Hanjo Kesting: Thomas Mann: Glanz und Qual

Hanjo Kesting: Thomas MannWer etwas mehr über den womöglich berühmtesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erfahren möchte, dem sei ein neues Sachbuch von Hanjo Kesting empfohlen: „Thomas Mann – Glanz und Qual“.

Kesting nähert sich dem „Zauberer“, wie Mann vielfach genannt wurde, über sein literarisches Werk und über seine Tagebücher. Er beleuchtet das schwierige Verhältnis Manns zu seinem Bruder Heinrich oder seinem Sohn Klaus. Er zeigt auf, wie sehr sich der Groß-Schriftsteller nach Ende des Ersten Weltkriegs gegen die aufkommende Demokratie stemmt und wie entschieden er sich andererseits später gegen Hitler positioniert.

​Zeitlebens litt er unter seiner Homosexualität: „Die Hunde im Souterrain gehören angeleint.“ Auch war er von ständigen Zweifeln hinsichtlich seines Werkes geplagt, war geradezu süchtig nach wohlwollenden Kritiken. Manns durchaus unsympathische Ich-Bezogenheit ist ebenfalls Thema. Weiterlesen

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Juno Dawson: Das begabte Kind: Der Hexenzirkel Ihrer Majestät 01

Mit dem Band „Das begabte Kind“ startet die britische Autorin Juno Dawson eine neue Urban-Fantasy-Trilogie: „Der Hexenzirkel ihrer Majestät“. Vier Hexen, die sich schon aus Kindertagen kennen, rücken wieder enger zusammen, weil eine dunkle Bedrohung prophezeit wird, die alle Hexen auslöschen könnte. Ein Jugendlicher mit außergewöhnlichen magischen Fähigkeiten spielt dabei eine Rolle.

Das Reizvolle am Genre „Urban Fantasy“ ist, dass hier das Element des Übersinnlichen in den ganz normalen Alltag der Figuren kracht. Die haben mit untreuen Ehemännern und Katern nach Besäufnissen genauso zu tun wie mit widersprüchlichen Gefühlen für den Gemüselieferanten oder pubertierenden Töchtern.

Außerdem können sie natürlich Gedanken lesen sowie das Wetter beeinflussen und beherrschen auch sonst allerlei magische Tricks. Viel zu tun haben sie damit, dass die Menschen um sie herum („die Profanen“) keinen Wind davon bekommen. Weiterlesen

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Trent Dalton: Der ganze Himmel

Der 1979 geborene australische Autor Trent Dalton hat einen zauberhaften, originellen, spannenden und schlicht großartigen Roman geschrieben: „Der ganze Himmel“.

Er handelt von dem Totengräbermädchen Molly, das während des Zweiten Weltkriegs in Australien versucht, einen Buschmann zu finden, der angeblich einst ihre Familie mit einem Fluch belegt hat. Auf ihrer Reise begleiten sie die verhinderte Schauspielerin Greta und Yukio, ein japanischer Kampfflieger, der keine Lust mehr hat, Bomben zu werfen. Bösewicht ist Mollys Onkel Aubrey, der ihr dicht auf den Fersen ist.

Es ist der Einfallsreichtum des Autors, der diesen Roman so lebhaft, plastisch und abwechslungsreich macht: ein echter Pageturner, bei dem man unbedingt permanent wissen will, wie‘s weitergeht.

Alles wirkt lebensecht, glaubhaft und nah dran. Und natürlich wächst einem die zwölfjährige Molly, die so unerschrocken ihren Weg durch allerlei Abenteuer geht, direkt ans Herz. Weiterlesen

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Malin Stehn: Happy New Year

Im Thriller der schwedischen Autorin Malin Stehn feiern die Mitglieder zweier Familien auf zwei unterschiedlichen Partys Silvester: die Teenie-Töchter in einem der beiden Häuser, die Erwachsenen im anderen. Dann ereignet sich die Katastrophe: Eine der beiden Töchter, Jennifer, verschwindet und taucht auch in den folgenden Tagen nicht wieder auf.

Schnell wird klar, dass Fredrik, Vater in der anderen Familie, mehr über Jennifers Verschwinden weiß. Weiterlesen

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Julian Barnes: Elizabeth Finch

Neil, ein Student, der sich bereits in seinen 30ern befindet, ist völlig fasziniert von seiner Professorin Elizabeth Finch. Sie ist nicht nur eine Dozentin alter Schule, sondern „antiquierter Schule“, wie es einmal im Buch heißt. Sie trägt festes Schuhwerk und redet druckreif und ausgesprochen geist- und kenntnisreich über das Altertum.

Ihre Studenten sind ihr entweder vollkommen hörig, wie Neil, oder lehnen sie rundheraus ab.

Elizabeth Finchs besonderes Interesse gilt der Heiligen Ursula, die angeblich im 4. Jahrhundert gemeinsam mit 11.000 Jungfrauen bei Köln hingerichtet worden ist, und dem letzten heidnischen Kaiser Roms, Julian Apostata. Der hat ebenfalls im 4. Jahrhundert versucht, das Christentum zurückzudrängen. Sie stellt Fragen wie: Wie hätte sich die Welt entwickelt, wenn ihm das gelungen wäre?

Wer sich auf dieses Buch einlässt, sollte ein gewisses Grundinteresse an solchen Themen, aber auch an philosophischen und religiösen Fragestellungen allgemein haben. Weiterlesen

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John Burnside: So etwas wie Glück

John Burnside, geboren 1955, gehört zu den profiliertesten schottischen Autoren. In seiner Storysammlung „So etwas wie Glück“ hat er zwölf Geschichten zusammengestellt, die allesamt vom Gegenteil dessen handeln, was der Titel besagt: In ihnen geht es ausgesprochen unglücklich zu und sie haben allesamt eine melancholisch-traurige Grundstimmung.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Kälte draußen“, geht es um einen todkranken Mann, der so gerne noch einmal seine Tochter sehen möchte, die in Übersee wohnt. Doch seine gefühlskalte Frau weiß das zu verhindern. Auch hier ist der Titel ironisch gemeint. Es müsste „Die Kälte drinnen“ heißen. Weiterlesen

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Cormac McCarthy: Der Passagier

Der 1933 geborene US-amerikanische Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy ist in Deutschland besonders durch seinen Bestseller „Die Straße“ (2006) bekannt. Auch die Romanvorlage zum Kinofilm „No Country for Old Men“ stammt von ihm.

Sein neuestes Werk ist ein inhaltlich zusammenhängender Doppelroman. Teil eins, „Der Passagier“, beginnt mit einem Bergungstaucher namens Western, der in einem Flugzeug auf dem Meeresgrund neun Leichen entdeckt. Es fehlen der zehnte Passagier sowie der Flugschreiber. Bald darauf wird Western von geheimnisvollen Männern verfolgt und muss fliehen.

„Der Passagier“ ist alles andere als leichte Kost. Der Roman wirkt wie Stückwerk, in dem sich eine Szene an die andere reiht, ohne dass sich ein Gesamtzusammenhang erkennen ließe. Weiterlesen

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C. K. McDonnell: This Charming Man

„This Charming Man“ ist der zweite Band der Stranger-Times-Romane des Iren Caimh McDonnell, eines preisgekrönten Stand-up-Comedians und Autors.

Die Stranger Times, eine fiktive wöchentlich erscheinende Zeitung, befasst sich mit allem Unerklärlichen: Geister-Erscheinungen, Ufo-Sichtungen und etwas Derartigem. Regelmäßig wird das skurrile Redaktions-Team dabei selbst in dämonische Machenschaften hineingezogen.

Wer sich diesem zweiten Band zuwendet, sollte unbedingt zuerst Band 1 gelesen haben – andernfalls könnte die Lektüre zu Verständnisproblemen führen, da sich vieles auf den Inhalt des ersten Bandes bezieht.

Und wie in Band 1 ist es vor allem Redaktionsleiter Banecroft, der mit seiner völlig hemmungslosen und ungehobelten Art wieder für eine ganze Reihe von Lachern sorgt. Weiterlesen

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Harald Jähner: Höhenrausch: Das kurze Leben zwischen den Kriegen

Wer schon immer mal wissen wollte, wie es eigentlich genau beim Kapp-Putsch, dem Spartakus-Aufstand oder Hitlers Weg zur Macht zuging, dem sei hiermit ein hochinteressantes Sachbuch empfohlen: „Höhenrausch – das kurze Leben zwischen den Kriegen“ des ehemaligen Feuilletonchefs der Berliner Zeitung, Harald Jähner.

Doch es geht in diesem Buch über die Weimarer Republik keinesfalls nur um Politik. Wir erfahren, wie der „Shimmy“ die Tanzwelt revolutionierte oder wie es im berühmten Berliner Vergnügungstempel „Moka Efti“ zuging, den Fernsehzuschauer schon aus der Serie „Babylon Berlin“ kennen könnten – oder wie der Tonfilm nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch das Kino eroberte.

Auch der Rolle der Frau, dem Arbeitsleben in den Großraumbüros, der Hyperinflation und der Weltwirtschaftskrise sind einige Kapitel gewidmet. Weiterlesen

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Miqui Otero: Simón

Aus Spanien kommt ein Roman, der von einem Jungen handelt, der in Barcelona aufwächst. Seine Familie inklusive Onkel und Tante betreiben eine Kneipe, die so etwas wie das Zuhause für den Titelhelden Simón ist. Es ist herrlich, wie Autor Miqui Otero das sinnbefreite Gerede der Stammgäste beschreibt.

Simón, der unter dem plötzlichen Weggang seines Cousins leidet, wird zum jungen Mann, lässt sich zum Koch ausbilden und lernt ganz unterschiedliche Frauen kennen. Die Beschreibungen dieser manchmal turbulent verlaufenden Liebschaften nehmen einen breiten Raum ein.

Er geht auf Reisen, probiert Drogen und erlebt unterhaltsame Abenteuer. Weiterlesen

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