Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Der 15-jährige Teenager Benedikt Jäger ist Hauptfigur und Ich-Erzähler in Thomas Klupps Roman „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“. Benedikt ist in seiner Heimatstadt Weiden auf riesigen Plakatwänden zu sehen, auf denen er mit zwei Freunden für eine Anti-Drogen-Kampagne seiner Schule wirbt. Außerdem ist er ein begnadet guter Tennisspieler.

Aber: Er konsumiert selbst Drogen – hauptsächlich jedoch fälscht er seine Klassenarbeiten, die er dann seiner überkandidelten Mutter, die nur Einser akzeptiert, zum Unterschreiben vorlegt. Irgendwann eskaliert die Fälschung einer Physikklausur, und die Ereignisse spitzen sich zu …

Das Buch des 1977 geborenen deutschen Autors Thomas Klupp ist ein typischer Jugendroman. Es geht um erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, um Treffen mit Freunden, um Geldnöte und um die Probleme in Schule und Elternhaus. Großen Spaß macht die schnodderige Jugendsprache, die sich durch das gesamte Buch zieht, authentisch wirkt und dem Buch einen hohen Unterhaltungswert mit garantiertem Spaßfaktor verleiht. Weiterlesen

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Zaza Burchuladze: Der aufblasbare Engel

Was für ein origineller Roman: Nino und Niko sitzen in ihrer Wohnung im georgischen Tiflis und beschwören aus Langeweile den Geist des griechisch-armenischer Esoteriker und Schriftstellers Georges Gurdjieff, der 1949 gestorben ist. Der Geist erscheint – und will partout nicht wieder gehen.

Irgendwann verfallen die drei auf die Idee, einen Millionär in die Wohnung zu locken und ihm hypnotisch aufzutragen, bis zum Abend jede Menge Geld zu bringen …

Der nur knapp 200 Seiten lange Text des 1973 geborenen georgischen Autors Zaza Burchuladze (Übersetzung: Maia Tabukashvili) ist skurril und aberwitzig. Er beinhaltet sicherlich eine auf die Heimat des Autors bezogene Gesellschaftskritik. Weiterlesen

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Elizabeth McKenzie: Im Kern eine Liebesgeschichte

Veblen ist verträumt, legt keinen Wert auf teure Kleidung und lebt in einer bescheidenen Hütte. Außerdem ist sie leicht versponnen, glaubt zum Beispiel, mit Eichhörnchen kommunizieren zu können. Ihr Freund Paul dagegen träumt von einem tollen Haus und lässt sich für seine berufliche Karriere als Arzt auf eine zwielichtige Firma ein, die auch vor Menschenversuchen nicht zurückschreckt.

​Man fragt sich bei Elizabeth McKenzies Roman „Im Kern eine Liebesgeschichte“ unweigerlich, was um Himmels Willen zwei so ungleiche Menschen voneinander wollen und wie sie bloß zusammengekommen sind.

Veblen und Paul planen ihre Hochzeit, doch als schwere Prüfung auf ihrem Weg zum Happy End erweist sich der Kontakt zu den Eltern beziehungsweise Schwiegereltern. Veblens egozentrische Mutter ist extrem schnell beleidigt und steigert sich in ihre eingebildeten Krankheiten hinein: eine Hypochonderin. Und Pauls Bruder Justin hat unter der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen, weswegen er leicht behindert ist, sich permanent danebenbenimmt und ganz schön nervig werden kann. Weiterlesen

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Tom Rachman: Die Gesichter

Einen spannenden und höchst empfehlenswerten Vater-Sohn-Roman hat der britisch-kanadische Autor Tom Rachman geschrieben. Hauptthema: Wie gelingt es Pinch, sich von seinem Über-Vater Bear Bavinsky zu lösen? Gelingt es ihm überhaupt?

Bear Bavinsky gehört zu den erfolgreichsten Malern seiner Generation, und sein Sohn himmelt ihn über alle Maßen an. Doch der große Künstler hat charakterliche Defizite. Er interessiert sich ausschließlich für sich selbst und verschleißt eine Frau nach der anderen. Am Ende kommt er auf 17 leibliche Kinder.

Tom Rachman erzählt diese Geschichte, die sich über viele Jahrzehnte erstreckt, aus der Sicht des Sohnes, der außer dem Talent fürs Malen keine Eigenschaft seines großen Vaters geerbt zu haben scheint. Er ist schüchtern und tut sich schwer im Umgang mit Frauen. Er findet schließlich eine Stellung als Italienisch-Lehrer, die ganz offenbar weit unter seinen intellektuellen Möglichkeiten liegt. Weiterlesen

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Jennifer Eagan: Manhattan Beach

Jennifer Egan, eine 1962 geborene amerikanische Schriftstellerin, entführt uns mit ihrem fulminanten Roman „Manhattan Beach“ in das New York des Zweiten Weltkriegs. Ihre Hauptfigur Anna, eine selbstbewusste junge Frau, möchte unbedingt in den Marinewerften, wo die imposanten Kriegsschiffe gebaut werden, als Taucherin arbeiten.

Das erscheint zunächst unmöglich, hat es doch noch nie zuvor eine Frau gegeben, die den 100 Kilogramm schweren Tauchanzug angezogen hat. Und so treten ihr die größten Vorbehalte und Widerstände entgegen.

Die Autorin verquickt diese Emanzipations-Geschichte um Anna, die mit Mutter und schwerbehinderter Schwester zusammenlebt, mit zwei weiteren Handlungssträngen: Da ist zunächst der zwielichtige, aber gut aussehende Dexter Styles. Er verdient sein Geld zumindest teilweise mit illegalen Geschäften, in denen Nachtclubs, greise, aber mächtige Gangsterbosse in mafiaähnlichen Strukturen eine Rolle spielen. Dexter und Anna lernen sich kennen, und eine gegenseitige Anziehungskraft verbindet sie zumindest kurz. Weiterlesen

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Eberhard Rathgeb: Karl oder Der letzte Kommunist

In seinem Roman „Karl oder Der letzte Kommunist“ beschreibt Autor Eberhard Rathgeb einen Mann, der jahrzehntelang treu hinter seinen politischen Ansichten steht. Er lässt sich weder durch gesellschaftliche Umbrüche von seiner Meinung abbringen, noch interessiert ihn irgendetwas, das nichts mit seinem Thema zu tun hat. Seine Umwelt reagiert zunehmend genervt oder gelangweilt auf Karls Tiraden.

Problem: Auch für den Leser wird dieses Buch schnell langweilig, denn das oben Beschriebene ist im Grunde nach wenigen Seiten abgehandelt. Danach dreht sich der Text im Kreis. Humor oder eine Art Handlung fehlen gänzlich. Nicht zu empfehlen.

Eberhard Rathgeb: Karl oder Der letzte Kommunist.
Hanser, Juli 2018.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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Dirk von Petersdorff: Wie bin ich denn hierhergekommen

Eine klassische Dreiecksgeschichte unter End-Dreißigern breitet der 1966 geborene deutsche Autor Dirk von Petersdorff in seinem Roman „Wie bin ich denn hierhergekommen“ aus. Tim und Anna leben ein klassisches Leben mit Beruf, Ehe und Kind. Johannes dagegen hat keinen festen Job und führt immer noch das Dasein eines Studenten. Die Drei kennen sich aus alten Zeiten, und auch Johannes und Anna haben ein Faible füreinander.

Hauptproblem dieses Romans ist seine Sprunghaftigkeit und sein Reichtum an überflüssigen Details. Dirk von Petersdorff, der an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena unterrichtet, kommt von einem Thema aufs Nächste, ohne dass das etwas mit den drei Hauptfiguren zu tun haben muss. Weiterlesen

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Jeroen Olyslaegers: Weil der Mensch erbärmlich ist

Einen Brief an seinen fiktiven Urenkel lässt der belgische Autor Jeroen Olyslaegers  den über 90 Jahre alten Wilfried Wils schreiben. Darin geht es vor allem um Wils‘ Erlebnisse in der Zeit, als Belgien von den Nazis besetzt war. In einer Stadt, die zwar nie benannt, aber mit der wohl Antwerpen gemeint ist, dient Wils Anfang der 1940er-Jahre als Hilfspolizist und findet sich zwischen allen Stühlen wieder: Auf der einen Seite muss er den neuen Machthabern dabei helfen, Juden zu verhaften und abzuführen, andererseits unterstützt er seinen Freund Lode, der im Keller einen der Verfolgten versteckt.

​Der Roman stellt die Frage nach Schuld und Mitverantwortung für die Nazi-Gräuel durch Mitläufer wie unseren Helden. Hätte der damals 20-Jährige sich widersetzen können und sollen? Hätte er seinen Job kündigen müssen, in dem er den Nazis sehr nahe kam, obwohl er der einzige Ernährer der Familie war? Ist man feige, wenn man nicht den Helden markiert? Weiterlesen

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Natalie Buchholz: Der rote Swimmingpool

Adam, ein Junge an der Grenze zur Volljährigkeit, ist Hauptfigur und Ich-Erzähler in Natalie Buchholz‘ Debütroman „Der rote Swimmingpool“. Er kommt nicht darüber hinweg, dass sein Vater die Familie zugunsten einer neuen Freundin und deren Kinder verlassen hat.

Sehr früh – andeutungsweise sogar schon in einem kleinen Vorspann vor dem ersten Kapitel – erfährt der Leser, dass die Situation zwischenzeitlich eskaliert: Adam steckt das Haus in Brand, in dem die Familie früher gewohnt hat und in dem sein Vater nun mit der neuen Familie lebt. Dabei sterben zwei Hundewelpen.

Die 1977 geborene Münchener Autorin verschränkt geschickt zwei Handlungs- und Zeitebenen miteinander. Da ist einerseits die Gegenwart, in der Adam zur Strafe Sozialstunden in der Altenpflege ableisten muss und sich dabei in die Urenkelin einer der Seniorinnen verliebt Weiterlesen

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Denis Johnson: Die Großzügigkeit der Meerjungfrau

Der 2017 gestorbene hochdekorierte amerikanische Schriftsteller Denis Johnson hat der literarischen Welt einen Band mit fünf Erzählungen hinterlassen: „Die Großzügigkeit der Meerjungfrau“. In allen Geschichten stehen Menschen im Vordergrund, die gerade eine Krise zu bewältigen haben oder am Ende ihres Lebens stehen – so wie Darcy, ein Schriftsteller, der als alter Mann allein in seinem Elend lebt und die Geister längst verstorbener Familienangehöriger sieht. Oder wie Mark, ein hochangesehener Dichter, der literarische Preise absahnt, aber gleichzeitig von dem Wahn besessen ist, Elvis Presley sei ab dem Jahr 1958 durch seinen tot geglaubten Zwillingsbruder ersetzt worden. Er gibt tausende von Dollar für angebliche Dokumente aus, die diese Verschwörungstheorie stützen.

Denis Johnson war sicherlich ein brillanter Schreiber, der tief in die Seelen seiner Figuren blicken konnte und seinen Büchern auf diese Weise einen enormen Tiefgang verlieh. Und doch wird „Die Großzügigkeit der Meerjungfrau“ nicht jedem Leser gefallen. Weiterlesen

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