, nicht unverzüglich zur Mutter geeilt zu sein, wechselt sich ab mit seinen eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten und Beschwerden. Gedanklich spielt  Thomas die Situation um die sterbende Mutter durch, ist sich nicht sicher, ob er sie mit ihrem von offenen Tumoren gepeinigten Körper sehen will. Doch er fühlt sich verpflichtet, der Mutter etwas zu sagen, was er ihr schon längere Zeit verschwiegen hat. Dieses innerliche Dilemma quält ihn mindestens so sehr wie seine Beckenbodenbeschwerden und Blasenprobleme mit schmerzendem Harnverhalten, das auch die Analmassage, der er sich kurz vor seinem Vortrag noch unterzogen hat, nicht mildern kann.

Die Kindheit im sehr christlich geprägten Elternhaus, die Rolle, die seine Geschwister und er in der Familie eingenommen haben, verdeutlichen das eigene Selbstbild. Weiterlesen

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Rainer Moritz: Mein Vater, die Dinge und der Tod

Der Autor und Leiter des Literaturhaus in Hamburg, Rainer Moritz, macht in seinem neuen Buch die Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater zum Thema: – Was bleibt, wenn der Vater tot ist? Wie hat er uns und unser Leben geprägt? Was haben wir bewusst oder unbewusst von ihm übernommen? Wie waren wir zu seinen Lebzeiten überhaupt miteinander verbunden, eher distanziert oder liebevoll? Wie gut kannten wir den Vater? Was wissen wir über sein Innerstes?…

Moritz verdeutlicht, was am Ende bleibt. Es sind noch die Erinnerungen. So lange man sie wachruft, leben die, die darin vorkommen, weiter.

Was noch bleibt, sind auch die Gegenstände, die uns durch unsere Kindheit und Jugend begleitet haben. Dinge, die einst eine gewisse Bedeutung hatten. Aber welche? Machen die übrig gebliebenen Objekte den Menschen aus? Was sagen sie denen, die zurück geblieben sind?

Unsere Wohnungen gehören zu uns, sind Teil unserer Biografie. Das  Mobiliar der alten Menschen von heute wurde einst mit Bedacht ausgewählt, man achtete auf Qualität und Langlebigkeit. Weiterlesen

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Karen Cleveland: Wahrheit gegen Wahrheit

Die Protagonistin Vivian arbeitet bei der CIA als Spionageabwehr-Analystin. Durch akribischen Fleiß hat sie einen Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe sie russische Spione enttarnen will. Doch als es ihr schließlich gelingt, sich in das Programm eines russischen Agentenbetreuers einzuloggen, macht sie eine schreckliche Entdeckung: Nachdem sie eine Datei mit fünf Schläfern geöffnet hat, erblickt sie auf einem der Fotos ihren Mann Matt und all ihr Enthusiasmus macht einer kalten Angst Platz. Alles, wofür sie sich eingesetzt und gearbeitet hat, scheint urplötzlich zunichte zu sein. Mehr noch, die Struktur ihrer Ehe und der gesamten Familie gerät ins Wanken. Basiert ihre Ehe, ihr Familienleben auf einer Lüge? – Matt gibt Vivians Verdacht unumwunden zu.

Das Dilemma für Vivian könnte nicht perfider sein. Soll sie ihren Mann enttarnen und damit gleichzeitig ihr eigenes und das Leben ihrer Familie, alles was sie hat und liebt zerstören? Was würde aus den vier Kindern werden, wenn sie ohne den liebevollen Vater aufwachsen müssten? Weiterlesen

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Jan Schomburg: Das Licht und die Geräusche

Johanna und Boris diskutieren über Gott und die Welt. Beide gehen zusammen in dieselbe Klasse, beide sind ähnlich wissensdurstig, erlebnishungrig und intelligent und in einem Lebensalter, in dem sie gern philosophieren und alles hinterfragen.

Was es mit Boris‘ portugiesischer Freundin Ana-Clara auf sich hat, wie die beiden wirklich zueinander stehen, begreift Johanna nicht so recht. Sie ist trotzdem in Boris verliebt, aber es ist einfach zu schwierig, ihm dies zu vermitteln obwohl es genügend Gelegenheiten gäbe.

Bei einer Klassenfahrt nach Barcelona regeln sie das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Marcel und dem Nerd Timo  untereinander ohne Lehrer. Johanna, die eigentlich ganz gut vermitteln kann, macht die Erfahrung, dass Machtausübung verschiedene Facetten hat. Als Boris in einem Club ausgelassen tanzt und dann von Unbekannten zusammengeschlagen wird, ist es für Johanna schlimmer als für Boris selbst, der darüber lacht. Immerhin fahren sie anschließend mit ihren Rädern noch in der Nacht an den See und am nächsten Morgen ist Boris verschwunden. Weiterlesen

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