T. C. Boyle: Good Home

Ein Mann muss eine Leber zu einer Patientin transportieren. Doch dann gerät er wegen eines Erdrutsches in einen Megastau, und das Organ wird von Minute zu Minute unbrauchbarer. Eine liebesbedürftige Frau gerät an einen Fanatiker, der alle wild lebenden Katzen töten möchte. Ein einsamer Mann kauft sich eine Schlange, kommt aber nicht damit zurecht, dass er ihr Ratten zum Fraß vorwerfen muss, die ihm so sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Geschichten in T.C. Boyles Story-Sammlung „Good Home“ haben es allesamt in sich und sind deshalb so atemberaubend spannend und lesenswert, dass man sich zuweilen fast nicht traut, auf die nächste Seite zu blättern, es dann aber natürlich doch tut, weil man wissen muss, wie es weitergeht.

Dass man sich alle 30 bis 40 Seiten an neues Personal und ganz neue Situationen gewöhnen muss, ist gar nicht schlimm – im Gegenteil: Es macht den Reiz dieses Buches aus. Und jede Geschichte strahlt das immense Können des 1948 geborenen amerikanischen Autors aus. Immer ist der Leser hautnah dran an den Hauptfiguren, fühlt, leidet und freut sich mit ihnen.

Seine Abwechslung ist wohl das größte Plus dieses Buches. Es ist erstaunlich, wie intensiv und glaubhaft sich Boyle in so unterschiedliche Figuren hineindenken kann wie ein Mädchen, das zu einer Falschaussage vor Gericht zugunsten des Vaters gedrängt wird, eines Jungen, der keinen Schmerz empfindet, oder eines Mannes, der sich plötzlich in einer skurrilen Elternversammlung von religiösen Fanatikern wiederfindet, die auf dem Biologiebuch für die Klasse ihrer Kinder den Aufkleber „Die in diesem Buch vorgestellte Evolutionstheorie ist lediglich eine Theorie und sollte nicht als Tatsache aufgefasst werden“ anbringen will.

Weniger geeignet ist dieses Buch für Leser, die bei solchen Geschichten ein Happy End erwarten. T.C. Boyles Stories gehen so aus wie es auch im richtigen Leben üblich ist: unterschiedlich.

T. C. Boyle: Good Home.
Hanser, Januar 2018.
432 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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