Stig Sæterbakken: Durch die Nacht

Puh, das ist ein hartes Stück Brot. Kaum zu kauen und noch schwerer zu schlucken. Ausgangspunkt ist eigentlich ein heute nicht seltenes (Beziehungs-) Drama: ein Mann im gestandenen Alter, erfolgreicher Zahnarzt mit einer Vorzeigefamilie die aus seiner Frau Eva und den beiden Kindern Stine und Ole-Jakob besteht, verlässt dieses Idyll unerklärlicherweise für eine zwanzig Jahre jüngere Geliebte, namens Mona. Dieses kurze Aufflammen endet allerdings in einer Katastrophe. Was dann kommt, ist ein Selbstzerstörungsroman, kafkaesk oder an Altmeister Edgar Allen Poe gelehnt, verrückterweise im Stil auch erinnernd an Literaturerlebnisse des letzten Jahres, verfasst von Haruki Marukami „Die Ermordung des Commendatore“ (1+2). Es gibt nicht nur die eine Seite, das nachvollziehbare, gleichwohl Unfassbare, welches ein traumatisches Ereignis auslöst: nämlich der Selbstmord des Sohnes des Ich – Erzählers.

Doch andrerseits gibt es grenzenlose Abgründe, die anfangs  als Rückblenden noch zu verstehen sind! Doch mit zunehmender Seitenzahl stellt man sich mit Grausen seine eigenen dunklen Räume und Schatten vor, die man wahrscheinlich durch- und überleben würde. (Oder eben auch nicht) Stig Sæterbakken geht weiter mit sich ins Gericht; Schuld und Sühne sind hier nicht gefragt, eher ein Art von unvorstellbarer Trauer, die normalen Menschen fremd ist (-oder sein sollte). Es sind Albträume und Phantasmen die subtilen Horror vermitteln. Intensiv und erschütternd (steht auf dem Cover) ja! – und zutiefst verstörend. Nichts für die, die schon Depressionen oder seelische Schnupfen durchgemacht haben. Interessant ist dennoch, sich auf die Spur von Stig Sæterbakken zu begeben. Aber erst nach der Lektüre.

Stig Sæterbakken: Durch die Nacht.
DuMont Buchverlag, Juli 2019.
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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