Hansjörg Schertenleib: Die Fliegengöttin

Schon lange ist nichts mehr wie es war. Die Krankheit kam schleichend. Jeder Tag bringt eine andere Herausforderung für Willem de Witt mit sich, der seine an Alzheimer erkrankte Frau pflegt. Immer wieder aufs Neue muss er sich auf ihre Wesensveränderungen, Wortfindungsstörungen, ihren Gedächtnisverlust und die physischen Defizite einstellen.

Niemals in einem Pflegeheim enden – dieses gegenseitige Versprechen haben sich der Holländer Willem und seine irische Frau Eilis einst gegeben. Aber nun, seit Eilis keine Erinnerungen mehr hat und Willem oft nicht weiß, ob sie ihn überhaupt erkennt, hat dieses Versprechen eine ganz andere Gewichtung bekommen. Doch Willem hält sich daran. Die letztendliche Konsequenz die im Raum steht, schiebt er dennoch von sich, denn zwischen Zuständen von Verwirrung und Apathie hat Eilis auch lichte Momente. Dann sind die Rückblicke seiner Frau oft solche, die Willem verloren gegangen sind. Auch er verspürt mit seinen dreiundachtzig Jahren körperliche und geistige Defizite. Erinnerungen aus über fünfzig Ehejahren die sie gemeinsam in ihrem Haus in Irland verlebt haben, gibt es genügend. Immerhin haben die de Witts auch drei Kinder mit allen Höhen und Tiefen großgezogen sowie einige schöne Urlaube zusammen verbracht. Weiterlesen

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Stefan Moster: Alleingang

Freddy ist einundfünfzig Jahre alt, als er zum dritten Mal aus dem Gefängnis entlassen wird. Am Tag seiner Entlassung nimmt er die LeserInnen mit hinaus in die Freiheit und in seine Erinnerungen an sein Leben davor.

Hineingeboren in eine asoziale Familie wächst der junge Freddy mit elf älteren Geschwistern bei der Großmutter in einem heruntergekommenen Haus auf. Unter den Geschwistern gilt das Recht des Stärkeren. Lieblosigkeit, Gewalt und billiges Vokabular sind an der Tagesordnung und nicht eben förderlich für Freddys Entwicklung. Wäre da nicht sein Kinder- und Jugendfreund Tom aus der Nachbarschaft, der wohlbehütet als Einzelkind in geordneten Verhältnissen lebt, würde Freddy vielleicht gar nicht realisieren, dass er und seine restliche Familie ein Außenseiterdasein führen.

Mit Tom verlebt er Kindheitsabenteuer. Später führt Tom ihn in seine Clique ein, mit der er nach Griechenland reist. Während die anderen nach der langen Fahrt apathisch auf die Landschaft reagieren, ist Freddy jemand, der sich unverhohlen freuen kann. Weiterlesen

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Yishai Sarid: Monster

Yishai Sarid hat einen Protagonisten erschaffen, der im Holocaust eine ganz andere Opferrolle einnimmt. Mit ihm zeigt er einen neuen Blick auf den Umgang mit der Erinnerung auf: In einem Bericht an seinen ehemaligen Chef versucht ein junger Familienvater einen Eklat, den er ausgelöst hat, zu erklären.

Für seine Doktorarbeit beschäftigte der junge Israeli sich mit den Vernichtungsmethoden in den verschiedenen Konzentrationslagern. Später fährt er nach Polen, um die Gedenkstätten, über die er tausende von Seiten gelesen hat, zu besuchen. Durch seine umfassenden Kenntnisse ist ihm dort bereits alles so vertraut, dass er sich nach eigenen Angaben gar wie zu Hause fühlt. Hier kann er die Schreckensszenarien in allen Einzelheiten noch einmal aufleben lassen. Nachdem er immer häufiger als Guide für Gruppenführungen in den Vernichtungslagern angefragt wird, bleibt er monatelang in Polen. Mit dem dort verdienten Geld kann er sich selbst und seine Familie in Israel ernähren. Weiterlesen

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Kent Nerburn: Nicht Wolf nicht Hund. Auf vergessenen Pfaden mit einem alten Indianer

In diesem Buch wird unterhaltsam der authentische Versuch einer Annäherung an die indianische Kultur beschrieben.

Bereits 1994 wurde Nicht Wolf nicht Hund in den USA verlegt und avancierte dort zum Bestseller. In Großbritannien wurde das Buch  2017 neu herausgebracht. Hierzu hat Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin ein Vorwort verfasst.

Der Autor Kent Nerburn ist Ethnologe und Theologe. Nach einem Telefonanruf sucht er den alten Lakota-Indianer Dan auf Bitten von  dessen Tochter Wenonah in einem Reservat auf. Dan möchte, dass Kent Nerburn die Geschichte seines Volkes aus Sichtweise eines Indianers und nicht aus Sicht der Weißen für die Nachwelt aufzeigt und niederschreibt. Hierzu übergibt Dan an Kent Nerburn einen Schuhkarton mit Notizen, die er über lange Jahre angereichert hat. Alle Aufzeichnungen wie Briefe, Zeitungsausschnitte, Fotos oder schnelles Gekritzel auf Servietten, liegen wild durcheinander in dem Karton. Hieraus eine Story zu entwickeln erweist sich für Kent Nerburn als schwierig. Weiterlesen

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Jan Wiechert: Scheidung mit dem Beil

Der historische Kriminalfall um Maria Dorothea Huther ist ein Buch aus der Regionalgeschichtenreihe des Gmeiner Verlags. Autor Jan Wiechert hat sich mit den im Hohenlohe-Zentralarchiv gelagerten Dokumenten befasst und sich dem Inhalt der Strafprozessakte gegen die 1777 des Mordes an ihrem Ehemann verdächtigten Maria Dorothea Huther angenommen.

Maria Dorothea Huthers getöteter Mann Peter war Wanderhandwerker und übte den Beruf eines Schmierbrenners aus. Er wurde tot und übel zugerichtet von zwei Bauern auf deren Feld neben zwei zuvor entwendeten Pflugsägen aufgefunden.

Jan Wiechert beleuchtet mit seinem daraus entstandenen zeitgenössischen Text einführend geschichtliche und geografische Hintergründe und zeigt eben diese Mordermittlungen aus dem 18. Jahrhundert auf. Die Informationen aus der Strafprozessakte sind exakt übernommen und unverfälscht wiedergegeben.

Die Möglichkeiten zu einer objektiven Beweisführung in der damaligen Zeit waren begrenzt und mit der oberflächlichen Untersuchung von Tatort und der Obduktion der Leiche weitgehend erschöpft. So mussten weiterführende Zeugenbefragungen und Vernehmungen von Verdächtigen geführt werden. Auf den ersten Seiten werden sämtliche dieser später in der Mordakte auftauchenden Personen aufgelistet. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

Die achtzehnjährige Annie Duchesne kann es kaum erwarten, ihrem behüteten Elternhaus zu entfliehen, um in ihren Ferien als Betreuerin in einer Ferienkolonie zu arbeiten. Zuvor hat Annie ihr Dorf nie verlassen. Ihre Eltern, die einen Krämerladen führen, verwöhnten ihr einziges Kind, das zu Hause nie etwas arbeiten musste, stets. Im Gegenzug fehlt dem Mädchen der Blick über den Tellerrand in das Leben, wie es um sie herum stattfindet und in andere Milieus hinein. Sie kann nicht mit einem Telefon umgehen, hat noch nie geduscht oder gebadet, weil in ihrem bäuerlich-katholisch geprägten Zuhause einfach andere Gepflogenheiten und Gegebenheiten üblich sind. Alles, was sie über die Welt weiß, hat sie sich aus Büchern angelesen. Überhaupt ist Annie ein überdurchschnittlich intelligentes Mädchen, das sich von ihrer einfachen Familie abhebt. Nun aber will sie endlich einen Jungen kennenlernen und sich verlieben. – Genau dies passiert dann auch.

Zumindest redet Annie sich geradezu obsessiv ein, in den jungen Lehrer H. verliebt zu sein. Tatsächlich aber findet H. in Annie lediglich ein gefügiges Opfer seiner sexuellen Bedürfnisse.  Annie, die bislang keine Kontakte zu Jungen hatte, unterwirft sich in ihrer Unerfahrenheit H., der sie nur benutzt, wodurch sie sich zum Gespött der anderen macht. Weiterlesen

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Julia Behringer: Barbecue mit Indianern

Julia Behringers Leben verläuft nicht so, dass sie sich glücklich fühlt. Weder der arbeitsintensive Job noch die Zweckgemeinschaft mit ihrem Lebenspartner empfindet sie als erfüllend.

Im Jahr 2012 nimmt sie sich eine Auszeit und lässt einen Kindheitstraum wahr werden. Sie macht sich auf zu einer Reise, die sie in die Wildnis von Montana im Nordwesten der USA führen wird und ein wunderbares Abenteuer beginnt: Dort in den Naturschutzreservaten erwarten sie unberührte Gebirge, Wälder und Prärien, in denen Bären, Elche, Luchse, Kojoten, Wölfe, Wildkatzen, seltene Bergziegen, Dickhornschafe und nicht zuletzt Indianer leben. Auf dem Pferderücken überquert Julia Behringer mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Rocky Mountains entlang der kanadischen Grenze. Dieser Weg, der durch riesige Naturschutzgebiete führt, bleibt stets das Ziel. Schnell wird der jungen Frau klar, dass Vieles, was ihr Leben in Deutschland ausgemacht hat, in der Wildnis keinerlei Gewichtung mehr für sie hat. Weiterlesen

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Caroline Eriksson: Die Beobachterin

Die Icherzählerin Elena ist Autorin. Seit kurzem lebt sie von ihrem Mann getrennt in einem Haus, in dem sie sich nicht zu Hause fühlt. Ihre Schwester hat ihr diese vorübergehende Bleibe vermittelt. Aber es ist nicht nur das Haus, in dem Elena sich fremd fühlt. Mehr noch scheint Elena sich selbst eine Fremde zu sein. Mit fortschreitendem Text wird klar, dass sie unter autoaggressiven Störungen leidet, die nun, da ihr Ehemann Peter ihr Vertrauen zerstört hat, von neuem aufbrechen.

Im Haus gegenüber wohnt eine Familie, die Elenas Blicke über den Innenhof durchs Fenster immer häufiger auf sich zieht. Je öfter Elena das Ehepaar und deren Sohn beobachtet, desto mehr glaubt sie zu wissen, dass sich dort drüben bald ein schreckliches Drama abspielen wird. Leo, der Sohn der Familie, der Kontakt zu Elena knüpft, bestärkt alle Befürchtungen und beeinflusst ihre Eindrücke zunehmend.

Elena verliert immer mehr den Boden zur Realität, projiziert Handlungen und Verhalten des Nachbarpaares auf sich und die eigene Vergangenheit und interpretiert so das Geschehen gegenüber nach ihren subjektiven Auslegungen. Weiterlesen

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Hannelore Hippe: Die verlorenen Töchter

Hannelore Hippe hat in diesem Buch einen bis heute nicht geklärten Kriminalfall um eine mysteriöse halb verbrannte Frauenleiche, die 1970 im Isdal, der Gegend um Bergen/Norwegen, gefunden wurde, aufgegriffen. In ihre fiktiv ausgearbeitete Handlung hat sie Zeugenaussagen, Namen, Daten und Orte aus der Polizeiakte einfließen lassen. 2017 wurde der Fall mit neuen forensischen Techniken abermals untersucht. Erstaunlicherweise gelangten die Ermittler dabei zu ähnlichen Resultaten, wie Hippe sie in der Romanhandlung aufzeigt.

Das Buch beginnt mit dem Fund einer Frauenleiche im Jahr 1970, macht aber nach wenigen Seiten einen Zeitsprung und wechselt ins Jahr 1942. Die Wurzeln dieses Kriminalfalls liegen in der norwegischen Geschichte, als deutsche Wehrmachtssoldaten während des zweiten Weltkrieges das Land bevölkerten:

Die zwanzigjährige Åse findet in Tromsø eine Anstellung in der Wäscherei der Besatzungsmacht. Wie viele andere junge Frauen geht sie eine Beziehung mit einem deutschen Soldaten ein. Weil dies unter großen Teilen der Bevölkerung als höchst anrüchig gilt,  können Åse und der Unteroffizier Kurt sich nur heimlich treffen. Selbst der eigenen Familie kann Åse sich nicht anvertrauen. Weiterlesen

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Alexander Krützfeldt: Letzte Wünsche

Was ist noch wichtig, wenn man nicht mehr lange zu leben hat? Der Untertitel des Buches „Was Sterbende hoffen, vermissen, bereuen – und was uns das über das Leben verrät“, beschreibt weitgehend den Inhalt. Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt ist diesem Thema nachgegangen und zeigt Schicksale auf, die verdeutlichen, auf was sich das Leben am Ende reduziert und konzentriert. Wir lesen von Frank Wenzlow, der seine große Liebe Lissy verloren hat. Lissy konnte ihren aggressiven Krebs nicht besiegen. Die Schilderungen, wie Frank und Lissy mit diesem Schicksal umgegangen sind, hat der Autor bewegend und unaufgeregt festgehalten.

Nach Lissys Tod bewältigte Frank seine Trauer damit, indem er für andere Todgeweihte etwas Sinnvolles tun wollte. So gründete er einen Verein, der es sterbenden Menschen ermöglicht, einen letzten Wunsch erfüllt zu bekommen. Frank arrangiert, dass die Menschen in einem ausrangierten Rettungswagen zu ihren letzten Sehnsuchtsorten zum Beispiel ans Meer (was Lissys großer Wunsch gewesen war) oder in ein Stadion transportiert werden können.

In weiteren Kapiteln begegnen wir anderen Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, lesen von ihrem jeweiligen Schicksal und davon, was sie sich noch wünschen. Weiterlesen

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