Stephen King & Owen King: Sleeping Beauties

So ganz neu ist das Thema ja nicht. Bereits in „Yin“ entwarf Akif Pirincci eine von Männern entvölkerte Welt, alles Maskuline dahingerafft von einer Grippe und nur eine Gesellschaft von Frauen blieb übrig. Wenig verwunderlich allerdings, dass die Kings einen völlig anderen Ansatz wählt. Sobald eine Frau in einen natürlichen Schlaf fällt, fängt ein Kokon an zu wachsen bis er sie völlig einspinnt. Theoretisch kann man die Frau dann zwar noch wecken, es ist aber wenig ratsam. Durchbissene Kehlen, erschlagene Wecker, der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Ist es eine Krankheit, werden die Frauen irgendwann einfach wieder aufwachen?

„Sleeping Beauy“ macht die amerikanische Kleinstadt Dooling zum Stellvertreter für die ganze Welt. Es gibt eine Polizeichefin mit Eheproblemen, aber vor allem gibt es ein Frauengefängnis. Die Frauen versuchen sich gegenseitig vom Einschlafen abzuhalten, aber das gelingt nur sehr bedingt. Sehr spannend zu lesen, was ihnen alles einfällt, um wach zu bleiben. Männer versuchen, ihre Frauen und Kinder zu beschützen, aber wie soll man vor dem Einschlafen beschützen?

Zu der Zeit, als die Katastrophe beginnt, taucht die geheimnisvolle Evie auf. Sie scheint alles über die Bewohner der Stadt zu wissen und sie ist die Einzige, die nicht eingewoben wird, sobald sie einschläft. Aber ist sie Freund oder Feind?

Ich fand, „Sleeping Beauties“ war ein gutes Buch, aber bei weitem nicht so gut wie andere King Bücher (und ich bin überhaupt kein Freund von den „Turm“-Büchern, wem die also gefallen, der könnte hier anderer Meinung sein. Zum einen ist die Übersetzung mehr so naja, man kann denke ich schöner mit der deutschen Grammatik umgehen. Zum anderen. Zum anderen fand ich aber auch die These, dass Frauen die friedlicheren Menschen sind, ziemlich kühn. Und dass alle Frauen sich gemeinsam für eine Richtung  entscheiden, fand ich unglaubwürdiger als den Plot mit dem Einschlafen, da hat King sich wirklich schon Besseres ausgedacht. Auch Evies Herkunft und Motive bleiben undurchsichtig, bei über 1000 Seiten wäre da schon noch Platz für die Aufklärung gewesen, vielleicht hätte man dafür das seltsame Eheproblem der Polizeichefin rauskürzen können oder die Vergangenheit des Psychologen, die für die Geschichte auch keinen Mehrwert hatte.

Außerdem ist der Anfang sehr träge, so ab Seite 300 hatte das Buch mich, aber vorher konnte ich es immer wieder problemlos weglegen.

Insgesamt ein King, kein schlechter, aber bei weitem nicht sein bester.

Stephen King & Owen King: Sleeping Beauties.
Heyne, November 2017.
960 Seiten, Gebundene Ausgabe, 28,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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