Tim Parks: In Extremis

Thomas steckt nicht nur in der Midlife-Crisis, auch die Welt um ihn herum scheint immer mehr aus dem Ruder zu laufen.  Die Mutter liegt in London im Sterben und dennoch will Thomas bei einer Konferenz für Physiotherapeuten in den Niederlanden einen Vortrag halten. Das schlechte Gewissen, nicht unverzüglich zur Mutter geeilt zu sein, wechselt sich ab mit seinen eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten und Beschwerden. Gedanklich spielt  Thomas die Situation um die sterbende Mutter durch, ist sich nicht sicher, ob er sie mit ihrem von offenen Tumoren gepeinigten Körper sehen will. Doch er fühlt sich verpflichtet, der Mutter etwas zu sagen, was er ihr schon längere Zeit verschwiegen hat. Dieses innerliche Dilemma quält ihn mindestens so sehr wie seine Beckenbodenbeschwerden und Blasenprobleme mit schmerzendem Harnverhalten, das auch die Analmassage, der er sich kurz vor seinem Vortrag noch unterzogen hat, nicht mildern kann.

Die Kindheit im sehr christlich geprägten Elternhaus, die Rolle, die seine Geschwister und er in der Familie eingenommen haben, verdeutlichen das eigene Selbstbild. Weiterlesen

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Rainer Moritz: Mein Vater, die Dinge und der Tod

Der Autor und Leiter des Literaturhaus in Hamburg, Rainer Moritz, macht in seinem neuen Buch die Erinnerungen an seinen verstorbenen Vater zum Thema: – Was bleibt, wenn der Vater tot ist? Wie hat er uns und unser Leben geprägt? Was haben wir bewusst oder unbewusst von ihm übernommen? Wie waren wir zu seinen Lebzeiten überhaupt miteinander verbunden, eher distanziert oder liebevoll? Wie gut kannten wir den Vater? Was wissen wir über sein Innerstes?…

Moritz verdeutlicht, was am Ende bleibt. Es sind noch die Erinnerungen. So lange man sie wachruft, leben die, die darin vorkommen, weiter.

Was noch bleibt, sind auch die Gegenstände, die uns durch unsere Kindheit und Jugend begleitet haben. Dinge, die einst eine gewisse Bedeutung hatten. Aber welche? Machen die übrig gebliebenen Objekte den Menschen aus? Was sagen sie denen, die zurück geblieben sind?

Unsere Wohnungen gehören zu uns, sind Teil unserer Biografie. Das  Mobiliar der alten Menschen von heute wurde einst mit Bedacht ausgewählt, man achtete auf Qualität und Langlebigkeit. Weiterlesen

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Karen Cleveland: Wahrheit gegen Wahrheit

Die Protagonistin Vivian arbeitet bei der CIA als Spionageabwehr-Analystin. Durch akribischen Fleiß hat sie einen Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe sie russische Spione enttarnen will. Doch als es ihr schließlich gelingt, sich in das Programm eines russischen Agentenbetreuers einzuloggen, macht sie eine schreckliche Entdeckung: Nachdem sie eine Datei mit fünf Schläfern geöffnet hat, erblickt sie auf einem der Fotos ihren Mann Matt und all ihr Enthusiasmus macht einer kalten Angst Platz. Alles, wofür sie sich eingesetzt und gearbeitet hat, scheint urplötzlich zunichte zu sein. Mehr noch, die Struktur ihrer Ehe und der gesamten Familie gerät ins Wanken. Basiert ihre Ehe, ihr Familienleben auf einer Lüge? – Matt gibt Vivians Verdacht unumwunden zu.

Das Dilemma für Vivian könnte nicht perfider sein. Soll sie ihren Mann enttarnen und damit gleichzeitig ihr eigenes und das Leben ihrer Familie, alles was sie hat und liebt zerstören? Was würde aus den vier Kindern werden, wenn sie ohne den liebevollen Vater aufwachsen müssten? Weiterlesen

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Jan Schomburg: Das Licht und die Geräusche

Johanna und Boris diskutieren über Gott und die Welt. Beide gehen zusammen in dieselbe Klasse, beide sind ähnlich wissensdurstig, erlebnishungrig und intelligent und in einem Lebensalter, in dem sie gern philosophieren und alles hinterfragen.

Was es mit Boris‘ portugiesischer Freundin Ana-Clara auf sich hat, wie die beiden wirklich zueinander stehen, begreift Johanna nicht so recht. Sie ist trotzdem in Boris verliebt, aber es ist einfach zu schwierig, ihm dies zu vermitteln obwohl es genügend Gelegenheiten gäbe.

Bei einer Klassenfahrt nach Barcelona regeln sie das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Marcel und dem Nerd Timo  untereinander ohne Lehrer. Johanna, die eigentlich ganz gut vermitteln kann, macht die Erfahrung, dass Machtausübung verschiedene Facetten hat. Als Boris in einem Club ausgelassen tanzt und dann von Unbekannten zusammengeschlagen wird, ist es für Johanna schlimmer als für Boris selbst, der darüber lacht. Immerhin fahren sie anschließend mit ihren Rädern noch in der Nacht an den See und am nächsten Morgen ist Boris verschwunden. Weiterlesen

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Thommie Bayer: Das innere Ausland

Hundertprozentig verlässlich scheint anfangs nur das Gebell des Nachbarhundes von Protagonist Andreas zu sein. Seit fünf Jahren lebt der Vierundsechzigjährige in einem Haus im Luberon, von dem er den vorderen Teil bewohnt. Im  hinteren Teil lebte seine Schwester Nina. Noch immer hat er ihren Tod nicht überwunden. Schon im Kindesalter hatte Andreas sich um die jüngere Schwester gekümmert, nachdem die Mutter der beiden von einem Auto überfahren wurde. Beide, Nina und Andreas fühlten sich schuldig am Tod der Mutter. Als der Vater auch noch stirbt, wachsen die Geschwister noch enger zusammen, obwohl sie in zwei unterschiedlichen Pflegefamilien untergebracht sind.

Erst als aus Nina nach dem Abitur eine rastlose Reisende wird, entstehen lange Lücken, in denen es nur wenig Kontakt gibt. Ninas Spuren führen nach Amerika, als die Verbindung zwischendurch ganz abbricht und  Andreas sogar befürchtet, seine Schwester könne nicht mehr leben.

Wie aus dem Nichts taucht Nina wieder auf, die Vertrautheit ist wieder da und die beiden bleiben wieder wie zu ihrer Kindheit miteinander verbunden. Weiterlesen

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James Comey: Größer als das Amt

In diesem Buch zeigt der ehemalige FBI-Direktor der Vereinigten Staaten seinen beruflichen Werdegang und Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend auf.

Letztlich ist es aber auch eine wohlüberlegt formulierte Abrechnung mit Präsident Donald Trump: Als Jugendlicher war Comey Opfer von Ausgrenzungen und Mobbingattacken seiner Mitschüler. Mit 16 Jahren wird er Opfer eines gefährlichen Einbrechers, der in sein Elternhaus eindringt und ihn und seinen Bruder bedroht. Dennoch war dies nicht der Ausschlag, dass er beruflich den Weg in die Justiz wählte.

Als Comey 1987 als Staatsanwalt in die Dienste des Gerichtsbezirks NY Süd in Manhattan eintritt, hat er seinen Traumjob unter dem damaligen Chef Rudy Giuliani gefunden. Der ranghöchste amerikanische Mafioso Gravano, der Zeuge der Anklage wird, bringt Comey die Regeln des Mafialebens nahe. Unter Comey und Dutzenden von weiteren Ermittlern und Strafverfolgern werden mächtige Mafiabosse hinter Gitter gebracht. 2003 übernimmt Comey das Amt des stellvertretenden Justizministers. Im Antiterrorkampf in der FBI-Zentrale arbeiten führende Köpfe des CIA und einflussreiche Regierungsmitglieder gegen Comey. Gängige Folterpraktiken des CIA (u. a. das simulierte Ertrinken) nach Nine-Eleven überschreiten rechtliche Zulassungsgrenzen, denen Comey sich erfolglos widersetzt. Weiterlesen

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Philip Teir: So also endet die Welt

Der Roman erzählt von einem Konflikt zwischen den Eheleuten Julia und Erik, der sich immer weiter verstärkt. Anstatt die Ferien in ihrem Sommerhaus, das nur wenige hundert Meter von der finnischen Küste entfernt ist genießen zu können, schaukelt sich ein Familiendrama auf. Julia ist Autorin und flüchtet sich ins Schreiben um der Einsamkeit zu entfliehen. Von ihrem Mann Erik fühlt sie sich schon längst nicht mehr verstanden. Erik seinerseits verheimlicht ihr, dass ihm sein Job als Informatiker gekündigt wurde. So ertränkt er seine Probleme immer wieder im Alkohol. Er hat keinen Plan, wie es mit seinem Leben weitergehen könnte.

Im Nachbarhaus, in dem Julias einstige Jugendfreundin Marika mit ihrem Partner und dem gemeinsamen Sohn Leo wohnt, ist das Zusammenleben ein ganz anderes. Unkonventionell und alternativ unterscheidet sich die Lebensform der Nachbarsfamilie, die sich dem Umweltaktivismus verschrieben hat und sich auf den Weltuntergang vorbereitet, bzw. zu einer Art vorindustrieller Welt zurückkehren will, gravierend von Julias Familienleben. Aber auch Marika hat ihre ureigenen Probleme mit ihrem Partner. Weiterlesen

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Claire-Louise Bennett: Teich

Ein kleines hundertjähriges Steinhaus an der irischen Atlantikküste wird zum neuen Lebensbereich einer Ich-Erzählerin.

Die damit einhergehende Rückbesinnung auf die Natur und das Alleinsein schärft den Blick der jungen Protagonistin auf das Elementare. So entsteht eine andere Wahrnehmung, das Leben wird neu fokussiert.  Wie sie damit umgeht, was sie bewegt, welchen Gedanken und welchem Tun sie nun nachgeht, schildert die Autorin in kurzen, ganz unterschiedlichen, nicht zusammenhängenden Kapiteln, die auch eigene Interpretationen zulassen.

Die dichte Sprache reflektiert das aufs Notwendigste reduzierte Leben der Protagonistin. In ihren nicht immer leicht zu durchdringenden Gedanken spielt sich eine Revolte ab. Hierbei rückt das ansonsten oft Unbeachtete, Selbstverständliche in den Mittelpunkt. So kann unter anderem das Klacken des Messers beim Zerkleinern von Nüssen zum verzaubernden schamanischen Singsang für sie werden. Weiterlesen

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Robert Seethaler: Das Feld

Alle sind sie miteinander verbunden, die Leben der Menschen aus dem fiktiven Ort Paulstadt. Aber: Es sind bereits gelebte Leben, denn die Personen um die es geht, sind allesamt tot.

Der Buchtitel „Das Feld entspringt dem Namen des Friedhofs von Paulstadt, dessen ältesten Teil die Einwohner so nennen, weil dort einst die Brache eines Viehbauern lag. – Ein Stück Land, das nicht gut genug für die Tiere war, für die Toten aber ausreichte.

Ein Mann fühlt sich den Verstorbenen nahe, wenn er den Friedhof besucht und sich dort auf die morsche Holzbank unter einer krummgewachsenen Birke setzt. Viele von den Verstorbenen hatte er gekannt. In seinen Erinnerungen lässt er Bilder der Toten aufleben, reimt sich in seiner Phantasie Geschichten über sie zusammen und glaubt, dadurch mit ihnen in Verbindung zu stehen. Ihre Stimmen (mit seiner eigenen 30 an der Zahl) geistern durch seine Gedanken und hauchen den Toten wieder Leben ein.

Es sind die unterschiedlichsten Menschen, um die es geht. Eine der Toten ist die Blumenhändlerin Gregorina, die zwei Wochen tot und unbemerkt in der Lagerkammer ihrer Blumenhandlung gelegen hatte. Weiterlesen

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Marissa Landrigan: Fleisch essen für Vegetarier

In diesem Buch beschreibt die junge US-Amerikanerin Marissa Landrigan ihren Werdegang zur Vegetarierin und wieder zurück zur bewusst essenden Fleischkonsumentin. Dies allerdings unter der Prämisse einer möglichst ethisch korrekten, nachhaltigen Ernährungsform.

Betrachtet man nur den sachlichen Inhalt, liest sich dieses Buch so widersprüchlich wie sein Titel. Deshalb gleich vorneweg: Dies ist nur bedingt eine Lektüre für überzeugte Vegetarier und Veganer. Aber die Wankelmütigen und die Flexitarier werden in diesem Buch vieles finden, was interessant und richtungsweisend sein kann. Dass sich Landrigans persönliche Erzählweise sehr unterhaltsam liest verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass sie an der Universität Pittsburgh Kreatives Schreiben unterrichtet und unter anderem für den „Atlantic“ schreibt.

Essen hatte einen traditionellen Stellenwert in Marissa Landrigans italienisch geprägtem Elternhaus. Bei der Nudelherstellung, die in eine regelrechte Zeremonie ausuferte, hatten alle Familienmitglieder, von den Großeltern bis zu den Kindern, ihre Aufgabe. Fleisch zu essen war eine Selbstverständlichkeit, die niemand hinterfragte. Weiterlesen

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