Sigurd Hartkorn Plaetner: Die allerbeste Zeit meines Lebens

Der Debütroman des 1989 geborenen dänischen Autors Sigurd Hartkorn Plaetner, „Die allerbeste Zeit meines Lebens“, beginnt vielversprechend: Der Text fängt glaubwürdig und authentisch die Lebenssituation eines jungen Mannes – Vitus heißt er – in Kopenhagen ein. Der hängt rum, betrinkt sich altersgerecht mit seinen Freunden und versteht sich derzeit nicht besonders gut mit Vater und Stiefmutter. Sein größtes Problem aber ist seine schwangere Exfreundin, von der er eine Abtreibung verlangt.

Doch dann lernt er die lebenslustige Emma kennen, und seine Situation ändert sich schlagartig. Vitus, der zuvor etwas übellaunig und unsympathisch rübergekommen war, verliebt sich Hals über Kopf in sie, und die Welt hängt für ihn sprichwörtlich voller Geigen. Die beiden verbringen eine wunderbare Zeit an der Amalfiküste. Doch Emma verbirgt ein Geheimnis … Weiterlesen

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Elizabeth Strout: Oh, William!

Die amerikanische Autorin Elizabeth Strout ist bekannt für ihre emotionalen Bücher, die tief in das Seelenleben ihrer Figuren eintauchen. Inhaltlich passieren keine Sensationen, dafür aber der ganz normale Alltag, der ja oft aufregend genug ist. Das ist auch in ihrem neuesten Werk „Oh William!“ nicht anders. Im Mittelpunkt steht einmal mehr die Autorin Lucy Barton, die eifrige Strout-Leser schon aus früheren Romanen kennen und aus deren Perspektive der Roman in Ich-Form geschrieben ist.

Lucy beschreibt die Beziehung zu ihrem Ex-Mann William, mit dem sie auch nach der Trennung noch freundschaftlich verbunden ist. Schließlich begleitet sie ihn sogar auf eine Tour nach Maine, wo William hofft, Aufklärung zu einem lange gehüteten Geheimnis seiner Mutter zu finden …

„Oh William“ ist nicht Elizabeth Strouts stärkster Roman. Gefühle werden zwar oft behauptet, sind für den Leser aber nicht immer nachvollziehbar. Weiterlesen

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C.K. McDonnell: The Stranger Times

Caimh McDonnell, der unter dem Pseudonym C.K. McDonnell schreibt, ist ein preisgekrönter irischer Standup-Comedian und Autor. Seine Bücher gelten im englischsprachigen Raum als lustigste Krimis, die jemals geschrieben wurden. Kaum zu glauben, dass erst jetzt eines seiner Bücher auf Deutsch erschienen ist: „The Stranger Times“.

Dabei handelt es sich um eine Zeitung, die über alles Abwegige schreibt: Ufo-Sichtungen, Nessie im Alkohol-Rausch oder auch eine Kneipen-Toilette, in der angeblich der Teufel haust. Die neue Mitarbeiterin Hannah hat in den ersten Tagen Schwierigkeiten, sich an ihre Aufgaben und ihre neuen Kollegen, vor allem an den cholerischen Chef Banecroft, zu gewöhnen. Doch dann wird das Zeitungs-Team in einen wirklich düsteren Fall hineingezogen, in dem es um schwarze Magie geht. Auch ein Monster kommt vor. Weiterlesen

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László Krasznahorkai: Herscht 07769

Um es gleich zu Beginn klar zu sagen: Es ist eine einzige Quälerei, dieses Buch zu lesen. László Krasznahorkais Roman „Herscht 07769“ besteht auf über 400 eng bedruckten Seiten aus einem einzigen Satz. Absätze oder gar Unterteilungen in Kapitel sucht man vergeblich.

Wer die Form derart überbetont, hat inhaltlich wenig zu sagen, möchte man meinen. Dem ist hier nicht so: Im Grunde ist „Herscht 07769“ ein Ausloten deutscher – vor allem ostdeutscher – Befindlichkeiten.

Titelheld Florian Herscht schreibt Briefe an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in denen er sie vor dem Weltuntergang aufgrund irgendwelcher physikalischer Prozesse warnt. Sein Leben zwischen Neonazis, seinem ganz speziellen Wahn, der Musik Bachs und anderen Absonderlichkeiten, die immer mehr ins Absurde gehen, könnte beispielhaft den Zustand eines Teils der Gesellschaft offenlegen – wäre da nicht die schier unerträgliche Form. Eine vertane Chance. Schade!

László Krasznahorkai: Herscht 07769.
Aus dem Ungarischen übersetzt von Heike Flemming.
S. Fischer, Oktober 2021.
416 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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Te-Ping Chen: Ist es nicht schön hier: Storys

Wer sich für modernes Leben in China interessiert, der sollte Te-Ping Chens Geschichten-Sammlung „Ist es nicht schön hier“ lesen. Der 1985 geborenen amerikanischen Journalistin mit chinesischen Wurzeln ist mit diesen zehn Storys ein abwechslungsreiches und vielseitiges Debüt gelungen.

Gleich in der ersten Geschichte geht es um etwas, an das man als Westeuropäer vielleicht zuerst denkt, wenn das Stichwort China fällt: die Verletzung der Menschenrechte. Lulu, eine strebsame und intelligente junge Frau gerät in die Fänge des Staates, weil sie ihn kritisiert.

Doch wer meint, es ginge im ganzen Buch nur um dieses Thema, der irrt. Wir treffen beispielsweise einen jungen Mann, der versucht, auf dem Aktienmarkt reich zu werden, eine Blumenhändlerin, die sich weigert, einem wohlhabenden Paar einen wertvollen Füller zurückzugeben, oder einen erfolglosen Erfinder. Weiterlesen

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Florian Gottschick: Henry

Florian Gottschicks Debütroman „Henry“ hat eine interessante Grundidee: Ein zwölfjähriges Mädchen wird versehentlich entführt, als es unbemerkt von einem Autodieb auf der Rückbank von Mutters Luxus-BMWs schläft. Doch statt in Panik zu geraten, als sie erwacht, freundet Henry – die eigentlich Henriette heißt – sich mit ihrem Entführer Sven an.

Svens Freundin Nadja machen die beiden weis, Henry sei Svens Cousine. Zu dritt verbringen sie ein paar coole Tage, die sich für Henry zum ersten Mal so anfühlen, als sei sie kein Kind mehr. Sie genießt die Auszeit vom Elternhaus.

Auch der witzige Sprachstil zu Beginn ist sehr gelungen.

​Leider jedoch verwässert der gute Eindruck vom Anfang mit wachsender Seitenzahl. Die Grundidee trägt nicht über 300 Seiten, und der weitere Verlauf, zum Beispiel wenn es langatmig um das Zubereiten irgendwelcher Mahlzeiten geht, hat längst nicht mehr den Witz vom Beginn. Das Ganze verliert sich etwas in Seichtigkeit. Weiterlesen

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Jonathan Franzen: Crossroads

Der US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen bildet unter den lebenden Autoren fast eine eigene Liga. Kaum einem anderen gelingt es, seinen Figuren derart viel Tiefe und psychologische Glaubwürdigkeit einzuhauchen wie dem heute 62-Jährigen, der vor 20 Jahren mit seinem Roman „Die Korrekturen“ – ausgezeichnet mit dem National Book Award – Weltruhm erlangte.

In seinem neuesten Wälzer „Crossroads“, dem Auftakt einer Trilogie, geht‘s um eine sechsköpfige Familie Anfang der 1970er Jahre, in der jedes einzelne Mitglied mit nicht eben geringen Problemen zu kämpfen hat. Bei keinem anderen Autor ist auch der Drama-Anteil so hoch wie bei Franzen. In seinen Romanen geht‘s immer um die ganz großen Themen des menschlichen Daseins: Liebe, Sex, schwerste Zerwürfnisse unter Partnern und familiärer Zusammenhalt.

In „Crossroads“ ist da zunächst Vater Russ Hildebrandt, ein evangelischer Pastor, der nur eines im Sinn hat: Er muss ein anderes Gemeindemitglied, Frances, für sich gewinnen – am besten, um gleich ein ganz neues Leben mit ihr zu beginnen. Weiterlesen

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Richard Powers: Erstaunen

In dem neuesten Werk des US-amerikanischen Autors Richard Powers, der mit seinem 2005 auf Deutsch erschienenen Roman „Der Klang der Zeit“ für Furore sorgte, geht es um eine Vater-Sohn-Beziehung. „Erstaunen“ heißt es.

Ein Astrobiologe, der nach Leben auf fremden Planeten forscht, versucht seinem am Asperger-Syndrom leidenden Sohn Robin ein möglichst angenehmes Dasein zu verschaffen. Robin jedoch trauert immer noch – genauso wie der Vater – um seine Mutter Aly, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Um den Jungen auf andere Gedanken zu bringen, verbringt der Vater mit ihm ein paar Tage in den Smokies, einem Gebirgszug in den Appalachen. Die beiden erfreuen sich an der Natur und erfinden Geschichten über mögliches Leben im All. Weiterlesen

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Mieko Kawakami: Heaven

Die japanische Sängerin und Schriftstellerin Mieko Kawakami, geboren 1976, ist einer breiteren deutschen Leserschaft durch ihren 2020 erschienenen Roman „Brüste und Eier“ bekannt geworden, in dem sie sich gegen die Diskriminierung von Frauen wendet.

Nun ist ein weiterer ihrer Romane – von Katja Busson – ins Deutsche übersetzt worden: „Heaven“, der im japanischen Original bereits 2009 erschienen war.

Die Autorin greift darin das Schicksal von zwei 14-Jährigen auf, die in ihrer Klasse schwer gemobbt werden. Das geht bis hin zu Körperverletzung. Anlass für die Angriffe: Der namenlose Ich-Erzähler schielt, das Mädchen Kojima trägt schmutzige Kleidung und wäscht sich nicht. Schließlich kommt es zu einem Briefwechsel zwischen den beiden, und eine zarte Freundschaft bahnt sich an.

Der Autorin gelingt es überzeugend, in den Dialogen, die die beiden Jugendlichen führen, die Befindlichkeiten von Teenagern einzufangen:  Weiterlesen

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Peter Stamm: Das Archiv der Gefühle

Peter Stamms neuer Roman „Das Archiv der Gefühle“ ist eine zarte Liebesgeschichte. Sie handelt von zwei Menschen, die von ihrer Jugend an einander zugetan sind, zwischen denen sich aber nie eine Beziehung ergibt. Der Ich-Erzähler hat Franziska, so heißt die Herzensdame, vor 40 Jahren seine Liebe gestanden, die sie damals jedoch zurückgewiesen hat.

Seither denkt er jeden Tag an sie, auch wenn die beiden über viele Jahre hinweg keinen Kontakt zueinander haben. Kann es sein, dass sie später ihre Meinung geändert hat? Hinweise darauf gab es durchaus. Hätte er diese Gelegenheiten nur beim Schopf packen müssen?

Er wird zum Einsiedler mit autistischen Zügen, der ein von einer Zeitung aufgegebenes Archiv privat im Keller weiterführt und den Kontakt zu anderen Menschen meidet, sie zu einer gefeierten Chanson-Sängerin. Dann treffen sich die beiden doch noch wieder. Haben sie eine Chance auf einen Neubeginn? Weiterlesen

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